Meise haben

Version 2

Ich habe vor einigen Jahren mal angefangen, auf der Straße totgefahrene Tiere zu fotografieren, weil ich finde, dass diese Motive erstens eine ganz besondere Ästhetik entwickeln, und zweitens, weil auch dies ein weiteres Beispiel dafür darstellt, dass der Mensch im wahrsten Sinne über Leichen geht … äh, fährt.

Im Falle dieser kleinen Meise liegt allerdings der Verdacht nahe, dass einer unserer Kater den Piepmatz womöglich im Flug erwischt hat. Verdammt. Traurig, aber in dieser Traurigkeit auch irgendwie schön. Als hätte sie sich schlafen gelegt. Könnte mir sogar vorstellen, dass man das groß druckt und aufhängt, oder etwa nicht? Oder müssen sich meine Liebsten jetzt Sorgen machen? Also, Gerrit war ja immer schon ein bisschen komisch, aber neuerdings hängt er sich totgefahrene Tiere an die Wand …

Hatte heute ein lustige Situation mit unserem neuen Volontär, der übergangsweise in meinem Büro sitzt. Jedenfalls stießen wir irgendwann unterm Tisch mit den Füßen aneinander, und ich so lustig polterig: Junge, zieh die Schochen ein! Und er hat so gelacht, weil er das Wort „Schochen“ nicht kannte, aber lustig fand, und da haben wir kurz versucht zu recherchieren, ob es das wirklich gibt, oder ob ich das falsch in Erinnerung hatte – die FB-Community war auch unsicher, egal, muss meinen Vater nochmal fragen. Einen Beleg habe ich jedenfalls gefunden. Nicht gerade supervalide, aber immerhin …

Quelle: www.mundmische.de
Quelle: www.mundmische.de

Kapelle, Kapelle

Heute folgende Meldung in einer Boulevardzeitung gelesen: Da (wegen der Vergewaltigungsvorwürfe) jederzeit eine Anklage droht, könnte Ronaldo beim Betreten von US-Boden verhaftet werden. Deshalb einigte sich Juve mit dem Ausrichter des International Champions Cup, dass Turin diesmal nicht in den USA spielt, sondern in Singapur, China und Schweden.

Wie doch so wenig Zeilen soviel stinkenden Mist enthalten können!

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Auf dem Nachhauseweg hängt dieses Plakat. Von weitem habe ich gedacht: Gott? Kostenlos ausprobieren? Was? Im Vorbeifahren habe ich es dann richtig gelesen: Es geht um Golf, nicht um Gott. Der Platz in Großensee veranstaltet einen „Erlebnistag“ (was auch immer das sein soll), um Neukunden zu akquirieren. Aber vielleicht wäre das auch mal was für die Kirche, um Neukunden zu werben? Einen Tag lang kostenlos Gott ausprobieren: Stoßgebet zum Himmel schicken und hoffen, dass das Erbetene eintritt. Und wenn nicht? Einfach wieder austreten. Oder konvertieren.

Apropos, ich habe angefangen, unser Alphabeten-Interview mit der Literaturexpertin Karla Paul zu schneiden. Da geht es am Ende auch um (Lebens-)Philosophie und Spiritualität. Sehr ungewöhnlich und interessant. Erscheinungs(!)datum? Hoffentlich bald.

Und nicht, dass ich aufgrund der Ereignisse der letzten Tage jetzt schon voll (und vor allem ohne Rücksprache zu halten) in die Planung einsteige, aber ein taz-Kulturtipp brachte mich heute auf diese wunderbare Hochzeitskapelle … ich hoffe, ich muss jetzt niemandem erklären, wer die Acher-Brüder sind … Und wie geil wäre es, wenn man die engagieren könnte? Nicht zum Tanzen. Zum Vorglühen.

Hafengeschichten

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Manche Dinge im Leben kann man nicht so wirklich beeinflussen, z.B. ob man den Literatur-Nobelpreis erhält oder im Lotto gewinnt. Wer amerikanischer Präsident wird, oder erblich bedingten Haarausfall. Manche Dinge aber eben auch sehr wohl. Wenn sich eine gute Gelegenheit bietet, sollte man sie nutzen. Das setzt allerdings auch voraus, dass man eine gute Gelegenheit erkennt. Ich betone das deshalb, weil ich in der Hinsicht kein Experte bin, im Gegenteil. Ich habe unverständlich lange dafür gebraucht, meiner Lebensgefährtin in den richtigen Worten klarzumachen, dass es für mich sehr wohl einen Unterschied macht, ob sie meine „Lebensgefährtin“ ist (ich halte das weiterhin für einen außergewöhnlich schönen und romantischen Begriff) oder meine „Frau“.

