Der Wächter der Hühnersuppe

waechter

Wochenende, Sonnenschein, läuft. Hab gestern meine Textproben verschickt. Mehr kann ich jetzt erst mal nicht tun. Außer: hoffen und beten. Opfer bringen. Voodoo-Zauber.

Merke, dass es guttut, die Sache für einen Moment vom Tisch zu haben. Und dass ich die Zeit davor, die ja auch dafür vorgesehen war, genutzt habe.

Habe vor ein paar Tagen irgendwo gesagt, Fußball sei für mich wie ein meditativer Kampfsport. Ist auch so. Gestern Abend die Senioren von Paloma in einem hitzigen Freundschaftsspiel niedergerungen. Hab ein Tor vorbereitet und eines verschuldet. Trotzdem sehr befriedigend. Kleine Handgreiflichkeiten während des Spiels, Handshakes nach dem Spiel. Körper und Geist. Hand in Hand, zum Beispiel, mit dem Podcast, der jetzt draußen ist. Man vergisst das ja manchmal, wie so schöne Dinge eigentlich entstanden sind. Zum Glück hat es der Kollege Stuertz in seinem Autorenblog nochmal aufgeschrieben …

Umgestuertzt

Habe die letzten Tage ein bisschen in meinen alten Blog-Einträgen gelesen. Ganz interessant, was einen in der Vergangenheit so beschäftigt hat. Ich denke, es ist richtig, sich Gedanken zu machen und zu versuchen, dem Sinn des Lebens auf die Schliche zu kommen. Aber wenn ich unseren schwarzen Kater dabei beobachte, wie er einfach stundenlang da draußen sitzt, guckt, auf einer Arschbacke die Hühnersuppe bewacht, bzw. hofft, dass der Topfdeckel ein bisschen verrutscht, denke ich, man sollte noch viel mehr im Augenblick leben, anstatt ständig zu grübeln. Und hoffen, dass der Deckel verrutscht. Obwohl mir das im Grunde schon ganz gut gelingt. Oder zumindest besser als noch vor ein paar Jahren.

unglueck

Am Donnerstag war ich in Berlin, für ein Meeting mit dem ZDF. 06:30 Uhr los, 15:30 Uhr zurück. So der Plan. Und dann steckte ich auf dem Rückweg sechs Stunden lang im ICE fest, weil sich jemand mitten in Brandenburg vor den Zug warf. Am Valentinstag. Der arme Mensch. Es hat auch keiner von den Fahrgästen gemeckert, im Gegenteil. Obwohl die Schlange vor dem Zugbistro fast durch den ganzen Wagon ging, waren alle sehr aufmerksam und höflich, ja, fast kommunikativ. Insofern, auch wenn das jetzt unpassend klingt, hat so eine Tragödie auch immer noch etwas Gutes, weil plötzlich alle anderen das, was sie zu sein glauben, in einem anderen Licht sehen.

Aber es darf natürlich trotzdem nicht passieren, dass sowas zum letzte Ausweg für einen Menschen wird. Auch der Stress für die Behörden: Kripo, Rettungshubschrauber, Staatsanwaltschaft, der ganze Kram. Es muss ja in kürzester Zeit ausgeschlossen werden, dass Fremdverschulden vorliegt. Und es musste extra ein neuer Lokführer herkommen. Mitten in die Pampa. Denn der alte stand natürlich unter Schock und konnte nicht weiterfahren. Das ist, glaube ich, ohnehin etwas, mit dem man sehr schwer umgehen kann. Wenn man jemanden überfährt. Eine Gefahr, die in meinem Beruf tatsächlich nicht so groß ist.

tazsache ist, …

… unsere Minimal Trash Art-Autorin Dagrun Hintze hatte heute ein langes Interview in meiner Lieblingszeitung, der taz.

Hier der Link: Hintze in der taz

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Ihr könnt aber gerne auch noch auf dem Nachhauseweg am Kiosk eine taz kaufen, trifft nicht die Falschen. In der Printausgabe ist es eine ganze Seite geworden, und neue Lesetermine gibt es auch. So eine Resonanz freut mich dann doch. Hab auch eben nochmal festgestellt, der kleine Trailer, den ich gemacht habe, ist verglichen mit dem, was es sonst so gibt, ein bisschen charmant.

