Nacht der Kirchen

Das war berauschend schön gestern. Also, das Singen war doch ein klitzekleines Bisschen raus aus der Komfortzone, zumal diese Wahnsinns-Akustik in der Kirche auch nichts verzeiht, aber der ganze Rest, das ganze Drumherum – die Passagen aus dem Buch und die Songs haben gut zusammengepasst, meine Frau, die da war, meine Familie, mein Verleger Jan Billhardt von mta, dazu ein paar andere besondere Menschen (Andreas Moster, meine Kollegin Grit und Volker, mein Trainer) und natürlich die überragende musikalische Begleitung von Ninon Gloger – haben die Nacht der Kirchen 2024 für mich wirklich zu einer ganz besonderen Nacht gemacht.

Es war schon so, dass ich kurz vorher dachte, warum machst du das alles (diese TrueCrime-Aufzeichnung letzten Samstag war ja auch schon haarig), du könntest jetzt auch einfach auf der Couch liegen und Fußball gucken, aber im Nachhinein ist es natürlich genau richtig. Nicht so sehr, weil ich unbedingt auf der Bühne stehen muss, sondern weil die Reaktionen danach eine schöne Bestätigung für mein Schreiben sind und auch immer ein paar Leute das Buch kaufen, weil es sie berührt, angesprochen oder interessiert hat, wie es weitergeht. Und diese LeserInnen würde ich als Indie-Autor sonst eben nie erreichen.

Wobei ich es schon genieße zu singen, also ich singe halt gern (kennt ihr ja wahrscheinlich – unter der Dusche, im Auto, Karaoke etc.), vor allem, wenn jemand mitmusiziert, der das kann und auch dafür brennt. Insofern, ja, ich gehe da immer ein gewisses Risiko ein, aber es hält auch immer jemand eine schützende Hand über mich.

Der Clou – wir haben als Zugabe etwas überraschend ein Stück gespielt, das ich vor über 20 Jahren mal geschrieben und auf die CD-Beilage meines Debut-Romans „Jugendstil“ (die Kombination aus Roman & Musik/Hörbuch in einem war damals tatsächlich noch was Neues) gepackt habe, im Original damals schon fett produziert von meinem alten Freund Stephan Gudze Hinz, dem musikalischen Mastermind der H-Blockx, und gestern relativ spontan umarrangiert von der wunderbaren Ninon Gloger. Und auch wenn ich in der ersten Bridge feststellen musste, dass ich mit 30 doch noch ein Stückchen höher singen konnte als heute, hat es mich doch ziemlich berührt, dass wir das alte „Stück“ nochmal an- und ausgepackt haben. Unfassbar eigentlich.

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Alles da …

Habe die ganze Woche noch ein wenig die Anspannung und Anstrengung der Aufzeichnung gespürt, ging aber, glaube ich, dem ganzen Team so. Hatte das schon geahnt, dass ich mich etwas durch die Woche dosieren muss, ist aber gut gegangen.

Heute Abend nochmal volle Konzentration und Leidenschaft in der St. Gertrud Kirche, bin sehr gespannt und freue mich, bin auch etwas erleichtert, dass da noch andere KünstlerInnen auftreten, weil parallel das Reeperbahn-Festival läuft und natürlich bei so schönem Wetter die Leute auch gerne einfach irgendwo draußen sitzen und zum letzten Mal in diesem Jahr einen schönen, sonnigen Abend genießen.

