Pa-ris. Kom-mu-ni-Na-tion

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War mal eben in Frankreich, um die ersten beiden Interviews für das „Geheime Paris“ zu drehen. Durften netterweise die Räumlichkeiten im Pariser ZDF-Studio nutzen. Leider war genau an diesem Morgen eine Baustelle vor der Tür, was natürlich doof ist, wenn man einen „sauberen“ Ton braucht. Aber die Kollegen waren sehr gastfreundlich und superhilfsbereit, das muss ich wirklich mal sagen. Wir sind dann spontan in den Hinteranbau ins Büro eines FAZ-Redakteurs gegangen, den meine Co-Autorin zum Glück kannte. Mussten natürlich alles neu arrangieren und die Fenster mit Klebefolie und Papier und Plane abkleben, um das Setting herzurichten, aber mein Kameramann war prepared und hatte alles dabei. Also jeden Menge Probleme (oder der ganz normale Wahnsinn) am frühen Morgen – alle gelöst.

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Heute mal Spiegel Foto statt SPIEGEL TV

Ging in den Interviews auch um die deutsche Besatzungszeit. Das hatte ich gar nicht so auf dem Zettel, dass es in Paris über Jahre ein alltägliches Nebeneinander gab. Eine Art „Normalität“ unter der deutschen Besatzungsmacht, die aber natürlich trotzdem Besatzungsmacht war.

Hmmm, ...
Hmmm, … deutsche Spuren in der Metro?

Auf dem Rückweg viel zu früh am Flughafen, weil die Verbindung super passte und bei der Sicherheitskontrolle nichts los war. Kann man eben nie wissen, ist aber besser, als zu spät zu kommen. Hab vor Jahren mal meinen Rückflug verpasst (in London) und mir geschworen, dass das nie wieder passiert. Außerdem beobachte ich gerne Menschen. Jedes Gesicht eine Geschichte (ist auch fast das gleiche Wort), jeder mitgehörte Satz eine Lektion …

Neben mir hat sich eine junge, schwarze Französin, die offenbar zum Flughafenpersonal gehört, Essen geholt: Quiche, Melone und eine Coke. Sie stellt das Tablett ab, besteigt den Hocker, als wäre er ein zu großes Klettergerüst, hält kurz inne, faltet die Hände, neigt ihre Stirn auf die gefalteten Hände und betet. Mindestens dreißig Sekunden, eine halbe Ewigkeit, finde ich. Ich beneide sie in dieser Sekunde um dieses kontemplative Ritual.

Hab eben einem Vater, der mit seiner kleinen Tochter reist, geholfen – trotz Sprachbarriere (mein „Französisch“ ist ein Mix aus Englisch mit französischen Keywords). Hab erst mit dem Aufzug gewartet und die beiden dann auf der Toilette vorgelassen – und als die erste Kabine frei wurde, und ich zögerte, und der Vater mich fragte, ob ich nicht gehen wolle, erwiderte: No, he sounded malade (der Typ, der vorher drauf war, klang wirklich nach Magen-Darm – oder Drogen, der kam auch ein bisschen fertig mit halb geöffneter Hose aus der Kabine), I´m not going there. Ist der Vater dann auch nicht. Er dankte freundlich, wir wünschten uns Bon Voyage. Kommunikation.

Draußen auf dem Flur zum Gate kam mir ein Kone-Mechaniker entgegen, er trug sein Arbeitsoutfit, und ich dachte bloß: Kone, Aufzüge, Finnland, mehrere hundert Meter langer, unterirdischer Testschacht … da hab ich auch schon gedreht. Ja, vielleicht wird das nix mehr mit dem Literaturnobelpreis, und es wird definitiv nichts mehr mit der Nationalmannschaft, aber ich habe viel gesehen und kann mir allmählich ein Urteil erlauben. Oder Urteile.

Kon-tem-pla-tiv.
Ri-tu-al.

