Maul, Wurf II

Lino

oder: Großer Wurf. Hab eben auf arte zufällig „Der Maulwurf“ gesehen, mit Lino Ventura, zum ersten Mal. Bin begeistert. Ich liebe diese schlicht erzählten Agentengeschichten, die ohne große Effekte oder Verfolgungsjagden auskommen. Und, klar, dieser Rachefeldzug nach dem Tod seiner Liebsten ist natürlich grandios. Dass Ventura dann am Ende nicht überleben darf, erinnert ein wenig an „Der Profi“ mit Belmondo. Ich weiß nicht, warum die immer sterben müssen. Ist das die Moral, dass die mit ihrer Vergangenheit nicht durchkommen dürfen? Weil sie auch nicht „gut“ im klassischen Sinne sind? Oder weil ein Happy end uncool wäre? Gutes Thema für eine Abschlussarbeit: Moralische Message oder ästhetische Attitüde? „Leon, der Profi“ stirbt ja auch. In der Tat ist es, jetzt, da ich darüber nachdenke, bei allen drei Figuren unvorstellbar, wie die überhaupt „normal“ weiterleben könnten. Interessanter dramaturgischer Kniff also. Tod durch Nicht-weiterleben-können.

Ansonsten? War das Einzige, was mich gestört hat, dass Lino Ventura jeden Tag denselben Anzug getragen hat. Das fiel umso stärker auf, weil jeder neue Tag, um die Chronologie zu betonen, mit Untertiteln angekündigt wurde. Oder besitzt der Mann von Welt den gleichen Anzug mehrfach?

Ich da, im Radio

Bin Morgen im Hamburger Lokalradio zu hören, in der Sendung Jazz und Literatur. Thema ist mein neuer Roman, Kunststoff, freut mich total. Ist auch doppelt passend, da ich ja früher in diversen Jazzbands getrommelt habe. Das Ganze läuft ab 17:05 auf 96 Mhz, da wo Tide sonst ausstrahlt. Meine beiden Glücksbringer kommen auch mit, haben gleich gefragt: Radio? Cool! N-Joy? – Tja, mit Kuhlage & Hardeland hätte ich richtig Eindruck schinden können, egal. Hab gerade mal aus Gewohnheit nach alten Spuren von mir im Netz gesucht und festgestellt, dass man mit mir mittlerweile auf dem Kunstmarkt Höchstpreise erzielen kann (zum Vergrößern – draufklicken). Zu Lebzeiten, wohlgemerkt …

hochwertig

Endlich

Eine gute Nachricht – es gibt eine intelligente, couragierte Anti-Kampagne zu diesen Hass-Plaketen der NPD, über die ich vor ein paar Tagen geschrieben habe (siehe: Echt traurig, anders-blog vom 01.09.):

Meine Oma

Wenn man dem rechten Scheiß offenbar nicht anders beikommen kann, ist das zumindest ein Zeichen, das Mut und Hoffnung macht. Offenbar ist den anderen Parteien doch noch nicht alles egal.

Ansonsten? Gibt es auch Nervkram – ich habe vor ein paar Wochen mein WordPress aktualisiert und mir damit meinen schönen schlichten Audio-Player zerschossen. Versuche das schnellstens zu beheben. Fazit: Never change a running system (gilt nicht zwangsläufig für Bundesregierungen).

Nachtrag: Soeben einen neuen Player installiert. Jetzt könnt ihr wieder hören.

Interaktiv

Wachstumsstörung
Wachstumsstörung?!

Zwei Blüten aus einem Stengel, die perfekte Symbiose, Metapher für eine ideale Beziehung. Und das – passenderweise – auf unserer Terrasse, am Ende eines langen, gut meinenden Sommers. Gewissermaßen als poetischer Gegenpol dazu eine musikalische Skizze (draufklicken). Fand die technische Übersetzung von „Seelenverwandtschaft“ irgendwie ganz gut.

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Ansonsten? Wird die taz immer seltsamer. Nach der Debatte um den nicht erschienenen Artikel über Pädophilie & Grüne von Christian Füller (nun übrigens bei faz.net nachzulesen) werden nun zurecht die nicht beantworteten Fragen an Herrn Rösler kritisiert. Mit Medien ist es ein bisschen wie mit Schulen. Letztlich geht es nicht um das System, sondern immer um den einzelnen Lehrer. Oder irgendwie so ähnlich.

Pädagogisch Werwolf

Haben am Wochenende den Geburtstag meines kleinen Glücksbringers nachgefeiert. Auf seinem Wunschzettel stand u.a. ein kleiner „Horror-Laden“, den er in den Sommerferien in einem schwedischen Supermarkt gesehen hatte. Und da er vor zwei Jahren nach einer Fahrt mit der Geisterbahn (um die er selbst gebettelt hatte) doch über leichte Einschlafstörungen klagte, dachten wir, das Geschenk könnte seine Entwicklung und seine Selbstkräfte in Bezug auf Ängste, Ungeheuer etc. fördern. Leider haben wir nicht bedacht, welche Auswirkungen das Ganze auf unsere Entwicklung haben könnte …

Elmostreet

Ich-Museum

Aus
Aus

Hab gestern beides gemacht, Vernissage und Lesung, ein bisschen halbherzig vielleicht, aber unterm Strich, glaube ich, die richtige Entscheidung. Die Ausstellung meines EX-Mitbewohners (Rocket & Wink) im Museum für Kunst und Gewerbe ist für jeden, der sich für Design-Kunst-Kommerz-Pop-Kultur interessiert, ein MUSS. Absolut beeindruckend, wie variabel und zugleich „aus einem Guss“ deren Output ist. Hammer.

