Vor Spiel …

Wer hätte das gedacht? Ich könnte mit Feridun Zaimoglu Fußball gucken. Oder mit Jasmin Tabatabai. Oder mit Wolfgang Schäuble. Alles Bayern-Fans, die sich heute in der taz über das Gefühl des Bayern-Fan-Seins äußern. Feridun Zaimoglu hat sich genauso verliebt wie ich – als Kind vor der Sportschau, geflasht von den roten „Bullen“; angeblich waren es bei ihm wirklich anfangs nur die Trikots, ich hatte immerhin „Breitnigge“ ausgemacht.

Es bricht gerade eine neue Zeit an. Nicht-Bayern-Fans stellen sich hin und fragen, ob man Bayern wirklich hassen muss. Ja, man trennt sogar Bayern von Hoeneß. Aber wie immer, wenn in Deutschland etwas Thema wird, wird es nicht hochgekocht, sondern regelrecht übergekocht, zum Über-Thema. Alles ist voll mit Finale, überall tickt der Countdown runter – Wahnsinn, ich kann nur hoffen, dass Heynckes die Gardinen zugezogen hat.

Nachdem ich letztes Jahr schon mit einer Einladung zum gemeinsamen Gucken baden gegangen bin, wage ich es dieses Jahr wieder, obwohl ich jetzt schon weiß, dass ich nachher in der Unterzahl sein werde, egal, diesmal „kann“ Bayern nicht verlieren, das geht einfach nicht …

Der (W)Rap

Mir geht jetzt schon die McDonalds-Werbung mit Cro und den anderen auf den Sack. „Ich bin der (W)Rap …“

Ansonsten:

Drohnenprojekt gescheitert: 500 Millionen
Nerd verkauft Internet-Ding: 1100 Millionen

Eine Dose Bier und die taz im Nachhause-Zug: unbezahlbar

Schau, Werk!

Konnte heute das Geheimnis um die große Bau-Arbeit der letzten Tage lüften – die Glücksbringer sind zufrieden, haben sich eben ganz zufrieden in ihre jeweiligen Ecken des „L“ verzogen. Mein Vater hat meiner Schwester und mir damals auch ein Hochbett gebaut. An so etwas erinnert man sich sein Leben lang.

Ansonsten? Neues Diensthandy – die billigste Hülle bei Gravis war so ein Klarsicht-Ding zum Selbstgestalten …

… mit dem Motiv gehe ich jetzt in Serie.

Und? Im Fernsehen läuft der ESC. Aura aus Estland. Mist aus Deutschland. Der beste Beitrag? Ein Schreibfehler im Liveticker auf Stern.de

 

Baby, Achtung – Aus, Differenzierung

„Nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern“ – völliger Quatsch, habe nämlich gerade in der taz von Dienstag einen tollen Artikel über „Das Eigenleben der Erzähungen“ gelesen, na ja, sagen wir: überflogen, zum Lesen fehlt mir tatsächlich die Ruhe, aber 2 Punkte doch jetzt schon auf die Schnelle: Der Autor Moritz Bassler zitiert eingangs Betrand Russel, der gesagt haben soll, mit 20 sei er Mathematiker gewesen, mit 30 habe es noch zum Physiker, mit 40 zum Philosophen gereicht, und er hoffe, er bringe es nicht noch zum Literaturwissenschaftler – allein diese Selbstbeobachtung hat mich umgehauen. Spricht mir voll aus der Seele. Wenn ich heute in meine Doktorarbeit gucke (und das war noch nicht einmal eine naturwissenschaftliche), verstehe ich nur noch die Hälfte, dabei waren es meine Gedanken. Und es stimmt: Je älter wir sind, desto un-exakter und vager werden wir in unseren Überlegungen. Wir verlieren mit dem Alter den Scharfsinn und die Akkuratesse. Stattdessen verlassen wir uns auf einen geistigen Weichzeichner, der alle Aspekte auf ein erträgliches Maß runterkonvertiert und somit für uns erst als Gesprächsgegenstand zugänglich macht.

Damit kommen wir zum zweiten Punkt. Denn der Literaturwissen-schaftler Albrecht Koschorke, dessen Buch Bassler bespricht, sagt, vereinfacht ausgedrückt (wenn ich es richtig verstanden habe), das sei nicht nur nicht schlimm, sondern sogar hilfreich, weil (zit. nach Bassler) „eine Wissens- und Sinnsphäre, die der (systemtheoretisch gesprochen, Anm.: GJA) funktionalen Ausdifferenzierung der Gesellschaft erfolgreich widersteht (…) just darin ihre kulturpoetische Funktion hat.“

Passend dazu bin ich heute in der aktuellen Pressemitteilung des transcript-Verlags über das Buch der Hamburgerin Sibylle Peters gefallen, die, andersherum, fragt, ob und wann (auch) Kunst Forschung sei, bzw. wie sich Forschung verändern müsse, wenn sie nicht länger ein Privileg der Wissenschaften sein soll.

In Anbetracht der Stammzellen-Schlagzeile von heute: Ich glaube, man wird immer Experten und nerds und Fachidioten brauchen. Wichtig ist nur, dass es weiterhin auch die Visionäre und Querdenker und Skeptiker gibt, die Bedeutungen relativieren können und die Konsequenzen im Blick haben.

 

Lesen bildet

Ein sensationelles Gedicht aus meinem neuen Richard Brautigan-Buch:

Sekunden

Wenn man bedenkt, wie wenig Zeit wir haben
zum Leben und um über was nachzudenken, dann
hab ich grade die richtige Menge Zeit
für diesen Schmetterling
aufgewendet

20


(Richard Brautigan, Ausgewählte Texte, Hoffmann und Campe)