wie ein überfahrener Igel gefühlt
gearbeitet
gegessen
Fernsehen geguckt
Mitleid mit Christian Wulff
Angst um Helmut Berger
vom Traumhaus geträumt
Frieden!? …
Puh, das hatte ich lange nicht, dass ich so ungern nach Hause komme. Hätte noch 4 Wochen auf der Insel bleiben können. Vorausgesetzt, jemand flöge die Kinder hinterher …
Fühlte mich heute Morgen nach dem Auschecken genauso verloren, wie es das Foto andeutet. Beneide Hauptmann, Laxness und Co. für deren Lebens-, Schaffens- und Freiräume. Hesse nicht so, der hat dafür seine Familie geopfert.
Das Festland empfing uns auch nicht gerade mit offenen Armen. Wir waren kaum auf der A20, da wurde es so grau, dass ich kurz davor war, im Auto eine Kerze anzuzünden, ehrlich, man hätte einen beschissenen Vorhang aufziehen wollen. Richtig erdrückend war das.
Ein wenig Erheiterung, als mir meine Freundin vorlas, dass der NDR seinen Mitarbeitern künftig die Nutzung von Presserabatten verbieten will. Na klar, die sitzen ja direkt neben Hagenbecks Tierpark, wahrscheinlich hat man sich da über die ganzen geplanten Beiträge gewundert, die nie gesendet wurden … Haha!
Ansonsten? Bettina und Christian Wulff haben sich getrennt. Ich finde das schade, weil es so vorhersehbar war. Ja, sie hat ihn bloßgestellt, ja, sie hat ihre Beziehung dekonstruiert, ja, sie hat ihr Buch am Ende mit einem Tagebuch verwechselt – wie cool wäre es da gewesen, wenn sie es trotzdem als Paar geschafft hätten? Auf der anderen Seite war ihr Statement über die fehlenden Ecken und Kanten ihres Mannes natürlich auch irreparabel. Das ist so ein bisschen wie Christine Neubauer, die sich nach 20 Jahren Ehe hinstellt und über ihren Neuen sagt, sie habe jetzt die „Liebe ihres Lebens“ gefunden. Herr Wulff ist jedenfalls angeblich schon in eine Mietwohnung gezogen. Ich bin bestimmt kein Fan, aber ich hoffe ehrlich, er überlebt das.
Haben noch ein bisschen die Insel erkundet. Bezaubernd, wie alles winterschläft. Sind mit unseren geliehenen Fahrrädern querfeldein und hoch zum Leuchtturm. An einem torfigen Tümpel Halt gemacht und die Stille genossen. Absolute Stille.
Habe versucht, sie für Euch aufzunehmen. Die Stille ist so still, dass man sie nur in höchster Lautstärke und über Kopfhörer wahrnimmt (bei ca. 5 Sekunden schnattern ein paar Gänse oder krähen Krähen, keine Ahnung, ist aber toll).
[sc_embed_player fileurl=“https://www.anders-blog.de/wp-content/uploads/2013/01/natürlich-aufgenommen.mp3″]
Weiter durch das sandige Gras gestiefelt, den Leuchtturm durch den Nebel erahnt. Ein Foto wie ein impressionistisches Meisterwerk. Für einen Moment ein Gefühl von Irland. Und einfach mal die Klappe halten. Nur dem Atem zweier Menschen lauschen, die ohne einander anders wären. Stundenlang hätte ich so weiter marschieren können. Musste links und rechts allerdings die Fahrräder schieben, was mir bergan einiges abverlangte. Oben auf dem Hügel durchgeatmet, draufgesetzt und ins Tal gerast. Helle Freude statt dunkler Gedanken. Hoffe, der Vorrat hält bis aufs Festland. Doch das kann wohl niemand vorhersagen, oder?
Ansonsten? Bloß nix von der Welt da draußen. Ganz bei uns. Kommen voran. Reden viel. Über die Zukunft. Damit die Gegenwart nicht so schwer und erwachsen daher kommt. Vieles erscheint angesichts des Wassers jedoch auch leichter. Keine Lust, morgen schon wieder nach Hause zu müssen. Möchte mich hier einfrieren, wie diese Fliegen, die im Bernstein eingeschlossen sind. Ich glaube, von den Farben her, bin ich ein Bernsteintyp. Das Zeug wird hier an allen Ecken verkauft. Am besten gefallen mir diese kleinen Ketten, die Säuglingen beim Zahnen helfen sollen. So eine hätte ich gerne für mich. Irgendwie zahnt man doch sein ganzes Leben.
