Konnte mich nicht zurückhalten. So „Crazy“ war das Crazy Sandwich jetzt nicht. Und selbst für rumänische Verhältnisse ziemlich teuer. 15 Euro mit Coke und Tipp. Tja, hab’s aber gestern nicht mehr rausgeschafft.
Umso inspirierender heute der Dreh. Waren bei Musikern zu Gast, zwei Geschwister. Das war cool, die haben für uns ein kleines Wohnzimmerkonzert organisiert und mit Manuel sehr kontrovers über Integration und „Multikulti“ diskutiert. Interessant, wie Leute Deutschland von außen sehen. Dafür haben wir Bukarest von oben gesehen – musste dafür allerdings das Interconti anmieten. Mein Boss wird sich freuen …
Der Regen hat endlich aufgehört. Also, wir haben zwar keine Sonne, doch es ist zumindest trocken. Dafür haben wir auf dem Weg zur Dracula-Burg den Hund eines Schäfers überfahren. Obwohl wir extra langsam gefahren sind. Aber der schoss plötzlich über die Straße, keine Chance. Das war schrecklich. Manuel und ich haben daraufhin vorgeschlagen, anzuhalten und dem Mann Geld für einen neuen Hund zu geben, bekamen aber zu hören, es gebe eine alte Rumänien-Regel, wonach man in so einem Falle gerade nicht anhält, weil man sonst möglicherweise gelyncht wird. Hmmm, sicher ist: Der Geist des Hundes wird die nächsten 1000 Jahre auf Draculas Burg sein Unwesen treiben.
Als ich noch für die Wa(h)re Liebe gedreht hab, waren die Zewa-Rollen ein fester Bestandteil in jedem Raum der Swingerclubs, die wir vorgestellt haben. Heute im Regen ein lustiges Déja-vu gehabt, als mein Kameramann einen Kameraschutz gekauft hat.
Schwierig bei dem Wetter. Und runtergerockte Häuser sehen bei dem Wetter natürlich noch schlimmer aus. Lerneffekt aber wie immer. Wusste viel zu wenig über die jahrhundertealte deutsche Tradition der Siebenbürger Sachsen; und dass die nach der Wende bzw. nach der Unabhängigkeit alle rüber nach Deutschland sind und in Siebenbürgen nun z.T. Roma das sächsische Kulturerbe erhalten. Eigentlich müsste man diese Bildungsreise mal mit seinen Kindern machen. Oder als Schulreise. Aber die Bauernrosen sind schön. Und duften unfassbar …
Hat mir Jochen aus Berlin heute geschickt. Per Mail, weil ich nicht bei Twitter bin. Dann habe ich noch eine Einladung bekommen, von unserem Grafiker für die ZDFneo-Geschichte. Auch per Mail, weil ich nicht bei facebook bin.
Bin ich a social?
Jedenfalls feiert der am nächsten Donnerstag seine Premiere als „Stubenhacker“ im Keller vom Haus 73 – leider bin ich da schon weg, sonst wäre ich da. Also alle hin da. Weil das ist clever, nett, cool und schön lustig.
Ansonsten? Habe ich wegen des SMART-Jobs nix mehr gehört. Vielleicht hat die Frau gestern ein einziges Mal meinen Blog gelesen und weiß jetzt, dass ich werbefinanzierte Kunst eigentlich scheiße finde. Wobei ja eigentlich noch schlimmer ist, dass ich es trotzdem machen würde …
Das ist der Aschenbecher an meiner Bus-Haltestelle. Warum? Weil der Volvo-Elch in der Werkstatt ist. Und der Aschenbecher so extrem aufschlussreich. Wenn man genau hinschaut. Zutaten einer zermürbten Zivilisation.
Ansonsten? Vorschnitt Namibia. Hab den HipHopper Ees auf 5 Minuten geschnitten – ist super. Gut, dass wir den noch spontan gedreht haben. Was wieder beweist: Ein guter Plan ist nur gut, wenn man ihn spontan optimieren kann. Außerdem sitze ich abends noch am Roman meiner 7. Klasse. Der Abgabetermin rückt näher und näher, und dadurch, dass sich jetzt meine Rumänienreise nach vorne verschoben hat, muss ich ein bisschen reinhauen.