Am Wochenende habe ich es ihr gesagt (naja, „gestammelt“ trifft es wohl eher). Ich habe mir schon länger über das Wie? und Wann? den Kopf zerbrochen und am Wochenende hat dann alles gestimmt. Was nicht heißt, dass es wie am Schnürchen geklappt hat. Mein Ziehsohn hatte uns ja anlässlich seiner Geburtstagsparty höflich, aber bestimmt gebeten, außer Haus zu übernachten. Also waren wir am Samstag erst im Fischereihafen Hamburg essen (ein Gutschein von ihren Kollegen), und dann sind wir weiter ins Elsa Brändström-Haus gefahren. Ich hatte dort – etwas aus der Not heraus, weil ganz Hamburg ausgebucht war – ein Zimmer gebucht, weil meine Lebensgefährtin gesagt hat, sie „müsse unbedingt in die Elbe“, ein Zitat von Gunter Gabriel. Er meinte damit, dass er mit seinem Hausboot nochmal auf große Fahrt wolle, deswegen ist dieser Ausdruck für uns ein geflügeltes Wort dafür geworden, wenn einer von uns etwas Neues beginnen möchte oder plötzlich wieder ein (neues) Ziel vor Augen hat.

Jedenfalls war das Elsa Brändström-Haus ein totaler Glücksgriff (ich hatte das schon vermutet). Das Wetter stimmte, wir saßen alleine in dem Riesengarten in Liegestühlen, mit Elbblick, ich hatte eine Kühltasche mit Drinks und Snacks vorbereitet, also, alles in allem ein sehr reiner, intensiver Moment. Und eigentlich hätte ich es hier schon machen können/sollen/müssen, aber irgendwie hatte ich das Gefühl, es könnte noch besser werden. Am nächsten Tag sind wir am Falkensteiner Ufer spazieren gegangen und danach weiter zur Schiffsbegrüßungsanlage „Willkomm-Höft“ gefahren.

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Und da war so ein Minigolfplatz aus einer anderen Zeit, total urig, beinahe an der Grenze zum Unmöglichen, aber irgendwie gut, und ich traf keinen Ball, weil ich plötzlich dachte, verdammt, Du hast gestern den perfekten Moment verstreichen lassen, ehrlich, ich war noch nie so schlecht beim Minigolf, und meine Freundin wunderte sich schon, und die Stimmung wurde plötzlich so merkwürdig, weil ich dachte, das gibt’s doch nicht, Du hast es verbockt, und als meine Freundin sich in dem kleinen Partyzelt auf dem Platz niederließ, um halbherzig zu gucken, was die Kühltasche noch so hergibt, da sah ich alles vor mir: Dass das die Frau ist, die ich in diesem Leben um keinen Preis mehr verlieren möchte. Und da hab ich mir ein Herz gefasst, zwei Eis besorgt, mich ihr gegenüber auf die Bierbank gesetzt und gefragt, ob sie meine Frau werden möchte. Weil ich es nicht mehr ausgehalten habe. Ja, ich glaube, das trifft es. Ich habe die Ungewissheit nicht mehr ausgehalten, ob wir als Mann und Frau gemeinsam alt werden können. Oder ob ich es endgültig verbockt hatte!? Und dann hat sie JA gesagt, und wir haben geweint und gelacht – und mit einem nicht mehr ganz kalten Bier und einem nicht ganz so leckeren Gin-Mix-Getränk aus der Dose angestoßen. In einem alten Pavillon, auf einem Minigolfplatz. Und was soll ich sagen? Es war perfekt. Ein bisschen verspätet, aber perfekt. Und es ist ein schönes Gefühl zu wissen, dass ich unsere Zukunft auf diese Weise beeinflusst habe.

Unsere gemeinsame Zukunft!

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Tag, Vater

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Um es vorweg zu sagen – alle drei Söhne haben mir zum Vatertag gratuliert. Der eine, obwohl ich gar nicht sein „richtiger“ Vater bin, was mich natürlich umso mehr freut, der zweite hat sich zwar nicht persönlich gemeldet, aber mir immerhin ein GIF per WhatsApp geschickt (dieser Satz hätte vor 5 Jahren auch keinen Sinn gemacht), und der dritte hat mir … naja, streng genommen hat er mir nicht gratuliert, aber er hat mir seine kostbare Zeit geschenkt und ist mit mir Essen gegangen, ein Fischbrötchen bei Brücke 10 und auf dem Rückweg waren wir noch im U-Boot-Museum. Fast wie früher.

