Nachtrag

Was sagt man dazu – kaum ermuntere ich die BILD, ihre Pro-Flüchtlinge-Haltung noch ein bisschen durchzuhalten (siehe Blog-Eintrag gestern), da vergreift sich ihr Chef Kai Diekmann schon wieder im Ton und wirft dem St. Pauli auf Twitter vor, „kein Herz für Flüchtlinge“ zu haben. Hintergrund: Der Club hatte sich geweigert, bei der BILD-Aktion „Wir helfen“ mitzumachen. Aber nicht, weil er nicht helfen will, sondern weil es eine BILD-Aktion ist. Was man absolut verstehen kann. Generell, aber eben auch im Speziellen. Ich meine, Ewald Lienen und die BILD, das ist wie der Papst und Kondome, nur mit besseren Motiven, keine Ahnung, das ist soooo weit auseinander, da fällt mir nix zu ein.

Ansonsten? Hatte ich ja geschrieben, dass ich jetzt für eine Doku zum Thema YouTube recherchiere. Mit folgendem Künstler würde ich gerne drehen: Marti Fischer alias theclavinover. Ihr kennt ihn sicher schon, aber ich finde die Idee zu seiner Reihe nach wie vor richtig toll.

Ton Lagen – oder: vonne endlichkait

Vonne Un-Endlichkeit. Unser erster Apfel vom Baum - so sauer wie Grass an seinen besten Tagen
Vonne Un-Endlichkeit. Unser erster Apfel vom Baum – so sauer wie Grass an seinen besten Tagen

Die taz hat diese Woche die Flüchtlingsberichterstattung der BILD gelobt. Weil sie zur richtigen Zeit mal für die richtige Sache Partei ergriffen und damit eine „zivilisierende“ Wirkung auf die Bevölkerung erzielt habe. Sehe ich auch so. Die Meinungskraft der BILD ist nach wie vor immens. Der Autor des taz-Kommenars fügte aber auch hinzu, er sehe es daher mit umso größerer Sorge, dass die Stimmung bzw. die Tonlage beim Springer-Blatt in Bezug auf die Flüchtlinge gerade wieder umzuschlagen beginne. Halte durch, BILD, schön sachlich und konstruktiv bleiben. Dein deutsches Volk wird es dir danken.

Bei Spiegel Online wurde diese Woche debattiert, ob man das letzte Günter Grass Buch Vonne Endlichkait gelesen haben müsse. Ich sage: Ja! Meine Freundin hat es mir geschenkt. Ich bin jetzt kein Grass-Fanatiker, aber ich habe mich an dem ruhigen, auch ein bisschen zum Ende gekommenen Ton des Dichters sehr erfreut. Wie er seine letzten, eigenen Zähne beschreibt …

Ein Gedicht namens Selbstgespräch hat mir besonders gut gefallen. Ich kann es hier nicht in Gänze wiedergeben und beschränke mich auf den letzten Rest:

Jetzt will er ich und ich will er sein,
als Freunde, die sich nicht mehr hassen wollen.
Wir schwören uns zum wiederholten Mal, einander bis zum Schluss Geschichten zu erzählen,
notfalls Witze.

Was unsren Tod betrifft,
sind wir uns einig:
Nur was
im unmöblierten Nichts geschieht,
bleibt eine immergrüne Frage.

Be Ton

Als ich heute Morgen auf der Terrasse stand, fiel mein Blick auf diese vom Baum herunter gepustete Eichel. Hat mich irgendwie berührt. Mal wieder. Offenbar. Hab da in meinem letzten Buch schon mal Worte drüber verloren. Und für Euch wiedergefunden.

