Hatte meiner Mutter eine Szene geschickt, mit dem Artikel über „Kunststoff“. Darüber entspann sich heute mit ihr eine kleine Korrespondenz. Nach der ersten Nachricht (16:42 Uhr) hab ich sie kurz angerufen und meinte spaßeshalber, der junge Mann, über den nach mir die Rede wäre (Herrndorf), habe es immerhin in den neuen Spiegel geschafft, so weit sei ich noch nicht, da schrieb sie mir um kurz nach Sechs noch einen Nachtrag, der mich etwas beschämte. Umso mehr, als ich eben noch mal die ersten Blog-Einträge im Spiegel gelesen hab. Ich wusste nicht, dass er schon so früh an die Waffe gedacht hat.
Es ist nicht so, dass meine Familie verschont bleiben würde. Ich kommentiere nicht lapidar aus der Sprecherkabine. Wir sind auch bloß ein paar Würfel im Knobelbecher des Herrn. Gesund oder ungesund, hab morgen den letzten Termin bei meiner Scheidungsanwältin. Sie bat, ich solle ihr ein Buch mitbringen, sie sammle „Souvenirs“ ihrer Mandanten – noch Fragen?
Das Jahr geht in die letzte Runde. Merke, dass ich auch nicht mehr so richtig volle Last fahren kann. Weil JEDE Woche irgendwas ist. Spannende Dinge, Deadlines, Abnahmen, privat und beruflich. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal einfach so eine Woche vor mich hin gelebt hätte. Auch die nächste hat es in sich. Sender-Abnahme der Wohnen-Doku, die erste Lesung mit dem Roman, kein Tag, an dem es nicht um die Wurst geht. Zumindest ein bisschen. Immer ein bisschen, ist am Ende auch viel.
War heute mit den Jungs in der Kirche, der ältere beginnt jetzt mit dem Konfirmationsunterricht. Ich weiß, dass wir als Konfirmanden früher manchmal albern waren und das seltsam fanden (würde ich meinem Sohn gegenüber natürlich abstreiten), aber ich habe, glaube ich, das Ganze auch als geistiges Training genutzt. Ich wünsche ihm, dass ihm das ebenfalls gelingt. Es ist egal, ob man an Gott glaubt oder an welchen oder an die Hölle oder das ewige Leben – man muss ein Gefühl für Ewigkeit entwickeln, darauf kommt es an.
Und man sollte wissen, wie es sich anfühlt, wenn man aus Nächstenliebe handelt. Komme darauf, weil ich mit dem jüngeren, während der ältere beim Unterricht war, über den großen Weihnachtsmarkt am Rathausmarkt flaniert bin und etwas in Erklärungsnot geriet, angesichts der ganzen Bettler und Obdachlosen, denen mein Sohn fragend hinter her schaute. Und dann redet man was über Ungerechtigkeit und ungleiche Chancen, aber dass man nicht jedem etwas geben könne und man dem Hinz&Kunzt-Verkäufer letzte Woche schon ein Heft abgekauft habe und lieber für Greenpeace spenden wolle (was ich noch nicht getan habe), und fühlt sich am Ende scheiße, wenn man zwei Reibekuchen für 3 Euro isst, weil man einfach Appetit darauf hatte. Nicht einmal Hunger! Und dann übergibt man seinen Sohn an die Mutter und fragt sich, was für ein Vorbild man wohl für seinen Sohn ist. Womöglich muss er selbst erst Vater werden, um eine abschließende Antwort auf diese Frage zu finden.
Hab ein kleines Weihnachtsbüchlein wiedergefunden, das ich vor Jahren mal auf einem Flohmarkt gekauft habe, ich glaube sogar für die Jungs. Hat so ein Format wie die Mundorgel, sind auch Lieder drin, aber auch Gedichte. Wir haben früher zuhause immer in der Adventszeit gebastelt, gelesen und gesungen. Hab es in meine Laptop-Tasche gesteckt, als ständigen Begleiter für die kommende Adventszeit. Ja, bin rammdösig.
Erste Besprechung – und gleich ein Aufmacher. Zu lesen in der aktuellen SZENE (oder aufs Bild klicken, vielleicht geht´s ja so). Die Autorin hatte mich zum Interview in der Kantine getroffen und nicht zuviel versprochen. Bin ganz glücklich. Das einzige Manko – es wurde vergessen, auf die Release-Lesung am 10.12. im Projektor, Sternstraße 4, hinzuweisen, das mache ich hiermit noch einmal.