Und? Hab die Anfrage, im August auf einem SMART-Event in Hamburg zu lesen. Weiß gar nicht, was ich davon halten soll. Die Kohle käme gut (siehe oben – der Elch in der Werkstatt), aber … also, sagen wir mal so: The Notwist würden das wahrscheinlich nicht machen. Ist auch lustig, die Frau schrieb, ich bzw. mein Buch Kunststoff würde gut passen – dabei wettere ich darin in einer Tour gegen Werbung und Kommerz. Entweder finden die PR-Leute das irgendwie spannend oder sie haben es nicht gelesen. Jaja, ich weiß …
Überlegen gerade, für die Manuel Möglich-Reihe noch Deutschtürken in Istanbul zu drehen. Ein junger Spiegel-Kollege, Maximilian Popp, hatte da einen ganz schönen Artikel drüber geschrieben, deswegen kam ich auf die Idee. Nun ist in Istanbul natürlich gerade wieder die Hölle los, was einerseits spannend ist, andererseits die Dreharbeiten auch nicht gerade erleichtert. Krass – das Bild von dem Erdogan-Berater heute in allen Zeitungen. Übrigens auch wieder ein Thema für eine Abschlussarbeit, wie so ein Foto in verschiedenen Medien – mal clever, mal plakativ – betitelt wird:
tazbildBildbild
Hab dann gestern im Rahmen meiner Recherchen ein Interview mit Akif Pirincci gelesen und echt geschluckt, weil die Ansichten über Integration und Einwanderer, die er in seinem neuen Buch „Deutschland von Sinnen“ vertritt, so eindeutig und zugleich so befremdlich sind. Was wirklich auffällt – denn darüber diskutieren wir hier natürlich auch ständig mit Manuel, weil es unser Format betrifft – ist diese ambivalente Bewertung, auch in der Presse, aber auch durch jeden einzelnen. Ich finde auch, dass Integration immer beidseitig funktioniert und womöglich auch derjenige, der in ein fremdes Land kommt, erstmal schauen sollte, wie funktioniert das hier eigentlich, aber dass auch nicht jeder, der seine Heimat verlässt, hier gleich am nächsten Tag irgendwo voll angepasst in Lohn und Brot steht, ist doch auch klar. Und dass Einwanderer ihre Traditionen pflegen, finde ich auch nachvollziehbar. Im Exil ist die Heimatliebe am größten, hat Heinrich Heine mal gesagt, und das haben wir bei unseren Drehs auch festgestellt. Da leben Leute im Dschungel und suchen Ostereier. Oder kochen Gänsebraten mit Rotkohl. Also muss das hier andersherum doch auch möglich sein. Schwieriges Thema. Jedenfalls – und darauf wollte ich eigentlich hinaus – schrieb Harald Staun von der FAZ (laut Wiki),Pirinçci mache sich mit seinem Buch „zum Megafon der schweigenden Mehrheit“, und das beschreibt in der Tat das ungute Gefühl, das ich auch schon ein paar Mal bei unseren Recherchen verspürt habe. Ja, man kann nicht immer gleich die Nazikeule rausholen, wenn man etwas Gutes über Deutschland sagt, das es vielleicht auch zu schützen gilt, aber unser großes Problem ist von jeher diese „schweigende Masse“. Denn diese „schweigende Masse“, die jetzt über Pirinccis Buch sagt: `Endlich traut sich mal jemand, das auszusprechen!´ würde auch (wie damals) schweigend zusehen, wenn die Bundesregierung plötzlich alle Einwanderer wieder in Zügen nach Hause schicken würde. Und deswegen ist nach wie vor Bescheidenheit und Fingerspitzengefühl angesagt.
Heute Morgen hing in der U-Bahn ein Aufkleber vom Familienministerium am Fenster, darauf stand sinngemäß: `Heimlich schwanger? – Wir helfen.´ Die schwarzhaarige Frau, die im Hintergrund (unscharf) auf einem Bett saß, hätte auch eine Türkin sein können. In solchen Momenten finde ich mein Land ganz, ganz fortschrittlich.