Betonsamen
Eine Idee des Schöpfers – nicht auf fruchtbaren Boden gefallen
Aus: G. Jöns-Anders, Kunststoff, mta-Hamburg, S. 204
Aus: G. Jöns-Anders, Kunststoff, mta-Hamburg, S. 204

Ja, liebe Kinder …

Ich weiß, es ist unvorstellbar, dass es, als ich so alt war wie ihr, an Straßenecken kleine Automaten gab, mit losen Kaugummis und Plastikschmuck darin. Und Telefonzellen, weil Handys noch nicht erfunden waren. Geschweige denn das Internet. Dass man mit seinen Eltern praktisch nur persönlich gesprochen hat. Oder dass man Briefe schreiben musste, um jemandem einen Geburtstagsgruß zu übermitteln. Und Sportnachrichten erfuhr ich immer aus der Zeitung, so riesige Paperdinger, die man kaum bändigen konnte, aber sehr nützlich waren, um nasse Turnschuhe auszustopfen. Und Inhalt hieß noch Inhalt, weil Form auch noch formbar war. Heute heißt das Content – und kommt so daher:

14-09-2015

Washeutzutagemanchmalfehlt

duden

Ansonsten? Wird der Kaiser heute 70. Als Journalist müsste ich jetzt natürlich mit einer ganz persönlichen Anekdote aufwarten, die mich und den Franz verbinden, und siehe da – es gibt sogar eine: Es muss Anfang der Achtziger gewesen sein. Mein Vater und ich waren, wie an fast jedem Wochenende, in der westfälischen Provinz unterwegs zu einer Laufveranstaltung. Auf dem Rückweg bemerkten wir in irgendeinem Kaff vor einem Autohaus (Lancia – die Marke werde ich nie vergessen) einen ziemlichen Menschenauflauf. Mein Vater hielt kurzerhand an, um sich das genauer anzuschauen. Er war, was das betrifft, immer schon ziemlich neugierig und abenteuerlustig. Jedenfalls hatte das Autohaus an diesem Tag Franz Beckenbauer für eine Autogrammstunde eingeflogen und die Ausstellungshalle, in der sonst die Neuwagen standen, brach fast auseinander. Mein Vater fackelte nicht lange und nahm mich auf die Schultern. Überall um uns herum wogten die Menschen von links nach rechts, schreiend, die Arme dem Kaiser entgegen gestreckt, wie auf einem Rockkonzert- es war der Wahnsinn. Franz signierte ein Plastikball nach dem anderen, und irgendwelche Autofritzen warfen sie dann in die Menge. Hierhin, dahin, immer an mir vorbei, es schien aussichtslos. Mein Vater schob sich immer weiter nach vorne. Immer weiter und weiter, der Schweiß stand ihm auf der Stirn, ich fragte mich, wie lange er wohl aushalten würde – da, plötzlich, sah mich Franz Beckenbauer an, verharrte einen Moment lang, als ob er sicher gehen wolle, dass ich bereit sei, und warf mir den soeben signierten Ball höchstpersönlich direkt in die Arme. Was soll ich sagen? Ich hab ihn sogar gefangen, was gar nicht so einfach war. Mein Vater entriss mir die Kugel sofort, presste sich die Beute vor den Bauch und schob sich, immer noch mit mir auf den Schultern, zum Ausgang. Dieser Ball war an diesem Tag für mich bestimmt, ja, der Kaiser selbst hatte es so bestimmt. Das ist meine Geschichte mit Franz Beckenbauer. Er wird sich nicht daran erinnern. Ich schon. Für immer.