Die junge Französin bearbeitet mehr ihr Handy als dass sie ihr Essen isst. Kommunikationsgesellschaft, ein Begriff, den ich während des Studiums gelernt habe. Aber was für eine Art Kommunikation ist das? Mit sich selbst? Mit einem technischen Gerät? Mit anderen technischen Geräten?

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War natürlich cool, in Paris zu sein, während die „Blauen“ gegen Uruguay ins Halbfinale einziehen. Die ganze Stadt hat gefeiert. Da wurde mir einmal mehr bewusst, dass wir raus sind. Bierhoff hat sich ja nochmal zu Özil geäußert. Er hat vielleicht nichts ganz Falsches gesagt, aber zum denkbar falschesten Zeitpunkt, deswegen war es falsch und – vor allem – auch gefährlich, weil das wieder das Feuer auf dem rechten „Holzköpfehaufen“ schürt und, andersherum, man sich jetzt beinahe Sorgen um den Menschen Özil machen muss, dass der diese Krise heil übersteht, ohne eine tragische Dummheit zu begehen. Kommunikation.

Ö-zil
fal-sches-ten

Manchmal, wenn man begann, die Gedanken, die man dachte, die im Kopf entstanden, ohne dass man das – so weit das überhaupt möglich war (Was war das jetzt für eine Situation, in der ich versuchte, nicht daran zu denken, dass ich über das Denken nachdachte?) – steuerte, laut aussprach und die Worte immer deutlicher und langsamer formulierte, und die Sil-ben im-mer-wei-ter-von-ein-an-der-spreizte, konnte man den Eindruck haben, sich selbst in einer Fremdsprache gut zuzureden. Im Grunde war es ein Wunder, dass wir nicht alle in jeder Sekunde dieses Lebens aneinander vorbei redeten.

Ja, im Grunde war es ein Wunder.

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Unabhängig von diesem ganzen Seehofer-Gedöns, ist die Welt in anderen Bereichen auch ein bisschen lustig. So berichtet die BILD-Zeitung heute über den neuen Wellness-Trend „Waldbaden“ (Oder sollte man lieber Wellness-Trend in Anführungszeichen setzen? Oder beides?):

waldbaden

Es geht im Prinzip darum, die Energie und Kraft der Natur in sich aufzunehmen. Das Lustige daran ist, dass ich sofort an die Touché-Bilderwitze von TOM denken musste, die immer in der taz abgedruckt sind. Da ist ja ein fester Charakter diese verrückte Baum-Umarmerin … ja, ist vielleicht nur lustig für mich … aber ich bin ja nicht so, sondern übernehme heute auch noch ausnahmsweise die weitergehende Recherche für Euch:

Copyright: Touché by TOM, kauft seine Bücher. Oder die taz ...
Copyright: Touché by TOM, kauft seine Bücher. Oder die taz …

Ansonsten? SCHWEDEN!!!! Das Baumland besiegt das Bergland Schweiz im Achtelfinale der Fußball-WM. Zufall? Wohl kaum. Jetzt gießen sie sich bestimmt erstmal kräftig einen hinter die Rinde …

Fairschiedenes (in Klammern)

Billy

Waren am Samstag bei Billy Joel. Das war toll. Beim Refrain von „Piano Man“ hat das ganze Stadion mitgesungen. Gänsehaut. Und trotzdem hätte ich es lieber von ihm in irgendeiner alten Hafenkneipe vor 20 Leuten gehört. Seit meiner Gunter Gabriel-Produktion für den NDR denke ich, dass diese Wohnzimmerkonzerte, mit denen Gabriel seine Schulden bezahlt hat (oder bezahlen wollte), die beste Erfindung sind. Und bei Billy Joel musste ich wieder daran denken, weil ja gerade diese Carpool Karaoke-Episode mit Paul McCartney rumgeht; die löst sich ja am Ende ganz ähnlich auf. Kennt ihr bestimmt:

Hab heute in einer kurzen Mittagspause (schreibe gerade mein Drehbuch zum „geheimen Paris“) in der taz vom Wochenende gelesen. Ab und an prämiert die Zeitung ja Menschen, die was Vernünftiges machen und dabei Großes leisten (taz panter). Heute ging es um eine Frau, die sich seit Jahren für Flüchtlinge und bezahlbare Mieten in Berlin einsetzt. Hammer! Es ist nicht nur wichtig, dass es solchen Menschen gibt. Es ist auch wichtig, dass über solche Menschen berichtet wird (Titel: Bloß nicht am Elend dieser Welt verzweifeln). Die machen Mut.

Ich pflege immerhin meine kleinen Miniatur-Landschaften. Das ist etwas kleines Großartiges. Und dieser Hamburger Dino stirbt niemals aus:

Dino

Am 06. Juli ist übrigens Welttag des Küssens. Hab heute gelesen, Küssen sei ein Überbleibsel der Mund-zu-Mund-Fütterung bei Menschen (, die es in einigen Kulturen immer noch gibt. „Rückständig“, mag der eine oder andere jetzt vorschnell urteilen. Aber wo ist der Unterschied zu jungen Eltern, die ihren Babys mit dem Löffel den Möhrenbrei aus dem Gesicht kratzen und ihn sich dann – warum auch immer – selbst in den Mund stecken?) 

Kluger Kommentar in der Süddeutschen Zeitung: Die DFB-Elf hätte ein kollektives Statement wie Schweden formulieren müssen, um diesen Deutsch-Dünkel-AFD-Rassisten-Müll gegen Özil im Netz etwas abzumildern (was nicht heißt, dass der nicht mal in sich gehen sollte …). Der aktuelle SPIEGEL-Titel, der Fußball (schönste Nebensache der Welt) und Politik (wirklich wichtig) in eine Zeile schreibt, wirkt da leider auch nicht wirklich entgegen.

Ansonsten? Lese ich überhaupt gerade viele kluge Kommentare. Frage mich allerdings, ob das was bringt!? Das Problem ist ja: Derjenige, gegen den sich so ein Kommentar im Prinzip richtet, wird ihn niemals lesen. Auf der anderen Seite blogge ich ja auch …

Und? Anna Seghers wunderschönes Sommerhaus wird es bald nicht mehr geben. Ob dieser Eintrag etwas dagegen bewirkt?

Der frühe Vogel schlägt die Drum

Manchmal, wenn der Arbeitsalltag zu grau ist, leiste ich mir, wenn es geht, so minimale, klitzekleine Ausbrüche, die keinem wehtun und mir sehr helfen. Heute bin ich zum Beispiel früher aufgestanden, als ich musste, und bin nach Billbrook in die Trommelbude gefahren. Habe eine halbe Stunde das Schlagzeug bearbeitet, danach fühlte ich mich gut und wach und ausgeglichen.

Aber es gehört noch mehr dazu. Diese Ecke da, Billbrook/Rothenburgsort, ist ein herrlich-schreckliches Industriegebiet, durchzogen von kleinen Kanälen. Da tobt das Leben, ehrlich, aber ein ganz anderes als bei uns im SPIEGEL. Da herrscht Brummi-Romantik pur. Nun bin ich ein paar Mal morgens an einem Imbiss vorbeigefahren, wo immer kernige Typen in Leuchtwesten Schlange stehen. Dachte mir: Da gibt´s bestimmt gutes Frühstück.