Jedenfalls ist ja nun schon der zweite von dreien 18 geworden, und natürlich merke ich auch, dass ich älter werde. Deswegen habe ich mich ja auch so über die Einladung zum Jahrgangstreffen meiner Grundschulklasse im September gefreut (s. Blogeintrag vom 29.05.). Weil da plötzlich wieder so viele Motive aus der Kindheit erscheinen. Habe gestern Abend meiner Mutter am Telefon davon erzählt, die hat mir gleich ein altes Foto geschickt, auf dem ich zusammen mit meinem Kinderfreund Michael zu sehen bin: Das ist sehr lange her, 40 Jahre.

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Hatte am Dienstag meine Einführung im Sportclub, an diversen Geräten, hier bei uns in der Firma. Werde versuchen, fit für die Landesliga zu werden. Und ein bisschen Gewicht zu verlieren. Vermutlich geht das auch nicht ohne Ernährungsumstellung, aber irgendwie müssen die paar Zuviel-Kilos runter. Ich habe ja leider ohnehin so eine Körperhaltung, bei der sich der Bauch nach vorne schiebt, das glaubt mir nur keiner; also, dass das kleine Bäuchlein in erster Linie anatomische Ursachen hat. Und weil mir das keiner glaubt, bin ich ganz froh, dass ich gestern etwas entdeckt habe, was mich ein wenig rehabilitiert: Denn selbst der große Belmondo hat in „Der Profi“ in der legendären Szene mit dem bösen Polizisten („Den trockenen Augenwischer zahlt der blonde Wichser!“) einen vorgestreckten Bauch, weil er da eben so steht, wie er steht. Sieht man ganz genau, die kleine Kugel vor dem Hohlkreuz:

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Morgen schön Liverpool gucken. Wenn wir es denn gucken können. Musste mit meiner Lebensgefährtin die Wohnung räumen, weil der Zweite seinen, eben erwähnten, 18. Geburtstag feiert. Mache mir ein kleines bisschen Sorgen, aber nur ein kleines bisschen.

Hecking-Schützen und Schulanfänger

Und wenn Du denkst, jetzt könnte mal alles ein bisschen vor sich hin plätschern, passieren die unglaublichsten Dinge!

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Habe gestern Post bekommen, einen richtigen Brief, mit einer Snoopy-Briefmarke darauf. Ohne Absender. Mysteriös. Meine Lebensgefährtin argwöhnte sogleich: „Wer schickt Dir Briefe mit einer Snoopy-Briefmarke?“ – Ich: „Ganz ehrlich, keine Ahnung.“

Ich öffnete also gespannt den Briefumschlag. Darin eine Karte: Let´s Party. Einladung zum Jahrgangstreffen. Ich klappte die Karte auf und las: Nach fünf Jahren ist es endlich wieder soweit … Ich stutzte. Jahrgangstreffen? Wieso fünf Jahre? War doch erst letztes Jahr in Münster!? Und hinterher auf dem Schuljubiläum, mit meinen Schwestern. Ich las weiter: Treffen … Marktplatz in Warstein … von dort wandern wir zur Warsteiner Welt … und plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Es ging um ein Jahrgangstreffen meiner Grundschulklasse in Warstein. Also, ich war da nur bis zur zweiten Klasse, danach sind wir nach Münster gezogen, was damals, 1982, eine traumatische Erfahrung war – zumindest in dem Moment, in dem ich von dem Umzug erfuhr. Mittlerweile bin ich nicht unglücklich darüber, auch wenn der „Schützenkönig“ im Sauerland ein wichtiger Titel ist, den ich gerne mal gewonnen hätte … vielleicht … oder auch nicht … und auch, dass mein bester Freund Michael (war natürlich auch schon Schützenkönig, im Kindergarten hat er mir sogar den Titel vor der Nase weggeschnappt, und DAS hat mich wirklich genervt), kaum, dass ich weg war, mit Dirk unzertrennlich war, habe ich doch ganz gut verkraftet.

