Neben Höhlen

Meine Freundin ist operiert worden. Die Nebenhöhlen waren geschwollen, schon chronisch, jetzt ist alles weg (O-Ton Sie: „Als ich sagte, ich müsse mal den Kopf frei kriegen, meinte ich das eigentlich etwas anders …“).

 

Zum Glück ist alles gut gelaufen. Jetzt liegt sie in Altona, auf der HNO-Station, 17 A. Auf dem anderen Flur, 17 B, liegen die Privatpatienten. Man erkennt es schon an der wärmeren, fast heimeligen Illuminierung und dem PVC, das aussieht wie Ebenholz-Parkett – da fragt man sich, wie da wohl das Essen serviert wird!?

  

Habe, weil meine Schwester ja kommt, extra die Terrasse sauber gemacht. Nur ein wenig, im Grunde finde ich es ja schön, wenn das bunte Laub von den Bäumen fällt. Kollege Herbst ist definitiv angekommen, aber – was soll ich sagen? – ich freue mich auf ihn. Solange er ab und an die Sonne an die Hand nimmt …

Geschichte

Deutschland gewinnt – mit einem starken Schweinsteiger – 6:1 gegen Irland und – mit der EU – den Friedensnobelpreis. Tagesschau und Heute Journal bemerkten als Randnotiz, der Preis komme ausgerechnet aus einem Nicht-EU-Land: Norwegen – ja, klar, das auch, aber ich dachte, die Jury säße in Stockholm, oder ist das nur für Literatur?

Olli Kahn redet heute irgendwie dummes, arrogantes Zeug (Irland sei als Gegner nicht ernst zu nehmen) und Katrin Müller-Hohenstein erinnert mich an eine Kollegin. Das tut sie immer.

Morgen kommt meine kleine Schwester und möchte mit mir Karaoke singen. Das kann was werden. Sie hat mal in Berlin einen Radio-Contest gewonnen und durfte dann bei einem Anastacia-Konzert auf die Bühne. Hoffentlich ist es in der Thai-Oase nicht so voll.

Habe eben nebenher noch die erste Folge von Es war einmal der Mensch … geguckt. Konnte mich genau erinnern, wie ich diese erste Folge vor über 30 Jahren zusammen mit meiner anderen (der großen) Schwester in Warstein gesehen habe. Da ist die Geschichte, wie das Leben auf die Erde kam und sich der Mensch aus dem Affen entwickelte, natürlich total gerafft, und das hab ich als Knirps wiederum nicht gerafft, und ich weiß noch, wie ich meinen Vater damals fragte, ob ich auch mal ein Affe war, und da hat er ganz nett gelacht und gesagt: Wieso, bist Du doch immer noch …

 

Kraniche

9-23. Arbeits-Zeit. Arsch-Müde. Freundin-schläft. Aber erfüllt vom süchtig-machenden Gefühl, einen langen Tag kreativ bewältigt zu haben. Man kann trefflich streiten, was anstrengender ist – 8h am Fließband oder 14h Regie; dieses Feierabendbier schmeckt besonders gut. Und ich bin mir sicher: ich hab heute meine Kalorien verbrannt.

Es wird langsam kälter. Hab ich gestern Abend schon gemerkt, als ich nach dem Training bei Hans aus dem Vereinsheim kam. Heute dann der Beleg. Trotz Drehstress bemerkt, wie 3 Mal Zugvögel über uns hinweg flogen. Das war gewaltig, ein ewiges Rätsel. Wie verständigen die sich? Woher wissen die das? So ganz ohne facebook

Anbei ein altes Stück von der Jugendstil-CD. Es heißt „Abschied“, und ich widme es allen Zugvögeln, die jetzt gen Süden fliegen.

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Narrenhände …

beschmieren Tisch und Wände – hat mein Vater immer gesagt. War heute auf dem Weg zu einer Location-Besichtigung für morgen, da fiel mein Blick auf dieses manipulierte Werbeplakat. Fand ich irgendwie gelungen, auch wenn mein Vater natürlich Recht hat. Und – ist das die Claudia?