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Heute habe ich bei „Eckhardt´s Imbiss“ angehalten (Apostroph ist bei Gewerbeschildern übrigens okay) und mir einen kleinen Kaffee sowie ein mit Bierschinken belegtes Brötchen genehmigt. Und? Kaffee: okay, Brötchen: super. Hab den Kaffee zum Abschluss meiner kleinen Before-Work-Abenteuerreise dann noch ein bisschen aufgewertet, indem ich einen zweiten Stopp eingelegt und ihn an einem sehr besonderen Ort getrunken habe:

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Es ist nicht alles „perfekt“ in meinem Leben. Manchmal denke ich, ich arbeite zuviel. Und oft vermisse ich meine Kinder. Aber vieles ist toll. Weil ich Glück hatte. Aber auch, weil ich es pflege. Und die Proberaum-Beteiligung für erschwingliche 30 Euro im Monat – die habe ich mir selber gesucht. Ich weiß, dass nicht jeder die gleichen Möglichkeiten hat. Aber ich kann nur jedem raten, zumindest mal für sich zu prüfen, welche Möglichkeiten er/sie hat, sein Leben zu gestalten. Dann bekommt der Alltag gleich ein bisschen Farbe.

Fußball ist unser Leben …

… oder unser vorzeitiger Tod, wenn die Spiele so spannend sind wie das am Samstag gegen Schweden. Ich schrieb ja, ich sei gespannt auf die Reaktion, die die Mannschaft zeigen würde, und ich fand, es war eine Reaktion. Auch wenn mir das Tippspiel fast wieder die gute Laune verhagelt hätte. Hab ja allen bei der Arbeit erzählt, es würde 2:1 für Deutschland ausgehen, und bin dann selber kurz vor Anpfiff noch auf ein 2:0 gegangen, weil ich überzeugt war, dass Deutschland kein Tor kassiert. Was soll ich sagen? Ich kann mit diesen ganzen Fehlern und Eigentoren und Elfmetern schlecht kalkulieren. Oder, besser gesagt, ich weigere mich, das zu tun …

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Ansonsten? Erfreut mich die neue 11Freunde-Ausgabe – wie immer. Nicht nur, dass mich der personalisierte Werbe-Umschlag tatsächlich ein bisschen geflasht hat (obwohl ich mich sonst als recht immun gegen Werbung/PR/Marketing bezeichnen würde), sondern auch das Zitat des Monats hat es mal wieder in sich:

Diese Freunde kann man sich kaufen!
Diese Freunde kann man sich kaufen!

Ich muss ehrlich sagen: Ich habe Russland und die Russen während meiner Produktion für das Schweizer Fernsehen letztes Jahr wirklich schätzen gelernt, aber es würde mich schon freuen, wenn sich ein paar grundlegende Dinge ändern würden. Auch in der Türkei macht ein Präsident, was er will. Allein diese Wahl am Wochenende. Unglaublich. Spätestens jetzt würde man sich freuen, wenn das bei einigen Nationalspielern „angekommen“ ist.

Eigentlich müsste sich Merkel da was abgucken. Unser System ist ja leider so „gut“, dass es von Populisten bestens missbraucht werden kann. Wie in den USA. Dann wählen die enttäuschten Bürger aus Protest den mit der größten Klappe und den besten Sprüchen, und dann kriegt man es plötzlich mit der Angst, weil man den nicht mehr los wird. Die Geister, die ich rief, sag ich nur.

Nicht, dass bei uns alles super wäre. Ich meine, wir schmunzeln gütig, weil Frauen in Saudi Arabien endlich einen Führerschein bekommen dürfen! Aber noch in den 60ern durften Frauen ohne die Erlaubnis des Mannes kein Konto eröffnen. In Deutschland. Fortschritt braucht seine Zeit. Wir hatten die 68er-Bewegung. Das Glück hatte nicht alle. Wir brauchen Geduld. Aber der Rückfall in die Steinzeit mancherorts ist schon beunruhigend.

