Medien Landschaft

Die Frankfurter Rundschau hat heute Insolvenz angemeldet. Als ich in den Nachrichten die Bilder der Betriebsversammlung sah, auf der den Mitarbeitern offenbar die schlechte Nachricht mitgeteilt wurde, wurde mir ganz anders … mein Beileid, ätzendes Gefühl, wenn Du gute Arbeit machst, und es trotzdem nicht reicht.

Dienstag ist Pro 7-Tag. In den Werbebreaks wird ganz viel Alarm für ein Windows-Phone gemacht, Nokia sitzt wieder im Sattel, krass, wie das läuft. Das ist wie Wettrüsten, ehrlich, da baut ein Unternehmen eine globale Waffe und dann zieht der Gegner nach, und wenn man sieht, wie die die Werbeblöcke bestücken, hat das fast etwas von Gleichschaltung, eigentlich ein Thema für eine Doktorarbeit.

Was noch? Die Petraeus-Affäre … bauen wir jetzt wohl auch noch in die Lüge ein. Man hat das nicht so auf dem Schirm, was dahintersteckt. Erinnert ein wenig an Mata Hari oder an Kennedys Verhältnis mit Judith Exner, die ja Kontakte zur Mafia unterhielt. Komisch, dass die ganz großen Köpfe immer wieder über ihre Schwänze stolpern – und welche Konsequenzen das haben kann.

Was fällt noch auf? Nena könnte die Mutter von Sarah Kuttner sein, nicht nur wegen des Alters, das ist ein Gesicht.

Hab auch noch irgendwas mit Led Zeppelin-Celebration Day gelesen. Haben die sich wieder vertragen? Muss mal die Videos meiner Kumpels von diesem Konzert am Müggelsee durchsehen …

Maul, Wurf

Es ist amtlich: Ich habe keine Ahnung von Fernsehen. Während meine Freundin und ich gestern Abend von Hauptkommissar Faber aus Dortmund ganz beglückt waren, fertigt ihn Meedia als „der nervige Dr. House-Klon“ ab. Ehrlich, ich habe keine Ahnung, wie man so etwas schreiben kann. Mich erinnert er – und zwar auf eine gute Art – eher an Kommissar Kreutzer, aber den fanden ja auch viele doof. Naja, dann kann man wohl bald wieder auf allen Kanälen Derrick senden oder den Fahnder oder Peter Strom.

Gibt übrigens eine Anfrage für eine Lesung, am 02. Dezember in Frankfurt (www.hotel-poetry.de). Organisator ist ein alter Bekannter, Daniel Etzel, ein netter, sehr umtriebiger Typ. Hab schon ein paar Mal mit ihm gelesen, war immer gut. Freu mich drauf.

In diesen Momenten wünsche ich mir immer, ich hätte als Zivi angefangen, Gitarre zu spielen (das Ding stand drei Monate lang in meinem Zimmer, ich hab immer gedacht, kannste später auch noch, jaja). Dichter zu sein, ist schön und gut, aber wer sich dabei noch selbst auf der Gitarre oder am Klavier begleitet, kann sogar Geld damit verdienen. Wobei, heute habe ich in der BILD gelesen, dass die Kastelruther Spatzen auf ihren letzten 29(!) Platten nicht mehr selbst gespielt haben. Mich wundert das nicht. Hab zu Studentenzeiten mal als Roadie für die gearbeitet. Wir standen damals mit unserer Rockband vor dem Durchbruch, und ich war ein ziemlich guter Trommler, doch der Spatzen-Schlagzeuger konnte gar nix. Also, der hat zwar live gespielt, aber ich hab mich totgelacht. Tja, heute ist der wahrscheinlich Millionär und ich stehe kurz vor dem Aus. Egal, trotzdem bewundere ich das immer noch an Leuten wie Reinhard Mey oder auch Gunter Gabriel – die können in jede Kneipe latschen und loslegen. Mein erster Gig mit Roger Trash war so, in einer Biker-Kneipe in Dortmund, da marschierte Trash am Ende mit der Klampfe vor den Knien über den Tresen, was für ein Schauspiel. Hauptkommissar Faber war übrigens auch im Publikum, mit seiner Frau, die damals noch lebte …

Stahl, Sturm, Heer

Friedrich horcht auf. Wer bloggt da martialische Vokabeln? Lauschangriff starten? Totale Überwachung? Erwacht da ein rechter Schläfer? Mitnichten. Stahl, Sturm und Heer heißen die Verteidiger dieser NSU-Braut. Kein Scherz. Die Titanic hat auch gleich nachgefragt, ob deren Namen das Kriterium für das Mandat waren, aber offenbar hat sie sich die gar nicht selber ausgesucht. Sind wohl auch keine „rechten“ Anwälte. Das nennt man „Ironie des Schicksals“.