Ich hab gestern Abend nach der Arbeit nochmal kurz mit Ninon Gloger geprobt, der Pianistin, und das ist immer wieder bemerkenswert, wie diese Profi-MusikerInnen – und ich konnte das ja auch schon ein paar Mal im Frühjahr beobachten – ihr Handwerk beherrschen. Wie Ninon alles, was sie sich letztes Mal notiert hatte, ohne dass ich es mitbekommen hätte, schon parat und drauf hatte. Und natürlich die Art und Weise, wie diese KünstlerInnen über Musik sprechen. Ich wollte ihr gestern erklären, für mich wäre beim Soundcheck wichtig, dass wir das so einstellen, dass ich nicht so schreien bzw. die hohen Töne (Lindenberg singt tatsächlich sehr hoch, obwohl man irgendwie denkt, der kann GAR NICHT singen, der ist doch Trommler – insofern sind wir uns da gar nicht so unähnlich ;-) nicht so herausquetschen muss, also sagte ich: „Wichtig ist, dass wir das so einstellen, dass ich …“ und suchte dann aber noch nach den richtigen Worten, da sagte sie schon: „… modulieren kann!?“ – und das traf es natürlich auf den Punkt.

Also, ja, ich bin ein bisschen nervös und gurgele schon wieder abwechselnd mit Salviathymol und Kamillentee, aber spätestens nach dem Soundcheck kommt da noch ein kleines Beruhigungsbier drauf – und dann geht das.

Es macht tatsächlich auch immer noch Spaß, in meinem kleinen unbedeutenden Roman zu lesen und mich auf solche Abende vorzubereiten. Vielleicht hilft es ja, noch ein paar Exemplare unters Volk zu bringen …

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Überall tobt das Wetter, und ausgerechnet Hamburg begeistert die Menschen mit sonnigen Bilderbuch-Spätsommer-Tagen.

Bin sehr dankbar für die reichen Tage, die wir gerade verleben. Zwar anstrengend und voll, zugleich aber auch kreativ, intensiv, produktiv und dadurch, dass so viel anliegt, ständig im Austausch mit immer wieder neuen Menschen.

Jobmäßig gipfelten gestern meine ersten vier Wochen im SPIEGEL TV-Digitalbereich in einer sehr intensiven Aufzeichnung, den ganzen Samstag, 3 Folgen True Crime-Talk zum Thema „Jack Unterweger“ – das GästInnen-LineUp bestmöglich: unsere ehemalige SPIEGEL TV-USA-Korrespondentin Dr. Karin Assmann, die Unterweger 1992 in Miami interviewt hat, und der Gerichtsgutacher von Unterweger 1994, Professor Reinhard Haller, wirklich DER Unterweger-Experte, wenn man über Jacks dunkle Seele sprechen will. Wir haben Karins altes Interview auszugsweise gezeigt und mit beiden drüber gesprochen, journalistisch und forensisch-psychiatrisch.

Das Verrückte – und auch Reizvolle – an der Produktion war, dass alles von uns ein bisschen guerillamäßig, aber zugleich sehr liebevoll vorbereitet wurde, wie man auf den Fotos sicher auch erkennen kann. Statt in ein Hochglanz-Studio zu gehen, haben wir kurzerhand den Lager-Keller unserer Herstellung entrümpelt und hergerichtet. Mit viel eigener Muskelkraft (bin wirklich fertig heute) und viel spontaner Unterstützung meiner KollegInnen.

Dann gab es noch ein paar Herausforderungen; die größte war, dass meine eigentlich angedachte Co-Moderatorin plötzlich krank wurde und meine Frau eingesprungen ist. Das war alles nicht „ohne“, in vielerlei Hinsicht, aber, egal, was aus dieser ersten Serie wird, es wird am Ende für uns beide eine (weitere) tolle, gemeinsame Erinnerung sein, von der wir noch unseren EnkelInnen erzählen werden.

Ich vertraue dieser Frau, die nebenbei noch ihr Leben mit mir teilt, wirklich blind, und ich wusste – bei aller Aufregung – dass da nichts fundamental schief laufen wird. Aber natürlich war es ungewohnt für mich, selbst zu moderieren, vor allem vor laufender Kamera – ich kenne das ja bislang nur vom Alphabeten-Podcast mit dem Stuertz. Und, ja, wir werden im Schnitt noch einiges basteln müssen, aber unterm Strich hat alles geklappt, das war vor drei Wochen noch nicht unbedingt abzusehen.

