Rollenfairteilung

Was für ein wunderbarer Polizeiruf gestern mit unserem Lieblingsteam Sarnau/Hübner alias König/Bukow. War mir mit dieser „AfD-Problematik“ eigentlich von der Thematik zu nahe an der Realität, diente also kaum der Entspannung. Auf der anderen Seite tut es ja manchmal gut, wenn jemand im Fernsehen (in diesem Falle König) dann die eigene (also meine) Position vertritt und die Dinge mal beim Namen nennt. Dann wiederum macht es ein gutes Drehbuch aus, wenn die Positionen differenzierter verteilt sind, und wenn Bukow kurz erklärt, warum Populisten wieder Zulauf haben, ist das auch einleuchtend, und man wünscht sich gleichzeitig, dass das aber bitte nicht so einfach und einleuchtend sein soll, und ja, am Ende bleibt im Film und im richtigen Leben die Frage, wie es dazu kommen konnte, dass in unserem Land, in unserer Zeit wieder Dinge passieren, von denen wir dachten, dass sie nie wieder passieren könnten. Aber dieses wilde, deutsche Tier war immer da, weggesperrt, unterdrückt, und das hatte seine Richtigkeit. Jetzt darf jeder Kläffer anonym kläffen, und die ganz schlimmen trauen sich sogar wieder aus der Höhle. Das Völkische ist zurück in unserer Mitte, und es zeigt sich hässlicher und rückständiger als je zuvor. Weil es nicht mehr fürchten muss, sanktioniert zu werden, wenn es Tabus bricht, die vormals eine systemstabilisierende Funktion hatten.

Wenn so ein AfD-Hetzer von „unseren Frauen“ und „unseren Töchtern“ spricht, dann denke ich: Nee, du Arsch, meine Frau ist ja nicht mal meineFrau (ich habe mit ihr gewissermaßen nur ein – im besten Falle – lebenslanges Umgangsrecht), sie ist aber erst recht nicht deine oder eure Frau, das verbitte ich mir.

Hab eben irgendwo eine Schlagzeile überflogen, dass Sarnau sich gerade dazu geäußert hat, dass sie für ihr Engagement lange weniger Gage bekommen habe als Hübner. Das geht natürlich auch nicht und bringt mich auf den nächsten Gedanken. Hab mich nämlich gerade wieder ein bisschen in den MeToo-Diskurs eingelesen, bzw. in die große Frage, wie es denn jetzt weitergeht, mit dem Mann von heute. Was ihm fehlt und ausmacht, und wie er sich zu verhalten habe etc.

Da werde ich mich vermutlich in nächster Zeit ab und zu mal zu äußern. Glaube nämlich, dass ich das eigentlich im Großen und Ganzen ganz gut (vor)lebe.

 

Er götzt

Eilmeldung!

Gepard
Affe Justins Baby Mally hat Bieber bekommen.

Ach, nein, Moment …

Justin

Dass moderne Werbung mehr und mehr versucht, Geschichten zu erzählen, ist keine neue Erkenntnis. Mitunter treiben es die Marketing-Experten aber so bunt, dass ich mich wirklich frage, was das soll, und ob wir uns alle mal wieder beruhigen können!?

Mario Götze wurde ja nicht für die WM nominiert. Das ist schade für ihn. Ich finde, er ist nach wie vor ein guter Fußball, der in seiner Karriere schon viele Höhen und Tiefen erlebt hat. Aber sein Endspiel-Tor 2014 ist schon jetzt unvergessen.

goetze

Jetzt hat ein Mobilfunk-Hersteller einen einminütigen (Werbe-)Spot mit Götze und um Götze herum gedreht, der das Scheitern thematisiert, bzw. die Art und Weise, mit dem Scheitern umzugehen. Sogar das Zitat des Bundestrainers ist drin, dass es in dieser Saison nicht der Mario Götze war, den wir „uns alle wünschen“ (was eine ziemlich krasse Formulierung ist, wenn man sie so schwarz auf weiß liest). Übermorgen startet eine Doku-Serie über Mario Götze im Pay-TV, und der Trailer deutet darauf hin, dass auch hier die Schattenseiten des Profilebens thematisiert werden. Und das, muss ich sagen, ist mir in dieser Kombination dann doch zu viel.