 

Pro & Contra

Hab heute noch ziemlich rumgerödelt wegen des Drehs am Donnerstag. Man glaubt nicht, wie schwer das ist, einen vernünftigen Interview-Leitfaden zu entwickeln. Liegt natürlich auch daran, dass ein 200-Minuten-Film nicht so leicht zu überblicken ist. Zwischendurch eine kleine Redaktionskonferenz, weil die ARD offiziell zum Pitch für eine große Dokumentation aufgerufen hat. Da müssen wir natürlich dabei sein …

Kurze Kaffeepause, einen Blick in die taz, Kulturteil, TOMs Comic, den ich liebe, und das Fernsehprogramm … das fällt einem ja nie so auf, naja, mir jedenfalls nicht, aber wenn man das mal so ganz nüchtern, schwarz auf weiß liest, mit wie wenig Formaten Pro 7 am Tag auskommt, das ist schon bemerkenswert. Also, nicht falsch verstehen, ich habe eben auch Two an a Half Men geguckt, aber eigentlich müsste man im Sinne der Vielfalt eine Mindestzahl an verschiedenen Formaten täglich vorschreiben. Oder nicht?


Schlaft gut,
Gerrit

November naht

Schwer, nach den Tagen mit den Jungs wieder reinzukommen. Mir war den ganzen Tag kalt. Man sehnt sich nach Gesprächen mit Kollegen, denen es noch schlechter geht, um sich besser zu fühlen.

Gegen Abend spontan die Ausstellung von Stefan Pertschi besucht, weil wir noch eine Location für den Dreh mit der Autorin Katja Kullmann am Donnerstag brauchen. Sie selbst hatte den Kontakt hergestellt. Mein Co-Autor Timo und ich also relativ offen hin, und dann war das super, weil der Stefan a) ein ganz netter Typ ist, mir b) seine Sachen echt gut gefallen haben und sich c) herausstellte, dass er auch an diesen Krickel-Krakel-Büchern mitgewirkt hat, die mein kleiner Sohn so sehr liebt. Hab gleich ein Foto für ihn gemacht …

Es war einmal …

Hab heute meine Glücksbringer zurückgebracht. Das ist immer hart, gerade wenn man vorher ein paar Tage am Stück zusammen war und sich so etwas wie Alltag oder Normalität eingestellt hat. Kalter Entzug. Da fällt einem im Nachhinein immer auf, wie knapp die Zeit dann doch ist, trotz all der Aktivitäten. Hatte mir für gemütliche Regennachmittage von meiner Schwester extra 2 DVDs Es war einmal der Mensch … geliehen, habe ich als Kind geliebt, sind wir gar nicht zu gekommen.

Hab da eben noch mal reingeguckt (ohne Kinder). Dabei ist mir ganz warm ums Herz geworden. Zu dem Titelsong von Udo Jürgens habe ich immer Schlagzeug gespielt, und zwar ab der Zeile „Ach, Kind komm, lass die Fragerei“, da kommen am Ende der Zeile so Roto-Toms. Ich spielte damals zwar nur auf Bongos, aber mit einem Handtuch darüber klangen die wie Roto-Toms. Die Musik dazu hatte ich auf Platte – es war die Folge Mesopotamien, die habe ich heute auch noch mal geguckt, also mit Bild, sehr lustig, konnte den Text fast mitsprechen.

Außerdem ist mir aufgefallen, dass der Maestro, dieser alte Mann, der durch die Folgen führt, wie Henryk M. Broder spricht, kein Witz, ich kann das beurteilen, weil meine Freundin und ich den dieses Jahr zufällig in der Blauen Lagune auf Island getroffen haben (also Broder, nicht den Maestro, den gibt´s ja in Echt gar nicht).

 


Die Blue Lagoon, wie wir Kenner sagen, ist so ein sauteures Luxus-Thermalbad, in dem eine Cocktail-Bar mitten im Wasser steht und am Rand diverse Riesenkübel mit weißem Algenzeugs, das sich die Russen und Chinesen und – ja, ich auch – ins Gesicht schmieren, weil es das Einzige ist, das nichts kostet. Jedenfalls haben meine Freundin und ich Broder erst 20 Minuten lang im Wasser gestalkt, bevor wir uns getraut haben, ihn anzusprechen, ich meine, hey, wir waren alle halbnackt und hatten weißes Zeug im Gesicht, also Broder, glaube ich, nicht, aber dafür trug er seine obligatorische Pilotenbrille. Er kam gerade aus Amerika und meinte, er würde auf dem Rückweg auf Island immer Zwischenstopp machen, weil Island so nett ist und um den jetlag abzufedern, egal – Broder war übrigens auch für den Fernsehpreis nominiert, hat ihn aber nicht gekriegt. Schade eigentlich, wahrscheinlich hatten die Verantwortlichen bloß Angst vor seiner Dankesrede. Könnte ich verstehen … obwohl … zu uns war er echt nett.