Bin Euch noch ein Retro-Insel-Gedicht schuldig. Hab mich bemüht, das Wort Arg unterzubringen, weil es mir aus dem Friedensgebet so nachhängt.
Ruhig und immer ruhiger wogt die Wut
ebbt ab und zuversichtlich kippt der Arg
um – zu schreiben, klar, mit neuem Blut:
der Baum ist kahl, jedoch in keiner Weise karg
An ihrer Hand löst endlich sich die Hülle
die mühsam Kopf und Herz zusammenhält
wenn sichtbar wird die reiche Fülle
mit der die Gunst den echten Mensch´ erwählt
Heute hat´s geklappt. Wir waren im Gerhart Hauptmann-Haus. Und es war super, ein bisschen so wie bei Laxness in Reykjavik. Ich frage mich, wie sich diese Schriftsteller solche Häuser leisten konnten. Ich meine, das hier war nur Hauptmanns Sommerhaus. War ganz beruhigt, als ich hörte, dass er auch schon über 60 war, als er es kaufte und vorher jahrelang (so wie wir) in Hotels oder Pensionen Zimmer gemietet hatte. Es besteht also noch Hoffnung. Außerdem war er – genau wie Laxness – ebenfalls zweimal verheiratet und machte am Ende Patchwork-Urlaub. Man denkt ja immer, das wäre so eine Erscheinung unserer Zeit – nee, das gab es immer schon. Es hieß nur anders. Einfach Urlaub.
Konnte im Eingangsbereich der Versuchung nicht widerstehen, meinen Mantel über die Garderobe zu hängen. Wollte das Gefühl haben, gewissermaßen bei den Hauptmanns eingeladen zu sein. Obwohl die nette Frau, die den Rundgang begleitete, erzählte, die Hauptmanns hätten ungern Besuch empfangen. Ich glaube, bei mir wäre es ähnlich. Echte, gute Freunde könnten bei uns allerdings mit Kind und Kegel den ganzen Sommer bleiben …
Coole Einrichtung. Nicht so extrem wie bei Laxness, aber schöner Mix aus klassischem, dunklen Holz und frischem, roten Schwedenschick. Fest steht, dass Leute wie Laxness oder jetzt auch Hauptmann meine Theorie bestätigen, dass ein Haus oder eine Wohnung erst durch originelles, leichtes Design und originale Kunst sein Flair erhält. Ich sammele ja auch kleine Gemälde. Die müssen (bzw. dürfen) nicht teuer, aber original und mit einer Geschichte versehen sein. Dann wird daraus Kunst.
Das Arbeitszimmer war natürlich der Höhepunkt. Die Frau erzählte, Hauptmann sei sehr diszipliniert gewesen und habe jeden Tag 3 Stunden diktiert. Ich hab das erst gar nicht verstanden. Doch er hat offenbar wirklich jeden Tag seiner Sekretärin 3 Stunden lang druckreife Sätze in die Feder diktiert. So haben ja früher viele Dichter gearbeitet, aber das ist schon schräg, ein Tonbandgerät auf 2 Beinen. Heute hätte er bestimmt ein PC mit Spracherkennung. Am Eingang hing ein Tagebucheintrag. Klingt vermessen, aber er erinnerte mich an meinen Blogeintrag von gestern. Werde für morgen mal versuchen, ein Insel-Gedicht zu verfassen. Irgendwas mit karg und Fülle und Arg und Hülle …
Erste Nacht auf Hiddensee und gleich ein bisschen besser geschlafen. Wollten uns nach dem Frühstück im Gerhart Hauptmann-Haus inspirieren lassen. Auf dem Flyer im Hotel stand: Von 12:00-12:30 für Besucher geöffnet. Leider begehrten wir dann um 12:10 vergeblich Einlass. Wie uns die Verkäuferin im dazugehörigen Literatur-Pavillon später nicht unfreundlich, aber bestimmt erklärte, hätten wir uns doch um kurz vor 12 mit den anderen Besuchern vor dem Laden einfinden müssen. Wie solle das sonst gehen? Sie sei in der Nebensaison schließlich alleine. Aha! Morgen ein neuer Versuch. 5 vor 12!
