Gutbürger

Pokal
Falscher Hase

Am Wochenende mit den Senioren den 2. Platz bei einem Kleinfeldturnier des USC Paloma belegt. Bis zum Finale ohne Gegentor und dann knapp im 9-Meter-Schießen verloren. Hinterher Siegerehrung und Disco im Vereinsheim, mit Freundin und Schwester im Anhang. War das nett. Und soviel steht fest: Sollten mir irgendwann die Knie kaputt gehen, leiste ich mir ein veritables Alkoholproblem.

Im aktuellen Spiegel ist die Titelgeschichte den „Wutbürgern“ gewidmet, also denen, die jetzt aus Protest anders wählen, z. B. die AFD, weil „die da oben uns alle belügen“. Jetzt wird die Haltung des Hauses diskutiert. Ein wichtiger Punkt. Mich strengt das alles sehr an, vielleicht weil ich als Schütze so harmoniesüchtig bin. Ich möchte irgendwie die Augen vor der Realität verschließen, auch wenn ich weiß, dass das jetzt der größte Fehler wäre.

Und ich finde es schade, dass der Begriff „Wutbürger“ jetzt nach rechts gerutscht ist, und zwar unerreichbar nach rechts. Denn eigentlich ist der „Wutbürger“ auch in mir. Der, der sich angesprochen fühlte, als es hieß: „Empört Euch!“ oder „Macht kaputt, was Euch kaputt macht!“. Der, der genervt ist, dass Hillary Clinton jetzt plötzlich die große Hoffnung für Amerika und die Welt ist. Aber auch nur, weil die Alternative  – Trump! – das Ende der zivilisierten Welt bedeuten würde.

Ich möchte auch weiterhin das Recht haben, wütend zu sein, mich darüber zu empören, dass man in der Politik häufig nur die Wahl zwischen Pest und Cholera hat. Aber ich möchte kein „Wutbürger“ sein.

Bordsteinschwalbe II

Ich. Jetzt. 1980.
Ich. Jetzt. 1980.

Manchmal sehe ich meine Söhne,
von mir Besitz ergreifen,
darin mich selbst, als Kind
vor ein, zwei Augenblicken,
die nun ein halbes Leben sind;
das damals lediglich
Band, das erste Bier und Kicken
und gelegentlich
die nächste große Liebe war.

Waren alles in allem
Straßenfußballer
übten auf dem Bordstein
Schwalben.
Lebten im selbst
gemachten Sommer, und nicht
in digitalen Fotoalben.

Merkt euch, dass nichts bleibt,
was nicht ist,
und dass sich alles
andere in Luft auflöst,
wenn dich jemand küsst.

Wenn ich die Antwort wüsst´,
würde ich sie teilen,
doch solange sie aussteht,
werde ich weiter feilen.

Die Welt ist nicht verrückt geworden.
Es sind die, die auf ihr leben
und Leben morden,
die nicht verstanden haben,
wie das geht – Leben;
und es zerstören, anstatt
daran zu kleben.

Rote Fäden

Es gibt diese Tage, an denen man an jeder Ecke einen Faden aufnimmt, um am Ende des Tages schließlich festzustellen, dass alles mit allem zusammenhängt.

Ausgangspunkt war eine kurze Nachricht meiner Freundin:

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Das Horoskop war nicht nur hoffnungsvoll, sondern auch sehr passend, denn in der Tat bastele ich gerade an einer neuen Idee, für die ich heute auch sehr lose und breit recherchiert habe, und im Zuge dessen auf ein Interview mit Vincent Sorg gestoßen bin, der früher oft in Münster mit den Jungs meiner Rockband Verdancy abhing – und heute u.a. die Toten Hosen produziert.

