Mein Wort zum Sonntag

 

Das war mein Sonntag, gefangen zwischen zwei Laptops. Links die Sichtliste, rechts die Knast-Reportage mit Joe Bausch, die ich gerade vorschneide. Hätte meinen freien Tag gerne anders genutzt, aber das Schneiden könnte trotzdem eine neue Leidenschaft von mir werden. Bin fast durch und ganz zufrieden, morgen mal dramaturgisch stellen, und dann schauen, was die Chefs sagen.

Das Problem ist, ich hätte heute eigentlich ganz viel am Roman machen müssen, aber etwas Neues zu schaffen ist natürlich einfacher. Egal, setze mich jetzt noch ans Buch. Allerdings nicht, ohne heute Abend – aus gegebenem Anlass – feierlich den offiziellen Schutzpatron meiner Familie zu installieren. Hat mein Sohn gemalt, er soll von nun an meine Liebsten vor Unglück und Leid bewahren.

Ansonsten? Liegt Bayern mit 17(!) Punkten vorne, lügen die Bauern mit ihren Eiern, und der Bremer Tatort war irgendwie „90er“, aber trotzdem toll. Lustigerweise hat Elisabeth Neumann, bei der wir Redakteure alle ein Seminar machen mussten, gerade gepostet, dass sie den doof fand. Sie hat IMMER eine andere Meinung, tja, wahrscheinlich habe ich einfach keine Ahnung vom Filme machen …

shoegazer II

Hüte dieser Tage das Haus meiner kleinen Schwester. Hab bei der Gelegenheit ein paar alte Pixibücher gefunden, u. a. auch das, aus dem ich schon mal zitiert habe (siehe anders-blog vom 30.12.12). Da geht es um die verschiedenen Berufe, die es so gibt, und am Ende lautet die alles entscheidende Frage: Wer putzt Deine Schuh? – Du.

 

Ich meine, ich bin ja auch einer, der schnell von der guten alten Zeit spricht, und der findet, dass Bücher und so früher schöner waren und heute alles grell und laut und doof ist, aber normalerweise kann man das ja auch nicht fest machen an irgendwas, doch jetzt kann ich das. Denn dieses Pixi-Buch von 1969 ist einfach der Knaller.

Ansonsten? Der Papst hatte Herzprobleme und fiel des Öfteren aus dem Bett. Die Kirche denkt jetzt aber über die „Pille danach“ nach. Ob es da einen Zusammenhang gibt?

Und: Higgs-Teilchen gefährden möglicherweise das Universum. Über die publizistische Funktion dieses Begriffs möglicherweise könnte man möglicherweise promovieren. Da fällt mir gerade ein, dass 1962 doch die Kuba-Krise war. Oder? Also vielleicht war früher nicht alles besser.

Jauch

Günther Jauch ist Deutschlands beliebtester Talkmaster. Also sage nicht ich, sondern andere. Egal. Bemerkenswert ist allerdings schon, wie er die alten Weggefährten Schmidt und Gottschalk hinter sich gelassen hat. Jauch war ja immer der brave, nette, nicht ganz so coole, nicht ganz so lustige, nicht ganz so smarte, tja, aber in Good old Germany sind eben genau das die Werte, die Sympathiepunkte bringen. Eigentlich ganz beruhigend, dass mitunter offenbar doch nicht nur die Verpackung zählt, sondern das, was drin steckt. Wie gesagt, sage nicht ich. Ich hab bloß gehört, dass Jauch jetzt was mit dem Tierfilmer Andreas Kieling plant. Und zwar ein Hirsch-Talk-Format …

Message in A …

Hab in der taz von Freitag dort, wo immer die Gegendarstellungen und Berichtigungen stehen, einen seltsamen Text gefunden. Konnte aber  – anders als sonst – diesmal überhaupt keine Rückschlüsse auf die Ursprungsmeldung ziehen. Was war da los? Und wenn es das ist, was ich glaube, warum steht es dann da, wo es steht?