Habe angefangen, mit ein paar Protagonisten zu telefonieren, es geht um ein ZDF-Format über Weltreisende. Die Dame, mit der ich heute gesprochen habe, sagte, es sei völlig offen, ob sie und ihr Mann jemals wieder nach Hause fahren und ein normales Leben führen werden. Das Reisen sei zu schön. Und das waren keine Superreichen. Und er musste gerade in Südamerika an der Bandscheibe operiert werden. Krass. Wie die das machen? Zuhause die Wohnung vermieten und unterwegs die Rente als Reisekasse verwenden. Vorbildliches Modell.

T(schüß, )Omi

Es gibt Menschen, deren Impact auf die Welt man erst versteht, wenn man liest, dass sie gestorben sind. Tomi Ungerer ist so einer. Als Bilderwitz-Erfinder sind mir seine Zeichnungen und Illustrationen natürlich ein Begriff, ebenso, dass er zunächst provokante Erwachsenen- und später wunderbare Kinderbücher gemacht hat. Aber vieles wusste ich eben auch nicht.

Ungerer wurde als Kind drei Mal verboten, seine Sprache zu sprechen. Während der deutschen Besatzung das Französische, später, nach Kriegsende, verboten dann die Franzosen, Deutsch zu sprechen und das Elsässische, Tomis eigentliche Heimatsprache. Ungerer soll diese Sprachverbote, so steht es in einem FAZ-Artikel, später als „Kulturverbrechen“ bezeichnet haben.

Kleine Randnotiz, in meinem neuen Manuskript findet sich dieser Satz:

D. hatte genügend Länder dieser Erde bereist, um sicher sagen zu können, dass kein Mensch seine Heimat freiwillig für immer verließ. Und dass sich hierzulande niemand, der es nicht am eigenen Leib erfahren hatte, vorstellen konnte, wie schlimm es für einen Vater sein musste, mitanzusehen, wie sein eigenes Kind mit einer anderen Muttersprache aufwuchs.

Habe im Netz zwei Nachrufe gelesen, den, bereits erwähnten, auf der FAZ- und einen überraschend launigen auf der MOPO-Seite. Offenbar hat Ungerer Anfang der 80er mal eine zeitlang gemeinsam mit dem Kiez-Fotografen Günter Zint bei Domenica gewohnt. Wusste ich nicht, klingt aber so, als gäbe es aus der Zeit eine Menge zu erzählen. Macht Günter Zint morgen Abend im Sankt-Pauli-Museum. Ich kann leider nicht. Bin mit einem guten Freund verabredet, der sich unterhalten möchte. Mit mir. Ist das zu glauben?

TOmi

Apropos, was ich nicht ganz verstanden habe – da war unter dem Artikel auf der MOPO-Seite so ein Feedback-Balken mit Emojis. Wollen die wirklich, dass ich da auf einen Smiley klicke, um … das kann ja wohl nicht wahr sein!?

Erste Hürden nehmen

Nicht Laub fegen, bringt Sauregen
Nicht Laub fegen, bringt Sauregen

Meine Freundin hat mein Buch gelesen, also das neue. Das ich in den letzten sechs Wochen zu Papier gebracht habe. Das noch keiner kennt. Sie hat es zu Ende gelesen, während ich draußen im Regen dem Jüngsten beim Fußball zugeguckt habe. Ich kam zurück, nass und durchgefroren und von der leichten Sorge befallen, mich bei ihr angesteckt zu haben, und bevor ich etwas sagen konnte, sagte sie: „Ich habe dein Buch gelesen … (diese paar Sekunden, in denen sie dann nichts sagt – HORROR!) … ich finde es gelungen.“

Puh!

Nun kann man sagen: Sie muss es ja gut finden. Ja, vielleicht. Um mich, ihren Partner, zu ermutigen. Aber sie ist als Partnerin zugleich auch verantwortlich dafür, dass ich nicht mit einem Scheiß-Text ins offene Messer des Betriebs renne und hinterher total frustriert bin. Aber nicht nur das macht die Sache kompliziert. Natürlich kann eine Lebensgefährtin nie eine objektive Leserin sein. Sie erkennt sofort persönliche Bezüge des Autoren und muss zugleich abstrahieren können, dass auch die persönlichen Dinge aus seinem Erfahrungshorizont hier nur eine textimmanente Funktion erfüllen. Also, zum Beispiel, wenn es um Liebe geht oder Frauen im Allgemeinen, und der Autor schreibt irgendwas Negatives oder Merkwürdiges, dann darf sie das nicht auf die Beziehung übertragen, die sie faktisch mit dem Autoren täglich führt. Das stelle ich mir nicht immer leicht vor, aber so ist sie eben: großartig.