Das wusste ich allerdings schon, es geht jedoch weiter: Eine renommierte Angelzeitschrift hat in der aktuellen Ausgabe auf ihrer Jugendseite einen schönen Bericht meines Sohnes veröffentlicht. Daraufhin bin ich heute Mittag stolz wie Bolle in den Kiosk unten im SPIEGEL-Haus gegangen und habe ein Exemplar besorgt. Als ich vor dem riesigen Regal mit den bunten Blättern stand, fiel mir wiederum die Sticks ins Auge, ein Schlagzeugmagazin, für das ich selbst als Student eine Zeit lang geschrieben habe. Und weil ich, die Angelzeitschrift unterm Arm, irgendwie eine leise Duplizität der Ereignisse verpürte, habe ich mir noch eine Sticks gekauft. Wie ich später feststellte, war es aber nicht die neueste, sondern die Dezember-Ausgabe, was ich jetzt nicht weiter schlimm fand, im Gegenteil, im Nachhinein muss man sagen, es sollte sogar genau so sein. Denn wer lächelte mir aus der Sticks entgegen?

Quelle: Sticks 12/2015
Quelle: Sticks 12/2015

Marcel Bach, wiederum ein Münsteraner Musiker meiner Generation, der damals in denselben Jugendheimen auftrat wie wir. Und von welchem alten Wegbegleiter erzählt er im Interview? Von Vincent Sorg, damaliger Keyboarder seiner Band und heutiger Produzent der Toten Ho… na, ihr wisst schon. Zwei Namen, die ich seit Monaten nicht bewegt habe, heute beide binnen kürzester Zeit gelesen, weil mein Sohn für einen kleinen Schritt in die Stapfen seines Vaters getreten ist. Zufall? Ich glaube, kaum.

Ansonsten? Brauchte ich nach dem Wahnsinnsspiel gestern Abend heute allerdings auch ein bisschen, um die Zusammenhänge zu erkennen. Der FCB 2016  hat sich zu einer Mannschaft zusammengefunden.

Bordsteinschwalbe

Heute den ersten Tag wieder im Büro gewesen – um festzustellen, dass ich eigentlich noch einen Tag Urlaub gehabt hätte. Aaaaahhhh …

Weiß gar nicht, wie das passieren konnte, hab mich eigentlich ganz gut erholt. Zwar kein Internet gehabt, aber viel Schnee und viel Zeit mit der Familie. Endlich mal wieder gekniffelt und Master Mind gespielt, Fußball geguckt und auf den Skihütten zünftig gegessen. 3 Kilo zugenommen.

Bin tatsächlich auch mal wieder Lesen gekommen: Adrian Mole, nun als 39-Jähriger, geschüttelt und gerührt von einer zünftigen Midlife Crisis. Geil, dass der tatsächlich mein Leben begleitet. Und parallel zu mir alt wird. Eine Romanfigur! Jetzt erkrankt er an Prostata-Krebs. Musste beim Lesen natürlich an meine Vorsorgeuntersuchung kurz vor dem Urlaub denken. Und immer wieder daran, wie glücklich ich mich schätzen kann. Trotz AfD und verzweifelter Flüchtlinge.

Gerade geht das neue Buch von Stuckrad-Barre rund. Meine Freundin hat es in unser Haus geschleppt, wie einen Virus, ehrlich, sie verschlingt es, und ich hab mich auch sofort festgelesen, als sie es mal für einen Moment aus der Hand gelegt hatte. Das kann der Benjamin: Schattenseiten beschreiben. Kindheit. Süchte. Geldnot. Erinnerte mich in diesem Zusammenhang wieder an eine Guerilla-Auktion in Hamburg vor acht oder neun Jahren, wo er lauter persönliche Dinge an Leute aus dem Publikum verkauft hat. Selbstgebrannte CDs und Bücher usw. für `n Appel und `n Ei, das fand ich damals schon krass. Hat er nicht auch später sein Zimmer an ein Museum verkauft? Oder vermacht? Und nicht sogar an das Literaturmuseum in Marbach?