Ich weiß gar nicht, warum. Oder doch. Ich glaube, was mich stört, ist, dass deutlich wird, dass für die Macher dieser Inhalte letztlich alles im Leben eines prominenten Menschen „Content“ ist, der atmosphärisch überhöht, in Hochglanzbildern ästhetisiert und kommerzialisiert wird. Es geht letztlich nämlich nicht darum zu erfahren, wie sich Mario Götze wirklich fühlt, oder welchen Mehrwert der Zuschauer aus den Erfahrungen des Vorbildes ziehen kann; es geht um Gewinne, nicht um Gefühle. Und letztlich ist es egal, ob die Werbefigur gewinnt oder verliert. Hauptsache, die Lebensgeschichte (oder ein einzelnes Kapitel daraus) hat das Potential, aus der Person eine Marke zu machen. Und das ist es, glaube ich, was mich stört. Ich möchte keine Doku über eine Marke sehen, sondern über einen Menschen. Mit einer Marke kann ich mich nicht identifizieren. Mit einem Menschen schon. Mit dem kann ich mitleiden und mitfühlen. Einer Marke glaube ich womöglich auch nicht, wenn sie mir etwas erzählt, egal, wie glaubwürdig der Mensch dahinter (noch) ist. Eine Marke ist immer un-menschlich, ein Kunstprodukt. Ich werde in die Götze-Doku aber trotzdem reinschauen, allein schon aus beruflichem Interesse.

Und, wer weiß, vielleicht werde ich ja auch positiv überrascht. Dann werde ich das hier öffentlich zugeben.

Manchmal …

… zeigt einem das Schicksal innerhalb weniger Sekunden, dass eine Idee, die man sich in den Kopf gesetzt hat, die richtige ist. Und dass es einem an einem solchen Tage wohlgesinnt ist (ja, es heißt gesinnt, nicht gesonnen, hab´s gerade nochmal nachgeschlagen).

Wo fange ich an? Meine Freundin hat kurz vor ihrem Weggang von der Firma, für die ich auch arbeite, noch ein Interview mit Marika Kilius gemacht. Es ging um eine Dokumentation über Kennedy, und die ehemalige Eiskunstläuferin von Weltrang, Marika Kilius, sollte ein bisschen über den damaligen Hype um den US-Präsidenten und den Spirit der 60er erzählen. Freundlicherweise stellte sie uns damals zwei private Fotos zur Verfügung. Meine Freundin bat mich, die Fotos in ihrem Namen zurückzuschicken, was – vermutlich aufgrund zu hoher Arbeitsbelastung – irgendwie in Vergessenheit geriet.

Nun sind mir die Fotos wieder in die Hände gefallen. Beschämt und voller Sorge habe ich dann gestern versucht, Marika Kilius telefonisch zu erreichen. Vergeblich. Heute rief sie mich zurück, entspannt und freundlich, sie sei gerade in Hamburg und sitze auf der Mönckebergstraße in der Sonne. Da habe ich natürlich schnell geschaltet und sie ihr gleich persönlich vorbeigebracht. Freundlicherweise durfte ich auch noch ein „Beweisfoto“ von der Übergabe machen. Das habe ich natürlich gleich meiner Freundin geschickt … herrlich.

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Aber was für ein Zufall, dass die Dame gerade heute in Hamburg weilte. Oder eben doch nicht?

Ein Neuer im Tor

Wie früher, nur dass das mein Auto damals billiger war als das Schlagzeug hinten drin
Wie früher, nur dass mein Auto damals billiger war als das Schlagzeug hinten drin

Nach meinem kleinen Ausflug in die Welt der Musik hat mich der Büroalltag wieder. Hat großen Spaß gemacht, war aber auch ein bisschen anstrengend. Hatte schon fast vergessen, wie es ist, ein komplettes Schlagzeug bei 33 Grad aus dem 5. Stock ins Auto zu verfrachten, vier Stunden zum Gig zu fahren, vor Ort sofort auszupacken und aufzubauen, Soundcheck, kurz was essen, und dann geht´s auch schon los. Hat sich aber auch sehr gut und sehr besonders angefühlt, mit meinem alten Freund Mike und der Tanzbande im Rücken.