Stattdessen runter zur Küste. Gischt und Wind wie ein nasses Handtuch ums Gesicht. Wahnsinn. Klarheit bis zum Abwinken. Danach mit einem traditionellen Sanddorn-Grog wiederbelebt. Man muss ein bisschen zuckern, aber dann ist diese Mischung aus herber Frucht und Rum eine gute Medizin für Geist und Körper.
Auf dem Rückweg kamen wir an dem Schaukasten des Inselmalers Willi Berger vorbei, in dem ich letztes Mal vor 4 Jahren dieses Bild gesehen habe, das jetzt bei uns überm Esstisch hängt. Heute sprang uns sofort ein kleines Ölgemälde ins Auge. Damals hatte ich eigentlich schon kein Geld für so etwas Schönes übrig, diesmal noch weniger. Verdammt schade. Auf jeden Fall haben wir beide Lust bekommen, dem alten Mann einen Besuch abzustatten.
Haben den Tag mit einem Friedensgebet in der Inselkirche ausklingen lassen. Die Gemeindefrau fragte, ob jemand die Glocke läuten wolle, aber ich war zu schüchtern, um mich zu melden. Ein Vers ist hängen geblieben; es ging darin sinngemäß darum, das (kleine) Gute, was am Tage war, zu benennen und so den Tag in Erinnerung zu behalten. Das war irgendwie nett …
Hab letzte Nacht beschissen geschlafen. Die Arbeit sitzt mir schon im Nacken, obwohl ich noch gar nicht wieder im Büro bin. Heute vormittag dann meine beiden Glücksbringer zurück gebracht. Der übliche Blues danach fiel kleiner aus, weil meine Freundin und ich uns direkt auf den Weg nach Hiddensee gemacht haben. Waren da schon mal vor 4 Jahren, jetzt also wieder, noch einmal richtig den Kopf frei kriegen, Pläne schmieden, Ideen entwickeln und aufs neue Jahr einschwören. Das letzte war hart genug. Wir haben uns in den letzten Jahren ja immer mal wieder ein paar Tage nur für uns gegönnt, kann ich nur jedem empfehlen. Beziehungsarbeit (im Sinne von Pflege) muss nicht immer mit der falsch ausgequetschten Zahnpasta-Tube in der Hand im Badezimmer stattfinden.
Deswegen Hiddensee! Als wir letztes Mal hier waren, haben wir Willi Berger, den Inselmaler, spontan in seinem Atelier besucht. Hab ihm damals für 180 Euro ein Bild abgekauft, was ich bis heute sehr liebe. Überlegen, ihn diesmal wieder zu überraschen, aber er ist gerade 90 geworden, und wir sind uns noch nicht sicher.
Der erste Abend war auf jeden Fall super. Hotel ein Traum, Halbpension inklusive (wollen schließlich kreativ sein, aber nicht am Herd) – und das erste Essen war schon mal eine Wucht: Büsumer Scholle …
Obwohl wir total müde waren, eben noch 2 Folgen vom Tatortreiniger gesehen. Klasse. So etwas in der Art fällt einem hier bestimmt auch ein. Gute Ideen sind wie Muscheln, aber nicht in jeder steckt auch eine Perle.
War heute mit dem Kurzen kicken. Hab bei der Gelegenheit meine geilen neuen Buffer eingeweiht, stilecht auf einem Bolzplatz bei uns ganz in der Nähe. Hartes Großloher Pflaster!
Die letzten beiden Fotos hat mein Sohn gemacht. Das zweite war nur ein Versehen, aber wie es in der Kunst so oft ist – ich finde es großartig. Und das dritte … ja, gut, zugegeben, eine gewagte Kombi. Aber mir erschien es irgendwie standesgemäß.
Der Ball ist ein ganz schlichter Derbystar, den ich für meine Jungs gekauft habe. Wir spielen die Dinger so lange, bis sie auseinander fallen. Passt super zu den Schuhen. Zack – und mindestens 50 Jahre in der Zeit zurückgereist. Wer braucht schon diese hypermodernen, flatternden Plastik-Pillen?
Ansonsten? Tom Cruise ist Jack Reacher. Hab auf den Button zur Homepage des Films geklickt, und dann kam so ein unfassbar langer Link, da habe ich die Seite schnell wieder geschlossen, weil ich (für eine Sekunde wirklich) dachte, Scientology hackt sich in mein System …
Wünsche ich von Herzen allen Freunden des gebloggten Outputs. Hatten ein ganz schönes Silvester mit allen Kindern; bei Dinner for one schlapp gelacht, ein festliches Fondue genossen und schließlich mit viel Tamtam die bösen Geister vertrieben.