War heute mit meiner Freundin bei Taelandi, ihrem feinen Isländer. Diese Sonntagsausflüge könnten bei all dem Job- und Scheidungsgedöns (In meinem Falle würde ich statt von Ironie des Schicksals eher von bitterem Zynismus sprechen) in Zukunft möglicherweise ein wenig zu meiner Regeneration beitragen. Dieser Bursche ist mir echt ans Herz gewachsen. Ich hab immer ein Stück Möhre in der Tasche. Nach dem Ausritt führe ich ihn an der Leine zurück auf die Koppel und komme mir dabei jedes Mal vor wie ein traumatisiertes Unfallopfer, das bei den Delphinen wieder Vertrauen fassen soll, und, Nein, so weit hergeholt ist der Vergleich nicht …

Zum Anderen gibt es über der Reithalle einen ganz gemütlichen Sitzbereich mit Sessel und Kaffeeautomat, wo nie jemand ist. Da kann man super lesen, chillen und, na ja, andere coole Sachen machen …

Wo wir beim Thema sind – mein kleiner Sohn hat es sich jetzt bei uns auch GAAAANZ gemütlich gemacht. Und meine (HS)Vreundin ist GAAAANZ begeistert.

 

Pamphlet-Athlet


 

Heute ist Verdi auf die Straße gegangen. Direkt bei uns unter dem Fenster. Wollte winken.

Reden schwingen in Vereinsheimen. Kräfte mobilisieren. Initiativen gründen. Für seine Rechte einstehen. Zigaretten rauchen. Ohne Filter. Mit Rollkragen und Hornbrille. Pamphlet-Athlet. An etwas glauben.

Manchmal denke ich, ich müsste auch da raus. Und schreien. Oder zumindest einer Gewerkschaft beitreten. Einer Lebens-Gewerkschaft.

Tom Tom

Core-Knaben
Kindsköpfe
Kunstlicht
ewig nicht nüchtern
rolltreppenwitzelange
Einbrüche
in meine Sicherheitslücke

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Alltag

Obama ist wieder Präsident. Robben kriegt den Ball ohne fremde Hilfe nicht im Tor unter. Draußen ist es grau.

Hab heute die Lüge weiter geschnitten – Thema: Doping im Radsport. Josef Wilfling, der Mordermittler, zieht da einen ganz interessanten Vergleich mit der Mafia oder Rockerbanden, wo ja auch alle Mitglieder zugleich Mitwisser und Mittäter sind und sich ja auch alle auf dieses einvernehmliche Schweigen einigen bzw. eben alles zusammenkracht, sobald mal ein Aussteiger ausbricht und redet …

Jan Ullrich ist ein absolut faszinierender Sonderfall, das ist ganz schwer zu fassen. In so einem Crash-Interview mit dem Magazin antwortete er damals auf die Frage, ob er gedopt hätte, sinngemäß: Wenn Talent Doping ist – ja! Man möchte ihm so gerne glauben. Ich hab bei der Tour 1997 jeden Tag vor der Glotze gesessen und bei diesem legendären Zeitfahren fast geheult. An anderer Stelle sagte Ullrich mal, er hätte sich keinen Vorteil verschafft und niemandem geschadet. Jürgen Schmieder meinte das auch: Wenn einer mit Ullrichs Talent feststellt, er wird nur Zweiter, dann kommt er eben ins Grübeln. Hans-Hermann Tiedje fordert deswegen bei uns (mit einem Augenzwinkern), man müsse Doping endlich legalisieren, das wäre am Einfachsten …

Kräfte

freisetzen. Roboter Gerrit schneidet Filme. Stottert ein bisschen, aber funktioniert noch. Gestern Spendenaffäre, heute Doping. War `ne gute Idee, Jürgen Schmieder zu interviewen. Er ist ja hauptberuflich Sportjournalist, das zahlt ich jetzt aus. Hab ihn heute ein paar Mal eingepflanzt. Schade, dass man für diese langen Filme nicht noch ein bisschen mehr Zeit hat. Dann könnte man noch viel mehr an den Übergängen und den Themeninseln basteln. In unseren Interviews steckt immer so viel drin, eine Schande, wenn man bedenkt, was da alles am Ende rausfällt. Als würde man immer nur die Filets rausschneiden und den Rest in den Müll schmeißen …

Hänge schon wieder den ganzen Abend vor Pro 7. Respekt, Chuck Lorre. Mir fällt gerade auf, dass er jedes Format mit der gleichen schlichten schwarzen Tafel beschließt, auf der unten links vergleichsweise unprätentiös sein Name steht. Hat Stil. Schau gerade mal – der sieht auch noch gut aus. Und Charlie Sheen disst ihn auf Youtube, das ist der Ritterschlag!