Tanzbande01

Das Konzept, live zu DJ-Musik zu trommeln, ist gut, und für einen ersten Versuch hat es ganz ordentlich geklappt. Musste mich zwar wieder an den Bühnensound gewöhnen, aber die Leute fanden die Aktion, glaube ich, größtenteils cool. Und das ist doch die Hauptsache.

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Doch der Trip hat schon Einiges in mir wachgerüttelt. Im Beckenkoffer lag immer noch ein alter Tour-Flyer von Roger Trash. Hat mich berührt. Was für eine privilegierte Art, sein Studium zu finanzieren, auch wenn nicht jedes Konzert dieser „Ochsentour“ das reinste Vergnügen war. Das Gesamterlebnis dieser Zeit mit diesem Menschen, der viel zu früh gestorben ist, allerdings umso mehr.

Saß gestern Abend noch mit meiner Freundin lange auf der Terrasse (auch so ein Heimathafen ist ein Privileg). Wir haben uns vorgenommen, das Hier und Jetzt zukünftig noch etwas sorgloser und leichter zu (er)leben. Kann ja nicht angehen, dass man da sitzt und immer von früher schwärmt. Wie sagte meine Freundin ganz richtig: Das Heute ist schließlich das Gestern von Morgen. Und wir wollen doch nicht, dass es später nichts Schönes über die Zeit zwischen 30 und 50 zu erzählen gibt.

Ansonsten: Haben die Alphabeten diese Woche ihr erstes Gewinnspiel veranstaltet. Die Bilderwitz-Community sollte sich diesmal selber einen Text überlegen, haben ganz schön viele mitgemacht. Tolles Projekt, was Sebastian und ich da haben. Kann man später gut seinen Enkeln von erzählen:

Memmentaler
The winner is … äh, this.

Auch im Job habe ich heute interessante Dinge gelernt. Lese gerade ein Buch über Napoleon III. von Johannes Willms, den ich hoffentlich bald interviewe. Laut Willms war Napoleon III. ein unterschätzter Staatsmann. Er hatte in England gesehen, wie ein paar Industrielle immer reicher und die Masse der Arbeiter immer ärmer wurden. Und das wollte er in Frankreich anders machen. Schon Mitte des 19. Jahrhunderts soll er gesagt haben: Die Regierung ist die initiative Kraft eines jeden sozialen Organismus. Es ist besser, 300 Millionen für die Bekämpfung der Armut auszugeben, als 120 Millionen für den Bau neuer Gefängnisse. Setze neben „Bekämpfung der Armut“ das Wort „Bildung“ und schon hat diese Einschätzung nichts an ihrer Aktualität verloren.

Und? Samstag ist wieder ein Neuer im Tor. Hab aber leider den Namen vergessen …

Blogshit

Der Tag fing eigentlich ganz gut an. Musste mein Auto ummelden, weil jemand das vordere Kennzeichen entwendet hat (ja, klingt nach einem Dumme-Jungen-Streich, ist aber, wie mir sowohl die Polizei als auch die Mitarbeiterin beim Straßenverkehrsamt bestätigten, momentan kein Einzelfall). Hatte zum Glück vorab online einen Termin gemacht und – da das tatsächlich alles sehr gut aufbereitet ist – auch alle Unterlagen dabei und war insofern vergleichsweise schnell wieder draußen. Mit neuen Kennzeichen und neuen Papieren. War wirklich erstaunt, wie gut und reibungslos das funktionierte. Habe ich der Mitarbeiterin auch gesagt. Sie hat sich gefreut. Ist, glaube ich, auch kein unstressiger Job da. Der Security-Typ sah jedenfalls ziemlich düster aus. Muss er wohl auch.

Im Büro stand dann heute Recherche auf dem Programm: das „geheime“ Paris. Habe mit dem ZDF korrespondiert und anschließend mit Johannes Willms telefoniert, Historiker und Autor. Überlege, ob er für uns als Experte in Frage kommt, weil er Frankreich-Experte ist und auch einen Wohnsitz in Paris hat. Sehr interessanter Mann, der mir in der Kürze schon wertvolle Tipps für weitere Geschichten gegeben und überhaupt sehr launig erzählt hat. Kann mir den gut als Interviewpartner vorstellen.