Digital

Jetzt ist es endlich raus. Unser Mutterschiff startet in Kürze ein neues Online-Angebot namens „Bento“. Es ist für die 18-30-Jährigen oder so genannten „Millennials“ oder „Digital Natives“ oder „Generation Hashtag“. Finde es ja toll, dass der Spiegel in die Zukunft blickt, aber mich persönlich macht es doch nachdenklich, weil es mir einmal mehr vor Augen hält, dass ich (längst) nicht mehr zu den „jungen Wilden“ gehöre. Oder gezählt werde. Und eben auch nicht mehr gefragt werde, wie ein Medienangebot für junge Menschen aussehen muss. Weil ich es offenbar nicht mehr weiß. Nein, im Ernst, ist alles in Ordnung, ich wünsche den jungen Kollegen und Kolleginnen viel Erfolg. Muss eher schmunzeln, weil ich jetzt – neben der digitalen Arbeitsgruppe, an der ich die letzten Wochen teilgenommen habe – auch noch das Thema Social Media und Youtube für eine lange Dokumentation auf den Tisch bekommen habe. Nun habe ich in den letzten Tagen schon so viele Internet-Clips geguckt wie in den letzten zwei Jahren insgesamt. Klar, da gibt es viel Müll, aber echt auch ein paar coole, clevere Geschichten. Vieles kannte ich noch nicht. Werde daher vermutlich demnächst ab und an mal Clips einbetten, die ihr bestimmt schon längst auf dem Schirm habt. Seht es mir bitte nach. Denke auch darüber nach, zukünftig noch andere Kanäle zu bespielen. Auf der anderen Seite mag ich meinen kleinen, leisen Blog. Ich will eigentlich auch gar nicht wissen, wer und wie viele das hier wie lange lesen. Oder doch? Und dann noch Twitter? Facebook? Xing? Linkedin? Wirklich? Womöglich bin ich sonst irgendwann unsichtbar!? Vielleicht produziere ich demnächst mal ein, zwei Beiträge in Videoform. Hatte als Student mit zwei Kumpels zusammen eine Radioshow im offenen Kanal. Das war nicht schlechter als die meisten Sachen, die gerade im Netz als heißer Scheiß gehandelt werden. Aber das war eben Mitte der Neunziger. Ich glaube, die ersten Sendungen haben wir sogar noch auf Band(!) aufgenommen …

Das erste Video passt ganz gut. Es ist nämlich aus dieser Zeit. Meine alte Band. Hab ich bei meiner Recherche gefunden, ehrlich, ich hab das nicht reingestellt, weiß ja (noch) gar nicht wie das geht.

Check, Check

War heute Morgen um 8 schon bei meinem Hausarzt in Altona zum allgemeinen Vorsorge-Check. Blut abnehmen, Haut untersuchen, Lunge abhören, das Übliche eben. Wir haben heute aber auch zum ersten Mal über Prostata- und Darmkrebsvorsorge gesprochen. So ist das eben, wenn man älter wird. Er hat mir ein Kompliment wegen meines Gewichtes gemacht. Hab in den letzten Wochen mein Trainingspensum etwas gesteigert, liege jetzt knapp unter 77 Kilo. Bin dann danach allerdings erst einmal zu meinem Lieblingsmetzger gegangen, um zu frühstücken.

Auch „good old times“

Ich mache mir ja häufig zu viele Gedanken, aber selbst gemachten Bierschinken auf einem frischen Brötchen, zusammen mit dem ersten Schluck Kaffee des Tages, der dann auch noch schmeckt?! DAS stimmt auch mich milde.

Foto 1

Die Bild-Zeitung hat in ihrer heutigen Ausgabe auf Fotos verzichtet, um deutlich zu machen, wie wichtig (auch umstrittene) Fotos für die Berichterstattung sind. Erstens, liebe Bild, Euer Problem sind nicht nur die Fotos, sondern Überschriften wie: „Müller dudelt die Schotten weg“. Zweitens: Mir haben die Fotos nicht gefehlt. Trotzdem: Eine Bild-Zeitung ohne Bilder – netter Gag.

Sa/Su-Doku

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War am Wochenende mit diversen Söhnen mal hier mal da, in Hamburg an der Elbe und in Schleswig-Holstein. Dabei ist mir mal wieder aufgefallen, wie viel Platz wir hier oben noch haben. Klingt jetzt blöd, aber ich habe diese Flüchtlingswelle immer vorhergesagt. Vielleicht naiver und vager, doch im Grunde wundere ich mich eigentlich nur,dass die Menschen erst jetzt kommen. Ich würde es auch tun, um meine Liebsten durchzubringen.