Im Ernst, es kann doch nicht so schwer sein, ein erfolgreiches Format zu entwickeln, so was wie Friends, nur auf Deutsch. So eine Gelddruckmaschine, die obendrein auch noch clever und lustig ist.

Bei Two and a half Men ging es heute um so einen Treppenlift. Ich weiß, vor 30 Jahren wurden die Dinger schon beworben, auf diesen schwarzweißen Kleinanzeigen-Seiten in den Autozeitschriften meines Vaters (damals war der Lamborghini Countach der Traum aller Jungs), neben den ersten Bodybuilder-Pulvern (war das nicht sogar mit Arnie?), Hornhaut-Salben und Spezialschuhen  à la „Werden Sie 8cm größer in 2 Sekunden“.

Statt einer erfolgreichen Serie täte es auch eine Pille – „Wieder unbeschwert wie ein 8-Jähriger in 2 Sekunden“ …

Graf Foto

 

Man kann Fotos anschauen,
um zu wissen, wie ich war.

Oder Leute fragen.

Man kann Fotos anschauen,
um zu ahnen, wie ich sein werde.

Oder Leute fragen.

Ich durchschaue
mich und mich
auf Fotos
fragen Leute,
ob ich ein Abbild
von uns beiden bin.

Natasche

Okay, das war mein Sportwochenende. Gestern die Bayern, heute wir. Spannendes 2:1 gegen Hansa 11. War alles dabei – nur kein Fußball. Egal, hab immerhin einen schönen Lattenschuss in der ersten Halbzeit abgefeuert. Und wir sind nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich wieder zurückgekommen, passiert auch nicht alle Tage. Manchmal bekommen solche Spiele echt was Metaphorisches …

Danach ein bisschen eingekauft, Spülmaschine aus- und den Schrank mit den Töpfen aufgeräumt, Wäsche gewaschen, Wäsche gelegt und nebenbei ein bisschen Inspector Clouseau geguckt. Jetzt bin ich auch einigermaßen aufgeräumt.

Hab nach meinem gestrigen Schnelldurchlauf im Bayern-Fanshop heute ein bisschen gesucht – und zwar diese alte Stricktasche, die mir meine Mutter vor ca. 30 Jahren aus München mitgebracht hat. Ich hatte das Ding all die Jahre immer in Gebrauch (als Student trug ich meinen Speckbrettschläger darin), also wenn das keine Qualität ist, weiß ich es auch nicht.

Schicksals-Spiele

Was soll ich sagen? Donnerstag lag die Welt noch in Trümmern, und jetzt hat sich doch alles gefügt. Jürgen Schmieder ist heute Morgen tatsächlich erschienen und war sehr unterhaltsam. Nach dem Mittag hatte ich dann das Vergnügen, den Mordermittler a. D. Josef Wilfling zu interviewen. Auf die Frage nach der krassesten Lüge in seiner Zeit bei der Polizei nannte er das falsche Geständnis des Günther Kaufmann und erzählte nochmal die Details – superspannend. Na ja, wird man ja vermutlich im Frühjahr bei VOX sehen …

Hatte dann am Flughafen noch ein bisschen Luft. Stand kurz vor dem Geschäft meines Herzens und wünschte, mein kleiner Sohn wäre hier. Konnte dann aber widerstehen, Geld auszugeben, das ich nicht habe. Danach lief Bayern-HSV live in einer Sportsbar, und das war eine ganz neue Erfahrung. Zum ersten Mal seit langem musste ich mich für die Tore meines Vereins nicht schämen, im Gegenteil, die meisten jubelten sogar mit.

Dabei hätte mir heute ein Unentschieden absolut gereicht. Nicht nur, weil die anderen Teams alle für Bayern gespielt haben, nein, weil meine Freundin und ihr Sohn doch HSV-Fans sind. Mal sehen, ob sie die Schlösser schon ausgetauscht haben …