Nebenbei bereite ich mich – so effektiv, wie es nur geht – auf zwei musikalische Lesungen vor: Lesung aus Eben noch Eden – und Songs von Udo Lindenberg. Jetzt am 21. September, im Rahmen der Nacht der Kirchen, begleitet von der Pianistin Ninon Gloger, und am 09. November(!) in Münster, im Vorprogramm der „Wilde Jahre“-Party von Michael Knüfer, supported von meinem alten Band-Kollegen Pascal Cherouny.

Mit Ninon habe ich letzte Woche Freitag einmal geprobt (nach der Keller-Entrümpelung bei der Arbeit), in ihrem Wohnzimmer in Lübeck, und auch da muss ich sagen, war das gar nicht so einfach, gegenüber dieser begabten Profi-Pianistin, die gerade von einer Tour mit Charly Hübner kam, einfach wie so ein Schuljunge zum Vorsingen anzutreten – ich meine, ich weiß wirklich nicht, warum ich ständig meine Komfort-Zone verlasse, aber es geht ja doch immer um Dinge, die ich liebe. Und es sind ja auch immer Begegnungen mit interessanten Menschen. Ich glaube, wenn ich das einfach öfter machen könnte (moderieren, singen etc.) – dann würde es mich vielleicht auch nicht mehr so stressen.

Aber es ist ein schöner Stress – und Stillstand der Tod. Und der lauert hinter jeder Ecke.

Ab! Gebloggt.

So, ich musste heute einfach mal einen kleinen, neuen Beitrag erstellen, weil ich weiß, dass es sonst gar nicht mehr passiert. Dabei passiert ja so viel. Zu viel. Und tatsächlich sprechen mich immer wieder Menschen an, warum der Blog gerade ruht. Das kann ich leicht beantworten: Weil ich es im Moment nicht so richtig in meinen Work-Flow einzubinden schaffe. Aber damit ist jetzt Schluss, denn der Herbst wird heiß. Bereite gerade eine kleine True Crime-Serie vor, über die ich in den nächsten Tagen und Wochen sicher erzählen werde.

Na, welcher Fall?

Außerdem steht eine kleine Lesung an, mit Musik, und der Fußball rollt wieder. Die Welt ist in den letzten Wochen nicht ruhiger geworden, dafür übe ich mich in der Gelassenheit des steigenden Alters. Ob mir das immer gelingt? Natürlich nicht. Aber der Weg ist das Ziel. Umso mehr, wenn das Ziel immer näher rückt.

Er läuft wieder

Ich kann es kaum glauben, der Blog ist wieder da. Technische Probleme hatten dazu geführt, dass über Wochen alles weg war. Weg! Blog nicht erreichbar! Anfangs dachte ich noch, naja, wird schon werden, aber die Probleme waren offenbar ziemlich massiv, und am Ende habe ich mir wirklich Sorgen gemacht, dass die ganze Arbeit aus knapp 10 Jahren futsch ist. Immerhin fast 1000 Artikel. Nun hat mir ein sehr netter Spezialist geholfen, (fast) alles wiederzufinden – und ich bin natürlich SEHR erleichtert. Es ist ein bisschen so, als hätte ich mein Gedächtnis verloren – und nun wiedererlangt. Zumindest mein digitales.

Wird alles gut!

Eben noch Eden

Was für eine Woche. Die Welt dreht durch, nur meine nicht, im Gegenteil. Meine Welt ist gerade voll in der Balance, und ich weiß das wirklich zu schätzen.

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Hatte am Donnerstag mit MTA eine wunderbare Jubiläumsveranstaltung und Premiere von „Eben noch Eden“. Es war voll, es war lustig, aber auch leise und besinnlich. Ich habe die Texte, glaube ich, ordentlich präsentiert und hatte mit Ina Bruchlos und Dagrun Hintze zwei fantastische Autorinnen im Lese-Team.

