Making of

So geht der Tag gut los!
So geht der Tag gut los!

Heute Morgen auf dem Weg zur Arbeit. Toll. Alle haben zum Himmel geschaut und Fotos vom Regenbogen gemacht. Seltsam, offenbar wissen alle, was schön ist, warum sind wir dann oft so gemein zueinander?

Checkliste sagt: fast fertig.
Checkliste sagt: fast fertig.

Bin heute vielleicht den letzten Tag im Schnitt. Werde den filmreifen Ausblick aus dem Fenster genießen …

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Apropos „filmreif“ – lese gerade The Film Club von David Gilmour (nein, nicht der Gitarrist). Das Buch hat mir ein Kollege aus meiner Fußballmannschaft empfohlen, nachdem ich ihm erzählt habe, dass ich meinem Sohn zum 16. Geburtstag fünf Filme, ab 16, geschenkt habe, unter der Voraussetzung, dass er sie mit mir gemeinsam schauen muss.

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Pausenlektüre

In Film Club geht es genau darum, nur anders, also weitreichender. Ein Vater nimmt seinen Sohn auf dessen Wunsch hin von der Schule und sagt: Du kannst bei mir essen und wohnen, ohne etwas dafür zu tun. Einzige Bedingung: Du guckst gemeinsam mit mir drei Filme pro Woche. Klar, dieses Filme schauen und darüber reden, wird dann zur Ersatz-Bildung. Gefällt mir gut. Abgesehen davon, dass es immer lustig ist, über Väter und Söhne und deren Erziehungskämpfe zu LESEN, während man gerade in real life ganz ähnliche Themen beackern muss, fällt mir zudem auf, wie viele großartige Filme ich noch nicht kenne. Muss mir Duell bestellen, das Regiedebüt von Steven Spielberg, am besten die Edition mit dem Making Of. Das kann manchmal Horizonte erweitern. Ich hatte das mal vor Jahren mit einer Musik-Doku über The Notwist, bzw. über die Entstehung ihres Albums Neon Golden. Ein Film, den ich, nebenbei bemerkt, gerne selbst gemacht hätte. So, wie Harald Schmidt angeblich gerne Soloalbum geschrieben hätte.

Steven Spielberg, der den Film als 21-Jähriger gemacht hat, soll (so steht es in Film Club) mal gesagt haben, dass er diesen Film alle 2-3 Jahre guckt, um nochmal zu verstehen, wie er ihn damals gemacht hat. Das klingt erstmal doof, ich kenne das aber auch. Ich gucke mir ab und an die Joe Bausch-Reportage an, die ich mal für SAT 1 gemacht habe, weil das ein schwieriger Dreh (im Knast) war und der erste Film, den ich fast komplett selbst geschnitten habe. Das heißt nicht, dass man sich auf der Vergangenheit ausruhen soll, im Gegenteil. Deswegen mein Tipp an dieser Stelle: Wer sich in einer Phase befindet, in der ihn (oder sie) gerade kein Projekt so richtig begeistert, der möge sich doch einmal wieder ältere Projekte vor Augen führen, auf die er bis heute stolz ist. Wo er/sie glaubt, Grenzen übertreten und sein/ihr Potenzial voll ausgeschöpft zu haben (Aristoteles). Das kann ein Foto sein, für das man auf einen Berg geklettert ist oder unter eine Ruine, oder für das man lange auf den perfekten Augenblick gewartet hat. Das kann sogar eine gelungene Beziehung sein oder nur ein kurzer zwischenmenschlicher „Blitz“. Alexander Kluge hat mir während der Arbeit an einer gemeinsamen DVD über „das Böse“ mal am Telefon gesagt, dass er mich „im Guten“ auf dem Zettel hätte. Also, sinngemäß, ich weiß den genauen Wortlaut nicht mehr. Wir hatten leider auch noch nie ein persönliches Treffen, aber diese Worte, die ungefragt kamen, von jemandem, der Projekte mit Helge Schneider und Ferdinand von Schirach forciert, die kann man sich in kalten Zeiten schon mal zu Herzen nehmen.