Schauen wir mal, wie es weitergeht.

HAM-HAM.LIT

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War gestern Abend auf der HAM.LIT im Uebel & Gefährlich. Toller Club, nettes Publikum, interessantes Line-Up. Und ich mittendrin mit dem Kollegen Stuertz von den Alphabeten und dem Kollegen Billhardt von Minimal Trash Art.

DHamlit

Unsere MTA-Autorin Dagrun Hintze durfte ja auch lesen, und ihre Gedichte aus unserem Band „Einvernehmlicher Sex“ trafen im Turmzimmer echt den Nerv des Publikums. Klasse.

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Ansonsten hat mich Inger-Maria Mahlke beeindruckt. Sie hat aus ihrem preisgekrönten Werk „Archipel“ gelesen, kein leichter Vorlese-Text, aber an sich natürlich sehr, sehr hochwertig. Beim Lesen hat sie sich immer selbst mit der rechten Hand dirigiert oder den Takt vorgegeben, sehr interessant. Kollege Stuertz hat sie bereits für die Alphabeten angefragt, das wäre natürlich ein Hammer, wenn wir die interviewen könnten.

Mir fällt übrigens gerade auf, dass Dagrun in Lübeck geboren und Inger-Maria in Lübeck aufgewachsen ist. Hmmm, … Zufall? Oder Günters guter Geist? Oder liegt es am Marzipan? Merke selbst, dass mich so eine Atmosphäre wie gestern Abend immer gleich inspiriert. Also, wenn ich jemanden lesen höre, schießen mir selbst sogleich irgendwelche Zeilen durch den Kopf.

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Das hier zum Beispiel, auf dem Weg zur Toilette:

„Warum sagst Du das? Warum sagst Du das?“ Sie fragte diese Frage nicht wie eine Frage, sondern wie eine Antwort auf eine Frage, die die Antwort hätte sein sollen.

Oder das hier im Bus auf dem Nachhauseweg:

Die die Schmerzen Vergessenden
haben eigentlich nichts zu tun
sie freuen sich womöglich

über eine Cola, ihre Wanderschuhe oder
schlicht und einfach ein
verrücktes Huhn 

Die die Schmerzen Vergessenden
öffnen hinterbliebene Luken
oder riegeln sie für immer zu
lassen sich gehen, verpflanzen
Herzen und spuken
doch mit Glück
lassen sie in Ruh´

Merkwürdig, oder? Kann man nix mit anfangen, aber ich bin gestern trotzdem ganz zuversichtlich nach Hause gefahren (bei der Gelegenheit übrigens mal wieder ein Lob an den HVV, man kommt in Hamburg auch in der Woche und recht spät noch sehr gut nach Hause).

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Ja, es gibt Wichtigeres als formalen Erfolg, aber darum geht es auch nicht. Es geht darum, dass man für einen Leser schreibt. Deswegen schreibe ich auch diesen Blog. Weil ich meine Gedanken gerne teile. Und ich glaube, meine neue Idee ist gut. Ich werde am Wochenende versuchen, ein Paket zu schnüren (Exposé, Textauszug), und dann gehe ich mit dem Ergebnis der letzten Monate mal an die frische Luft. Hoffentlich bin ich danach nicht allzu verschnupft.

Karmäleon

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Habe die Mittagspause heute mit meinem ältesten Sohn verbracht. Abschiedsessen. Er verschwindet am Wochenende für ein dreiwöchiges Praktikum nach England. Hat er alles selbst organisiert, Arbeit mit Behinderten, ein Freund kommt mit, super Sache, vor allem, weil es für die Jungs heutzutage ja keinen Zivildienst mehr gibt. Das war bei mir damals die Phase, in der ich am meisten gereift bin.