Bin kurz davor, das Telefon in die Hand zu nehmen. Nein, nicht um bei der taz anzurufen, sondern um sky zu bestellen. Die Sausäcke haben mich – während der Werbepausen auf meinem Dienstagssender Pro 7 – mit kleinen Live-Schaltungen zu Arsenal-Bayern angefixt. Aber wenn ich das mache, hänge ich hier nur noch vor der Kiste. Dabei gibt es doch soviel zu tun …

Aufgebauscht

Schneide jetzt in der zweiten Woche die Bausch-Reportage selber vor, um zu gucken, was ich so habe. Total spannend. Hab ja in den letzten Jahren tollen Cuttern über die Schulter schauen dürfen. Es macht schon Sinn, für das Fein-Tuning wieder einen Experten zu Rate zu ziehen. Auch inhaltlich ist eine zweite Meinung durchaus hilfreich, aber es ist ja nur ein Vor-Schnitt. Im Übrigen schneiden die Cohen-Brüder ihre Filme doch auch selbst, oder nicht? Egal, eine Collage ist mir heute gelungen, auf die bin ich richtig stolz, bisschen Zeitraffer mit Wolken, lange Blenden, coole Musik, trägt ganz ohne Text, ist fast zu ästhetisch für das Knast-Thema. Ich stelle sie mal rein, wenn es keine Sperrfrist mehr gibt. Heute muss eine Momentaufnahme am Sportplatz reichen, da steht Bausch vor einem Info-Blatt, wo die Häftlinge ablesen können, wie viel sie gelaufen sind. Ich finde das grandios, weil es noch mal verdeutlicht, dass man an einem Ort, der von Mauern umgeben ist, trotzdem tausende von Kilometern laufen kann – aber eben nur im Kreis!

Hall of Books

Habe heute mit der letzten Überarbeitung meines Manuskriptes begonnen. Nach Meinung des Verlags soll ganz schön viel raus. Das ist natürlich hart, zumal sich über (Literatur-)Geschmack ja auch nur bedingt streiten lässt. Aber dann dachte ich daran, dass „On the road“ ja auch stark gekürzt verlegt wurde, und die Urfassung jetzt gerade erst vor zwei Jahren zum ersten Mal erschienen ist. Nicht, dass ich Kerouac wäre, aber vielleicht darf ich mein Buch in 50 Jahren auch noch mal in voller Länge herausbringen. Wobei man dazu sagen muss, dass das Verschwurbelte bei mir nicht am Benzedrin liegt …

Werde Euch die nächsten Wochen auf dem Laufenden halten. Wenn alles gut klappt, landet mein Buch vielleicht am Ende sogar in unserer Bücherhalle. Ja, Architektur ist ebenfalls eine hohe Kunst …

Ciao, Lin

Schöne Sache! Bin gefragt worden, ob ich für das nächste Spiegel WISSEN-Sonderheft zwei Seiten über meinen Shaolin-Kämpfer Julian schreiben möchte. Geht – im weitesten Sinne – um Spiritualität, den eigenen Weg, Sinnsuche etc. Kann ich mir gut vorstellen, bin mir aber noch nicht ganz sicher, aus welcher Perspektive ich das schreibe. Und so ganz gerade ist sein Weg ja auch nicht. Wobei das ja auch das Spannende ist.

Ansonsten? – Hat die taz mal wieder die kreativste Titelschlagzeile zum Rücktritt des Papstes entwickelt. Die waren in ihrer Bewertung der Arbeitsleistung auch nicht so zurückhaltend wie ich gestern.

Aber über diese roten Schuhe hat sich der kirchenkritische Publizist David Berger auch in unserer Lügen-Doku geäußert …

 

Wir sind (nicht mehr) Papst

Der Papst hat seinen Rücktritt verkündet. Wenn ich das richtig verstehe, fürchtet er, nicht mehr über die nötigen Ressourcen für seinen Job zu verfügen. Vielleicht sollte ich auch über meinen Rücktritt nachdenken …

Nein, im Ernst, ob das alles ist? Man hat ja das Gefühl, dass im Moment eine Bombe nach der anderen hochgeht. Oder noch hochgehen könnte. Schavan, der Papst und, nicht zu vergessen, Gysi. Über den sagte Hans-Hermann Tiedje im Interview für die Lügen-Doku – und ich habe heute extra noch mal in die Sichtliste geguckt – er sei „der Prototyp des Politikers, dem man, wie ich finde, zu Recht alles zutraut“. Tja, keine Ahnung, die Stasi-Vorwürfe gibt´s ja nicht erst seit gestern.