Und nun dieser Brief! Was war passiert? Offenbar haben sich meine Warsteiner Freunde an meinen Namen erinnert und meine Adresse recherchiert. Und mich nach fast 40 Jahren(!) mal zu einem ihrer Treffen eingeladen. Das ist doch der absolute Hammer. Ich meine, ich werde da niemanden mehr erkennen und wahrscheinlich den ganzen Abend alleine in der Ecke hocken. Und Warsteiner, das Bier meiner Geburtsstadt, ist ja leider auch das einzige Bier, das ich nicht vertrage! Aber ich versuche AUF JEDEN FALL zu kommen! Und Michael wiederzusehen, der ist nämlich Teil des Organisationsteams …

Ansonsten? Hat der HSV endlich mal wieder einen guten Trainer verpflichtet: Dieter Hecking hat zugesagt. Von ihm finde ich das allerdings recht mutig. Das wäre so, als ob man jetzt in die SPD eintritt, um in die Politik zu gehen: Es kann gut gehen, aber die Wahrscheinlichkeit ist recht hoch, dass man sich in ein selbst geschaufeltes Grab legt.

Vor-Bilder

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War gestern unterwegs im Namen der Firma. Protagonisten-Recherche in Thüringen. Hinfahren, kleines Video drehen, wieder nach Hause. Das sind eigentlich die schönsten Termine, aber gestern war der Aufwand extrem hoch. 6 Stunden hin, 1 Stunde reden, 6 Stunden wieder zurück. Aber, wie gesagt, eigentlich sind das die schönsten Termine. Weil der Druck nicht so hoch ist. Ich würde, glaube ich, gerne jeden Tag so Mini-Reportagen drehen. Interessante Leute besuchen, zeigen, wie die leben, und dann weiter zum nächsten.

Hatte letzte Woche so ein schönes kurzes Zusammentreffen mit einem interessanten Menschen. Die preisgekrönte Autorin Anke Stelling war bei den Alphabeten zu Gast, zwar morgens um 10, aber wir hatten es auch müde und nüchtern sehr nett und lustig. Abends zuvor waren Kollege Stuertz und ich noch auf der Lesung von Vea Kaiser, davor haben wir schnell noch die zweite Folge mit Dagrun Hintze fertig geschraubt, also, zwölf Stunden lang stand alles im Zeichen der Literatur. Es ist aber wichtig, auch diese Dinge weiter voran zu treiben.

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Fällt momentan schwer, mal durchzuatmen. Jeder Tag ist etwas Besonderes. Wir sind am Sonntag mit den Senioren Meister in der Landesliga geworden. Haben das letzte Spiel, das wir gewinnen mussten, überzeugend mit 5:0 nach Hause geschaukelt. Ich konnte sogar wieder einen Elfmeter verwandeln. Komme damit auf 6 Treffer in dieser Saison, für einen defensiven Mittelfeldspieler kein schlechtes Ergebnis: 2 Elfmeter, 2 Freistöße und 2 Tore aus dem Spiel heraus. Das ist mir das letzte Mal vor 25 Jahren gelungen, damals noch in Wolbeck. Meister geworden bin ich zuletzt in der A-Jugend, das ist noch länger her. Es war wirklich ein emotionales Erlebnis, mit den ganzen anderen „alten Säcken“, mit denen ich zum Teil ja schon 15 Jahre lang zusammen spiele, noch einmal so einen kleinen „Triumph“ zu feiern. Zumal sich erst am letzten Spieltag überhaupt die Möglichkeit ergab, noch am Spitzenreiter vorbeizuziehen. Herrlich. Und dass die Bayern mit einem überragenden Neuer und einem Weltklasse-Lewandowski noch das Double holen, war natürlich die Krönung. Hätte Uli Hoeneß danach auf der Party nicht über Boateng gesagt, er wirke wie ein „Fremdkörper“ – und das nach dem ganzen Gauland-Blödsinn.

Womit wir beim nächsten Thema wären: die große Wahl. Jetzt leben wir wieder in einer Zeit, in der man sich bei jeder Wahl in die Hose macht, aus Angst vor einem weiteren Rechtsruck. Aber die ganz große Katastrophe blieb aus. Und die Grünen haben zugelegt, auch das ist gut. Wenn man genauer hinguckt, fallen einem aber natürlich auch die Probleme auf: AfD wieder stärkste Partei in Sachsen, die SPD vor dem Aus. Das trifft mich wirklich, dass eine Partei, die eigentlich von jeher den besten Kompromiss dargestellt hat, sich über die Jahre nicht nur selbst so versenkt hat, sondern auch noch nicht verhindert, dass die Rechten wieder auf dem Vormarsch sind.