Er fliegt nach Manchester. Erzähle das deswegen, weil das „Historische Foto“ heute im U-Bahn-Fernsehen ein Bild des Flugzeugwracks war, in dem auf den Tag genau vor 60 Jahren eine englische Fußballmannschaft abgestürzt ist. Zwar in München, aber es war die Mannschaft von Manchester United. Bin eigentlich kein ängstlicher Typ, war aber irgendwie ein merkwürdiger Zufall. Dachte mir jedenfalls, es könne karmatechnisch nicht schaden, wenn ich (wie immer, wenn ich da vorbeikomme) der Hinz&Kunzt-Verkäuferin auch heute wieder eine Zeitung abnehme. Hab ihr dann, weil ich kein Kleingeld hatte, noch einen Kaffee am Kiosk gekauft. Statt Kaugummis für mich. Weil es da unten im U-Bahn-Tunnel zieht wie Hechtsuppe. Sie hat sich so gefreut, dass ich mich ein bisschen geschämt habe. Nächstes Mal mache ich das ohne Flugangst!

Ansonsten? Ist mir aufgefallen, dass ich offenbar länger nicht mehr U-Bahn gefahren bin. WLAN in Bussen ist ja ein alter Hut, aber die neuen U-Bahn-Wagons, in denen ich heute unterwegs war, hatten zwischen den Sitzen sogar implementierte USB-Ladebuchsen. Wo soll das bloß enden?

Hetz mich nicht!

Die Nerven
Die Nerven

Im Moment lachen einem wirklich überall diese bescheuerten Werbeplakate der Schule des Schreibens ins Gesicht. Höhnisch, in meinem Falle, möchte ich fast hinzufügen. Bin heute wieder den ersten Tag im Büro und wirklich sehr nett von den Kollegen und Kolleginnen empfangen worden. Habe aber natürlich gleich festgestellt, dass mir das konzentrierte Schreiben, das ich in den letzten Wochen zuhause praktiziert habe, total fehlt. Werde nun versuchen, so schnell, wie möglich, ein Exposé zu erstellen. Vielleicht interessiert es ja jemanden. Vielleicht sogar so sehr, dass ich erstmal wieder konzentriert schreiben kann.

Ich frage mich übrigens in der Tat, woher die Schule des Schreibens dieses Werbebudget nimmt. Die Plakate hängen wirklich ÜBERALL.

Wo wir das letzte Mal so nett über Musik und übers Trommeln geplaudert haben. Gestern, auf dem Weg zu meinem Fußballspiel (4:2 gewonnen und mein persönliches Elfmeter-Trauma überwunden, da sicher zum 3:1 verwandelt), kam im Radio „50 Ways to leave your Lover“ von Paul Simon. Und da heißt es im Refrain:

You just slip out the back, Jack
Make a new plan, Stan
You don’t need to be coy, Roy
Just get yourself free
Hop on the bus, Gus
You don’t need to discuss much
Just drop off the key, Lee
And get yourself frees

Und das ist lustig, weil ich hab zuerst verstanden: Und get you a Selfie …

Ansonsten? Spielt bei dem Stück unverkennbar Steve Gadd die Drums (übrigens mit je zwei Stöcken in einer Hand, wobei, nein, halt, das war „Late in the evening“) und die Welt da draußen mal wieder verrückt.

Fair rückt!

Trommelfell-Alarm!

Zack, nun ist sie fast um, meine kleine Auszeit. Drei Monate sind ja nicht gerade wenig, und trotzdem ging es mal wieder alles ratzfatz. Lag natürlich auch daran, dass ich die Zeit sehr intensiv verlebt habe. Wir waren in Afrika, dann kam Weihnachten, mein Sohn wurde 18, und nebenher ganz viel Kunst und Literatur. Und da muss man konstatieren: Ich habe die Zeit genutzt! Und zwar bis zur letzten Sekunde.

Heute ist Freitag, also gewissermaßen der letzte Arbeitstag meiner kreativen Pause, und ich kann sagen: Der erste Wurf meiner neuen Buchidee ist gestern Nacht (oder heute Morgen) um zwanzig vor Eins zu einem vorläufigen Ende gekommen. Und soeben erreichte mich eine Nachricht des Kollegen Stuertz von den Alphabeten, dass unser Podcast online ist. Noch nicht mit dem ganz großen Presse-Brimborium, aber immerhin beide Folgen mit der sympathischen Lucy Fricke, pünktlich zur HAM.LIT. Zu hören auf Spotify, die anderen Plattformen folgen.

Auf unserer Seite gibt es die erste Folge auch bereits:

Ich hoffe, das Format gefällt Euch so gut wie uns. Nicht ganz einfach, wenn man es richtig gut machen will, aber es nur nebenher machen kann, doch ich denke, das Ergebnis kann sich hören lassen. Nicht zuletzt, wegen der tollen Anmoderation (meine Freundin).