Die erste Besprechung ist ja … Wie soll ich sagen? … wie das Echo auf einen verzweifelten Schrei, wie die Antwort auf eine Frage, wie die Geburtsurkunde für ein Neugeborenes, wie … na, ihr wisst schon. Vorher ist es eben nur ein Text. Plötzlich ist es ein Buch. Nicht mehr und nicht weniger.
Ansonsten? Werde ich mich heute einfach mal zurücklehnen …
War heute mit meiner Freundin zum ersten Mal auf den Weihnachtsbasaren der skandinavischen Schifferkirchen am Hafen. War viel los, aber auch sehr nett. Glaubt man gar nicht, dass sich hinter den Fassaden derartige „Gotteshäuser“ befinden. Muss das mal meiner Mutter zeigen, sieht nämlich ein bisschen so aus wie die kleinen Kirchen oben bei ihr auf dem Dorf.
Manchmal geht man durch eine Tür und landet in einer anderen Welt. Haben am Ende bei den Finnen Tischfackeln und kleine Zwerge als Weihnachtsbaumschmuck gekauft und sind dann noch runter in den Keller, weil es da finnische Lebensmittel gab, und standen plötzlich in so einem Guerilla-Supermarkt, der überhaupt nicht weihnachtlich war, sondern eher wie ein geheimer Schwarzmarkt, egal, hab mir der Vollständigkeit halber eine Dose finnisches Bier gekauft – aber noch cooler ist eigentlich der Bon …
Fühlte sich gut an, so ein bisschen regional unterwegs zu sein und die kleinen Dinge am Laufen zu halten. Es ging Freitagabend schon los, als wir eher zufällig in einer Country-Kneipe an der B75 landeten und prompt Zeugen eines legendären Konzerts der wunderbaren Jutta Weinhold (Wer kennt sie nicht?) wurden. Nein, im Ernst, war klasse – und meine Freundin genauso in Trance wie der Star. Musste allerdings auch ein paar Mal etwas wehmütig an meine alten Tage unterwegs mit dem – inzwischen verstorbenen – Rock`n´Roll-Poeten Roger Trash denken.
Das Leben ist schön, aber auch launisch und unberechenbar und so facettenreich, dass man jede Gelegenheit beim Schopf packen muss, wenn es sich mal für eine Sekunde richtig gut anfühlt. Werde manchmal ganz bekloppt wegen dieses Reichtums, ehrlich, man muss sich doch nur hinstellen und den Daumen rausstrecken, also klar, ein bisschen bewegen muss man sich schon. Und wenn man sich anstrengt, ganz doll, wenn man sich richtig weit hinauslehnt und reckt und streckt, dann erwischt man sogar den Weihnachtsmann an der Schnapstheke.
sind endgültig vorbei. Hab in der U-Bahn heute ein Plakat gesehen, auf dem amazon für eine Studenten-Mitgliedschaft wirbt. Das ist nichts Besonderes. Besonders ist die Zeitspanne, für die amazon diese Mitgliedschaft gewährt – nämlich bis zum Ende des Studiums, maximal aber für 4 Jahre.