Es nervt vielleicht, wenn ich immer mit meinen bedeutenden „Pseudo“-Erlebnissen komme, aber es gab diese Situation im Sommer 2004, als mich Rowohlt Berlin anrief, um zu sagen, dass sie meinen Roman Jugendstil toll fänden, und was ich als Nächstes schreiben würde, und ich war gerade im Schnitt mit meinem Kumpel Sven und später am Abend ging ich an der Juli-Bar in Hamburg vorbei und rannte fast Stuckrad-Barre über den Haufen, der offenbar gerade in Hamburg war und da draußen vor der Bar stand und irgendwem irgendwas erzählte. Damals hab ich gedacht, ich hätte den ganzen Literaturbetrieb über den Haufen gerannt …

Komischerweise denke ich auch immer an Niels Ruf, wenn ich an Stuckrad-Barre denke, die hatten beide damals ziemlich zeitgleich ihren Durchbruch. Und sehen sich auch ein bisschen ähnlich. Als wären beide dieselbe Person. Jetzt sorgen beide wieder für Schlagzeilen. Ruf allerdings weniger cool. Tanzt im Fernsehen, fetzt sich mit Atze Schröder. Vermutlich geht es am Ende weniger um den Job oder irgendeine Form von Output, sondern einfach um Aufmerksamkeit. Darin sind sich beide, also SB und er, glaube ich, wiederum nicht unähnlich, und, ja, vielleicht blogge ich auch aus diesem Grund, aber nicht um jeden Preis und immer nur mit mir, und ohne nach rechts und links zu gucken, bis der Rausch verflogen ist.

Ich kann nur empfehlen, öfter mal mit seinen Liebsten zu kniffeln oder, noch besser, Master Mind zu spielen (das erdet und schult zugleich den Geist) oder Fußball zu spielen.

Haben übrigens auf dem Rückweg von Österreich noch einen kurzen Abstecher in die FC Bayern Erlebniswelt gemacht. Das war wie Marbach, nur anders.

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Paté Tisch

Bewege meinen Körper gleich zu einer relativ aufwändigen Vorsorgeuntersuchung. Habe allein durch die Ernährungsumstellung im Vorfeld weitere zwei Kilo verloren. Kriege das Zeug zum Einschlafen, was auch Michael Jackson am Ende bekommen hat.

Ich weiß, es wird alles gut gehen, aber weil ich einen (literarischen) Hang zum Drama habe, hier ein Zwischenfazit, getarnt als mögliche letzte Worte.

Jemand hat mir eben noch gesagt, sie liebe mich, jemand hat auf meinen Rat gehört,
über meinen Witz gelacht,
mich aufgefangen.

Ich musste die Risiken der Untersuchung zur Kenntnis nehmen, aber wie sagt der moderne Edelmann:

No Brisk, no Fun!

(Quelle: Brisk-Homepage) - Die Fettfrisur ist tot. Anders-Blog macht nur ein Nickerchen.
(Quelle: Brisk-Homepage)
– Die Fettfrisur ist tot.
Anders-Blog macht nur ein Nickerchen.

Wir sehen uns später.

Und im nächsten Leben gehe ich in die Werbung.

Nachtrag:

Vier Stunden später: Alles okay.

Zum Thema „Letzte Worte“ (im weitesten Sinne) noch zwei Gedanken: Habe eben gelesen, dass Leonardo DiCaprio nach dem Oscar-Gewinn seinen knapp 15 Millionen (!) Followern getwittert habe, sie mögen Politiker wählen, die bereit sind, die Erde zu retten. Cool. Und authentisch. Und nicht selbstverständlich. Und immer noch etwas Anderes, als wenn sich eine Miss World „Weltfrieden“ wünscht. Und wenn solche Berühmtheiten mit starken Sätzen fast 15 Millionen Menschen erreichen, ist es auch nicht so schlimm, wenn ich mit meinen Texten nicht gaaanz so viele erreiche.