Apropos hören: Mein ehemaliger Schlagzeuglehrer Ben Bönniger, den ich Anfang Januar in Münster besucht habe, schreibt jetzt auch. Übers Trommeln. Welche Musiker ihn beeinflusst haben, welche Songs, sein erstes Schlagzeug, was das Trommeln für ihn bedeutet usw. Im Zuge dessen postet er immer wieder interessante Links mit Hörbeispielen. Der Nachteil: Er versendet diese Einträge (vorerst) nur an einen kleinen Kreis von Adressaten. Der Vorteil: Ich bin dabei. Und kann das eine oder andere, was mir da unterkommt, spiegeln.

Danke, Ben!

Copyright: Vermutlich SONOR.
Copyright: Vermutlich SONOR.

In einer der letzten Episoden ging es um den bekannten Jazztrommler Jack DeJohnette. Ben schreibt da, dass er sich damals das gleiche Schlagzeug gekauft hat, das Jack spielte, ein Sonor Phonic in Rosewood/Palisander, ein wunderschönes Holz. Astrein (Ha, soviel Zeit muss sein). Was Ben nicht schreibt, ist, dass er das Schlagzeug später an einen seiner Schüler verkauft hat. Und jetzt ratet mal, an wen.

Copyright: Sicher Ich!
Copyright: Sicher Ich!

Ich war ja früher eher ein Fan von Rockmusik, deswegen habe ich mir später eine große Bassdrum anfertigen lassen, für, ich glaube, über 2000 Mark. Obwohl ich andererseits auch in vielen Jazzformationen gespielt habe, zum Teil mit Leuten, die heute in der Szene recht bekannt sind. Ich merke, dass mich dieses Genre jetzt wieder mehr anspricht. Genauso wie Klassik. Ich war einfach für bestimmte Dinge noch nicht reif (genug).

Zu guter Letzt daher ein Konzertmitschnitt, den Ben angehängt hat, ein inspirierendes Beispiel fürs Trommeln. Im Trio und im Allgemeinen! Aber erstmal Lucy Fricke ans Trommelfell lassen:

Vor Sorge

Vor Sorge

War gestern bei meinem Hausarzt. Routine. Allgemeine Kontrolluntersuchung. Hautcheck, Krebsvorsorge, großes Blutbild, der ganze Kram. Heute dann der Anruf wegen der Blutwerte. Cholesterin, Muskeln, Leber, alles geht so, aber bei Leber und Muskeln kann man nicht genau sagen, ob es am Sport liegt oder an den Cholesterin-Tabletten, die ich schon nehme. Eine Erblast übrigens. Mein Arzt: Darf ich fragen, trinken Sie Alkohol? Antwort: Nein, ja, also, Bier ab und zu, aber sonst, also, nein, keinen richtigen jedenfalls.

Es gibt Dinge, die in zunehmendem Alter deutlich weniger Spaß machen: Frisör, Sehtest, Arztbesuche. Ich regeneriere auch langsamer nach dem Sport. Weil ich älter werde. Könnte aber, wie gesagt, auch an den Cholesterin-Tabletten liegen …

Es liegt eine gewisse Schönheit in dieser Altersprosa, eine, die mich fast rührt, weil ich noch aufrecht stehe. Mein Arzt sprach gestern noch von der Prostata und einer Darmspiegelung und so Zeugs, und ich sagte irgendwas wie „Die Natur wird sich dabei was gedacht haben …“, woraufhin er entgegnete, er hätte, was den menschlichen Körper betrifft, tatsächlich einige Verbesserungsvorschläge. Und wenn er der Natur nachträglich einen Rat geben könnte, wäre es der, auf den Menschen gänzlich zu verzichten.

Lustig, mein Arzt. Und sein letzter Gedanke ist gleich in mein neues Buch geflossen. Dazu die Tage mehr, für heute muss Lyrik reichen:

außer sich sein
und toben
auf die knie fallen
bluten
wie ein schwein
kollabieren
ich könnte killer sein
so mitleidlos
bin ich
am ende
wieder
zu sich kommen
und denken
Mensch
hast dich gut gehalten
Alter
mit 50
leiste ich mir
ein alkohol
problem

Snowadays

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Es gibt so magische Morgenstunden, wenn man aufsteht, sich den ersten Kaffee zubereitet, während die kalte Wintersonne durchs ungeputzte Küchenfenster knallt, und feststellt, dass es über Nacht geschneit hat. Dann macht man den Rechner an, weil man eine Idee hat, fängt langsam an, sich zu sortieren, hört nebenbei auf YouTube ein Best-Of von Radioheads Thom Yorke am Piano, die Katzen kratzen an dem Kratzbaum, den man ihnen mit viel Liebe gebaut hat, als sie klein waren, und plötzlich denkt man: So kann der Tag weitergehen.