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Die ganze Situation zeigt eigentlich nur, wie wenig weitsichtig Politik ist. Dass die Katastrophe immer erst eintreten muss, damit gehandelt wird. Ich würde mir in den Reihen der Regierenden jemanden wünschen, der Szenarien voraussieht UND rechtzeitig die richtigen Schritte einleitet. So erhalte ich nämlich den Eindruck, dass auch alle anderen Pläne nicht richtig durchdacht sind. Und einige Herausforderungen (Wasser, Energie, Wälder) warten ja noch auf uns, von großen Konflikten im In- und Ausland  ganz zu schweigen. Auf der anderen Seite habe ich am Samstag mal wieder Blade Runner geguckt, der ja im Jahre 2019 spielt. So schlimm, wie Ridley Scott es vorhergesehen hat, ist es zum Glück nicht gekommen. Sehr weit weg davon sind wir an einigen Orten dieser Welt allerdings auch nicht mehr.

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Schöner Spruch – teile ich aber nur bedingt.

Am Wochenende sind mir hier und da ein paar Sprüche und Schilder aufgefallen, die ich fotografieren musste, weil sie so nach „good old times“ klangen. Glaube schon, dass wir uns in den nächsten 50 Jahren sehr verändern werden. Deswegen halte ich jetzt schon mal fest. Ist schließlich mein Job.

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Geschlossen? – Hoffentlich nur, weil Samstag war …

 

 

Gas prompt

Tanke 1

Unsere Wasserstoff-Tankstelle gegenüber ist mir ja von jeher ein bisschen unheimlich. Totaler Unsinn, ich weiß, aber ich kann es nicht ändern. Ganz schlimm ist es, wenn sie beliefert wird. Dann denke ich: Oje, wenn da jetzt ein Funke fliegt … Wie gesagt, totaler Unsinn. Liegt aber auch daran, dass die Flaschen auf dem LKW aussehen wie Raketen.

Tanke 2

Ich sehe was, was …

Heute verkündete die BILD ja auf Seite 1 die strategische Allianz von Springer und Samsung. So weit, so gut!? Eine Randnotiz allerdings gleich daneben: Gestern Abend hat die Computer Bild nämlich die beliebtesten Technik-Produkte des Jahres ausgezeichnet. Und? Darunter gleich 3(!) Produkte von Samsung. Naja, das wird ja wohl alles seine Richtigkeit haben …

Bild HH 02.09.15, S. 1
Bild HH 02.09.15, S. 1

Gestern stand in der taz ein guter Artikel darüber, warum der Fremdenhass in Ostdeutschland eben schon spezifisch zu betrachten sei – auch wenn wir das Problem gemeinsam und gesamtdeutsch angehen sollten. Die Autorin Simone Schmollack hat noch einmal auf den Punkt gebracht, inwiefern die Bürger der ehemaligen DDR es nie gelernt haben, „aktiv die Gesellschaft mitzugestalten“. Höchstens Gemeinschaft, im Kleinen, möchte man hinzufügen. Und dass der Fremdenhass natürlich umso größer ist, weil es in der DDR in viel geringerem Maße Berührung mit Ausländern gab. Und dass das Misstrauen der Ostdeutschen auch deswegen immer noch groß sei, weil wir „Wessis“ uns in den letzten 25 Jahren auch nicht gerade sehr bemüht haben, ein gesamtdeutsches „Zuhause“ zu schaffen, in dem sich auch die neuen Bundesländer wohlfühlen. Nicht materiell, sondern emotional. Da ist schon was dran. Wer immer mit anhören muss, dass sich alle über seinen Akzent lustig macht, der schlägt irgendwann zurück

Bin gestern Abend noch kurz in einer Joan Baez-Doku gelandet. Wusste gar nicht, wie nah die Sängerin an Martin Luther King dran war. Und was war DAS bitte für eine schreckliche Zeit. Dieser stupide, aggressive, landesweite Rassismus in den USA gegen Schwarze war/ist (vielleicht) noch eine Spur böser. Vielleicht auch nicht, keine Ahnung. Vielleicht haben wir auch schon bald wieder Toiletten, Schulen und Bänke „nur für Flüchtlinge“. Hoffentlich NICHT.