Ich denke das sogar manchmal, wenn ich vor dem Hochbett meiner (mittlerweile eigentlich zu groß gewordenen) Söhne stehe, das ich damals mit einem wunderbaren Freund zusammen selbst entworfen und gebaut habe; dass das mit das Sinnvollste, Wichtigste und Beste ist, was ich je erschaffen habe … aber über die Bedeutung des Handwerkens gehe ich demnächst an anderer Stelle ein ;-)

Life hucks

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Oh, Gott, unsere Terrasse ist verwanzt …

Die Themen Glück, Sinn und Stress (s. die letzten Blog-Einträge) sind natürlich von jeher Themen, die die Menschen beschäftigen. Ich möchte mich in diesem Blog auch nicht als neuer Guru oder „Super-Mann“ aufschwingen, der alles im Griff hat, aber ich denke, jetzt, da zwei meiner Söhne kurz davor sind, den Schritt in die Volljährigkeit zu gehen, werde ich ab und an mal Gedanken teilen, die sich darum drehen, wie man das Leben im Guten und in seinem Sinne erleben kann.

Der SPIEGEL hat auch gerade ein Sonderheft zum Stressvermeidung gemacht, ganz interessant, aber die meisten Ratschläge sind ja auch kein Hexenwerk oder etwas völlig Neuartiges. Trotzdem ist es manchmal gut, externen Input zuzulassen. Hatte selber vor ein paar Jahren mal ein paar Sitzungen bei einem Coach, die mein Handeln sehr beeinflusst haben.

Heute was Einfaches: Gartenarbeit wird immer heraufbeschworen, als Super-Tool, um zu entspannen und Stress abzubauen. Kann ich nur bestätigen. Aber was, wenn ich keinen Garten habe? Kein Problem. Heute habe ich z.B. große Freude daraus gezogen, einen alten Schnittblumenstrauß, der für die Wohnung nicht mehr taugt, ein weiteres Mal auszudünnen, zu beschneiden und draußen in einer Outdoor-Vase einen neuen Platz zu geben. Schön, oder?

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Gleich daneben: eine dieser kleinen Miniatur-Landschaften, die ich manchmal gestalte. Mit Mini-Blumen, hier noch mit einem Ableger einer Tanne, kleinen Figürchen, Steinen, die wir im Urlaub gesammelt haben.

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Will sagen: Man benötigt für kreative Garten-Arbeit keinen Garten, im Gegenteil. Man hat auf natürliche Weise Spaß, ohne lästiges Rasenmähen. Auch nicht zu verachten. Das Glas ist oft halbvoll. Es sei denn, man hat es ausgetrunken.

Allen einen schönen Wochenanfang!

Bild ende Künste

Die spinnen, die Mainzer ...
Die spinnen, die Mainzer …

Gestern beim ZDF gewesen, zur Abnahme des „Geheimen Paris“. Alles gut gelaufen. Der Film kam sehr gut an, bis auf ein paar Kleinigkeiten, die es immer gibt. Aber die Arbeit hat sich sehr gelohnt. Es war insgesamt ein sehr netter, konstruktiver Termin in Mainz, mit zwei kompetenten ZDF-Kollegen. Wir waren um 13h durch, danach bekam ich von dem betreuenden Redakteur sogar noch eine kleine Führung: Fernsehgarten, das Studio, in dem das Sportstudio aufgezeichnet wird, die Greenbox, wo Besucher Nachrichtensprecher spielen können, Kantine, der Mainzelmännchen-Shop, ich kam mir am Ende – als der Druck abgefallen war – vor wie einer der schwäbischen Touristen, die neben mir im Shop an der Kasse standen.