 

Opinion-Lieder

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Heute wird Franz Beckenbauer in der BILD zitiert, die 0:1 Niederlage gegen Mexiko und die daraus resultierende Mannschaftsaussprache könnten den gleichen positiven Effekt auf den weiteren Turnierverlauf haben, wie damals 1974 nach der Niederlage gegen die DDR. Genau DAS habe ich am Sonntag direkt nach Abpfiff gesagt …

Gestern schrieb ich im Blog, die allgemeine politische Lage sei so beunruhigend, dass die Nationalmannschaft jetzt gerade nicht meine größte Sorge ist. Heute lobt sogar die taz das politische Handeln der Kanzlerin (s.o. – im Vergleich zu den ganzen anderen Verrückten). Also, irgendwie scheine ich momentan einen guten Riecher zu haben. Denn wenn selbst die taz die Merkel lobt, dann … naja, ich denke, ihr habt´s verstanden.

Zwischenstand

Jetzt weiß ich, warum ich keine Tipp-Spiele mag. Weil man sich dann nicht mehr über ein 1:1 zwischen Argentinien und Island freuen kann, sondern sich ärgert, weil man 2:1 für Argentinien getippt hat, und Messi dann einen Elfmeter verschießt …

lF

Ansonsten finde ich es eigentlich spannend zu beobachten, wie die deutsche Mannschaft jetzt wohl das nächste Spiel angeht. Jedenfalls empfinde ich das 0:1 gegen Mexiko nicht als Drama, angesichts der allgemeinen politischen Lage. Die finde ich wirklich beunruhigend, vor allem, die Art und Weise, wie dieser verrückte Trump das von außen kommentiert. Warum nimmt dem Idioten nicht mal jemand das Handy weg? Der arme Nachfolger, der das alles rückgängig machen muss, was dieser Freak aktuell in die Wege leitet.

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Schaue übrigens gerade parallel eine ZDF History-Doku über die kleinen „Geheimnisse“ der deutschen Nationalmannschaft, weil ich demnächst auch für das Format arbeite und wissen muss, wie das so aussieht. Jedenfalls geht es da an einer Stelle um Poldi und Klose und ihre polnischen Wurzeln, und in dem Zusammenhang sagt Toni Schuhmacher, sonst – bei allem Respekt – nicht gerade die hellste Kerze auf der Torte, etwas ganz Kluges; dass nämlich die Entscheidung eines polnischen Jungen, für die DFB-Elf zu spielen, für die älteren Verwandten des Jungen (Opa, Oma, Onkel, Tante) sicher eine größere Umstellung bedeutet als für den einzelnen Spieler. Dass sollte man bei dem aktuellen Gerede um Özil und Gündogan nicht vergessen. Wenn die Familie nämlich einen großen Einfluss auf den jungen Spieler hat, kann das eben diese Folgen wie einen Präsidentenbesuch haben. Doch wenn wir die Diskussion nicht vernünftig führen oder – im Sinne der Vernunft – vertagen, werden wir am Ende eine Mitschuld am Vorrunden-Aus tragen. Und Lothar Matthäus sollte endlich mal die Klappe halten, anstatt sich ständig mit einer Keule auszurüsten und auf alles einzuschlagen, was nicht bei 3 auf dem Tor sitzt. Wer in dieser Form ständig „zündelt“, ist sich seiner Verantwortung ebenso wenig bewusst – und hat, um im Bild zu bleiben, den Schuss(!) nicht gehört.

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War am Wochenende mit meiner netten Fußballmannschaft in Sankt-Peter-Ording. Bestes Gegenmittel in dieser crazy world. Ja, wir haben ein paar Bier getrunken und Fußball geguckt. Aber eben auch selber Fußball und Beachvolleyball gespielt, eine Fahrradtour gemacht und vor allem sehr viel geredet und gelacht. Miteinander. Ohne Gegröle, Gekotze und Gehure. Langweilig? Nee, großes Kino. So eine Truppe ist ein Geschenk für jeden Kerl. Ich habe schon gesagt, wir sollten das auch noch im hohen Alter machen, wenn wir gar nicht mehr aktiv spielen. Nur spazieren und essen gehen, Fußball gucken und dummes Zeug reden. Einfach, weil es nett ist.

