Gute Vorsätze. Wie immer. Mehr Schreiben. Regelmäßiger Bloggen. Mehr Achtsamkeit. Mehr Aufmerksamkeit auf die nähere Umgebung. Noch mehr Sport. Noch gesünder leben. Ich starte, wie so viele, mit einem so genannten „Dry January“, das heißt nicht: nicht duschen, sondern: kein Alkohol. Also, wirklich kein Alkohol, meint: man diskutiert schon über Rotwein in der Sauce und guckt auf dem Etikett, ob alkoholfreies Bier immer bedeutet 0,0% – kleiner Spoiler: tut es nicht. Leider ist in dem handelsüblichen 0,0%-Produkt dafür umso mehr Zucker, was es wiederum zu einer flüssigen Süßigkeit macht, was soll man machen?

Tut auf jeden Fall gut: Man fühlt sich auch insgesamt fitter, schläft besser, naja, ihr kennt das alles hoch und runter. Ich meine, die Menschen versetzen sich seit Jahrhunderten regelmäßig auf unterschiedlichsten Wegen in rauschhafte Zustände, weil der Alltag einfach immer komplex war und ist – die äußeren und inneren Spannungszustände, die das Menschsein mit sich bringt, das ist ja alles nicht zu leugnen. Aber es geht gut ohne, wobei ich in der Hinsicht jetzt auch kein Problem Child bin.

Manchmal, in ganz besonderen Situationen, fällt es etwas schwerer mit der Disziplin, und das Feierabendbier reizt. Vorletzte Woche z.B. waren wir im Theater, ich hatte noch Urlaub, tagsüber Sport gemacht, danach ein bisschen Kopfarbeit für unseren Verlag Minimaltrashart (s. Foto), und dann war es einfach ein schöner Abend mit meiner Frau. UND: Das Theater-Setting (wir haben Nebenan im St. Pauli Theater geguckt) war eine Berliner Eckkneipe, und die ganze Zeit haben die Akteure frisch gezapftes Bier getrunken und über allem schwebte so ein abgewandeltes Schultheiss-Logo, da hatte ich plötzlich – wie ein Kamera-Kollege immer so treffend sagt – „stechenden Bierdurst“. Aber ich bin hart geblieben, auch danach, obwohl ich da wirklich eine Extremsituation durchlebt habe. Auf dem Rückweg von der U-Bahn Wandsbek Markt hoch zu den Bussen ist vor mir eine ältere Dame plötzlich ins Straucheln gekommen und rückwärts die Rolltreppe heruntergefallen, so richtig an ein, zwei anderen, völlig perplexen Leuten vorbei mir direkt in die Arme und zwar so, dass ich ungelogen einen Zentimeter, bevor ihr Hinterkopf auf eine dieser scharfen Stahlstufen geknallt ist, soeben noch meine Hände drunterschieben konnte, ehrlich, ich hielt ihren Kopf wie eine Wassermelone. Dann haben schnell – wir waren ja mitten in der Fahrt – ein paar andere Leute mit angepackt, und wir haben sie wieder auf die Beine gestellt, aber das war echt krass. Ich weiß nicht, wie knapp das war, aber ein Passant, der das von der Paralleltreppe aus mitangesehen hatte, hat danach ganz aufgeregt auf meine Frau eingeredet, ich hätte der anderen Frau das Leben gerettet, es war wie im Film, und mir wurde auch kurz anders und hätte sehr gerne danach einen Beruhigungsbier getrunken, das Ding ist nur, wer weiß, ob ich so genauso gut und schnell reagiert hätte, wenn ich vorher im Theater schon drei Bier getrunken hätte ….
Ich habe gesehen, der letzte Blog Eintrag entstand kurz nach meiner zweiten Mexiko Reise. Das ist verdammp lang her, apropos, BAP geht auf Abschiedstour, zumindest glauben alle, es könnte die Abschiedstour sein. Wir waren ja gerade erst auf dem Rod Stewart-Konzert, dem wohl letzten in Deutschland, war super, aber irgendwie werden jetzt alle alt. Außer Howard Carpendale, der seit Jahren auf Abschiedstour ist.
Anyway, das Mexiko-Projekt ist mittlerweile an die Kollegin in der Schweiz übergeben, hat alles gut geklappt, und einmal mehr muss ich sagen, dass diese Erfahrungen von Auslandsdrehs natürlich unglaublich reichhaltig sind, was Kultur, Teamarbeit, aber auch das Kennenlernen neuer Menschen betrifft. Ich betone das deswegen hier noch einmal, weil es sein kann, dass ich von nun an weniger Drehen gehe. Bin eine neue Funktion angetreten, als Producer, für das Format Arte RE, das ich wirklich toll finde, aber Producer bedeutet eben auch mehr Koordination und übergeordnete Hintergrundarbeit, weniger selbst unterwegs sein. Finde ich reizvoll, vor allem thematisch, und auch wenn mir das Drehen möglicherweise fehlen wird, ist es eine schöne Veränderung. Habe auch nachgedacht: es gibt ja viele Manager, die mit 50 in den Ruhestand gehen, weil sie es sich leisten können. Aber auch, weil sie das Gefühl haben, genug gearbeitet zu haben. Natürlich ist eine Producer Rolle das Gegenteil von Ruhestand, den ich mir ja auch noch nicht leisten kann, auf der anderen Seite habe ich auch das Gefühl, in meinem Leben genug gedreht zu haben. Immerhin über 20 Jahre lang, auf der ganzen Welt. Insofern ist es schon eine Zäsur, aber was ist in der Medienbranche schon endgültig!? Jetzt genieße ich erst mal die neue Arbeit im neuen Team und mache, wie immer, das Beste daraus.