War gestern beim Kollegen Stuertz von den Alphabeten. Seine Frau Tara hat Fotos von uns gemacht. Mussten die offeneren Bilder alle bis unter die Brust beschneiden, weil … ach, egal. Ein Presseinfo gibt es auch schon, weil der Podcast jetzt wirklich bald an den Start geht. Ehrlich, so wahr ich hier sitze, oder ich will tot umfallen … oh, nein, bitte, bei dem Projekt muss man ein bisschen aufpassen, was man sagt, so lange, wie das jetzt schon am Startblock steht. Aber was lange währt, wird ja bekanntlich gut. Wird demzufolge also super werden. Wird sind noch ein bisschen unschlüssig, was wir mit der Takis Würger-Folge machen. Das Interview war ja noch zum ersten Buch, eigentlich auch eine tolle Folge, aber er war mit dem zweiten Buch ein bisschen vorschnell. Schauen wir mal.

Ansonsten macht es wirklich Spaß, dieses Freelancer-Leben auf Zeit. Vorgestern habe ich zwei Stunden im Mathilde-Literaturcafé an der Bogenstraße gearbeitet und bin dann von da aus zum Training gefahren, gestern Abend noch eineinhalb Stunden an dem Trucker-Restaurant in der Nähe meiner Trommelbude. Nochmal: Ich verstehe NICHT, warum manche Vorruheständler in ein Loch fallen. Ich könnte rund um die Uhr arbeiten.

Ansonsten? Habe ich ein neues Sujet: Das Schöne im Schrecklichen. Nicht neu, aber immer noch mit Potential. Glaube auch, dass diese Art der prosaischen Dokumentation die einzige, verbleibende Art von Geschichtsschreibung ist. Hä?!

Keine Ente! Die lag da wirklich ...
Keine Ente! Die lag da wirklich …

Schön schrecklich auch: Mein Sohn wird morgen 18! Hammer! Könnte allein dazu eine Bibliothek vollschreiben. Lasse ich aber. Ihm zuliebe.

Und? Bin wieder öfter auf YouTube unterwegs, vor allem wegen der Dokus. Kleiner Nachtrag zur Pelé-Doku (siehe: Pelenovela). Als production co-ordinator taucht da im Abspann ein Jack White auf. Der Jack White? Also, nicht der Gitarrist, sondern der Schlagerproduzent? Der war ja auch, wie wir alle wissen, unter seinem bürgerlichen Namen Horst Nußbaum Profifußballer … in … richtig, unter anderem, den Niederlanden, beim PSV Eindhoven. Hochinteressant. Aber ist der wirklich auch TV-Produzent? Oder doch der andere? Oder hab ich mich verguckt? Oder gibt es einen total unbekannten Typen, der, sicher zu seinem Bedauern, genauso heißt wie zwei Super-Promis? Konnte es jedenfalls noch nicht so recht verifizieren. Also, am besten, ihr vergesst die letzten Zeilen!

Hab die letzten beiden Abende zum Ausklang nochmal diese wunderbare Sigur Rós-Doku Heima geschaut, den Film über ihre Konzerttour an ungewöhnlichen Orten auf Island. Eine der schönsten Musikdokumentationen, die es gibt. Für die Band muss es unglaublich bewegend gewesen sein, nach ihrem internationalen Triumphzug diese ausgewählten Konzerte an ausgewählten Orten auf ihrer wunderbaren Heimatinsel vor Freunden und ihren Familien zu geben. Es ist aber auch ein unvergleichliches Setting, all you can eat für den Kameramann. Man kann, glaube ich, aber auch nur so bezaubernd nach Hause kommen, wenn man eine Band aus Island ist. Viel Spaß beim Gucken!

P.S.:  Bei 24:30 Minuten sieht man übrigens sehr deutlich, warum die Isländer eine so gute Fußball Nationalmannschaft haben.