Zufälle?

Gestern Abend eine weitere, lange Lektoratssitzung bei minimaltrashart abgefeiert. Seltsam, was man – selbst nach dem 20. Mal Lesen – doch noch alles findet. Aber auch gut, mal ein paar Seiten am Stück wegzuschaffen und festzustellen, dass es (immer) besser wird. Habe aber auch festgestellt, dass man am Ende vor lauter Müdigkeit Ja und Amen zu allem sagt. Zum Glück rechtzeitig aufgehört.

Heute Morgen dann den Sohn meiner Freundin zum Bauernhof gefahren. Er verbrachte dort seinen „sozialen Tag“, d. h. arbeiten für einen guten Zweck. Der Bauer fragte ihn als Erstes, ob er schon mal Trecker gefahren sei. Die Bäuerin hieß übrigens Ingrid – genauso wie die Bäuerin aus meinem Buch. Zufall? Wohl kaum. Vor 2 Tagen stand ich an der Ampel und sah diesen Aufkleber:

Einer meiner Hauptprotagonisten heißt ja auch Erik und könnte phasenweise genauso ausgesehen haben – wie Erik Cohen. Kannte den gar nicht. Ein Rocker. Im Herbst auf Tour. Vielleicht gehe ich mal hin, kann doch alles kein Zufall sein …

Ansonsten? Ja, in Hamburg regnet es oft, aber immerhin verschwinden die Häuser nicht in den Fluten. Alles Wahnsinn …

Und? Stelle gerade fest, dass dies der 200. Artikel ist. Muss ich mir für Morgen etwas Besonderes einfallen lassen.

Die steril(isiert)e Gesellschaft

U-Bahn-Station. Ja, klar, man kann nicht überall rauchen (an der Tankstelle) und saufen (am Steuer), aber wo ist die Grenze? Was macht das System mit uns? Was lassen wir mit uns machen? Ab wann ist es zu spät, um etwas zu dagegen zu machen? In „Resistanbul“ (taz) versuchen mutige Menschen gerade, sich gegen einen mächtigen Staatschef zu wehren. Zu spät? Weil es einem lange gut ging? Weil es einen erst jetzt unmittelbar betrifft? Was ist der berühmte „Funke“? Was könnte das in Deutschland sein? Oder könnte das in Deutschland gar nichts mehr sein? Würden die Menschen, die in Frankfurt demonstrieren, auch in Istanbul auf die Straße gehen? Wofür würde ich Tränengas in Kauf nehmen? Wenn mir jemand meine Wohnung wegnimmt? Habe im Zuge meiner Recherchen für die neue Doku übers „Wohnen“ schon einige Horrorgeschichten gehört, über Makler, über Spekulanten, über die Schattenseiten der Gentrifizierung. Noch bin ich Beobachter der Opfer. Wenn ich selbst Opfer bin, gehe ich auf die Straße. Aber dann wird es zu spät gewesen sein. Bald werden unsere Städte Verbots-Stätten sein, in denen sich reiche Langeweiler gegenseitig auf Schultern klopfen und Nerven gehen. Letzte Chance für Kreative: regionale Land-Wirtschaft. Erste (erfolgreiche) Versuche gibt es schon.

Ansonsten? Ist Michael Ballack im neuen WM-Vorspann des DFB zu sehen – überraschend nach dem Abgang. Und die Kinder, die die Nationalspieler gestern Abend gegen die USA aufs Feld geführt haben, trugen statt der Trikots T-Shirts von McDonalds …

Und? Jaden Smith, der Sohn von Will Smith, soll gesagt haben, er interessiere sich nicht für Gleichaltrige, weil die nur Videogames im Kopf hätten. Armes Kind.