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Besonders gefreut hat mich, dass es voll war, obwohl noch sehr viele Menschen kurzfristig abgesagt haben, wegen Arbeit, Krankheit etc. Und dass die Familie fast komplett anwesend war (was mein Nervosität komischerweise eher gesteigert hat); zum ersten Mal auch zwei meiner Söhne, die ganz angetan waren und das Buch jetzt wohl auch lesen ;-). Und viele KollegInnen waren da (z.T. mit PartnerIn) und ein paar Jungs aus der Fußballmannschaft, einfach großartig.

Am Freitag dann einmal durchgeatmet und nachmittags wieder nach Münster gefahren, um weiter an der Entrümpelung meines Elternhauses zu arbeiten (bevor jemand sich Sorgen macht, ja, mein Vater lebt noch, zum Glück, wir entrümpeln zu Lebzeiten). Das war zwar, wie erwartet, etwas anstrengend, aber auch nett, weil Familie eben auch nett ist und meine Schwester und ich auf den Fahrten zur Müllkippe trotz des Stresses auch viel gelacht haben.

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Samstagabend dann das nächste Highlight: Nine Feet Underground (EX-No Mercy, die Älteren werden sich erinnern) haben sich nach Jahren mal wieder zu einem Konzert zusammengefunden und im Hot Jazz Club gespielt – und ich durfte als Mini-Spontan-Support die Crowd begrüßen und ein paar kurze Texte abfeuern. Hab mich ganz kurz selbst gefragt, woher ich die Eier hatte, da vor 120 partyhungrigen Rockfans Gedichte zu lesen, war dann aber doch ganz cool. Konnte auch meine Lesung mit DJ Mike Pepper, der an dem Abend aufgelegt hat, im März in Hiltrup ankündigen, diente also auch als Promo – und es haben tatsächlich noch einige Leute noch danach gefragt.

Sowas halt ...
Sowas halt …

Und ich habe meinen alten Freund und Bandkollegen Pascal Cherouny wiedergetroffen, der – obwohl er etwas krank war – extra wegen mir vorbeigekommen ist. Leider haben wir es versäumt, ein Foto zu machen, aber mal schauen, so Revival-Konzerte haben ja immer etwas Ansteckendes … vielleicht gibt es ja sogar irgendwann mal wieder Verdancy-Songs live. War jedenfalls klasse, ihn nach Jahren mal wiederzusehen.

Ansonsten? Ist das mit der Literatur gerade wirklich ein schöner Ausgleich. Habe für Februar noch eine Lesung in Essen (nach dem Jazz-Event) auf einer Lesebühne festgemacht. Und der Autor Oliver Uschmann hat mich angefunkt, er hätte gerne ein Rezensionsexemplar von „Eben noch Eden“. Ich schrieb ihm zurück, gar kein Problem, ich sei bloß gerade auf dem Weg zum Fußball. Er: „Du spielst Fußball?“ Ich: „Ja, immer noch.“ Und da hat er mir im Gegenzug einfach sein Fußballbuch „Überleben beim Fußball“ geschickt. Ist das nicht großartig?

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Erster Aufschlag

Meine neues Buch „Eben noch Eden“ hatte gestern seine erste Besprechung – im Netz, auf Instagram, und es war – zum Glück – eine gute. Eine „Lese-Empfehlung“. Darüber habe ich mich natürlich sehr gefreut. Wenn die erste, offizielle, öffentliche Wahrnehmung positiv ausfällt, ist es erstmal ein bisschen egal, was noch so kommt. Oder zumindest egaler.

Was auffällt, ist, dass es die Leute berührt. Es ist auf den ersten Blick vielleicht auch kein leichtes Buch, zumindest, wenn man die Geschichte als realistische Beziehungsgeschichte zweier Menschen (Adam & Eva) liest, von denen die eine (Eva) an einer rätselhaften Krankheit leidet. Die Verfasserin der Rezension, Britta, eine Buchhändlerin aus Klein Borstel, im Norden Hamburgs, schrieb, das Buch habe ihr ein paar Mal das Herz gebrochen, es sei eine schöne Liebesgeschichte, aber eben auch so viel mehr. Ich hatte mit ihr zwischendurch mal kurz Kontakt, da schrieb sie, sie lese das Buch gerade im Urlaub auszugsweise ihrem Mann vor, der in Ostdeutschland geboren sei, und sie würden in meinen Erzählungen und Beschreibungen aus der Wende-Zeit so viel wiedererkennen, und da war ich dann doch ein bisschen erleichtert, dass die Recherche diesbezüglich offenbar gefruchtet hat, wenn Leute, die es wissen müssen, sagen, ja, das war so (oder so ähnlich).