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Warum ich das erzähle? Weil ich gestern etwas gelernt habe … Mein Nebenmann im Flieger hatte die WELT dabei und kurz vor der Landung in Frankfurt fragte ich ihn, ob ich einen Blick in seine Zeitung werfen dürfe. Klar, kein Problem. (Nebenbei: dieser Mikrokosmos oder „Geheimclub“ von Business-Männern in meinem Alter, die alle nahezu uniform gekleidet (schlichte Hose, weißes Hemd, Unterschied nicht im Style, nur in der Qualität) frühmorgens nach Frankfurt, München oder Köln und abends wieder zurückfliegen … manchmal in denselben Fliegern, sich unmerklich zunickend, später am Abend mitunter bereits etwas derangiert, weil man nach dem erfolgreichen (oder erfolglosen) Geschäftstermin in der Fremde nichts Besseres zu tun hatte, als sich ab 16 Uhr mit Weißbier zu betäuben, den müsste man mal darstellen … egal, ich schweife ab). Jedenfalls war in der WELT ein kurzes Interview mit einem Glücksforscher abgedruckt, der seine persönliche „Glücksformel“ an drei Aspekten festmacht, wobei mir insbesondere der dritte sehr einleuchtet: Eudaimonie – Aristoteles hat diesen Begriff geprägt. Es geht, verkürzt gesagt, darum, aus seinem tugendhaften Handeln das Optimum herauszuholen, also, sein Potenzial als wirkender Mensch, im Hier und Jetzt, voll auszuschöpfen. Und nach der erfolgreichen Abnahme dieses Filmes, der mich zwischendurch nicht immer zu 100% gepackt, bzw. eher oft daran erinnert hat, dass ich viel lieber etwas Anderes machen würde (z.B. in Frankfurt auf der Buchmesse zu stehen und endlich als großartiger Schriftsteller entdeckt zu werden), und in den ich aber gerade in den letzten zwei Wochen soviel kreative Power gesteckt habe, bis ich am Ende selber das Gefühl hatte, wirklich für meinen Teil das Optimum aus dem Thema herausgeholt zu haben; und dass mich am Ende der Abnahme, die mir eben dies bestätigte, und ich draußen auf dem Parkplatz in der Sonne stand, ein wohliges Glücksgefühl durchströmte. Ich kann nur jedem raten, sich auf die Dinge zu besinnen, die ihm gelingen. Oder mal gelungen sind. Es geht manchmal eben auch darum, Projekte im richtigen Moment (und rechtzeitig) wirklich anzunehmen. Selbst, wenn es kein Roman des Jahrhunderts ist, sondern „nur“ ein kleiner Film fürs öffentlich-rechtliche Fernsehen.

Apropos öffentlich-rechtliches Fernsehen – Herr, bitte mach´, dass es immer ARTE geben wird. Ich meine das ernst, wer weiß, wer hier bald an der Macht ist … Jedenfalls gucke ich ARTE zwar nicht immer, bzw. ich gucke auch DMAX oder Sky, aber wenn ich nur ARTE hätte, wäre es kein großes Problem. Gestern Abend kam eine (inhaltlich und formal) atemberaubende Doku über Alice Cooper. Wie die Band nach einer „Andersartigkeit“ gesucht hat (heute würde man sagen: USP), schließlich diese Kunstfigur „Alice Cooper“ entstand und der Sänger irgendwann dachte, ER wäre wirklich „Alice Cooper“. Riesenerfolg, Trennung der Band, erst Alkoholsucht, Entzug, später Kokain und Co. Und aus dieser harten Drogenzeit zeigten sie so krasses Archivmaterial, dass ich fast auf der Couch entsetzt aufgeschrien hätte, im Ernst. Unfassbar … eigentlich müsste man das seinen Kindern zeigen. Bessere Prävention gibt es nicht, ich schwöre.