War also so ganz zufrieden mit meiner „Spürnase“. Nebenbei habe ich mir weiterhin die Stücke eingeprägt, zu denen ich morgen Abend trommeln soll, und war, wie gesagt, ganz im Reinen mit mir. Alles cool. Bin dann im Internet den Tipps von Johannes Willms nachgegangen und – über einige Umwege – plötzlich leider auf so einem Reichsbürger-Blog gelandet, der mir so schlechte Laune gemacht hat, dass ich gar nicht weiß, wohin damit. Ich meine, dass das Internet auch eine ständig anwachsende Quelle von dummen und bösen Gedanken ist, die auf diesem Wege Verbreitung finden, ist kein neues Problem. Aber angesichts dieses ätzenden Mülls frage ich mich schon, warum man da seitens des Staates nicht den Stecker ziehen kann. Das Perfide daran ist, dass diese Idioten auf der anderen Seite leider nicht zu blöd sind, um sich mit einschlägigen Formulierungen juristisch abzusichern:

Blogshit

Im Gegenteil, im Zweifel verklagen die einen noch wegen Rufschädigung oder falscher Anschuldigungen. Das Internet ist wirklich Fluch und Segen zugleich. Da müsste mal jemand aufräumen, aber nach welchen Gesichtspunkten? Da gehen die Schwierigkeiten ja schon los. Letztens ist mir das hier untergekommen, als ich schauen wollte, ob man meine Bücher noch regulär bestellen kann (es hatte mich jemand danach gefragt):

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Hab mich nicht getraut, auf den Download-Button zu drücken. Obwohl es mich natürlich interessiert, ob da jemand einfach meinen Roman als PDF verschenkt – oder Trojaner …

L´art poor l´art

Sitze auf der Terrasse, bestes Wetter, kleines Kaltgetränk vor mir und freue mich auf den neuen Münster-Tatort. Nebenbei präge ich mir die Songs ein, die mir mein Kumpel Mike zusammengestellt hat und zu denen ich nächste Woche auf der Tanzbanden-Party trommeln soll. Bin ein bisschen aufgeregt, denke natürlich auch, ich müsste von morgens bis abends im Proberaum sitzen. Auf der anderen Seite habe ich mir fest vorgenommen, solche außerberuflichen Projekte von nun an und in Zukunft mit einer gewissen Freude und Leichtigkeit zu nehmen, weil man sich ohnehin immer zuviel Sorgen macht.

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Gestern noch ein Theaterstück auf Kampnagel gesehen, bei dem mein jüngster Sohn mitgewirkt hat. Das war klasse, also nicht nur er und das Stück, sondern das ganze Ambiente: das Essen vorher im Peacetanbul (Didi Beiersdorfer hat uns Eis verkauft, wir konnten es gar nicht glauben, haben dann aber schnell recherchiert und herausgefunden, dass er schon lange mit der Chefin vom Peacetanbul verheiratet ist. Crazy.), die ganze Anlage da, die freundlichen, leicht positiv bekloppten Leute, ehrlich, an solchen Abenden gewinnt man in Zeiten von rechten Hetzern wie Gauland und Co. ein bisschen den Glauben an das Gute im Menschen zurück.

Apropos Schauspielerei. Heute Morgen habe ich zufällig in eine Doku über Moritz Bleibtreu geschaltet und bin echt drangeblieben. Abgesehen davon, dass das eine ziemlich spannende (Familien-)Geschichte ist und eine beeindruckende Karriere, inklusive eines negativen New York-Abenteuers, von dem es aber Fotos gibt, auf denen der junge Moritz aussieht wie eine Mischung aus James Dean und Marlon Brando, wusste ich eben auch vieles nicht, z.B. dass er mal in zwei Episoden von „Neues aus Uhlenbusch“ mitgespielt hat, mit Onkel Heini, hab ich geliebt als Kind. Und man muss sagen, auch der Moritz war ein ganz bezaubernder Kinder-Darsteller. Allerdings hätte ich ihn nicht erkannt.

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Ansonsten? Gilt mein Mitgefühl Loris Karius. Wenn ich mir vorstelle, das wäre mein Sohn … Horror! Ich wünsche ihm ganz viel Stärke und gute Unterstützung. Hoffentlich kann ihm jemand vermitteln, dass Fußball am Ende, also ganz am Ende, nur ein Spiel ist.