Ich meine, ich hab mit allem drum und dran auch meine 11 Semester gebraucht, und ich war nicht langsam. Dieser Bachelor-Quatsch hat einen Zeitdruck ins Leben der jungen Menschen gebracht, der nicht gesund sein kann. Dazu kein Zivildienst mehr, wann und wo soll man sich da orientieren? Wo soll man reifen? Wo soll man das Leben kennen lernen oder Freunde? Das Ergebnis ist, dass junge Menschen mit 17 Abi machen, danach sofort studieren und mit Anfang Zwanzig in den Aufsichtsräten von Banken, Firmen und Rechtsanwaltskanzleien sitzen. Wie sollen diese unausgereiften Menschen menschliche Entscheidungen treffen? Dabei brauchen wir gerade das mehr denn je, Menschen mit Weitsicht, pragmatischem Gespür und Visionen, denen Empathie mehr bedeutet als Effektivität, sonst gibt es nämlich bald nur noch amazon-Unis und amazon-Bürger und bestenfalls noch ein paar amazon-Amazonen …
… ist eine Achterbahn. So viel ist mir am Wochenende wieder mal bewusst geworden. Nicht, weil wir am Freitag auf dem DOM mit der „wilden Maus“ gefahren sind, nein, das eigentliche „Schleudertrauma“ erwischte uns am Samstagmorgen im Baumarkt. Erst machten wir noch unsere Späße mit der Weihnachtsdekoration (s. u.). An der Kasse fragte mich meine Freundin dann, ob ich die Kundenkarte jetzt beantragt hätte, weil wir ja so oft hier einkaufen würden. Daraufhin entgegnete die Kassiererin zaghaft, das würde sich nicht mehr lohnen, und brach plötzlich in Tränen aus – und da kapierten wir es, dass Max Bahr im Zuge der Praktiker-Pleite ja auch pleite ist, total absurd, weil zumindest unsere Filiale immer voll ist, doch das ist eben das Problem mit diesen ganzen Fusionen und der Globalisierung, und als die Kassiererin dann noch schluchzte, sie hätte gerade dasselbe schon mit Schlecker durchgemacht, da war meine Laune echt im Keller. Immer auf die Kleinen, daran wird sich niemals etwas ändern. Es ist zum Kotzen.
Dienstag Abend mit meinem Sohn die Angelprüfung gemacht, und was soll ich sagen? Beide Andersens volle Punktzahl. Der Junior erhielt von Uwe, dem Lehrer, sogar ein Extralob. Bin fast geplatzt vor Stolz. Er auch, auf eine gute Art. Auf dem Rückweg hat er ganz ausgelassen rumgealbert, n-joy aufgedreht, und da hab ich erst geschnallt, wie wichtig ihm der Schein bzw. diese ganze Aktion mit mir war, und dass das absolut richtig war, das als Vater-Sohn-Aktion zu machen. So viele Gelegenheiten hat man ja auch nicht als Teilzeit-Vater, Lebens-Zeichen zu setzen …
Gestern morgen habe ich dann allerdings gemerkt, wie sehr mich das auch geschafft und belastet hat, vor allem im Strudel mit all den anderen, kleinen Dingen des Alltags. Denn weil das für meinen Jungen so wichtig war, war es für mich – bewusst oder unbewusst – offenbar auch total wichtig, jedenfalls bin ich gestern regelrecht in ein Loch gefallen. Als hätte ich einen Berg abgetragen. Hab mir dann spontan freigenommen und, obwohl es Mittwoch war, so Samstagsdinge getan. Bin zur Müllkippe gefahren, nach Ahrensburg ins Kaufhaus, T-Shirts umtauschen, danach noch auf den Markt und abends sogar noch in die Waschanlage.
Sauber, Mann
Wie gesagt, gefühlter Samstag. Statt Sportschau gab es aber den neuen Woody Allen. Cool. In einer Szene passt Cate Blanchett auf die Kinder ihrer Schwester auf und beginnt so einen Psycho-Monolog. Dabei trinkt sie einen Wodka oder Martini, und da ist mir aufgefallen, wie großartig das synchronisiert ist. Ich würde gerne mal sehen, wie eine gute Synchron-Sprecherin diese Trink-Sprech-Psycho-Szene in der Kabine „synchron“ mit(er)lebt. Gibt es dafür eigentlich auch Oscars?
Ansonsten? Ist selektive Wahrnehmung manchmal echt lustig …
Altbekanntes Bild mit neuen Farbtupfern. Sitzen heute wieder im Schnitt und stricken einen 4-Stünder. Jede Karte eine Geschichte. Nebenbei muss ich mich noch ein bisschen auf die Angelschein-Prüfung morgen Abend vorbereiten. Wittling, Pollack, Güster, Stint, Finte … ja, gar nicht so einfach. Hab gestern schon eine Wette gegen meinen Sohn verloren, weil ich meinte, eine Schleie hätte keine Barteln. Hätte ich auch nicht gedacht, dass ich mal wegen so etwas wetten würde.
Gestern Abend nach dem Schimanski dann noch ein aufgeregtes Handy mit einer Nachricht von Gunter Gabriel – ganz im Stile des „Hafencowboys“. Bin gespannt, was es da Neues gibt.
Kurze Nachricht
Ansonsten? Noch eine Lesung in Frankfurt festgemacht. Termin gibt es schon (07. Januar), Ort noch nicht. Aber bald.