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Noch ein Wort zum Thema Alkohol. So gesehen, schlage ich mich ganz wacker. Ja, vielleicht muss ich den kreativen Wahnsinn, der mich oft beschleicht, die Ideen und Geschichten, die alle herauswollen, in Kombination mit den alltäglichen Sorgen, die uns alle plagen, an manchen Abenden mit einem oder zwei Bier etwas in den Griff kriegen. Aber wenn ich mich selbst als Künstler ernst nehme und verstehe, bzw. verstehen will, mit allen Ups und Downs, die solche Menschen oft auszeichnen, muss ich sagen, dass ich mich im Großen und Ganzen gut unter Kontrolle habe. Dass ich gut funktioniere, als Partner, Vater, Sohn, Bruder, Freund, Arbeitnehmer und Bürger. Ja, als Mensch. Ehrlich gesagt, so gut, dass ich manchmal vor Rührung heulen könnte. Wobei das sicher auch daran liegt, dass ich Menschen um mich herum habe, denen ich etwas bedeute, und für die es sich lohnt zu funktionieren.

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Nicht zu vergessen, die Tiere.

Hin und (Rück)weg

Bin gerade auf der Zielgeraden für mein ZDF-History Stück über das Geheime Paris. Sehr kleinteilig, sehr viel zu bedenken, die Materialauswahl und -dokumentaion, das sind zahllose Entscheidungen, die man da treffen muss, in der Hoffnung, allen Fragen und Anmerkungen, die in der Abnahme in Mainz auftreten können, schon zuvorzukommen.

Dementsprechend kühlen Kopf bewahren!

Ich kann in diesen arbeitsreichen Tagen leider immer schlecht abschalten, hab auch das Gefühl, ich kann mir die Zeit nicht nehmen, um zwischendurch mal zu bloggen. Und abends bin ich immer viel zu erschöpft.

Was gut ist: Schneide mal wieder extern, in der Deichstraße bei Flemming Postproduktion. Abgesehen davon, dass es da sehr nett und ruhig ist, genieße ich den Fußweg von der SPIEGEL-Tiefgarage morgens dorthin und abends wieder zurück. Bei dem Wetter zur Zeit hat das fast etwas von einem Sonntagsspaziergang.

Hin
Hin
... und zurück
… und zurück

Jetzt arbeitet mein Cutter gerade an der Animation einiger sehr künstlerischer Illustrationen, die Michael Meissner extra für den Film angefertigt hat – bin ganz begeistert. Zeit für mich, mal kurz durchzuatmen.

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Denn es gibt ja viel zu berichten: Der Gedichtband „Einvernehmlicher Sex“ von Dagrun Hintze ist fertig, den Minimal Trash Art in diesen Tagen herausbringt. War ja diesmal ein Teil des Verlagsteams, unheimlich spannend, mal auf der anderen Seite zu stehen. Der Titel war mein Vorschlag, die Reihenfolge der Texte auch – und ich habe ein kleines Video erstellt, das Dagrun und ihre Texte dem interessierten Leser ein bisschen näher bringen soll. Viel Spaß beim Gucken.

Dagrun Hintze from anders-blog on Vimeo.

Und, wie immer, wenn es beruflich zur Sache geht, gehen die Gedanken mit einem durch: Wie lange macht man das noch? Ist der Stress gesund? Nimmt das ein paar Mal im Jahr in Kauf, weil der Job toll ist? Doch nochmal ein Drehbuch schreiben? Aber woher die Zeit nehmen? Und dann werden die Kinder noch so schnell groß … es hilft dann immer, ein bisschen zu reden. Mit anderen Menschen, zum Beispiel, weil man dann merkt, dass andere Menschen ähnliche Gedanken wälzen. Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, dieses Jahr etwas entspannter, mit weniger Terminstress zu begehen, muss allerdings feststellen, dass 2018 nochmal Fahrt aufgenommen hat.
Das werde ich im neuen Jahr von Neuem versuchen, besser zu machen. Stress eher positiv zu verspüren und in Energie umzusetzen. Mehr Achtsamkeit zu üben, und Dinge, die eigentlich Spaß machen sollen (Fußball, Familie, Kunst) auch mit Freude zu erleben.
Meine große Schwester ist mit ihren Kindern in Süddeutschland und hat ein Foto meiner Nichte geschickt, das eigentlich alles aussagt. Hab es in Stein gemeißelt, um es nicht zu vergessen:

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Geh heim

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Gerade wieder drei Tage für das geheime Paris unterwegs gewesen. Glück gehabt mit dem Wetter, gestern strahlender Sonnenschein, heute am Abreisetag grau und verregnet. Das muss man schon mal zu schätzen wissen. Ansonsten habe ich eigentlich eine ganz gute Balance gefunden zwischen Drehstress und „den-Moment-erkennen“. Haben auch diesmal wieder interessante Sachen erlebt. Waren zum Beispiel im Keller des Luxushotels Les Bains, wo in den Achtzigern wilde Partys gefeiert wurden. Jeder Promi, der in der Stadt war, wollte dort hin.

copyright: ZDF/Paul Pflüger
copyright: ZDF/Paul Pflüger

Unser Interviewpartner war der damalige Haus- und Hoffotograf: Foc Kan, ein interessanter Mann, der wirklich aus dem Nähkästchen geplaudert und damals schon von Leuten wie Mick Jagger oder David Bowie auf Augenhöhe Schnappschüsse angefertigt hat, die bis heute grandios sind. Es muss eine wilde Zeit gewesen sein damals, von der wir im Film hoffentlich ein bisschen erzählen können.

Waren gestern auch noch mal auf dem Eiffelturm, um das geheime Apartment des Erbauers in der Turmspitze abzufilmen, zumindest von außen. Bis heute darf da keiner hinein. Nicht mal französisches Fernsehen. Die Pressefrau hat für uns am Ende leider doch keine Ausnahme gemacht, uns aber als Bonus ermöglicht, über Treppen für die Turmarbeiter etwas abseits der Touristenpfade in die Turmspitze zu filmen, und das war wirklich ein Erlebnis. Da wusste man bei jedem Schritt auf den schmalen Gittertreppen in 200 m Höhe, dass darüber vor einem noch nicht sehr viele Menschen gegangen sind. Dafür liebe ich meinen Job, abgesehen davon, dass da natürlich auch gute Bilder von dieser gigantischen Konstruktion entstanden sind.

Auch in schwindelerregender Höhe mit ruhiger Hand: Paul Pflüger
Auch in schwindelerregender Höhe mit ruhiger Hand: Paul Pflüger

 

Mir war bis vor kurzem nicht klar, dass dieser Turm laut des damaligen Vertrages eigentlich nach ein paar Jahren wieder hätte abgerissen werden sollen. Wenn man in dieser riesigen Stahlkonstruktion drinsteht, ist das umso unvorstellbarer. Zum Glück sind die Abrisspläne wieder eingestampft worden. Aktuell ziehen die gerade eine kugelsichere Glaswand um den Turm, als Schutz vor terroristischen Anschlägen. Aber, im Ernst, wie will man so einen Koloss aus dem Visier nehmen? Der Gedanke ging mir schon durch den Kopf, als ich da oben im Gestänge rumgelaufen bin.

Künstliche Intelligenz

Lustig. Die Auto-Korrektur macht aus Enzensberger "Entenschnabel" - ist das künstliche Intelligenz?
Lustig. Die Auto-Korrektur macht aus Enzensberger „Entenschnabel“ – ist das künstliche Intelligenz?

 

Tja, wie immer, … wenn man ein paar Tage nicht geschrieben hat, wird der Berg des Ungesagten, aber Mitgedachten so groß, dass man kaum dagegen angehen kann. Wie ein Berg Schmutzwäsche, der einem über den Kopf wächst.