Und: Ich habe gar nicht so richtig registriert, dass Peter Lustig gestorben ist. Verdammter Mist. „Peterchens Flussfahrt“ ist eines der besten Stücke Fernsehgeschichte, die es gibt. Da will er Urlaub machen, ohne Geld, startet eine Wanderung an einer Quelle im Wald, folgt dem Lauf des Wassers und endet schließlich in einem Gummi-Kanu an der Nordsee. „On the Road“ im Krautrock, gewissermaßen. Will ich unbedingt nochmal mit meinen Söhnen nachmachen, einfach nur toll …

Nachtrag 2: Hab die Folge gerade noch mal geschaut. Könnte sofort den Rucksack packen und loswandern. Am besten ist dieser Moment bei Minute 20, wo ihm der Kapitän morgens die Tasse Kaffee ans Boot bringt. Außerdem scheint es doch zur Ostsee zu gehen. Zumindest sieht der Fluss eher nach Trave aus, an der habe ich übrigens auch mal gewohnt. Und die mündet ja bekanntlich in … richtig, Travemünde. Ich glaube übrigens jetzt, da ich es noch mal gesehen habe, und das trifft mich ein bisschen wie ein Schlag, dass mich diese Folge als junger Mensch zu der literarischen Reise in „Jugendstil“ inspiriert hat. Und dass Peter Lustig damit im Prinzip mein Leo DiCaprio war. Ist doch verrückt, oder? Wenn man sich anstrengt, findet man zwischen all den Dingen immer eine Verbindung.

So, genug für heute, ihr und ich, wir können jetzt erstmal abschalten.

Morgenspruch

kikonapf

Das Leben ist ein ständiger Lauf zu den Näpfen, um zu gucken, was drin ist.

Oder ob
überhaupt was
Ober, odd
Oberhaupt
Was?

Herr, lass Hirn regnen.
Auf fruchtbaren Boden.

Amerika, bau keinen Scheiß!
Heimat, was machst Du?

Angie, Aaaaaangiiiiiieeee,
where will it lead us from here?

Herr, lass Hirn regieren.
Auf furchtbarem Boden.
Und den Größenwahn im Keller.

Vom Hörensagen

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Im Moment geraten die Einträge länger, dafür erscheinen sie unregelmäßig, aber bestimmt. So wie das Glück. Oder der Tod.

Waren die letzten drei Tage in der Nähe von Königswinter, auf einer Trauerfeier für einen uns sehr nahe stehenden, liebenswerten, lebensfrohen Menschen. Ein Mitglied der engsten Familie, das jetzt einfach fehlt. Die Trauer war groß und unmittelbar, stand vielen Gästen ins Gesicht geschrieben, in die Stimme, in die Herzen. Und auch wenn der Anlass unendlich traurig war, war es doch eine „schöne“ Zeremonie, eine, die nicht sofort nach der Kirche zu Ende war, oder nach dem Gang zum Friedhof, sondern eine, die sich Zeit ließ und der die Zeit auch gelassen wurde, die bis in die Nacht hinein und Menschen der Familie zusammenführte, die sich bis dahin lediglich aus den jeweiligen Erzählungen der nun Fehlenden kannten.

*

Waren in Unkel untergebracht, einem kleinen Ort direkt am Rhein, in dem Willy Brandt zum Ende (und Konrad Adenauer zeitweise) gelebt hat.

Machte in einer stillen halben Stunde zwischendurch und mit stiller halber Aufmerksamkeit eine Runde durch das Willy Brandt-Haus, einem kleinen, neuen Museum, mitten in der Altstadt. Da steht Willys Schreibtisch in seinem rekonstruierten Arbeitszimmer, mit abgelegter Brille und weg gerücktem Stuhl, als sei der Politiker nur mal eben ausgetreten, ganz ähnlich wie in dem Laxness-Haus auf Island, das wir auch mal besucht haben.

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Was ich gar nicht mehr so auf dem Schirm hatte, war, dass Brandt Anfang der 30er Jahre von Norwegen aus gegen die Nazis agitiert hat, ja, sogar ein Buch geschrieben, mit dem Titel: Warum hat Hitler in Deutschland gesiegt? Und da sind wir wieder im Hier und Jetzt, was einem dann auch noch so im Vorbeigehen ins Gesicht klatscht. Und ich will das Chaos nicht heraufbeschwören, sehe mich jedoch förmlich das Szenario aufschreiben, nun bald, knapp 80 Jahre später, irgendwo im Exil, weil man es nicht mehr ausgehalten hat, in der „Heimat“: Warum haben die Rechten in Deutschland wieder die Macht ergriffen?