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Und? War auf der Rückfahrt dann noch ganz spontan im Friedrich Hebbel-Museum in Wesselburen. Hochinteressant. Schildere demnächst an dieser Stelle mal meine Eindrücke. Muss sie erstmal sammeln.

Geht los

So, heute erstes Spiel. Bin immer noch nicht so richtig in WM-Laune, aber wird schon kommen. Diese Woche lief meine Moskau-Serie auf 3 SAT, das hat zumindest Russland wieder gedanklich in meine Nähe gerückt. Wenn jetzt noch der Ball rollt, dann …

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… habe mich von einem netten Kollegen überreden lassen, dieses Jahr mal an einem Tipp-Spiel teilzunehmen. Ist ja sonst nicht so mein Ding, aber man kann auch nicht immer `Nein´ sagen. Merke aber jetzt schon beim Eröffnungsspiel, dass es mich ein bisschen unter Druck setzt. Wenn man nicht mitmacht, bleibt der Fußballsachverstand im Verborgenen. Nun gerät man womöglich in Erklärungsnotstand, wenn man vier Spiele hintereinander falsch liegt …

verkackt ...
verkackt …

Ansonsten ärgere ich mich die große Partei, die sich in der Flüchtlingsfrage zerlegt, anstatt mal gemeinsam menschliche, vernünftige, nachvollziehbare Politik zu machen, wundere mich über die kleinen Miniaturen, über die man hierzulande immer wieder stolpert, wenn man mit offenen Augen durch die Welt fährt (s. o.) und lache über mich, weil ich schon zum dritten Mal ganz fleißig und sparsam ein Supermarkt-Bonusheft vollgemacht habe – und wieder die Frist verschlafen habe, wo ich es hätte einlösen müssen. Tja, gibt´s halt doch kein neues Fleischmesser.

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und nochmal verkackt

Rollenfairteilung

Was für ein wunderbarer Polizeiruf gestern mit unserem Lieblingsteam Sarnau/Hübner alias König/Bukow. War mir mit dieser „AfD-Problematik“ eigentlich von der Thematik zu nahe an der Realität, diente also kaum der Entspannung. Auf der anderen Seite tut es ja manchmal gut, wenn jemand im Fernsehen (in diesem Falle König) dann die eigene (also meine) Position vertritt und die Dinge mal beim Namen nennt. Dann wiederum macht es ein gutes Drehbuch aus, wenn die Positionen differenzierter verteilt sind, und wenn Bukow kurz erklärt, warum Populisten wieder Zulauf haben, ist das auch einleuchtend, und man wünscht sich gleichzeitig, dass das aber bitte nicht so einfach und einleuchtend sein soll, und ja, am Ende bleibt im Film und im richtigen Leben die Frage, wie es dazu kommen konnte, dass in unserem Land, in unserer Zeit wieder Dinge passieren, von denen wir dachten, dass sie nie wieder passieren könnten. Aber dieses wilde, deutsche Tier war immer da, weggesperrt, unterdrückt, und das hatte seine Richtigkeit. Jetzt darf jeder Kläffer anonym kläffen, und die ganz schlimmen trauen sich sogar wieder aus der Höhle. Das Völkische ist zurück in unserer Mitte, und es zeigt sich hässlicher und rückständiger als je zuvor. Weil es nicht mehr fürchten muss, sanktioniert zu werden, wenn es Tabus bricht, die vormals eine systemstabilisierende Funktion hatten.

Wenn so ein AfD-Hetzer von „unseren Frauen“ und „unseren Töchtern“ spricht, dann denke ich: Nee, du Arsch, meine Frau ist ja nicht mal meineFrau (ich habe mit ihr gewissermaßen nur ein – im besten Falle – lebenslanges Umgangsrecht), sie ist aber erst recht nicht deine oder eure Frau, das verbitte ich mir.