Ansonsten? Die Gäste auf der Berlinale-Bild-Party „Place to be“ waren bestimmt not amused, als sie heute die Fotos von der Party gesehen haben. Entweder ist da beim Layout was schief gelaufen oder beim Druck, auf jeden Fall sah Judith Rakers aus wie der Joker … oder war das ein Kostümball?

E-Vent

Dilettanten Olé – auch ein Werner-Klassiker. Und der passende Kommentar für das Fraktus-Konzert in der Fabrik gestern Abend.

Also, jemand wie ich, der seit 10 Jahren wie eine Ameise auf Speed seinen Dienst schiebt, muss ganz grundsätzlich vor Typen wie Studio Braun ohnehin schon mal den Hut ziehen, weil ihre „Art“ Teil ihres Lebens ist. Die verdienen gutes Geld damit, sich weiterzuentwickeln und in dem Kunst-System, wie es sich in Hamburg darstellt, mit Witz, Kühnheit, Cleverness und strategischer Überlegenheit die Töpfe leer zu löffeln. Respekt.

Was den Fraktus-Film angeht – tolle Idee. Natürlich ist man schon so etabliert, dass man so ein Projekt hoch aufhängen kann (nicht so, wie bei Rollo Aller!, den ersten Kurzfilmen mit Schamoni) und damit auch in der Lage ist, seine Ideen durchzusetzen. Das ist ja auch was, was ich bei meinen Dokumentationen immer merke – wie viele Kompromisse man eingehen muss, bis am Ende von einem Haufen guter Einfälle nur noch ein Bruchteil überlebt. Also, jedenfalls, das mit dem Film war schon alles gut gemacht, aber wie die drei mit dieser Musik, die klingt, wie an einem schlaflosen, drogenreichen Wochenende zusammengezimmert und -getextet, und ja eigentlich nur ein Abfallprodukt des Filmes ist, aus der Hüfte eine Performance erarbeiten, mit der sie – nicht zu Unrecht – drei mal die Fabrik voll machen, ist schon bemerkenswert.

Für meinen Geschmack hätte das Konzert eine halbe Stunde kürzer sein können, aber ich bin von Haus aus ein undankbarer Zuhörer. Wirklich lustig sind im Zuge dieser Doku-Fiction-Mythologisierung aber Merchandising-Artikel wie das „Original“-Tourplakat von 1982 und – noch besser – die „Original“-Fehldruck-T-Shirts, auf denen FRATUS steht. Das ist wirklich groß. Größer als die Beats, weil so Elektrogefrickel mit Viertel-Bassdrum habe ich schon vor 15 Jahren angerührt …

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Ah, hab´s gefunden … steht aber auch noch irgendwo bei mir im Keller!

Meine Arbeit und ich …

Ist die Bildungsministerin noch Ministerin? Ich meine, bei Guttenberg musste ich ja schon lachen, von wegen, ja, damals schon Stress und Familie und Job und und und …

Ich war ja in derselben Situation. Erstes Kind da, Geld muss her, also Job, trotzdem noch das Ding fertigmachen, hab ich dann auch, aber AKRIBISCH. Es heißt ja auch Doktorarbeit, weil ARBEIT drinsteckt.

In der taz stand, Schavan habe direkt promoviert, deswegen bliebe ihr nach Aberkennung des Titels als abgeschlossene Ausbildung nur der Schul-Abschluss. Ich würde sagen, ihr bleibt noch das Studium im Alter, da kennt sie sich ja vermutlich aus. Doch erstmal klagt sie. Mal gucken, ob es was bringt.

Ich gehe jetzt mit den Jungs von minimaltrashart zum Fraktus-Konzert. Ein Zusatztermin, aber, wenn ich mich nicht täusche, kommen die beiden anderen Termine noch. Also eigentlich ist es die Premiere. Bin gespannt. Heinz Strunk war ja letztens bei Kurt Krömer. Fand ihn doof, hab es aber vielleicht auch nicht verstanden. Morgen mehr.