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Das Leben ist zyklisch, habe ich mal in Jugendstil geschrieben. Und die Menschen drehen sich im Kreis im Kreis (hoch 2) und zeigen dabei immer ihre beiden Hälften. Das ist das Spannende; dass da jede Burg ihren kleinen Folterkerker hat und die Jahrhunderte alten Gaststätten die Straße herunter zugleich „gepflegten Ausschank“ und kulturellen Austausch garantieren. Daran hat sich im Prinzip nichts geändert. Das Leben ist zyklisch, ebenso die Menschheitsgeschichte(n), Aufstieg und Fall münden schließlich immer in dem einem wunden Punkt, trotzdem muss man es bei den Hörnern packen und ständig küssen, das Leben.

Man sollte das zur Regel machen, Trauerfeiern über mehrere Tage, um alles im gegenseitigen Miteinander zu begreifen. Annähernd.

Auf dem Liederzettel, der in der Kirche verteilt wurde, stand eingangs ein sehr schöner Trauerspruch geschrieben, den ich hier verkürzt wiedergebe, weil damit eigentlich alles gesagt ist. Geht – so zumindest das Ergebnis einer Mini-Recherche – auf ein englisches Gedicht von Henry van Dyke zurück:

Denk Dir ein Bild. Weites Meer.

Ein Segelschiff setzt seine weißen Segel und gleitet hinaus in die offene See.

Du siehst, wie es kleiner und kleiner wird.

Wo Wasser und Himmel sich treffen, verschwindet es.

Da sagt jemand: Nun ist es gegangen.

Ein anderer sagt: Es kommt.

 

Neue Zeit, Alter (mal wieder)

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So, die letzten Tage nochmal auf der Zielgeraden ziemlich viel Kleinkram für die Ikea-Doku erledigen müssen. Dass das am Ende immer so aufwändig werden muss; Texte, Teaser, Fremdrechte, Musiklisten, Wahnsinn. Aber heißt ja auch: „Event-Doku“. Läuft nächsten Mittwoch, also am 02. März, 20:15 auf SAT1. Ist vielleicht keine Doktorarbeit geworden, aber gute Fernsehunterhaltung für die ganze Familie. Mein kleiner Sohn hätte fast die Info-Grafiken gesprochen, aber der Sender hat sich dann doch für einen erwachsenen Sprecher entschieden. Auch handwerklich haben wir das Thema schön umgesetzt, Dreh, Schnitt, alles sehr modern. Komme darauf, weil hier auf meinem Beistelltisch im Büro ein altes Micky-Maus-Heft liegt, das mir meine Schwester geschenkt hat, und da wird auf dem Titel sozusagen als Gimmick ein Gutschein angepriesen – für ein FARBDIA!!!

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Und heute ist jedes Kind bei Instagram. Nochmal: Wahnsinn. Auf der anderen Seite hab ich gestern Abend gedacht, dass diese ganzen Werbespots für C-Date und parship keinen Deut besser sind als diese 0190-Nummer-Clips, die damals immer in der Werbepause der Wa(h)ren Liebe liefen, meiner ersten Redaktion. Oder andersherum, die 0190-Nummer-Clips waren keinen Deut schlechter. Aber damals fand VOX das nicht so prickelnd, dass sie da keine „richtige“ Werbung verkaufen konnten, doch jetzt mit C-Date & Co. ist das Thema Sex plötzlich für die Sender salonfähig geworden. Interessant.

Ihr seht, ich beschäftige mich heute lieber mit soften Themen, weil mir das, was da draußen gerade wieder in Sachsen abgeht, so auf die Eier geht, dass ich kaum Worte dafür finde. Vielleicht morgen.