Und da schließt sich der Kreis: Thüringen ist zwar nicht Sachsen, aber man merkt sofort, wenn man im Osten unterwegs ist. Ich finde das ja gar nicht schlimm und meine das auch nicht blöd, aber man merkt es eben. Aber man merkt es auch, wenn man in Dortmund in der S-Bahn sitzt. Will sagen, der Westen hat es nicht geschafft, seinen Blick und sein Herz zu öffnen. Man sieht den Menschen im Osten an, dass sie sich bis heute irgendwie übergangen und nicht ernst genommen fühlen. Klar, auch in Bottrop oder Bayreuth gibt es ältere Herren mit Brille und Hut, die aussehen wie Honecker, aber hier in der Regionalbahn ab Eisenach sehen sie wirklich aus wie Honecker. Und in Bottrop vielleicht doch eher wie Herbert Knebel. Und ja, wenn ich die Ergebnisse aus Sachsen höre, denke ich auch, lass´ die da doch ihren Scheiß alleine machen, aber das ist natürlich keine Lösung. Es wäre Aufgabe der traditionellen Volksparteien gewesen, die regionalen, strukturellen Herausforderungen frühzeitig zu erkennen und darauf zu reagieren. Das Volk auszubilden, Geschichte in den Schulen zu lehren, den Osten und den Westen zusammenzuführen. Der „Content“ der Wiedervereinigung hat sie aber nicht sonderlich interessiert, und jetzt bekommen wir alle die Quittung.

Nachtrag: Die Protagonisten, die ich später am Tag in Thüringen getroffen habe, waren zwei sehr interessante junge Menschen, ein Paar, das sich hier mit anderen Gleichgesinnten auf einem Schloss zu einer großen „Hippie-WG“ zusammen geschlossen hat. Sie bereiten gerade ein Festival vor, bereisen aber auch die Welt, deswegen habe ich sie ja interviewt. Der junge Mann hat mich freundlicherweise danach zum Bahnhof gebracht, und ich habe ihn gefragt, wie er das Leben hier im Osten empfindet, und er sagte, früher sei das schon vorgekommen, dass Neonazis ihre Festivals gesprengt hätten, und dass die älteren Menschen hier vornehmlich „rechts“ seien. Aber es sei eben auch gut, dass sie jetzt da seien, die „Hippies“ vom Schloss, weil man könne denen ja auch nicht das Land überlassen. Das war das Bewundernswerteste und Mutigste, was ich seit langem gehört habe.

Ansonsten? Kann das sein, dass Union Berlin gestern den VFB Stuttgart aus der Bundesliga geworfen hat? Nee, kann nicht sein, oder? Nee, …

Wie Deo!

Manche Dinge stinken wirklich zum Himmel, aber dazu später mehr!

Ihr seht, ich bin ein paar Tage abgetaucht. War mit meiner Lebensgefährtin und den beiden großen Jungs eine Woche lang in einer der aufregendsten Städte der Welt: New York. Jetzt bin ich pleite, aber es hat sich gelohnt. Ich will Euch nicht langweilen, und es muss auch nicht immer New York sein, aber zum Abschluss der Kindheit nochmal ein paar Tage mit den fast schon flügge gewordenen Küken an einem außergewöhnlichen Ort zu verbringen, ist ein Geschenk. Zumal ich meinen Sprössling ja auch nicht jeden Tag sehe.

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Wir haben natürlich viel unternommen, aber lustigerweise hat sie, glaube ich, am meisten eine Sache interessiert, die a) umsonst und b) moralisch ein bisschen zweifelhaft ist. Da sich beide für die Justiz interessieren (und ihre Eltern zwei lange TV-Dokus über „das Böse“ gemacht haben), waren wir im „Night Court“, einem öffentlichen Gericht in Manhattan, wo mutmaßliche Straftäter im Viertelstundentakt einer Haftrichterin vorgeführt werden. Hochinteressant. Und tatsächlich teilweise auch sehr dramatisch, weil im Publikum z. B. auch die Schwester oder die junge, schwangere Freundin eines Angeklagten sitzen und zusammenbrechen, wenn die Richterin die Höhe der Kaution bestimmt. Ein anderer Angeklagter, der wegen eines mutmaßlichen sexuellen Übergriffes vor Gericht stand, wurde irgendwann laut und rief, er sei das Opfer, und musste abgeführt werden. Das lässt einen nicht kalt. Für junge Menschen aber vielleicht ganz heilsam: Drogen sind BÄH, und Nein heißt Nein. Man weiß nicht, was noch kommt, aber wir können hier und jetzt zufrieden feststellen, dass die Kinder, ohne größere Tragödien zu produzieren, erwachsen geworden sind. Das ist nicht selbstverständlich, und dafür bin ich sehr dankbar.

