Eil Mel Dung

Im Gegensatz zu den Bayern haben wir unser Pokalspiel heute gewonnen. 8:7 nach Elfmeterschießen. Zweimal kurz vor Schluss den Ausgleich kassiert. Wahnsinn. Dabei waren die anderen eigentlich besser. Nach dem Spiel haben sie uns als Zeichen der Anerkennung eine Kiste Bier in die Kabine gestellt.

Mein Sohn war auch ganz gepackt. Auf dem Rückweg hat er sich in so eine Fantasie-Geschichte reingesteigert; dass er in der Verlängerung eingewechselt worden wäre, weil wir alle nicht mehr können, und auch einen Elfmeter geschossen hätte …

Aber es gibt Wichtigeres: Türkei greift Ziele in Syrien an! Schade, dass solche Konflikte nicht immer sportlich ausgetragen werden können.

Champignons-League

Nikolaus im Fußball-Internat? Nee, Herbstferien – und alle Kinder hier. Da hat man schnell `ne halbe Mannschaft zusammen. Hab in den letzten 4 Tagen vier Mal Fußball gespielt. Frische Luft, Schweiß und gute Laune, mein Immunsystem freut sich wie Bolle (Ihr wisst schon, das ist der, der sich bei seinem Herrenabend janz köstlich amüsiert hat, obwohl ihn zuhause die Olle verhaut).

Heute spielen die Bayern in der Champions-League. Ich bin ja – das darf man hier im Norden natürlich nicht laut sagen – seit ich laufen kann, ein Bayern-Fan. Ich hab´s meiner Freundin anfangs auch verschwiegen, weil sie die Raute im Herzen trägt, da ist dann für einen wie mich nicht mehr viel Platz. Fairerweise muss man dazu sagen, habe ich zuerst zwei Spieler verehrt, bevor ich geschnallt habe, wie der dazugehörige Verein heißt: Kalle Rummenigge und Paul Breitner. Ich weiß die BAMS titelte damals Breitnigge. Uli Hoeneß war gerade Manager geworden, Breitner von Braunschweig zurückgeholt (Magirus Deutz kam, glaube ich, mit dem extra Geldkoffer um die Ecke – wie Kühne bei van der Vaart heute) und mit einem Mal ging es wieder aufwärts.

Heute spielen die Bayern in der Champions-Leauge. Und mein kleiner Sohn schneidet Artikel von Schweinsteiger und (neuerdings) Shaqiri aus. Erwachsen sein ist nicht immer leicht. Man muss Steuererklärungen ausfüllen und Scheidungsanträge. Aber zu sehen, wie der Nachwuchs demselben Verein die Daumen drückt, gibt einem ein Gefühl von Unsterblichkeit, so pathetisch das klingt. Niederlagen tun allerdings auch doppelt so weh …

Also, Ihr müsst den Bayern nicht die Daumen drücken, aber spart Euch doch bitte die Schadenfreude im Falle eines Gegentreffers.

Bis morgen,
Gerrit

Bach

Dirk Bach ist tot. Man weiß noch nicht genau, warum, aber RTL hat jetzt schon eine MAZ zusammengebaut und online gestellt …

Ich möchte mich der twitternden Trauergemeinde anschließen – weil ich Dirk Bach in guter Erinnerung habe. Nicht nur, weil er das Dschungelcamp salonfähig gemacht hat, sondern weil er damals, als ich noch bei der Wa(h)ren Liebe Redakteur war, einer der wenigen prominenten Freunde von Lilo war, die sich für die letzten Folgen bereit erklärten, als Gast ins Studio zu kommen.

Die Wa(h)re Liebe war damals trotz okayer Quoten wegen ihres Schmuddel-Images (na ja, ein paar Beiträge waren auch echt hardcore bzw. auch eben wieder nicht, weil wir ja immer versuchen mussten, keine erigierten Penisse zu zeigen) abgesetzt worden, und Lilo ohnehin ziemlich geschockt. Na ja, wir alle waren geschockt. Die letzten Sendungen wollten wir dann ganz bunt machen, mit Publikum und Studiogästen – und das war echt schwer, weil alle absagten. Erst als Dirk Bach zugesagt hatte, entspannten wir alle ein wenig …

Also, ein stiller Gruß von mir an eine nette, spielwütige, lustige, clevere Type, die sich nicht zu fein war für unseren erotischen Trash …

Mein Transport!?