Natürlich sollte man als KünstlerIn/AutorIn nicht (immer) seine Interpretation oder seine Lesart eines Werkes sozusagen „mitverkaufen“, aber weil ich dachte, es sei vielleicht eine gute Gelegenheit, habe ich unter ihre Lese-Empfehlung auch noch einen kleinen Beipackzettel von mir drunter gepostet:

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Vielleicht hilft es bei der Ein- bzw. Aufnahme des Stoffs ;-)

Wie der Geburt

Das war eine gute Woche, tatsächlich so gut, wie lange nicht. Weil die Balance stimmte. Und es erfüllt mich Demut und Dankbarkeit, weil ich weiß, dass das gerade in Zeiten wie diesen nicht selbstverständlich ist. Sogar der Regen und der Wind sind brav, hier in Hamburg.

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Wir haben das Sendeband für den SAT1-Check fertig gestellt. Ich habe sogar bereits alle Listen und Einverständniserklärungen zusammen – vor der Ausstrahlung, wohlgemerkt. Das sollte zwar die Regel sein, kommt bei dem üblichen Trubel bis kurz vor Schluss aber gar nicht so oft vor. Ich meine, es gibt für alle Sender so eine „HKN“-Liste, d.h. eine Herkunftsnachweis-Liste, wo man im Prinzip Bild für Bild belegen muss, ob das jetzt z.B. Fremd- oder Agenturmaterial ist, Presse-Footage oder Eigendreh, das ist für 118(!) Minuten ein ganz schöner Brocken, wenn man das vernünftig macht ist (ungefähr 30 kleinzeilige Seiten, um genau zu sein ;-).

Jedenfalls ist das Projekt damit im Prinzip vom Tisch, und es fühlt sich gut an. Parallel konkretisieren sich gerade zwei musikalische Lesungen fürs Frühjahr, eine in Münster, mit meinem alten Kollegen DJ Mike Sugar, und in Essen, mit einem alten Freund, dem wunderbaren Bassisten Alexander Morsey. Obendrein kam der Flyer vom Literatur-Quickie, wo ich lesen darf. Bin ich gar nicht mehr gewohnt, auf solchen Literaturankündigungen zu stehen, aber ich freue mich riesig.

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Und (fast) das Beste ist dann Mittwochabend passiert. Ich war eingeladen zu einem kleinen Dinner bei dem Geiger und Künstler Mark Matthes, mit dem ich ja schon ein paar Mal Musik gemacht habe. Und der hatte u.a. noch ein sehr nettes Paar eingeladen, einen Mann, eine Frau, die auch beide früher mal mit ihm bandmäßig Musik gemacht haben – jedenfalls ergab es sich, dass wir zu später Stunde tatsächlich noch bei Mark im Probezimmer ein bisschen gejammt haben, ganz entspannt, fast „shoegazig“. Und auch wenn ich das früher sehr oft gemacht habe und da als Trommler in allen Richtungen recht stilsicher war, ist das doch eine Ewigkeit her, dass ich wirklich mit vier z.T. mir unbekannten Menschen spontan Musik gemacht habe. Aber alle schienen am Ende so glücklich und zufrieden, ja, fast beseelt, dass es, glaube ich, auch für die anderen ganz ok war. Für mich war es – abgesehen von den paar tollen Sessions mit Mark als Duo davor – beinahe wie eine musikalische Wiedergeburt als Trommler in einer Band, irre. Und irgendwie habe ich das gute Gefühl, das war erst der Anfang.

