Spitze, Ericus!

Das war es dann wohl ...
Das war es dann wohl …

Hatte gestern offiziell meinen letzten Tag im Spiegel-Gebäude an der Ericusspitze. Spiegel TV zieht ja nach Tonndorf, auf das Gelände von Studio Hamburg. Hab auch zwei Fotos gepostet, und eine (nette) Kollegin vom Spiegel fragte daraufhin ganz ahnungslos, wo es denn hingehe!? Und das war dann doch ein bisschen symptomatisch, dass diese ganzen wirtschaftlichen Maßnahmen, die das Haus (aus Controller-Sicht bestimmt zurecht) seit Jahren ergreift, so lange an den MitarbeiterInnen vorbeirauschen, bis sie selbst betroffen sind.

Bin dann gestern Abend ein letztes Mal nach der Arbeit durch den Baakenhafen gelaufen und dabei echt ein bisschen rammdösig geworden. Weil ich in den letzten Jahren eben schon das Gefühl hatte, dass nicht nur Heft und Online zusammenwachsen, sondern auch TV und der Rest. Und das lag nicht nur an unserer netten Freitags-Fußballtruppe, sondern auch an kleinen Aktivitäten und Ideen, die mich mit den anderen Abteilungen immer wieder zusammengebracht haben. Ich habe auch an einigen Workshops teilgenommen, die sich mit der Zukunft des Hauses beschäftigt haben. Dass diese offene Kultur jetzt weiterhin so leicht möglich sein soll, erscheint mir momentan – aber das ist meine persönliche Meinung – unwahrscheinlich. Zumindest für mich.

Global betrachtet, gibt es natürlich schlimmere Schicksale. Auch individuell betrachtet. War gestern mit einem sehr netten Kollegen aus eben jener Fußballtruppe zum Mittagessen verabredet. Er erzählte mir, er könne nicht mehr spielen: Knorpelschaden im Knie. Das sei natürlich wahnsinnig frustrierend, aber er versuche, es sich schönzureden, nach dem Motto: Endlich Schluss mit dem Geholze und Gemecker auf dem Platz etc. Um ihn etwas aufzumuntern, hab ich ihm erzählt, dass ich in den ersten drei Saisonspielen zwei(!) Elfmeter verschossen habe, und wir deswegen statt mit sechs nur mit einem Punkt dastünden, konnte er total nachvollziehen. Ehrlich, diese beiden Elfmeter … es ist verrückt. Rational weiß ich, es ist nur ein Spiel, ein Hobby, völlig belanglos, aber in mir brodelt dieses Gefühl von Totalversagen. Ich hatte schlaflose Nächte deswegen. Mein Kollege wusste genau, was ich meine: der Nimbus des Unbesiegbaren … genau. Ich war ja jahrelang so sicher vom Punkt. Als ob ich eine Superkraft verloren hätte.

Aber klar, unterm Strich ist es unwichtig. Gesundheit ist wichtig. Und Humor. Und Liebe. Mein jüngster Sohn ist 18 geworden. Und gab einen Tag nach seinem Geburtstag sein Debut in der 2. Herrenmannschaft seines Jugendvereins. Das war einigermaßen bewegend, weil auf der Tribüne auch einige Leute standen, die ihn kannten und ihm zuriefen und Glück wünschten …

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Meine Frau und ich haben – wie bei den beiden Älteren – wieder ein großes Fotobuch gemacht. Ist toll geworden. Wir hatten dieses Jahr u.a. mit dem Unterweger-Projekt ja wahrlich genug zu tun, aber beim Zusammenstellen der Fotos für das Geschenk unseres Sohnes dachte ich immer wieder, das ist eigentlich jetzt das wichtigste Projekt des Jahres. Es macht einen aber natürlich auch nachdenklich, wenn man sieht, wie 18 (vermeintlich) lange Jahre auf 100 Seiten zusammenschmelzen. Leider habe ich jetzt beim Aufräumen noch eine Festplatte mit alten Handyfotos gefunden. Überlege schon, noch ein zweites Buch zu machen …