140 … 150 …
langsam
immer schneller
als die Erinnerung
wer ich bin

 

… 160 … 170 …
fange Feuer
Gas
Schalte ab

 

… 180 … 190
jede Sekunde
befreit
auch mein `Wer´

 

… 205 … 220 …
Gelenke
Liquid
Hitze
Speed

 

… 230 … 240 …
immer schneller
wer immer ich bin
weiß von nichts

 

… 250 … 260 …
der Beat
die Maschine
das Limit

 

… X …
ist meine Startlinie

Geh doch dahin, wo der Pfeffer wächst

sagen wir, wenn wir jemanden nie wieder sehen möchten. Und in der Tat ist da was dran …

Hab heute gelernt, dass Pfeffer traditionell aus Indien kommt. Wir waren nämlich mit allen Kindern auf dem 70. Geburtstag meiner Quasi-Schwiegermutter, und zwar bei so einem kleinen, feinen Gewürzbetrieb in Hamburg, was sehr nett war. Denn zuerst konnten wir uns den Betrieb angucken, danach gab es Fotos aus aller Welt mit einer kleinen Gewürz-Riech-Kunde und anschließend durfte sich jeder noch zwei Gewürze mischen. Fanden auch die Kinder Klasse.

Das Lustige ist, dass viele Gewürze gar nicht riechen. Und bei einem – hab schon wieder vergessen, wie es heißt – sagte die Frau vorher: Achtung, das riecht wie Schweiß oder wie ein alter Koffer. Und wirklich, es roch wie eine alte Sporttasche, in der jemand seine Socken vergessen hat.

Die Frau macht das mit ihrer Tochter zusammen, und auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob ich mit meinem Vater zusammen ein Geschäft führen könnte, strahlen Familienbetriebe immer so eine Wärme aus. Keine Ahnung, aber dieses virtuell-anglizistische Jobkarussell, auf dem wir sprichwörtlich bis zum Kotzen ins Leere laufen, zeigt doch: Familie ist einfach das Wichtigste. Wenn dann noch die Leidenschaft für einen kreativen Beruf dazu kommt … Beruf kommt ja von Berufung, ja, und die Gewürzfrau hat diese Leidenschaft sogar an ihre Tochter weitergegeben.

Frage mich, wie viel Eindruck ICH auf meinen Nachwuchs mache …

Hottentotten-Musik

Oh, Gott, ich bin wie meine Eltern. Wenn meine Eltern denn so gewesen wären, wie alle sagen, dass Eltern waren.

Jedenfalls habe ich heute meine beiden Glücksbringer abgeholt, und der größte, na ja, zumindest, ein großer Spaß der beiden besteht darin, auf meinem Handy irgendwelche aktuellen Top-Hits abzufeuern, die der Ältere gerade auf einer Klassen-Fete gehört und schon seinem kleinen Bruder eingetrichert hat. Sagt Euch Taio Cruz etwas? Ehrlich, da hält man sich für absolut jung geblieben und cool und offen für alles und plötzlich geht der Sound los, und ich denke, ich stehe im Wald, oder auf dem DOM, direkt am Autoscooter … sooo schlimm. Also, klar, es muss auch nicht jeder The Notwist hören oder Sigur Rós oder was weiß ich, aber … meine Freundin lacht mich gerade aus oder an und, Moment, hören, was sie sagt, okay, nein, ich klinge nicht wie meine Eltern, sondern wie ihre Großmutter, die war Chorsängerin und hat immer gesagt, die können ja gar nicht singen, ja, Recht hat sie, aber es ist ja auch nicht nur der Gesang …

Ich will den Jungs ja auch nicht vermitteln, dass sie keinen Geschmack haben. Und jetzt? Ich meine, lustig ist es schon. Das muss damals für Eltern wirklich so gewesen sein, als plötzlich die Beatles oder die Stones aufschlugen. Oder Tokio Hotel. Die Brüder hab ich heute übrigens in der Zeitung gesehen, alter Schwede, ein bisschen verrückt sehen die ja schon aus, doch ich finde es auch irgendwie respektabel, wie die zwei mit Anfang Zwanzig einfach nach L.A. übersiedeln und als Brüder weiterhin so eng sind.