Habe das Wochenende genutzt, die Terrasse ein bisschen auf Vordermann zu bringen: fegen, die Gräser herunterschneiden, habe das Vogelhaus, das unterm Schnee samt Zweig vom Apfelbaum gekracht ist, neu aufgehängt, mit einer, wie ich finde, ganz schönen Konstruktion, jetzt am Bambuskasten montiert.
Hatte alles hier, Werkzeug, Holz, selbst noch den einen Rest grüner Lasur. Das mag ich am liebsten, Material wiederverwenden, recyceln, einfach machen, weil man alles da hat. Das ist diese andere Art der Kreativität, die mich wirklich zufrieden macht. Das hat gestern alles in allem immerhin fast 8 Stunden gedauert, bis die Terrasse aussah wie neu. Habe sogar die Fliesen einmal geschrubbt, obwohl ich weiß, dass meine bezaubernde Frau da im Frühling wieder mit heller Freude drüber kärchern wird. Aber bis dahin sind ja noch ein paar Wochen.

Was mich fast zu Tränen gerührt hat, war, als ich gesehen habe, dass in dem einen Blumentopf der Island Mohn wiederkommt. Der war letztes Jahr schon ziemlich angeschlagen, und ich hatte ihn eigentlich schon ganz raus genommen, dann aber, weil ich es nicht übers Herz gebracht habe, wieder aus dem Kompost gefischt und einfach zu dem Heidekraut gesetzt. Heute sehe ich, dass er wiederkommt, trotz der Kälte, trotz des Schnees, und ich vermute, dass die Schneeschicht sogar wie eine Art Iglu für den kleinen Sprössling war. Ich finde, es gibt kein schöneres Symbol für Hoffnung als mehrjährige Pflanzen. In diesem Sinne, werde auch ich die Hoffnung nicht aufgeben, dass das neue Jahr irgendwann irgendwie die Kurve kriegt, auch wenn es im Moment noch nicht so ganz danach aussieht.
Und ich werde noch stärker als in den letzten Jahren versuchen, den Großteil meiner Zeit mit Menschen zu verbringen, die ich schätze, und Dinge zu machen, die ich mag. Mal sehen, wie’s klappt. Ich halte euch auf dem Laufenden. Langweilig wird es auf jeden Fall nicht.







































