Zeit! Zeugen!

salzburg_2

Samstag, 17 Uhr, Salzburg. Liege auf dem Behandlungsstuhl des zahnärztlichen Notdienstes. Habe mir einen Backenzahn aus der Krone gebrochen. Leiste mir eine Keramikfüllung für 180 Euro, weil die Alternativen alternativlos sind: Amalgam oder provisorisch. Die Zahnärztin ist schnell und kompetent, ihre Aufmerksamkeit liegt in dieser Sekunde allerdings eher bei meinem Job. SPIEGEL TV? Was ich hier in Salzburg machen würde!? Sie nimmt mir die sechs Tamponaden aus dem Mund, damit ich antworten kann: Unterweger! Der Serienmörder? Der war doch in Wien – die Wienerwaldmorde, oder? Ich bin überrascht, wie gut sie sich auskennt. Sie sei ein Fan von Medical Detectives, ich verstehe. Ja, sage ich, vier Morde in Wien, aber mutmaßlich auch zwei in Graz, drei in L.A. und einer in Salzburg, für den er nie verurteilt wurde …

Eine gebürtige Jugoslawin, Marica Horvath, war damals das Opfer, am 01. April 1973. Die Frau wurde geschlagen, missbraucht, gefesselt und geknebelt. Die Nase ließ der Täter aber grausamerweise frei. Sie lebte also noch, als er sie, wehrlos, wie sie war, in den Salzsachsee warf. Eine äußerst hässliche Geschichte. Ein pensionierter Kommissar, August Schenner, versuchte damals, Jack Unterweger auch diese Schandtat nachzuweisen, jahrzehntelang vergeblich, im Gegenteil, als er 1983 neue Beweise fand und Unterweger in Haft (wo er für einen anderen Mord saß) erneut befragte, genoss dieser schon so viel Unterstützung auf dem Weg zu seiner vorzeitigen Entlassung, dass der alte Mann gegen Wände lief.

sjaros_1

Dieser pensionierte Kommissar, August Schenner, hatte wesentlichen Anteil an der Überführung Unterwegers. Leider ist er 2007 verstorben. Es gibt nicht viele Bilder von ihm und nicht viele Menschen, die ihn noch kannten – ich habe einen gefunden: Siegfried Jaros, er kam damals als junger Polizist in Schenners Abteilung. Er hat uns in das geheime Archiv der Salzburger Polizei geführt und mir die ganze Geschichte nochmal erzählt …

Die Original-Kartei "Jack Unterweger"
Die Original-Kartei „Jack Unterweger“