Die neuen Becken - super!
Die neuen Becken – super!

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Der Herbst ist da. Endlich. Freue mich auf die ersten gemütlichen Abende auf der Couch, Waldspaziergänge am Wochenende mit raschelndem Laub unter den Schuhen, auf kalte Finger, sichtbaren Atem, den ersten Rumgrog. Und das alles in dem Wissen, dass es im Moment überall eskaliert, ja, dass man sich im Herbst 2023 hinstellen und sagen muss, ein Glück, dass unser einziges Problem eine starke AfD ist. Aber wenn man DAS bedenkt, wird einem eigentlich erst klar, WIE schlimm es woanders ist. Immerhin, wir haben es warm, Strom und Wasser, gesunde Kinder, die nicht kämpfen müssen; dessen muss man sich im Herbst 2023 bewusst sein. Es geht uns gut, und dafür bin ich dankbar, aber es fühlt sich nicht so gut an. Meine Frau und ich sind froh, dass wir die Tiere haben, wirklich.

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Der Vorteil an der unsicheren Gesamtlage ist, dass man alles, was sonst so passiert, nicht so groß werden lässt wie üblich. Bin jetzt in den letzten Zügen der SAT1-Produktion, und alle sind happy. Und es ist ein bisschen verrückt, dass – obwohl es ja in dem Sinne kein investigatives Recherche-, sondern eher ein informatives Unterhaltungsstück ist – die großen Firmen (wir reden hier von einem Jahres-Netto-Umsatz von ca. 25 Milliarden(!) Euro offenkundig ein bisschen nervös sind und sich fragen, was sie wohl erwartet. Das muss man SAT1 zugute halten: Sie haben mit diesem SAT1-Check ein Format entwickelt, das auf die Leute (und somit auch auf die Unternehmen/Branchen, die sie sich in diesen Sendungen vornehmen) einen gewissen Impact hat.

Hier entsteht der ganze Kram
Hier entsteht der ganze Kram

Wer sich dafür nicht sooo interessiert, der kann sich den kleinen Trailer anschauen, den ich fürs Buch gebastelt habe, gibt auch noch einen zweiten bei FB, da singe ich sogar. Diese kleinen (Ent-)Würfe werden die Welt leider nicht verändern, aber es ist schön, dass man sich einfach darüber freuen kann, wenn einem etwas gelungen ist, das einem auch etwas bedeutet.

Ansonsten? Freue ich mich natürlich sehr auf die Premiere im Nachtasyl und habe es tatsächlich hinbekommen, vorher noch ein paar freie Tage einzubauen, damit ich mich vernünftig vorbereiten kann. Und MTA ist auch ganz beschwingt: „Gute Menschen“ von Sigrid Behrens ist auf der Shortlist für das Buch des Jahres in Hamburg – Wow!

Und? Oha. Dies ist der 950. Beitrag. Wenn ich mich ranhalte, kann ich dieses Jahr noch die 1000 vollmachen. Wenn das Nichts ist, …

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Haben unseren Teil der Abmachung erfüllt und meine Mutter am Wochenende „entführt“, damit meine Schwestern im haus meiner Mutter in Ruhe das Esszimmer renovieren konnten. Sind nach Dänemark gefahren, genauer gesagt, Fünen, zu dritt, meine Frau, meine Mutter und meine Wenigkeit, Samstag Nyborg, Sonntag Odense, es sollte nicht zu weit weg sein, aber eben auch nicht zu nah, sodass man ein bisschen das Gefühl hat zu verreisen.

Was soll ich sagen? Der Plan ist aufgegangen. Wir hatten tolles Wetter und eine super Logistik: Samstagmorgen direkt nach dem Frühstück los, Ankunft mittags in Nyborg, sind dann da ein bisschen durch die niedliche, kleine City und ein paar Läden geschlendert, danach in so einem Imbiss-Klassiker am Hafen einen Happen gegessen, danach ins Hotel, einchecken, ein bisschen hinterm Haus an den Strand, dann auf 18h ins Cafe Apostrof zum Dinner, was klasse war, und im Anschluss zu Fuß in die Bastion, einem traditionsreichen kleinen Theater, in dem an dem Abend die dänische Jazzsängerin Sinne Eeg mit ihrer Band James Bond-Songs interpretiert hat.