Hab eben irgendwo eine Schlagzeile überflogen, dass Sarnau sich gerade dazu geäußert hat, dass sie für ihr Engagement lange weniger Gage bekommen habe als Hübner. Das geht natürlich auch nicht und bringt mich auf den nächsten Gedanken. Hab mich nämlich gerade wieder ein bisschen in den MeToo-Diskurs eingelesen, bzw. in die große Frage, wie es denn jetzt weitergeht, mit dem Mann von heute. Was ihm fehlt und ausmacht, und wie er sich zu verhalten habe etc.

Da werde ich mich vermutlich in nächster Zeit ab und zu mal zu äußern. Glaube nämlich, dass ich das eigentlich im Großen und Ganzen ganz gut (vor)lebe.

 

Er götzt

Eilmeldung!

Gepard
Affe Justins Baby Mally hat Bieber bekommen.

Ach, nein, Moment …

Justin

Dass moderne Werbung mehr und mehr versucht, Geschichten zu erzählen, ist keine neue Erkenntnis. Mitunter treiben es die Marketing-Experten aber so bunt, dass ich mich wirklich frage, was das soll, und ob wir uns alle mal wieder beruhigen können!?

Mario Götze wurde ja nicht für die WM nominiert. Das ist schade für ihn. Ich finde, er ist nach wie vor ein guter Fußball, der in seiner Karriere schon viele Höhen und Tiefen erlebt hat. Aber sein Endspiel-Tor 2014 ist schon jetzt unvergessen.

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Jetzt hat ein Mobilfunk-Hersteller einen einminütigen (Werbe-)Spot mit Götze und um Götze herum gedreht, der das Scheitern thematisiert, bzw. die Art und Weise, mit dem Scheitern umzugehen. Sogar das Zitat des Bundestrainers ist drin, dass es in dieser Saison nicht der Mario Götze war, den wir „uns alle wünschen“ (was eine ziemlich krasse Formulierung ist, wenn man sie so schwarz auf weiß liest). Übermorgen startet eine Doku-Serie über Mario Götze im Pay-TV, und der Trailer deutet darauf hin, dass auch hier die Schattenseiten des Profilebens thematisiert werden. Und das, muss ich sagen, ist mir in dieser Kombination dann doch zu viel.

Ich weiß gar nicht, warum. Oder doch. Ich glaube, was mich stört, ist, dass deutlich wird, dass für die Macher dieser Inhalte letztlich alles im Leben eines prominenten Menschen „Content“ ist, der atmosphärisch überhöht, in Hochglanzbildern ästhetisiert und kommerzialisiert wird. Es geht letztlich nämlich nicht darum zu erfahren, wie sich Mario Götze wirklich fühlt, oder welchen Mehrwert der Zuschauer aus den Erfahrungen des Vorbildes ziehen kann; es geht um Gewinne, nicht um Gefühle. Und letztlich ist es egal, ob die Werbefigur gewinnt oder verliert. Hauptsache, die Lebensgeschichte (oder ein einzelnes Kapitel daraus) hat das Potential, aus der Person eine Marke zu machen. Und das ist es, glaube ich, was mich stört. Ich möchte keine Doku über eine Marke sehen, sondern über einen Menschen. Mit einer Marke kann ich mich nicht identifizieren. Mit einem Menschen schon. Mit dem kann ich mitleiden und mitfühlen. Einer Marke glaube ich womöglich auch nicht, wenn sie mir etwas erzählt, egal, wie glaubwürdig der Mensch dahinter (noch) ist. Eine Marke ist immer un-menschlich, ein Kunstprodukt. Ich werde in die Götze-Doku aber trotzdem reinschauen, allein schon aus beruflichem Interesse.

Und, wer weiß, vielleicht werde ich ja auch positiv überrascht. Dann werde ich das hier öffentlich zugeben.