Pover of Lowe

Ereignisreiche Pfingsttage, die zum Denken anregen. Mitten in die AfD-Hetzer und Sympathisanten (Ex-Kollege Matussek, unfassbar!) unserer Zeit, mitten in eine sich auf den Nebenseiten der Medien erhitzende Özil und Gündogan-Debatte, mitten in eine immer aggressivere, unsachlichere und destruktivere, öffentliche Diskussionskultur, die die Lunte an die Menschlichkeit nicht nur gelegt, sondern bereits angezündet hat, erhebt sich ein Priester in England und spricht von der Kraft der Liebe. Und traut einen Mann, von dem man lange munkelte, er sei der Sohn eines Reitlehrers und nicht der eines Königssohnes. Und der wiederum eine bürgerliche US-Schauspielerin mit afroamerikanischen Wurzeln zur Auserwählten erkoren hat. Und der „trotzdem“ den Segen der Queen und das komplette, königliche Partypaket bekommt. Und alle Stars waren da, um mitzufeiern.

I must say, I love it. Ich war mir der Tragweite dieser Hochzeit bis zum letzten Augenblick gar nicht so bewusst, aber wenn man dieser Tage ein Beispiel für die Kraft der Liebe und auch für die Lern- und Entwicklungsfähigkeit selbst konservativster Institutionen gebraucht hat, musste am Wochenende nur den Fernseher einschalten.

Good
Good

Kleines Senfkorn Hoffnung, fällt mir dazu ein, ein Kirchenlied aus Kindertagen, wobei diese Hochzeit mit dem Gospelchor war ja fast schon eine ganze Tube auf unseren derzeitigen, deutschen Wurstsalat. Und dann geht man einigermaßen beschwingt ins Gartencenter, die letzten Pflanzen besorgen, weil das Wetter mahnt und lockt, und dann ist das erste, was einem ins Auge fällt, das hier …

Not good
Not good

Da möchte man doch gleich wieder ins Bett und sich die Decke über den Kopf ziehen. In dem Laden waren wir jedenfalls zum letzten Mal. Für Toleranz und Liebe, Respekt und Vergebung, Freude und manchmal ein bisschen „drüber“ sein:

Queereinsteiger

Die Sonne
scheint
 nicht
nur so

als ob

Besser das Herz am rechten Fleck als ein rechtes Herz mit Flecken. Euch allen einen schönen Wochenanfang!

Poly Tick – Things with faces

Wer kennt diesen Mann?
Wer kennt diesen Mann?

Meine Freundin ist ein großer Fan von Things with Faces. Ob ihr der Greis auf der Fliese gefällt?

Wir haben gestern Abend nochmal lange über die Özil/Gündogan-Frage diskutiert. Also, ob man die vielleicht doch nicht hätte für die WM nominieren sollen. Sie kennt die Türkei sehr gut und war da eindeutiger als ich. Ich vertrat in erster Linie den Standpunkt, dass ich Löws Reaktion auf diese Frage bei der Pressekonferenz souverän fand, ohne dass ich jetzt sagen könnte, ob es die richtige Entscheidung ist, die beiden mitzunehmen. Man weiß ja auch nicht, wie das hinter den Kulissen jetzt noch aufgearbeitet wird. Vielleicht lädt Oliver Bierhoff ja mal Jan Böhmermann ins Trainingslager ein. Oder Deniz Yücel (oh, verdammt, sehe gerade, dass das vor drei Tagen schon ein BILD-Journalist vorgeschlagen hat).

Auf jeden Fall kann man festhalten: Erdogan spaltet nicht nur sein Volk, sondern phasenweise auch meine Beziehung. Wo soll das enden?