Ich meine, die Lage ist ja auch nicht gerade entspannt. Im Gegenteil, die neuen Rechten haben sich zusammengeschlossen, sind aufmarschiert. Und der Rest steht da und kann es nicht glauben. Dabei ist es gar nicht so unglaublich. So sind Menschen. Zumindest die meisten. Neidisch, auf ihren Vorteil bedacht, unreflektiert, unempathisch, unfähig zur Abstraktion. Und man kann es ihnen – zumindest im Osten – nur teilweise vorwerfen. Nazi-Zeit nicht aufgearbeitet, von einer Diktatur in die andere, immer bevormundet, DDR auch nicht aufgearbeitet, sondern vom arroganten Westen wie eine Krankheit vom Tisch gefegt.

Alles nicht so leicht.

Habe zur Zeit neben dem Job zwei schöne Projekte: Zum Einen den Literatur-Podcast mit Sebastian von den Alphabeten (haben gestern Abend noch eine Folge fertig gemacht), zum Anderen bereiten wir gerade mit minimaltrashart die Veröffentlichung des Gedichtbandes von Dagrun Hintze vor. War am Wochenende bei Dagrun und ihrem Mann auf dem Land (Richtung Osten) und habe ein paar Aufnahmen für einen Buchtrailer gemacht. Tolle Menschen und Arbeit, die sich nicht nach Arbeit anfühlte, aber auf dem Weg dorthin durch die Dörfer habe ich echt leichte Depressionen bekommen. Überall Gaststätten, die „Deutsches Haus“ oder so heißen, Opel-Kombis, mit Babynamen auf der Heckscheibe – in altdeutscher Schrift.

Das Problem ist aktuell gut formuliert: Wer ist mehr? Ich bin mir nicht sicher. Meine Projekte werden daran nichts ändern.

Ansonsten? Trauer, weil es die taz vielleicht bald nicht mehr in ausgedruckter Form gibt, und Wut, weil die BILD erst hetzt und jetzt scheinheilig fragt, was aus unserem Land geworden ist. Eine Frechheit. Ein Verbrechen. Meines Erachtens machen Verbote und Tabuisierungen schon Sinn. Am Ende ist die Demokratie nämlich so gut, dass sie sich selbst zum Opfer fällt.

Wirt schafft

Trump sagt: Ohne mich verarmen alle.
What?

Ein Pegida-Demonstrant mit Deutschland-Hut löst bei einer Anti-Merkel-Demo in Dresden eine Polizeischikane gegen Journalisten aus. Später stellt sich heraus: Er arbeitet selbst beim sächsischen Landeskriminalamt.
Äh, …

Der Degrowth-Ansatz fragt, wie wir die Bedürfnisse der Mitglieder einer Gesellschaft befriedigt kriegen, ohne das großen, privat-kapitalistischen Unternehmen zu überlassen.
Gute Frage.

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Meine Kollegen essen anstandslos alten Kuchen.
Ja, warum auch nicht? Trotzdem gut.

 

Familienglück

Meine Mutter hat am Sonntag ihren 70. Geburtstag gefeiert. Mit Verwandten und allen Kindern, war sehr, sehr nett, sehr norddeutsch auch, ein bisschen wie früher, weil die nachfolgende Generation (also wir) sich ein bisschen Gedanken gemacht und ein kleines Theaterstück aufgeführt hat: Eine kurze, saukomische Gaga-Version von Aschenputtel. Dreimal dürft ihr raten, wer die gute Fee gespielt hat. Meine Söhne pendelten angesichts des Kostüms zwischen Abscheu und Verachtung, aber dann haben sie gemerkt, dass man als Kind/Mensch manchmal seine eigene Schmerzgrenze überschreiten muss, um einem anderen Menschen/seinen Eltern eine Freude zu machen.