Der Unterweger-Zweiteiler ist übrigens fertig. Ich teile es mal, wenn es was zu teilen gibt. Hab mit meiner Frau – wie bei unserer Doku über das Böse vor 10 Jahren – wieder auf die Schnelle noch ein paar Themenbilder nachdrehen müssen: Handschellen anlegen, durch den Wald jagen und mit der Stahlrute erschlagen. Ist super geworden, auch wenn uns das gebückte Laufen diesmal mehr angestrengt hat als vor 10 Jahren. Das Lustige ist: Die Handschellen hatte Spiegel TV noch im Fundus …

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Ansonsten? Habe ich mir, wie immer, den neuen Djian blind bestellt und sofort durchgesuchtet. Ich liebe seine Art zu schreiben. Man weiß immer, was man bekommt, aber es handelt sich trotzdem immer um eine (neue) Variante des Bewährten.

Mein Tipp des Monats!
Mein Tipp des Monats!

Kurios: Das Ende der Story hatte totale Ähnlichkeiten zu dem Fall Unterweger, kein Scherz, ich wäre vor Schreck fast aus dem Bett gerollt. Zufall? Wohl kaum, eher Gedankenübertragung … zapft der Typ seinen größten Fan etwa heimlich an? Ich würde gerne fließend Französisch sprechen und diesen Mann noch einmal sprechen, bevor es zu spät ist. Einen langen Spaziergang entlang der Atlantikküste und anschließend am Strand ein Lagerfeuer machen und dazu ein paar Bier zischen.

Bedeutende Männer neigen leider dazu, zu früh zu gehen, ohne sich anständig zu verabschieden. Charlie Watts, zum Beispiel, oder Jean-Paul Belmondo. Bei Belmondo war es wirklich krass. Ich kam vom Training, es war ein Mittwochabend, ich saß im Auto, fuhr langsam nach Hause und sehnte mich nach ein paar Tagen Urlaub. Ich dachte, ich würde gerne mal wieder eine lange Belmondo-Nacht einlegen: Der Greifer, Der Profi usw. Und dann kam ich nach Hause, meine Frau hatte die Tagesthemen angehalten, schaute mich an und sagte: Setz Dich, Belmondo ist tot. Was soll ich sagen? Den trockenen Augenwischer zahlt der blonde Wichser …

14. August
Konfirmation

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Mein Neffe und meine Nichte sind konfirmiert worden. Abgesehen davon, dass die „so schnell groß geworden“ sind (wie alle Kinder), war es ein wunderschönes Familienfest. Weil unsere Familie so groß und bunt war und im schönen Schleswiger Dom auch noch eine afrikanische Familie zu Gast, und weil die Jugendband gespielt hat, wie wir früher, und weil die Pastorin und der Pastor so modern und gut gelaunt waren. Die drei entscheidenden Fragen, die der Pastor den jungen Konfirmanden stellte, nämlich ob sie ihr Leben im Sinne Jesu Christi bestreiten wollen, d.h. sich selbst zu akzeptieren, den Anderen zu respektieren und andere Religionen zu tolerieren, hätte ich auch so aus vollem Herzen mit JA beantworten können. Als dann die Gemeinde aber im direkten Anschluss das Glaubensbekenntnis sprechen sollte, wurde mir wieder klar, wie schwer es für die Kirche ist, sich zu modernisieren. Und die Liturgie. Religion muss mit der Evolution mitwachsen. Es kann ja nicht sein, dass für uns dieselben Sprüche gelten wie vor 2000 Jahren …

12. August

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Zweite Impfung bekommen, bin ganz erleichtert. Meine Frau hatte mir einen Termin im Impfzentrum besorgt, durch Zufall bin ich an Moderna gekommen, soll ja auch schnell wirken und vergleichsweise gut schützen. Am besten war aber, dass die Moderna-Impfung im Zentrum fast einer VIP-Behandlung gleichkam. Keine Schlange, keine Wartezeit, sofort drangekommen, Glück muss man haben. Nach dem Skandal mit der Kochsalzlösung ist man ja ohnehin etwas unsicher, ob da überhaupt Impfstoff drin ist. Hatte aber an beiden Tagen leichte Symptome, insofern denke ich mal, das war schon richtiger Stoff.