Habe heute bei der Arbeit ein neues Doku-Thema bekommen. Darf noch nicht konkret drüber sprechen, ist aber für ZDF History, und ich finde es sehr interessant. Der zuständige Redakteur in Mainz gab mir zwei Film-Tipps als Sehbeispiel, habe mir natürlich sofort angeschaut. Vor allem die eine Doku, Devil Dogs, war wirklich toll. Da geht es um einen Franzosen, der es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, eine bestimmte Schlacht zwischen den Deutschen und US-Marines, den „Devil Dogs“, im 1. Weltkrieg aufzuarbeiten (die US-Marines haben den Franzosen geholfen, damit die Deutschen nicht Paris erreichten). Und das war sehr gut erzählt. Der Hobby-Forscher sagt an einer Stelle, dass dieser Krieg für ihn erst da wirklich erfahrbar wird, wo er die Schicksale einzelner Soldaten aufspürt, und das schafft er wie ein Schatzsucher und Detektiv. Er besucht sogar eine Familie in Kentucky und bringt denen die „Hundemarke“ ihres verstorbenen Großonkels, von dem es sonst nur noch ein einziges Foto gibt. Und er kann denen plötzlich die ganze Geschichte der Truppe erzählen. Da hätte ich fast geheult. Obwohl ich sonst überhaupt nicht so auf Kriegsfilme stehe.

Ich erinnere mich aber auch, dass ich einen ähnlichen Satz mal in meinem zweiten Roman „Kunststoff“ geschrieben habe; dass Krieg nie Ländersache sei, sondern ein Keller, der als Bunker dient, oder zwei Quadratmeter Schützengraben.

Die zweite Doku, die ich mir angeschaut habe, Hitlers England, hat der zuständige ZDF-Kollege selbst realisiert. Auch schön. Ein Film über die Kanalinseln, die während des 2. Weltkriegs ein paar Jahre in deutscher Hand waren. Vor allem Juden und russischen Kriegsgefangenen wurde dort grausam mitgespielt. Musste beim Schauen des Filmes an die AFD denken und die Verteidiger von Ralf Wohlleben in dem NSU-Prozess.

Und damit setze ich meinen Schlusspunkt: Dieses am Ende, trotz des Horrors, beruhigende Gefühl, das man früher, als junger Mensch, beim Rezipieren von Büchern oder Filmen aus dem Dritten Reich hatte, dass die Nazis ein Albtraum sind, der, Gott sei Dank, vorüber ist, und dass so etwas nie, nie wieder passieren wird, das ist leider vorbei.

Gedankensprünge in der Zeit

Gestern Abend feierte mein Arbeitgeber SPIEGEL TV 30-jähriges Bestehen. Bin auf dem Weg zum Büro nochmal am alten SPIEGEL-Haus vorbeigefahren. Komplett saniert.

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Da, wo wir früher Kaffee getrunken haben, ist jetzt ein moderner Coffee-Shop. Ich meine, bin ja selber jetzt auch schon 15 Jahre dabei! Bräuchte ebenfalls eine Grundsanierung. Immer noch Adduktoren-Probleme. Wie Boateng. Sitze beim Fußball auf der Bank, kann der Mannschaft nicht helfen und fange früher an, Bier zu trinken. Ein Teufelskreis. Unsere Alte-Herren-Truppe ist übrigens auch abgestiegen. Hat bloß keiner mitbekommen, weil dieser andere Hamburger Verein auch abgestiegen ist, das war wohl wichtiger.

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Aber bei meinen Söhnen kann ich noch zugucken. Das macht Freude.

Naja, ich hoffe, dass ich das in Ruhe auskurieren kann, wenn WM ist. Heute wurde ja der vorläufige Kader bekanntgegeben. Hab diesmal sogar den Liveticker nebenher laufen lassen, war gut gemacht. Um es kurz zu machen: Götze ist nicht dabei. Schade, ich mag den irgendwie. Dafür Petersen – zurecht. Von dem erwartet sich Löw einiges – zurecht.

Beim Thema Manuel Neuer wählte der Trainer eine besonders schöne Formulierung. Man wolle jetzt mal schauen, ob Manus Körper im Training die volle Belastung „toleriert“ – das ist fast schon poetisch. Oder? Egal, wo war ich stehengeblieben? Ach so, 30-jähriges Bestehen von SPIEGEL TV. Habe aus diesem Anlass mal im Archiv gegraben. Bitte schön! Mein schönstes Dreherlebnis: Gunter Gabriel nimmt bei uns im Studio den von mir komponierten Titelsong zu unser NDR-Serie „Der Hafencowboy“ auf. Und ich Fernsehfuzzi „erkläre“ der Hit-Maschine, wie es geht. Unglaublich. Wie die bezaubernde Kollegin, die am Ende noch auftaucht …

Mi(s)ch-Kalkulation

Ich liebe den Mai. Es wird wärmer, die Natur blüht auf, die meisten Menschen auch – und es gibt jede Menge Feiertage, die den Arbeitsmonat ein bisschen „luftiger“ machen. In diesen Tagen nimmt man alles leichter, selbst wenn der Alltag mal wieder hier und da kneift, denn unterm Strich muss man sagen: das Glas ist halbvoll, trotz des Unwetters nicht übergelaufen, im Gegensatz zu unserer Tiefgarage.