IMG_9851Quasi auf dem Rückweg nach Deutschland von dem Strache-Video erfahren. Ohne Worte. Überraschen tut es mich aber nicht. Wenn ich nichts zu tun hätte, würde ich auch mal ein paar andere Typen genauer unter die Lupe nehmen. Man kann diese Art Politiker ja leider nur stoppen, wenn man einen Knüppel findet, den man ihnen zwischen die Beine werfen kann. Die AfD hat in den letzten Tagen bei uns in der Gegend noch mal wild plakatiert und mir kommt jeden Abend die Galle hoch. Ernsthaft. Wut und Trauer, wegen so viel Blödheit auf allen Seiten. Zum Glück gibt es noch genügend Gegenstimmen und andere, gute Impulse, wie dieses tolle, clevere Fritz Kola-Werbebanner, das, glaube ich, mein alter Mitbewohner und sein kreativer Kollege von Rocket & Wink entworfen haben (siehe unten). Man kann nur erahnen, was passiert, wenn bestimmte Leute an die Macht kämen und kritische Stimmen auch hierzulande nach und nach mundtot gemacht würden. Man kann es nur erahnen. Oder ins Ausland gucken. Oder in die Geschichtsbücher. Sonntag wählen gehen! Ernsthaft!

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In Stelling bringen

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Heute ist mal wieder so ein Tag, an dem ein Blick in die Zeitung genügt, um nachhaltig schlechte Laune zu kriegen. Streng genommen, reichen die ersten 3 Seiten der Süddeutschen. Artensterben auf den Seiten 1 und 2 (das Problem wird auf der ersten Seite benannt, aber es wird nichts nützen, das ist krass) und auf Seite 3 ein Feature über eine Stadt in Südafrika, namens Orania, in der es Weiße „geschafft“ haben, dass da nur Weiße leben. Obwohl es natürlich auch in Südafrika von der Verfassung her verboten ist, einen Ort nur für Weiße zu schaffen. Aber die Bewohner tricksen. Sie organisieren ihre Stadt Orania als Firma, an der die Bewohner Anteile erwerben können. Eine Aufnahmekommission entscheidet, wer in den Ort kommen darf. Und – Überraschung! – Nichtweiße sind unerwünscht.

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Ich will nicht immer sagen: Die Welt ist schlecht! Ist sie ja auch nicht. Der Mensch hat viele schlechte Eigenschaften und die lebt er aus. Manchmal rücksichtslos. Und die Welt ist deswegen in einem schlechten Zustand. So vielleicht. Und, klar, das Leben als Erwachsener mit Kindern in der modernen Zivilisation ist ein anstrengendes. Eines mit Sorgen und Verpflichtungen, und zwar so viel davon, dass die Lebensfreude manchmal darunter leidet.

Dieses „Leben“ beschreibt Anke Stelling auf geradezu erschreckend beeindruckende Art und Weise in ihrem neuen Buch Schäfchen im Trockenen. Lese es gerade, weil sie bald bei uns im Podcast zu Gast ist und ich natürlich gerne vorbereitet wäre. Überlege, ob ich das Eis mit einem Kalauer breche, nach dem Motto: Anke, in Hamburg bist Du jetzt so berühmt, die haben sogar eine Autobahnabfahrt nach Dir benannt … ja, ich weiß, dass das Stellingen heißt, aber darum geht´s ja nicht. Ich möchte die Frau zum Lachen bringen, ihr Text ist so ernst und ihre Erzählerin so sorgenvoll, dass ich ganz demütig werde. Frage mich natürlich auch, wie leicht oder schwer das Leben von Anke Stelling selbst ist. Andererseits beneide ich sie darum, dass sie jeden Tag schreiben kann. Jeden Tag, bis es sitzt.

Apropos, bis es sitzt. Muss, bei aller Bescheidenheit, leider kurz vom Wochenende erzählen. Hab im Top-Spiel gegen Glinde tatsächlich mal wieder einen Freistoß direkt verwandelt, mit Vollspann direkt in den Winkel, ernsthaft, kein Blatt passte da mehr zwischen. Hat natürlich keiner gefilmt, deswegen haben es meine Söhne wieder nicht geglaubt, naja, ich hab dann gesagt, so ein bisschen wie Michael Ballack bei der EM 2008 gegen Österreich, also, ein bisschen so, gibt´s bei Youtube, ist mir jetzt zu blöd, das reinzustellen. Jedenfalls: Diese Momente zu erleben, ist in der Tat auch ein großes Geschenk. Deswegen ist die Welt auch nicht schlecht. Viel euphorischer und zufriedener kann man einen Sonntag nicht verbringen.