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Aber dieses Familienglück, bzw. dieses Kümmern und Schaffen von schönen Momenten und unvergesslichen Erinnerungen für die Liebsten geht natürlich in beide Generationen. Habe heute in der BILD gelesen, dass die Stettin, einer der Museumsdampfer, die in Övelgönne liegen, letztes Jahr einen Crash mit einem Containerriesen hatte und nun nicht klar ist, was aus dem Dampfer wird. Das hat mein Herz gerührt. Weiß nicht, wie oft ich mit meinen Söhnen, als sie klein waren, im Rahmen eines Sonntagsspaziergangs das Schiff besichtigt habe. Bei Wind und Wetter. Und dabei immer so getan, als sei man auf hoher See. Für einen Kindergeburtstag des Jüngsten hab ich dort sogar mal einen Schatz versteckt. In Absprache mit einem der Ehrenamtlichen. Und dann kam die ganze Kindergeburtstags-Bande am nächsten Tag da aufs Schiff, mein Sohn mit meiner gebastelten Schatzkarte in der Hand (wobei ich natürlich so getan habe, als hätte ich mit der ganzen Sache nix zu tun … oje, hoffentlich liest er das jetzt nicht ;-), und der Alte erzählte eine astreine Geschichte, dass er als kleiner Junge mal etwas davon gehört hätte, kroch in den Maschinenraum und holte aus der letzten Ecke die verstaubte „Schatzkiste“, die ich ihm am Tag zuvor gebracht hatte. Da haben die Kids aber gestaunt. Und ich stand da im Hintergrund, mit Tränen der Rührung in den Augen. Damals wie heute. Hoffentlich findet sich ein reicher Spender für die Reparatur. Will doch noch mit meinen Enkeln auf den ollen Eisbrecher.

Nachtragend

zu gestern:

Manchmal kann eine Zeitung vom Vortag sehr erhellend sein. Habe in einer Frankfurter Rundschau einen schönen Text über Wolf Wondratschek gelesen, der gestern vor 75 Jahren geboren wurde. Und über den Impact, den dessen Lyrik auf die deutsche Literaturlandschaft hatte, was wiederum ganz gut zu meinem Blog-Eintrag von gestern passt.

Außerdem stand in der FR, dass die taz plant, zukünftig nur noch online zu erscheinen und die Printausgabe komplett einzustellen. Das ist in der Tat ein Schock. Und wegweisend. Ätzend. Aber nachvollziehbar. Obwohl ich mich innerlich dagegen sträube.

Sowas wird mir fehlen
Sowas wird mir fehlen

P.S.: Die Autokorrektur kennt „sträube“ nicht. Das darf doch alles nicht WAHR sein!

Quängelwesen

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Erster Tag heute wieder im Büro. Unser Patchwork – Familienurlaub in Schweden war wie immer toll. Obgleich die drei pubertierenden Söhne ab und an auch ein bisschen an den Nerven gezupft haben. Zugleich ist es aber auch faszinierend zu sehen, wie aus den kleinen Menschenwesen von damals eigenständige Persönlichkeiten werden, die sich natürlich auch in aller Liebe abgrenzen müssen. Welchen Krach sie dabei machen. Und wie sie auch noch mit 17 Lust haben, Stunden auf dem Bolzplatz oder mit der Angel in der Hand am See zu verbringen. Das ist wahres Glück. Für die Kinder, aber auch für die Eltern, das zu beobachten.

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Man könnte über dieses Patchwork-Kapitel ganze Bücher schreiben. Über die zum Teil unbewussten und ungewollten, inneren Turbulenzen, wenn man versucht, leibliche und nichtleibliche Kinder (Was macht das schon für einen Unterschied?) wirklich gleich zu behandeln. Und über die Konflikte, die sich daraus plötzlich zwischen den Erwachsenen entspannen, obwohl man sich doch sonst in vielen Dingen einig ist (zumindest in allem Wesentlichen). Weil man sich selbst eine schöne Zeit wünscht. Und dabei vielleicht die anderen aus den Augen verliert. Über die Challenge, groß und weise und wahrhaftig zu handeln, und das Scheitern darin. Darüber, in guter Balance emotional zu sein und rational, aber eben gerade nicht irrational, klein, engstirnig und doof. Ein Vorbild zu sein für alle. Allein darüber. Ein ganzes Regal voll.