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Und das ist dann schon ein bisschen lustig, weil die Garage ja auch ein Luftschutzbunker sein soll. Und da fragt man sich schon, wie das gehen soll, wenn schon ein bisschen Wasser die Konstruktion überwindet. Wobei im Ernstfall wird das Rolltor, glaube ich, durch eine Panzertür ersetzt, keine Ahnung, hoffe, wir werden das nie ausprobieren müssen.

In diesen Tagen viele kleine Aufs und Abs, die das „Leben“ sind, zumindest das Leben in einer technisierten Hochkultur. Immer wichtig, dass es am Ende eine Mischkalkulation ist und man nicht nur reinbuttert. Beispiele, gefällig? Ich habe letztes Wochenende den Griff und Schließmechanismus an der Waschmaschine kaputt gemacht. Die Tür ließ sich nicht mehr öffnen, nicht einmal über die Notentriegelung. Hatte aber auch zu spät im Internet geguckt, wo sich die Notentriegelung bei dem Modell befindet. Ziemlich versteckt! Da hatte ich in meiner Ungeduld den Schaden aber schon angerichtet. Also den Kundendienst gerufen: 170 Euro. Da lacht das Herz. War aber auch zugleich irgendwie froh, dass mich so eine außergewöhnliche Belastung nicht sofort ruiniert. Dass ich das zahlen kann und weiter geht´s. Dachte in dem Moment an meine Schwester, die Tierärztin, die letztens erzählte, dass immer wieder Leute ihre Haustiere in die Praxis bringen und nach der Untersuchung sagen: Sorry, hab kein Geld. Obwohl sie sich vorher schriftlich zur Zahlung der Behandlung verpflichtet haben. Wahnsinn.

Ich hab mich jedenfalls weniger über das Geld, sondern vielmehr über mich selbst geärgert, weil ich so kopflos agiert habe. Hab auch erst später gesehen, dass es den Griff als Ersatzteil im Internet gibt, für 30 Euro, und die Reparatur war jetzt kein Hexenwerk. Naja, am nächsten Tag wollte ich – zu Beginn der neuen Fahrradsaison – die Gangschaltung am Mountainbike einstellen, weil der Umwerfer die Kette vorne nicht aufs große Ritzel hieven konnte. Also, dass das „Umwerfer“ heißt, wusste ich vorher nicht, doch diesmal bin ich die Sache mit Bedacht angegangen. Hab Fahrrad und Werkzeug rausgebracht, ganz in Ruhe im Internet geschaut, wie das so geht, um dann Schritt für Schritt das Problem zu beheben. Jetzt geht´s wieder. Also, läuft.

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Musste wieder einmal feststellen, wie wichtig es – bei der ganzen Grübelei über Gott und die Welt – für meine Balance ist, ab und zu meine praktischen Fertigkeiten einzusetzen. Das muss nicht immer ein technisches Problem sein. Manchmal können Kunst und Handwerk auch verschmelzen. Liebe es z.B., so kleine „Blumen-Landschaften“ zu bauen, mit Steinen und Moos und Figuren. Diesen kleinen Tannenkeimling habe ich gestern gerettet. Freu mich jetzt schon immer wieder, wenn ich den anschaue, und, wer weiß, vielleicht gedeiht er genauso prächtig wie sein großer (vormals ebenso kleiner) Bruder …

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Und zu guter Letzt? Hat mir zumindest ein Sohn tatsächlich zum Vatertag gratuliert. Einer von dreien, keine schlechte Ausbeute. Er hat mir einen selbstgebauten Donald aus Lego geschenkt. Den hat er zwar schon vor fünf Jahren gebaut, aber ich hab mich sehr gefreut. Und es war auch irgendwie ein bisschen stellvertretend für die anderen beiden Flitzpiepen. Da kann dann auch gerne bald das nächste Malheur passieren, kein Problem, Mischkalkulation eben.

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