Alle Tiere …

Alle Zeit der Welt ist relativ. Nur nicht die days – die machen die pace. Und tote Tiere zu fotografieren, ist Kommunikation. Face-to-face.

Snapseed

Tja, wer jetzt denkt: Ist er nun völlig übergeschnappt?, liegt nicht so ganz falsch. Ein Highlight jagt das nächste, eine Aktion die andere, alles wichtig, Aufs und Abs, links und rechts, oben und unten, keine Routine, außer der, dass es keine Routine gibt.

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War mit meiner Süßen Dienstag und Mittwoch in Berlin. Habe dort eine Literaturagentin getroffen, was sehr nett und interessant war, aber auch noch nicht mehr, weil ich doch nochmal an den Schreibtisch gehe, aber dann, vielleicht mehr, brauche Zeit, Zeit, oh, Gott, schreibt der jetzt, die ganze Zeit, so, abgehackt??? Nein! Abends waren wir auf einer sehr netten Party, halb drinnen, halb auf der Straße, und haben dort mit den Berliner Kollegen von Stadtlandfilm gefeiert, und zwar deren 10-jähriges Firmenjubiläum. Ja, dachte ich auch: Was? – 10 Jahre? Deswegen umso schockierender, weil wir damals dort mit meinem alten Freund Gian-Philip Themenbilder für das Böse gedreht haben, als sie diese Räumlichkeiten gerade neu bezogen hatten. 10 Jahre ist das jetzt her! Unfassbar!

Täter Mensch 3

Gian-Philip kam übrigens auch auf ein Bier vorbei. Oder waren es drei? Egal, ich liebe das, wenn man an einen Ort fährt, aber dort viele altbekannte Gesichter trifft. Die sich auch noch freuen, einen zu sehen. Denke dann immer, dass ich nicht alles im Leben falsch gemacht haben kann.

Wunderschöner Abschluss am Mittwoch: Ausflug mit meinem Patenkind in den Berliner Tierpark. Wir sehen uns leider viel zu selten. Daher bin ich sehr glücklich darüber, dass die paar Stunden reichten, um ein ganz wohliges Gefühl entstehen zu lassen. Zum Zeitvertreib haben wir uns lustige Witze ausgedacht, nach dem Vorbild dieser „Alle-Kinder-stehen-am-Abgrund-nur-nicht-Peter-der-geht-noch-einen-Meter“-Sprüche. Aber mit Tieren. Und nicht so böse. Wurde bis zum Schluss nicht langweilig (also meinem Patenkind und ihrer Schwester, mir sowieso nicht ;-)

Kostprobe gefällig?

Alle Tiere sind gesund. Nur nicht die Eule, die hat ne Beule.
Oder:
Alle Tiere werden immer lauter. Nur nicht der Gorilla, der wird immer stiller.

Ja, ich weiß, ist kein Gorilla, aber sonst reimt es sich ja nicht ...
Ja, ich weiß, ist kein Gorilla, aber sonst reimt es sich ja nicht …

Vielleicht sollte ich doch ein Kinderbuch schreiben. Was Lustiges. Also nichts mit eingesperrten Tieren, das ist nämlich eigentlich nicht lustig, im Gegenteil. Was Nettes, in rot und blau. Passend zu den schicken IKEA-Regalen, die in jedem Kinderzimmer stehen. Konfektionsware, eben.

Ansonsten? Wird die Stadt zur Wahl wieder mit dämlichen Gesichtern zugeschissen. Die NPD hat einen ganz geschmackvollen Slogan: Gas geben! Warum werden solche Sprüche nicht verboten? Und die Typen verdonnert!? Müll sammeln. Plastik aus dem Meer fischen. Irgendwas Sinnvolles. Ehrlich, ich verstehe das nicht, dass sowas geht. Was ich hingegen sehr wohl verstehe (auch wenn ich es nicht gutheiße, bzw. mich sogar vor den Folgen fürchte), ist, dass die Menschen von den großen Volksparteien enttäuscht und genervt sind, weil die ihren Job nicht machen. Ich habe in den letzten Tagen mit drei Menschen gesprochen, die Angst haben, ihre Wohnung zu verlieren. Menschen, die arbeiten (sogar mehrere Jobs), Steuern zahlen, glühende Anhänger der Demokratie, Mülltrenner, Friedensstifter, durch und durch gute Bürger – die nachts wach liegen, weil die Häuser, in denen sie wohnen, neue Eigentümer haben, die nichts tun, außer die Miete zu erhöhen. Ganz im Ernst, da darf man sich doch nicht wundern, wenn irgendeinem jungen Familienvater irgendwann mal die Krawatte platzt. Oder eine alleinstehende, selbständige Mediengestalterin aus lauter Verzweiflung aus dem Fenster springt. Doch, im Einzelfall halte ich Enteignung von Wohnraum für kein schlechtes Mittel.

