Springbock

Endlich Frühling. Gefühlt zum ersten Mal in diesem Jahr, aber heute gleicht der Gang in die Kaffeeküche einem Sonnenbad …

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Schneide gerade ein bisschen New York vor. Es ist wie immer: Mit jedem Tag, an dem das Material-Chaos ein bisschen weniger wird, werde ich auch immer ruhiger. Ich versinke dann geradezu in meiner Arbeit, auf eine angenehme Art, vergesse alles um mich herum. In Watte gehüllt, hunderte Meter tief unter Wasser. Nur manchmal schrecke ich auf und wundere mich über die Botschaften, mit denen mich die Außenwelt behelligt.

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Sunny Sides

Sortiere mich gerade. Morgen wird mein großer Sohn konfirmiert. Er bekommt von mir u. a. (mal wieder, der Ärmste) etwas zu lesen: Der Fänger im Roggen. Wobei für ihn als Angler vielleicht Der Hänger im Rogen passender gewesen wäre. Nein, Scherz beiseite, hab es selber gerade nochmal zur Hand genommen. Was für ein tolles Buch. Man möchte beinahe nur aus dem einen Grund, dieses Buch zum ersten Mal zu lesen, noch einmal wieder jung sein. Und – das hatte ich auch gar nicht mehr so auf dem Schirm – es spielt in New York! Zufall? Wohl kaum.

Hab noch gar nicht erzählt, dass ich auf meiner New York-Reise zwei Musiker kennengelernt habe. Oder zumindest getroffen. Den ersten an einer U-Bahn-Station in Brooklyn; er hat dort Gitarre gespielt und dazu gesungen – und mich echt umgehauen. Hab extra den Bahnsteig gewechselt, um ihm eine CD abzukaufen, und auch die ist der Hammer. Seine Band heißt Bird Courage. Sie sind, glaube ich, zu dritt. Im Internet machen sie schon tüchtig Alarm und spielen auch zwei Mal live in New York, aber natürlich genau dann, wenn ich nicht da bin. Typisch. Es gibt aber ein Video, das meine Begegnung ganz gut bebildert. Der Typ, der an dem Tag gespielt hat, wo ich da war, ist der kleinere von beiden mit den kurzen Haaren. Hat auch alleine ganz schön gerockt.

Auf dem Rückflug dann die zweite Bekanntschaft: Sanny aus Ostfriesland, ein Schlagersänger, der nach eigenen Angaben gerade eine zweiwöchige Tournee durch die USA und Canada hinter sich gebracht hatte. Er saß genau neben mir, verrückt. Ziemlich unglamourös war das, eingequetscht in diesen Scheiß-Economy-Sitzen. Wie soll da ein vernünftiges Gespräch zustande kommen? Hab stattdessen Nightcrawler geguckt – super Film. Gerade für TV-Redakteure wie mich. Musste ein paar Mal echt schlucken. Anyway, hab zuhause dann mal geguckt, was der Sanny so macht. Ist auch Musik. Möge jeder selbst entscheiden, was er besser liked.

Ball, Drian

Wieder zuhause. Allerdings immer noch ein bisschen im Off. Wenn man hinfährt, ist die Zeitumstellung ein Segen. Wenn man zurückkommt, Höchststrafe. Hab die letzte Nacht kaum geschlafen. Gefangen im Gedankenkarussell. Trotzdem um 8 Uhr aufgestanden. Versuche es gleich mit Fußball und Feierabendbier.

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Das war das übrigens das Erste, was ich nach meiner Ankunft gemacht habe. Zwei Wochen ohne Schwarzbrot. Das ist nichts für einen norddeutschen Westfalen.

Und noch ein schönes Foto habe ich gefunden, geknipst, als ich in Brooklyn war, in so einem abgef..en 1-Dollar-Shop. Die Packung mit den Feinden. Schönes Spielzeug.

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Hier zuhause hat „Sturm“-Trooper Niklas direkt vor unserem Haus einen Baum umgenietet. Wenn der in die andere Richtung gefallen wäre, hätte ich mich nach einem neuen Auto umschauen müssen.

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Hab in der Mittagspause den Spiegel-Titel vom 7. März gelesen, in dem es um unsere Aufmerksamkeit geht, bzw. darum, welche Menschen sich lange konzentrieren können und über besonderes Durchhaltevermögen verfügen. Zitiert wurde u.a. ein Spezialist, der Kinderherzen operiert, oft über Stunden. Ich will das nicht vergleichen, aber ich kenne diese Manie (nicht essen, nicht trinken, kaum pinkeln), wenn ich selber schneide. Filme, keine Herzen. Versteht sich. Von selbst.