Das Lustige ist: ICH hänge auch im Museum. Hab nämlich damals für die ersten Whatever-Magazine kurze Texte und Gedichte beigesteuert. Und die sind da auch zu sehen … cool. Draufklicken!

gestellt
gestellt

Ansonsten? War die Lesung auch klasse. Matthias Politycki ist einer der letzten richtigen Autoren. Fertig. Und außerdem – gemeinsam mit seiner tollen Frau – ein wunderbarer Gastgeber.

Cool Tour

Cooltour

Manchmal wünschte ich, ich könnte mich teilen. Wochenlang tote Hose und heute Abend zwei tolle Veranstaltungen gleichzeitig, und bei beiden stehe ich auf der Gästeliste … toll … nein … verdammt!

Matthias Politycki stellt seinen neuen Roman im Literaturhaus vor und mein ehemaliger Mitbewohner feiert eine Vernissage im Museum für Kunst und Gewerbe. Und beides war heute Kultur-Tipp in der Mopo, lustig, als wäre Hamburg keine Weltstadt, sondern irgendwie Bielefeld oder Schleswig, egal, ich rechne immer noch herum, ob ich es erst ins Museum und dann noch ins Literaturhaus schaffe. Auf der anderen Seite ist es gut möglich, dass sich mein Mitbewohner nur „maskiert“ zeigt und nichts sagt (war laut Mopo zumindest bei der Pressevorführung so), dann hätte man auch nicht so richtig was davon. Aber da kommen bestimmt ganz wichtige Menschen, also, im Ernst, jetzt mit dem Buch im Gepäck … da MUSS ich doch hin … auf der anderen Seite … vielleicht gerade deswegen lieber Literaturhaus … bisschen mit meinem Verleger quatschen … Flagge und Gesicht zeigen … Hach … ich bin so … boheme … äh, bohemien … behämmert …

Go, Wesp

Go Wesp

Heute morgen hatte sich eine Wespe in die U-Bahn verirrt und kam nicht wieder raus. War ganz schrecklich mit anzusehen, wie die da panisch hin und her flog. Das ganze Kunstlicht, der Krach, die Gerüche, was für ein Horror. Wo kam die wohl her? Wie lange schwirrte die da schon herum? Kommt sie jemals wieder frei? Musste an diese neue TV-Serie denken, Under the dome, wo ein Dorf plötzlich unter einer riesigen Glaskugel festsitzt – obwohl, jetzt, wo ich darüber nachdenke, klingt eigentlich ein bisschen nach Berlin zu DDR-Zeiten.

Sommer?!

Sommer

Drei Birken, schreien(d) gelb
der Sonne nach
schützen Schwerpunkt des Dreiecks
küssen Herbstkind wach

Früchte, die ich einst gesät
hängen heut zu hoch
bedeutungsschwanger, leichter werdend
ernte ich sie doch

Niemals zwei die gleichen Birken
das Gelb ist nie nur eins
Schwerpunkt tritt heraus
denkt sich seins

Drei Wildgänse fliegen
wild, der Sonne nach
Zwei kommen nur zurück
küssen Herbstkind wach

Hab ich vor 20 Jahren mal geschrieben. Klingt auch so. Damals viel Hesse gelesen.

Echt traurig

Echt traurig

Seltsame Tage gerade. Ich habe gestern (viel zu spät eigentlich) eine Trauerkarte für eine ganz tolle Kollegin gekauft, deren Vater überraschend gestorben ist. Und dann klappe ich die Karte auf und sehe, dass da Textbeispiele drin sind, also vorgefertigte, warme Trostphrasen. Sind die Menschen nicht mehr in der Lage, sich ein paar eigene Zeilen zu überlegen oder ganz einfach auf ihr Herz zu hören? Ich meine, vielleicht gibt es auch keine Empathie mehr, eine Ahnung. Entlang der B75 hängen auf jeden Fall die schlimmsten Wahlplakate der NPD, die ich je gesehen habe, wo ich mich frage, wie das legal sein kann, und warum das keine Volksverhetzung ist, wenn man schreibt: Lieber Geld für Oma als für Sinti und Roma (oder so ähnlich)! Gestern in dem Kanzler-Film meiner Kollegen Kloft und Jacobs ging es in der Ära Schröder um die „Gerd-Show“, die damals Satire sein sollte, aber echt derbe war, und da sagte ein nahestehender Mitarbeiter Schröders, man könne nicht immer gelassen sein, man müsse sich auch mal wehren bzw. abwägen, wann aus Gelassenheit Dummheit wird. Ich merke nur, wie es mir schwer fällt, gelassen zu bleiben, wenn ich an einem Plakat vorbeifahre, auf dem ein blondes Mädchen lacht und darunter steht: „natürlich deutsch“ – Und klar, jetzt gehen die Propagandisten nach Berlin-Hellersdorf und erzählen den wütenden Bürgern da, was sie hören wollen, und plötzlich haben wir die altbekannte Situation, dass, nur weil die bürgerlichen Parteien zu blöd sind, komplexe Probleme wie Einwanderung weitsichtig und sensibel zu lösen und vor allem auch die Maßnahmen verständlich zu kommunizieren, die Radikalen wieder mit dem Kescher rumlaufen und frustrierte Wähler einsammeln können. Vielleicht sollte man den Politikern der großen Parteien noch mal klar machen, dass nicht alle Wähler „humanistisch gebildet“ und politisch besonnen zur Urne schreiten – manche sind auch einfach nur alt genug.