Und? Habe gewissermaßen über Nacht ein neues Exposé über das Böse verfasst. Diesmal für arte. 10 Jahre nach den Themenbildern am Prenzlauer Berg. Da schließt sich ja wohl sowas von der Kreis, runder geht´s gar nicht. Apropos rund, den hatten wir auch noch: Alle Tiere haben Pause. Nur nicht der Hund, bei dem geht es rund. Kleiner Tipp an alle Eltern: Das Versmaß muss nicht perfekt sein, damit sich ein fast 6-jähriges Mädchen kaputtlacht und selbst anfängt, sich Witze auszudenken. Der mit der Eule und der Beule ist von ihr. Da lacht das Dichterherz.

Über Mehrjähriges und Steinzeitiges

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Heute Morgen habe ich echt gestaunt. Die Terrasse ist explodiert. Und dass, obwohl die meisten Blumen alt sind, also mehrjährig, und es noch nicht einmal Mai ist. Es ist aber natürlich auch ziemlich warm gewesen die letzten Tage, man muss ja fast jeden Tag gießen. Steht ja auch in der Zeitung, dass die große Dürre bevorsteht. Oh, schöner Bilderwitz – die große Dürre, und dann eine hochgewachsene, schlaksige Frau …

IMG_9494 IMG_9493 IMG_9492 … wie in dem Metzgerwitz (Ich hätte gerne 1oo Gramm Leberwurst, aber von der groben Fetten – Die hat heute Berufsschule) … egal, nicht lustig. Apropos Metzger, bin auf dem Weg zur Arbeit an einem Edeka-Plakat vorbeigefahren, auf dem ein Burger abgebildet war und darunter: #ehrenburger. Fand ich eigentlich ganz clever, habe aber eben gesehen, dass der Hashtag bei Instagram ein alter Hut ist. Da ist mal wieder was mit Verspätung aus der neuen in die alte Welt transferiert worden. Medien, ohnehin ein interessantes Thema. Im Moment wird viel über neue Formate und neuen Content für unterwegs, d.h. für mobile Endgeräte nachgedacht. Also qualitativ hochwertige Inhalte, die die Themen oder Geschichten nicht mehr in 90 oder 45, sondern in 10-15 Minuten abhandeln. Sehr spannend, da geht noch was.

Ganz stolz sind sie darauf bei prosex ...
Ganz stolz sind sie darauf bei prosex, wie die Homepage beweist …

Im Moment leben wir, was das betrifft, echt in einer Phase des Umbruchs. Das sieht man an Formaten wie GNTM. Wir gucken das jetzt donnerstags einigermaßen regelmäßig als Familie, und die gestrige Folge hat mal wieder bewiesen, wie frauenfeindlich das Ganze ist, als Paris Hilton, mit einem Rohr bewaffnet, weißes Zeug auf die Models gespritzt hat. Das ist bei stern.de und welt.de auch ganz lustig kommentiert worden, ist es ja auch, ich frage mich nur, warum sich darüber niemand beschwert. Also, so gar nicht!? Warum es niemanden aufregt!? Ich meine, gerade Models berichten immer wieder über metoo-mäßige Vorfälle, wie kann man dann so ein Shooting inszenieren? Klar, mit Paris Hiltons Vorgeschichte … ich verstehe das schon, es nervt mich nur ein bisschen, dass darüber nur gelacht wird. Das sind Steinzeit-Inhalte auf modernen Kanälen. Ich meine, ich gucke es ja auch, hmmmm …, nur aus Zuneigung? Oder rege ich mich gerne auf? Ich weiß es nicht. Trotzdem: Über jeden (vermeintlichen) Elfer wird tagelang deutschlandweit debattiert – und hier? Dass sich da der Presserat so gar nicht zu äußert, wundert mich schon.

Ich mache mich demnächst auf die Suche nach einer kleinen Landscholle, mit einem artesischen Brunnen und Obstbaumbestand und ohne Antenne – dann bin ich sicher.