Heute kam dann, ohne dass ich es wusste, der Kölner Tatort, bei dessen Dreharbeiten wir im Sommer an einem Tag Joe Bausch begleitet haben (s. Foto). Die Szene lief ziemlich zu Beginn, klar, es war ja der Fund der Leiche, und das war ganz lustig, weil die Leiche damals zeitgleich mit Bausch in der Maske saß, und ich sie sogleich wiedererkannte.
Man schnallt das ja in dem Moment gar nicht so, wie cool das eigentlich ist, da mit der ganzen Crew am Set zu stehen, aber meine Freundin, ein erklärter Tatort-Fan, war total geflasht, als ich ihr in der Szene plötzlich zuraunte: Pass auf, jetzt nimmt Ballauf gleich zwei Schallplatten in die Hand und Bausch fängt an zu singen …
Ich glaube, Ballauf bzw. Klaus J. Behrendt hat da in Köln richtig auf den Tisch gehauen. Seine Sätze waren diesmal viel markiger. Hat mir alles gut gefallen. Aber ich bin in diesem Falle natürlich auch nicht neutral, war ja schließlich hautnah dabei … Hoffe, dass ich die Bausch-Reportage nach der Lügen-Doku im neuen Jahr bald fertig machen kann.
Okay, der Nikolaus war zwar schon da, trotzdem habe ich heute Stiefel gewienert, ganz schlicht mit hochwertigem Wachs und einigem Erfolg, wie man sieht. Dabei ging mir die ganze Zeit ein Pixi-Buch durch den Kopf, das ich als Kind besaß. Darin wurden einzelne Berufe (Metzger, Bäcker etc.) vorgestellt, und die letzte Frage lautete: Wer putzt Deine Schuh´? – Du.
Ansonsten? Gestern war Verona Pooth beim Plasberg-Quiz und antwortete manchmal ein bisschen falsch, und da dachte ich, oh, die macht jetzt einen auf Katzenberger, bis mir auffiel, dass die Katzenberger ja eigentlich immer einen auf Verona gemacht hat, und das fand ich dann schon spannend, wie gewissermaßen das Vorbild des Ablegers plötzlich zum Auslaufmodell degenerieren und der Ableger zum Durchstarter avancieren kann. Mal sehen, wie das ausgeht. Super-Thema für eine soziologische Doktorarbeit.
Und: Passend zum heutigen Thema ein Stück einer Band, die ich sehr liebe – Ride.
[sc_embed_player fileurl=“https://www.anders-blog.de/wp-content/uploads/2012/12/04-Natural-Grace.mp3″]
Schlaft gut, morgen Abend geht es zurück auf Null …
War heute mit dem Sohn meiner Freundin, meinem Ältesten und zwei seiner Freunde in Finkenwerder angeln, im alten Fährhafen. Das war total schön. Mein Ältester fühlte sich als kleinster gemeinsamer Nenner natürlich für alle verantwortlich, und das war ganz bezaubernd zu sehen, wie er jedem zu Hilfe eilte, Haken verteilte, Zangen verlieh, seinen Kumpel nach den lokalen Gegebenheiten ausfragte, um sie seinem (Stief-)Bruder weiterzugeben. Ein ganz harmonischer Ausflug mit 4 ganz tollen Jungs. Da spürt man schon, dass die bald alt genug sind, um echte Abenteuer zu erleben.
Sicher geht es allen Eltern so, denn natürlich rast die Zeit, aber manchmal trifft einen diese Erkenntnis härter als sonst. Wenn sie nämlich plötzlich im Spiegel des eigenen Lebens erscheint. Wenn man plötzlich denkt, hey, ich stand doch eben selber noch mit meinem Kumpel und der Angel in der Hand am Bach. Und danach sind wir mit unseren BMX-Rädern durch den Tiergarten gekachelt. Mitunter habe ich von meiner eigenen Kindheit sehr klare Vorstellungen. Erlebe konkrete Momente noch einmal. Das hilft mir, meine Kinder besser zu verstehen. Und trotzdem trifft man dieselben Fehlentscheidungen wie sein eigener Vater. Und trotzdem werden die eigenen Söhne in Höchstgeschwindigkeit älter.

Ansonsten? Daniela Katzenberger macht ein neues Café auf und Peer Steinbrück meckert übers Kanzler-Gehalt – keine Sorge, er wird sich niemals darüber ärgern müssen.