Aber was wirklich verrückt ist – die Rechtschreibkorrektur meines Mailprogramms auf dem Handy will aus Gerrit immer Herrin machen …

In diesem Sinne,
Gerrit

 

Fremd in der eigenen Stadt

Manchmal ist es ja so: Man denkt, man kennt seine Stadt und dann muss man irgendwo hin, wo man noch nie war, und entdeckt plötzlich ganz neue, schöne Ecken.

Ich musste heute nach der Arbeit in der Deichstraße eine Disc abholen. Das ist ganz bei uns in der Nähe, trotzdem bin ich da in 10 Jahren noch nicht einmal vorbei gekommen. Und da habe ich heute diesen wunderschönen Laden gesehen. Zugegeben, er ist von außen (noch) schöner als von innen, aber ich war trotzdem ziemlich geflasht. Bin ja auch ein kleiner Nostalgiker.

Aber der Blick geht auch nach vorne. Ab heute gibt´s – meinem „technischen Leiter“ Frankee Post sei Dank – eine Möglichkeit, den Blog per RSS-Feed zu abonnieren. Keine Ahnung, wie das geht – selber ausprobieren.

Habe auch noch einen Song gefunden, den ich vor einem Jahr mit Gudze Hinz aufgenommen habe. Er heißt Schokolade – passt irgendwie zu dem Retro-Laden.

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P.S.: Es heißt Banalverkehr …

Schlaft gut,
Gerrit

 

Buchmacher

Nach dem Regenbogen gestern heute, im Anschluss ans Fußballtraining, ein schönes Gespräch mit Jan-Uwe Billhardt über mein neues Manuskript. Jan-Uwe ist ein guter Typ, alter Freund, Mitspieler (rechter Verteidiger) und Verleger meines ersten Romanes – auch schon wieder fast 10 Jahre her. Wahnsinn.

Ich kenne ihn schon seit unserer Zivildienst-Zeit in Münster. Eine gemeinsame Erinnerung sind neben Lagerfeuer-Partys, Haake-Beck-Bier vor allem alte Torfrock-Songs. Deswegen waren wir letzten Winter auch in Süderbrarup bei der traditionellen „Bagaluten-Wiehnacht“. Meine Mutter wohnt da in der Nähe und wir hatten Backstage-Pässe, weil ich einen guten Draht zu der Managerin Uli Schreiber habe. Das war cool. Wir konnten nach dem Konzert fast eine halbe Stunde mit Klaus quatschen.

Wir haben ihn damals auch gefragt, warum er Rollos Taufe nicht mehr live singt – er meinte, es kommt bei den Leuten nicht an. Verstanden wir beide nicht, aber egal. Viel wichtiger ist dieser Zauber des Lebens, dass man plötzlich einem ganz bestimmten Menschen eine Frage stellen kann, die einen seit fast 20 Jahren beschäftigt.

Keine Ahnung, was jetzt aus meinem neuen Buch wird, aber es ist schön zu wissen, dass sich Leute mit dem auseinandersetzen, was man selbst erschaffen hat.

Also, erschafft was,
Gerrit

D-maskiert

Anstrengend, aber spannend, das war mein Arbeitstag. Habe ein sehr interessantes Interview mit Hans-Hermann Tiedje über die Lüge geführt. Der Mann geizt nicht mit Anekdoten aus seinem bewegten Leben, das ist natürlich super. Die ganzen Hochstapler wie Postel oder Harksen, die kennt der alle persönlich. Glaube aber auch, dass unsere Filme für ihn ein gutes Format darstellen, um über die alten Geschichten zu plaudern.

Gian-Philip hat mal wieder voll überzeugt. Er hat nicht nur die 100%-ehrliche Wahlkampfrede überzeugend rübergebracht (das Kamera-Team meinte, sie würden ihn wählen), sondern ist danach noch auf Stimmenfang gegangen und hat sich auch „maskiert“ – also gewissermaßen als das stets getarnte Individuum im sozialen Rollenspiel unserer Gesellschaft …

Klar, in Berlin muss man sich schon ein halbes, blutendes Schwein über den Kopf ziehen, um Reaktionen hervorzurufen, doch ein bisschen was war schon dabei.

Bin ziemlich müde. Schlaft gut,
Gerrit