Kluges Interview

Hope

Die Kunst ist wie ein Pferd, das keinen Sattel trägt, sagt Alexander Kluge im Interview der aktuellen monopol.

Meine Freundin hatte mir vor Wochen einen Lottoschein geschenkt. Prompt 40 Euro gewonnen. Im Kiosk unten im SPIEGEL-Haus eingelöst und den Gewinn gleich reinvestiert. Zehn Euro für eine Zeitschrift sind zwar kein Pappenstiel, doch ich habe keine Sekunde gezögert. Bestimmte Gerüche muss man sofort einatmen, bevor sie wieder verfliegen. Neue Platten von The Notwist, neue Romane von Djian und neue, kluge Gedanken.

Ohne Personenkult zu betreiben; ich schätze, diese Fähigkeit, Dinge zu benennen, mit einem ganz eigenen Vokabular und (epochenübergreifend) Zusammenhänge herzustellen, die für andere unsichtbar sind. In dieser Form wird das künstliche Intelligenz nie können.

Bin in den letzten Tagen selber nicht so recht zum Schreiben gekommen. Kein Beitrag, zuviel Arbeit, die Ikea-Doku muss fertig werden, ich bin es schon – fast, dabei zugleich überraschend distanziert, weil überall Verrückte an die Macht zu kommen drohen.

Hatte letztens wieder so einen Augenblick totaler Klarheit, morgens in der Küche, vor dem Fenster, eine Tasse Kaffee in der Hand, die aufgehende Sonne vor Augen, in dem ich spürte, das wäre genau so ein Moment, in dem die Bekloppten da draußen die letzte große Schlacht anzetteln. Man würde am Horizont eine Wolke erahnen, dazu ein verstörter Medienticker, tödliche Stille, man würde seinen Lebensfilm anspulen, Bandsalat, sich vermutlich nicht an seinen ersten Kuss erinnern, aber an seinen letzten – oh, Gott, wo ist sie? – nach den Kindern rufen, die nicht da sind … unfassbar, aber nicht unmöglich.

Alles schon mal da gewesen.

Die Kunst ist wie ein Pferd, das keinen Sattel trägt. Das heißt, man muss entweder reiten lernen oder über eine außergewöhnliche Körperbeherrschung verfügen, wenn man sich nicht den Hals brechen will.

Oder von Pferden aufgezogen werden.

Meine Billig-Spotify-Version unterbricht die Musik-Übertragung wegen eines wichtigen Ikea-Spots.
Kein Witz.
Ich mache keine Witze.
Ich bin ein Fohlen.
Ich spiel´ Fußball, Tag und Nacht.

Trump im Ärmel, oder: Im Westen nichts Kluges

trump

Bislang dachte ich, hinter den Terroranschlägen der letzten Monaten stecke „nur“ eine fanatische Idee, aber jetzt muss ich zugeben, in Wahrheit verbirgt sich dahinter ein genialer Plan. Natürlich auch perfide und zerstörerisch, aber letztlich leider genial. Und so einfach: Diese Jungs machen uns hier im Westen mit ihren Anschlägen nämlich so kirre, dass die Masse irgendwann total benebelt den Entschluss fasst, sich selbst zu zerstören – und wählen geht.

Die Terroristen zielen auf unsere Schwachstelle: die Dummheit. Ich meine, es ist ja fast paradox. Da stellen wir uns im Westen hin und brüllen: Rettet unsere Demokratie – und dann bringt plötzlich jedes Volk Politiker in Stellung, denen es jedoch ebensowenig um moderne demokratische, menschliche Grundwerte geht. Und folgen ihnen womöglich ins Chaos. Und falls der IS das vorhergesehen hat – Hut ab! Das nenne ich mal einen bösen Geniestreich, einfach antriggern, den Rest besorgen wir schon selbst – auf ganz legalem Wege. Aber im Grunde weiß es ja jedes Kind: Einem Furz braucht man nur die Flamme vorzuhalten, explodieren tut er dann von alleine.