 

Honey Ball Lektor

Betonung liegt auf Honey – und auf Ball, weil wir ja auch zusammen Fußball spielen. Heute zweite Lektorats- und Korrektursitzung mit Jan-Uwe von minimaltrashart gehabt. Tut gut – dem Text und mir. Modern, wie wir sind, mussten wir uns nicht einmal irgendwo treffen. Technik statt leibliches Wohl. Montag dann wieder real …

Rückwärts

 

Ein Fazit der Recherche: Siegburg war nett. Lag aber vielleicht auch an der Sonne. Hab nach getaner Arbeit bei Kicker und einheimischem Bierchen auf jeden Fall gut alle Eindrücke sortieren können …

Auf dem Heimweg statt ICE wieder so ein alter – als IC getarnter – InterRegio. Mir ist das, ehrlich gesagt, scheißegal, bin froh, den Anschluss überhaupt bekommen zu haben. Doch mit mir im Abteil sitzt so ein dicker Unsympath in Jeans und kariertem Hemd, Typ: gerade mal zwei Dienstreisen im Jahr, aber sich jetzt natürlich bei seinem mitreisenden Kollegen (oder ist es der Vater?) sofort darüber beschweren, dass er „dafür“ so viel Geld bezahlt hat. Nächstes Mal will er 1. Klasse fahren – macht er eh nicht.

Dann bestellt er sich einen Kaffee vom Wägelchen (immerhin gibt es eines), und ich denke, gleich motzt er über den Preis, aber nix passiert. Bin drauf und dran, meine Meinung über ihn zu überdenken, da kommt der Satz schließlich doch: „2,80 – stolzer Preis `dafür´.“ Ich glaube, dieses „Dafür“ ist der zentrale Begriff seines Lebens. Als er den halbvollen Becher kurz abstellt, um die Zeitung umzublättern, kippt der natürlich um, und dann guckt er schweigend zu, wie der ältere (also doch sein Vater?) hektisch mit drei Taschentüchern über den Boden wischt, und ärgert sich, dass er „dafür“ (die Pfütze) soviel Geld ausgegeben hat – und da tut er mir fast leid.

Mein Ticket hat die Firma bezahlt. Mein Kaffee kommt aus dem Automaten auf dem Bahnsteig: 50 Cent. Der Minischluck, der mir beim Einsteigen in den Ärmel gelaufen ist, wird keine Spuren hinterlassen, den Rest habe ich getrunken. In der Firma wartet leckeres, subventioniertes Mittagessen und Milchkaffee – umsonst.

Hatte mir ja noch vor der Abfahrt in Hamburg meinen ersten Erzählband von Ralf Rothmann gekauft – und bin total begeistert, nicht nur, weil er Schleswiger ist. Man bekommt sofort selber Lust, eine Geschichte zu schreiben. Ich meine, ein bisschen beobachten kann ich ja auch. Selbst wenn es nur Mitreisende sind.

 

Vor Spiel …

Wer hätte das gedacht? Ich könnte mit Feridun Zaimoglu Fußball gucken. Oder mit Jasmin Tabatabai. Oder mit Wolfgang Schäuble. Alles Bayern-Fans, die sich heute in der taz über das Gefühl des Bayern-Fan-Seins äußern. Feridun Zaimoglu hat sich genauso verliebt wie ich – als Kind vor der Sportschau, geflasht von den roten „Bullen“; angeblich waren es bei ihm wirklich anfangs nur die Trikots, ich hatte immerhin „Breitnigge“ ausgemacht.

Es bricht gerade eine neue Zeit an. Nicht-Bayern-Fans stellen sich hin und fragen, ob man Bayern wirklich hassen muss. Ja, man trennt sogar Bayern von Hoeneß. Aber wie immer, wenn in Deutschland etwas Thema wird, wird es nicht hochgekocht, sondern regelrecht übergekocht, zum Über-Thema. Alles ist voll mit Finale, überall tickt der Countdown runter – Wahnsinn, ich kann nur hoffen, dass Heynckes die Gardinen zugezogen hat.

Nachdem ich letztes Jahr schon mit einer Einladung zum gemeinsamen Gucken baden gegangen bin, wage ich es dieses Jahr wieder, obwohl ich jetzt schon weiß, dass ich nachher in der Unterzahl sein werde, egal, diesmal „kann“ Bayern nicht verlieren, das geht einfach nicht …