Telebrities

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Nachdem ich vor ein paar Tagen (mittags) in einer Bar in Brooklyn schon den Schauspieler Jeremy Piven gesehen hab, erzählte uns heute unsere Protagonistin von der Upper East Side (das Foto hab ich von ihrer Terrasse gemacht), dass gleich gegenüber Woody Allen seine Wohnung hat. Jetzt macht auch ein Foto Sinn, das ich das letzte Mal, als wir bei ihr gedreht haben, anschließend aus dem Fenster eines Diners geschossen hab … Ist er’s oder ist er’s nicht?

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Caution

Haben heute in der Credit Suisse gedreht. Hat leider wieder geregnet. Überall standen diese gelben Hütchen: Caution – wet floor. Vorsicht, nasser Boden. Dann musste ich kurz noch mit meiner Firma telefonieren, weil irgendein Versicherungsnachweis von uns fehlte. Mir fiel der heiße McDonald’s Kaffee wieder ein. Das ist schon ein Unterschied zu Europa: Bei uns rutscht eben jemand mal aus. Kein Ding. Hier heißt es immer Caution, und immer geht es um Insurance, also Versicherung, weil man wegen eines verstauchten Knöchels wahrscheinlich gleich ’ne Million fordern kann.

Unsere Protagonistin war reizend. Als wir ein Close-Up von ihren gehenden Füßen gemacht haben, haben ihre Kollegen ein bisschen gelacht. Daraufhin ich: Deswegen nennt man es Footage. Mein erster richtiger Kalauer auf Englisch. Deswegen jetzt englisches Dinner. Hab  ’ne Mikrowelle im Zimmer. Ob das Hotel versichert ist?

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Gern sehen

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Auction Wars, Fast & Loud, Modern Family, Flussmonster, alles im Original. Auf der anderen Seite jede Menge alte Filme. Heute Abend ist besonders seltsam. Liegt aber auch an meinem Hotelzimmer. Hab das Gefühl, in die 80er Jahre zurückgeschleudert worden zu sein. Bin etwas erschlagen.

Yeah, … and she just carried a watermelon.

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Suck cess

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Läuft nicht alles, wie geplant, aber es läuft. Wir kommen hier langsam in so einen Flow, der Kameramann und ich, das ist der Vorteil, wenn man jeden Tag dreht: Es entsteht dieses Gefühl, morgens einfach „zur Arbeit“ zu gehen, der einzelne Dreh verliert an Größe. Trotzdem muss man immer hellwach sein.

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TV-Journalismus wird unterschätzt, gerade von Print-Kollegen. Wir können nicht einfach ein Interview „sauber“ machen. Ich muss ja mit dem Material so umgehen, wie es 1:1 aus dem Mund des Protagonisten kommt. Das heißt, ich muss zusehen, dass es Sinn macht, man es ggf. schneiden kann, und es trotzdem Tiefe hat. Und das muss ich überblicken, noch während mein Gegenüber spricht …

Trotzdem sind das am Ende natürlich alles Kleinigkeiten. Mein Land verharrt in Schockstarre, wegen dieses schrecklichen Flugzeugabsturzes. Läuft hier auch in den News hoch und runter. Unter den Toten eine Schulklasse. Was für ein Drama.

 

Input-Output

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Und zack, als wäre nichts gewesen, ist der Schnee wieder weg. Heute bewusst 1 Tag off, zumindest so halb. War noch bei Patrick, Pressefotos machen. Dabei erzählte er nebenbei, dass man Möbel von ihm für Sarah Jessica Parkers Haus gemietet habe, um Fotos für den Verkauf des Hauses (ist gerade für 20 Millionen Dollar weggegangen) zu machen, weil die Promis natürlich nicht ihre eigenen Möbel öffentlich machen. Krass. Was für ein netter, bescheidener, toller Typ. Mit einer ebenso tollen Frau, Tamika. Sie haben meine Freundin, die Jungs und mich eingeladen, sie mal zu besuchen. Das wäre eine Show.

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Einer Einladung bin ich heute schon gefolgt. Wenn auch leider allein. War wieder bei Ayana und ihrem Mann zu Besuch im Black Forest. Hatte ein leckeres Schnitzel. Nächstes Mal nehme ich die Schweizer mit. Ist ja vom Schwarzwald nicht so weit weg.

Hab dann auf dem Rückweg noch bei McD für einen Kaffee gestoppt. Da waren so viele interessante Menschen drin, musste ich einfach rein. Eine junge, kleine, etwas gedrungene, schwarze Reinigungsfrau hat mich zu Tode gerührt. Der Kaffee war gar nicht schlecht, nur sauheiß. Mir fiel ein, dass das mal eine Riesenklage in den USA war, eine Frau, die sich am Kaffee verbrannt hatte und dann McD verklagte. Konnte ich plötzlich nachvollziehen. Seitdem steht das wohl auf den Deckeln.

Ansonsten heißt es Kraft tanken. Und warme Sachen kaufen. Hab mir in einem Army-Shop, den mir der Kameramann empfohlen hat, eine Wollmütze gekauft – und eine Dickies-Workpants für 25 Dollar. Die kostet bei uns das Dreifache.

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