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Und das war ganz toll, weil die Band richtig Bock hatte, obwohl (oder gerade weil?) es gar nicht so voll war. Tatsächlich hab ich mich ein bisschen gewundert, weil Sinne Eeg schon bekannt ist und James Bond-Songs doch eigentlich auch ein massentaugliches Programm – selbst „verjazzt“ – will sagen, das hätte m.E. so auch vor 1000 Leuten in der Laeiszhalle funktioniert, so waren es keine 100 in Nyborg, obwohl die Bastion auch Platz für mehr Leute gehabt hätte.

Ich habe mich gefragt, ob die Sängerin enttäuscht war. Und ob sich das rechnet mit 7 Leuten auf der Bühne. Eigentlich interessant, dass sich offenbar auch so renommierte Acts Gedanken machen müssen, ob genug Leute zu ihren Konzerten kommen. Uns hat es jedenfalls umgehauen, und ich hab plötzlich wieder total Lust bekommen, in einer Band Musik zu machen. Die gute Stimmung auf der Bühne war total ansteckend, dieses gemeinsam Erleben, das ist wie Fußball, nur noch eine Spur intensiver.

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Für Sonntag hatten wir auf dem Rückweg in Odense einen Slot im Hans-Christian Andersen-Haus gebucht, und das war auch sensationell. Allein die Architektur – wie die um das Geburtshaus des berühmten Märchenerzählers ein hochmodernes, interaktives Museum gebaut haben, war total inspirierend. Holz, Glas, und eine ganz wunderbare Raumausstattung.

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Wünsche ich natürlich nicht, aber ich fand, es klingt wie der Titel eines interessanten Songs

Natürlich war mir vieles über Andersen noch aus meinem Skandinavistik-Studium bekannt. Vieles aber auch nicht mehr so, und das war schon spannend, bis hin zu seiner bis zum Schluss etwas ungeklärten Sexualität. Das hatten sie schön arrangiert, mit Briefen und Exponaten, diese verschiedenen Begegnungen mit Männern und Frauen, die Andersen im Laufe seines Lebens etwas bedeutet hatten. Ich hatte erst letztens wieder an Andersen denken müssen, als ich mich mit Heines Harzreise beschäftigt habe, Andersen war die Reise ja im Prinzip nachgereist, mit dem festen Wunsch, auch als Romancier (oder Dramatiker) Erfolg zu haben. Dass er letztlich mit seinen Märchen zu Weltruhm gelangte, wird ihn zwar gefreut, aber womöglich nicht immer künstlerisch befriedigt haben. Und auch wenn das jetzt ein bisschen größenwahnsinnig klingt, fühle ich ihn da sehr. Nicht, dass meine Filme künstlerisch so wertvoll wären wie Andersens Märchen, aber wie es der Zufall will, geht jetzt am 02. November, also genau an dem Abend der Premiere meines neuen Buches (19h, Nachtasyl/Thalia), zeitgleich auch der Film auf Sendung, an dem eine Kollegin und ich schon das ganze Jahr sitzen (und noch ein paar andere Menschen). Aber ob der jetzt supergut läuft oder den Kritikern gefällt oder nicht, ist mir – im Vergleich zu der Resonanz auf das Buch – tatsächlich nicht ganz soooo wichtig, obwohl es das vielleicht sein müsste.

Und deswegen hege ich einmal mehr Bewunderung für Menschen wie Andersen oder Sinne Eeg und ihre Musiker, die für ihre künstlerische Leidenschaft brennen, auch wenn die Widerstände mitunter groß sind. Und am Ende ist eben auch das in besonderem Maße inspirierend.

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