Saturday night

Das erste Mal Wetten dass? mit Markus Lanz. Ich weiß gar nicht warum, aber ich vermisse Thomas Gottschalk. Irgendwie. Obwohl das zuletzt mit ihm auch viel zu langatmig war. Tempo heißt das Zauberwort. In dieser Sekunde tritt Lanz gegen einen Kandidaten im Liegestütze an, mit einer Bierkiste auf dem Rücken. Ist das das Ergebnis der Programmverjüngung beim ZDF? Den Landarzt absetzen und so die Region rund um Kappeln ruinieren und stattdessen Lanz `ne Kiste Bier auf den Rücken schnallen?

In der aktuellen BUNTE ist ein Foto von Sascha Lobo, auf irgendeiner Party in Berlin, ich glaube Bertelsmann, zusammen mit dem US-Botschafter. Vielleicht konnte er nicht mehr rechtzeitig aus dem Bild springen, im Ernst, mir ist so etwas mal in Wien passiert, auf einem Internet-TV-Kongress. Da ging danach während des gemütlichen Teils so ein City-Society-Fotograf rum und sagte: „Einmal herschauen, bitte“, und ich konnte so schnell gar nicht reagieren, da hatten sich meine Gesprächspartner schon in Pose geworfen, wie auf ein Kommando, unfassbar.

Was ich damit sagen will? Keine Ahnung. Vielleicht, dass alles fließt, vor allem die Grenzen, dass alles auch gaga ist, dass Rebellen auch mal ins weiße Taschentuch schneuzen, und … Stopp! Meine Freundin und SPIEGEL online schlagen (fast) gleichzeitig vor, dass Wotan Wilke-Möhring Wetten dass? moderieren sollte. Ich halt mich da raus.

Nachtrag: Wollte mir auf VOX gerade den Film meines Kollegen Timo Gramer über die Internet-Stars anschauen – und wer gibt das erste Statement im Trailer? Sascha Lobo, das kann doch kein Zufall sein. Aber jetzt gucken wir wieder Wette dass?, meiner Freundin zuliebe. Ich muss aufpassen, ich glaube, sie findet den SPIEGEL online-Autoren, der einer Meinung mit ihr war, ganz lustig …

 

Angeln 2

Steige aus
drehe mich
Selbst

mit Kameraaugen
in Scheiben
geschnitten

eine Frau
gegenüber
ihr Blick flackert

unruhig
wie analoges
Fernsehen

Manchmal kann ich
mit einem Blick
die ganze Welt erfassen

 

 

„Der Landarzt“ wird eingestellt. Nach fast 25 Jahren. Stand heute in den Schleswiger Nachrichten. Der fiktive Ort, an dem das Ganze spielt, liegt 20 Kilometer von hier, meine Mutter war ganz baff. Die Schauspieler des Ensembles übrigens auch. Seltsam, wie die großen Sender immer ihre Entscheidungen treffen, angeblich alles im Zuge einer Programmverjüngung und zur Förderung neuer Formate. Hier haben sie Sorge, dass die Einstellung der Serie sogar Auswirkungen auf den Tourismus in der Region hat. Sogar ich finde das komisch, und ich habe nicht eine Folge gesehen. Aber ich war mal in diesem Café in Kappeln …

Gestern Abend kam die Verleihung des Fernsehpreises. Ich motze ja gerne mal, dass ich zuviel arbeite, aber immer wenn ich das gucke, kriege ich Lust, einmal eine Super-Doku abzuliefern, ohne Kompromisse. Angeblich hatte sich das Auswahlgremium letztes Jahr ja den „Hafencowboy“ zur Ansicht schicken lassen, na ja, keine Ahnung, wie die da entscheiden. Vermutlich genauso, wie sie bewährte Formate einfach absetzen.

Angeln

Urlaub im Haus meiner Großeltern. Unzählige Ferientage haben wir hier verbracht. Uns in die Wälder geschlagen, auf den Heuböden der Bauern versteckt. Mit 10 haben mein Cousin und ich Schokolade aus der Vorratskammer erbeutet, mit 15 ein Bier. Immer dachten wir, es wäre nie entdeckt worden. Ich wette, mein Opa hat es ganz genau gecheckt. Aber er mochte uns zu sehr, um etwas zu sagen.

 

 

Heute wohnt meine Mutter hier, für ihre Enkel, meine Kinder. Doch an jeder Ecke lebt das Kind in mir mit und weiter, und ich fühle mich zerbrechlich und unverwundbar zugleich.

 

 

Angeln ist Angeln. Natürlich.