Apropos: im Moment veröffentlicht jeder um mich herum ein Buch. Und alle haben Agenten. Ich merke, dass ich bei aller Freude für die Freunde, denen das gelingt, zugleich natürlich auch nachdenklich werde, warum ich es nicht schaffe, zielgerichteter an dem Ziel zu arbeiten, doch nochmal als Schriftsteller Fuß zu fassen. Habe heute, um frischen Mut zu fassen, eine alte Rezension aus der ZEIT gegoogelt, über mein Debütroman „Jugendstil“.

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Die Werbung suggeriert Aktualität eines 15 Jahre alten Textes …

Konrad Heidkamp hat damals nette Dinge über meinen Text geschrieben. Später rief daraufhin ja sogar Rowohlt Berlin an (der Verlagsleiter Gunnar Schmidt persönlich) und fragte, ob ich ein neues Projekt in Arbeit hätte. Hatte ich aber nicht. Jedenfalls nicht so richtig.

Merke, dass mich das an mir selber nervt, dass ich mich bei aller Freude für meine Kollegen stets gleichzeitig frage (besser: jammere), warum das Schicksal mich (noch) nicht mit formalem Erfolg bedacht hat. Wobei ich gar nicht sagen kann, wie ich den bemessen würde.

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Im Gegenteil, im Moment scheinen viele Kleinigkeiten gegen mich zu laufen. Wollte gestern an meinem letzten Urlaubstag mit meinem ältesten Sohn auf den Verkehrsübungsplatz fahren, aber 500 m vor der Ankunft hat das Auto den Geist aufgegeben: die Benzinpumpe. Das war schrecklich, weil ich mich natürlich auf ein schönes Vater-Sohn-Erlebnis gefreut hatte. Aber vielleicht ist das genau eine Art von Egoismus, die ich ablegen muss. Finde diese Eigenschaft regelrecht abstoßend. Unmenschlich. Und sie zahlt sich auch nicht aus. Gestern Abend hatte ich gerade alle Blumen gegossen, da fing es an zu regnen. Heute Morgen habe ich den Bus verpasst, der zu früh kam, und im Büro hat mich eine neue Praktikantin zum ersten Mal gefragt, ob sie mich duzen kann oder lieber siezen solle. Wobei ich darüber lachen kann. Das Älterwerden finde ich gar nicht so schlimm. Muss aber auch gelassener werden. Das Leben ist kurz. Erfreue Dich daran. Genieße jeden Augenblick. Hab das in der ersten Jahreshälfte eigentlich ganz gut hinbekommen. Ist sicher auch nur eine Phase, die ich ich selbst beenden kann. Aber eben nur, wenn ich wieder ein bisschen vorankomme. Künstlerisch, wohlgemerkt.

Freue mich zum Beispiel über den Gedichtband von Dagrun Hintze, den wir demnächst bei mta verlegen. Oder die weiteren Aktivitäten mit Sebastian und den Alphabeten.

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Habe mir auf der Fähre nach Göteborg für den Urlaub einen englischen Lyrikband gekauft: „The Sun and her flowers“ von Rupi Kaur, ein wunderschön gemachter Band. Ein kleines Kunstwerk. Mir gefallen am liebsten die Zwei- und Dreizeiler …

tell them I was the
warmest place you knew
and you turned me cold

Schön. Schlicht. Bekomme dann Lust, an meinen eigenen Sachen weiterzuarbeiten. Und das ist dann doch viel wert, oder nicht? Gute Gedichte sind wie Medizin. Apropos: Erich Kästners „Lyrische Hausapotheke“ ist nach wie vor der bestverkaufte Gedichtband in Deutschland jedes Jahr. Da muss doch mal was Neues kommen.