Teil-Weise 2

Nach meinem kleinen Gedankenausflug zu den Hamburger Wahlplakaten gestern, gibt es heute eine längere Version von einem Kollegen bei Spiegel online:

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/hamburg-schraege-wahlplakate-von-cdu-spd-gruenen-linken-fdp-a-1016279.html

Ist offenbar gerade Thema, klar, die ganze Stadt ist ja zugekleistert mit den Dingern. Gestern wurde dieses Plakat diskutiert:

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Einige Kollegen waren sich nicht sicher, ob der grüne Maxi seinen Spruch wohl bis zum Ende durchdacht hatte. Ich meinte, natürlich, das sei ja gerade der Witz, und eigentlich fand ich das im ersten Moment gar nicht so unclever, aber gut, wenn man erst rumrätseln muss, ist es für einen „Wahlspruch“ vielleicht nicht so richtig gut.

Teil-Weise

Sonntag ist Wahl in Hamburg. Mein kleiner Sohn hat mich gestern Abend nochmal daran erinnert, dass ich wählen gehen muss, damit die NPD nicht an die Macht kommt. Korrekt.

Wobei mir die Plakate schon auf die Nerven gehen, diese ganzen Blockflötengesichter, in die man jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit gucken muss. Das ist schlimmer als in einer überfüllten U-Bahn stecken zu bleiben. Ich hab den Eindruck, das wird auch immer mehr. Und immer seltsamer. Angefangen mit diesen halben Olaf Scholz-Plakaten. Was sollte mir das sagen? Dass der kopflos regiert? Die Wahlkampfkasse der SPD leer ist? Außerdem hängt sowieso schon überall so viel Zeug rum. Man weiß ja langsam nicht mehr: Ist das jetzt Werbung für eine Partei oder eine Partneragentur? Hmmm, da fällt mir auf: Es fängt beides mit „Part“ an – eine geheime Botschaft?

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Irgendwann werde ich wirklich mal vor einer Wahl zu diesen ganzen Bürgertreffen gehen und jeden Kandidaten, jede Kandidatin einzeln unter die Lupe nehmen. Inhaltlich, versteht sich.

Points of (Inter)View

Hab in diesen Tagen zwei ganz vorzügliche Interviews gelesen. Das eine in dem Hamburger Straßenmagazin Hinz & Kunzt mit dem Illustrations-Professor Bernd Mölck-Tassel, das andere mit Hubert Burda bei Süddeutsche.de

In dem ersten geht es um dieses Charlie Hebdo-Drama, wie weit Satire gehen darf und warum viele gläubige Muslime ein Problem mit krassen Karikaturen haben – und Mölck-Tassel bringt da den interessanten Gedanken ins Spiel, dass den Muslimen die Phase der Aufklärung fehle.

Wörtlich heißt es:
„Wir hatten die Aufklärung als radikale Infragestellung durch den Verstand. Was ja nicht heißt, dass man danach nicht mehr glauben darf. Aber es heißt, dass man zulässt, dass der Verstand die logischen Brüche aufzeigt. Ich habe die Hoffnung, dass diese Form der Auseinandersetzung im Islam noch kommt. Wir waren schließlich auch lange humorlos. Die Christen kannten überhaupt keinen Spaß. Außerdem: Deutschland hat noch den Blasphemie-Paragrafen. Aber unsere Kirchen klagen niemanden mehr an.“

Letzteres stimmt nicht so ganz, ich würde eher sagen: Die Kirche kommt meistens mit ihren Klagen nicht mehr durch. Passend dazu heute die News, dass der WDR Carolin Kebekus, nachdem er sie erst wegen kirchenfeindlicher Comedy zensiert hat, jetzt ein eigenes Format gibt, weil sie polarisiert. Das nenne ich Fortschritt.

Das Burda-Interview sollte jeder Mal selber lesen, da steckt ganz viel drin:
http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/42764/1/1

Burda spricht da sehr amüsant und packend über seine Kindheit, seine ersten gescheiterten Projekte, sein Studium, seinen Lieblingsautor Handke, seine theoretischen Einflüsse (u.A. Flusser und Sedlmayr, dessen Hauptwerk „Verlust der Mitte“ übrigens zuhause bei mir in irgendeiner Bananenkiste im Keller vor sich hin gammelt), seine Bekanntschaft zu Warhol, die ihn gelehrt hat, die Verbindung zwischen Trash und Hochkultur anzuerkennen usw. Hochinteressant.

Herausheben möchte ich aber keine Antwort von Burda, sondern eine Frage der beiden SZ-Autoren:
„Der Intellektuelle ist durch den Zweifel definiert. Wie Hamlet ist er tendenziell unfähig zur Tat. Wie erklären Sie, dass mit Springer und Burda zwei der erfolgreichsten deutschen Medienkonzerne von einem promovierten Musikwissenschaftler und einem promovierten Kunsthistoriker in die digitale Welt geführt wurden?“

Es besteht für mich also noch Hoffnung.

Burda

Und? Ich hab damals vor unserem großen Umzug von meinem alten Chef, als der sein Büro entrümpelte, ein Buch bekommen: Das werde ich mir jetzt mal mit ganz anderen Augen anschauen.

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Haben für ein sehr schönes NDR-Format gepitcht. Zwei schöne Konzepte, schön verpackt. Weil es – im weitesten Sinne – ein Reiseformat ist, haben wir für die Präsentation eine kleine Kühltasche gepackt und die zwei Konzepte in Form von zwei Landkarten in die Seitentasche gesteckt. Nett, oder? Die Karten hat der Designer gemacht, der auch schon für die Manuel Möglich-Produktion gearbeitet hat. Was der alles kann!? Offenbar auch Musikvideos schneiden. Hier – ist von ihm:

Haben am Wochenende zwei tolle Filme geguckt: Matchpoint von Woody Allen (den hatte ich aufgenommen), und Samstag Birdman – im Kino. War ganz begeistert. Super Schlagzeug-Soundtrack, tolles Schauspieler-Broadway-New York-Setting. Lustigerweise habe ich gedacht, dass Birdman vom Thema her auch ein Woody Allen-Film hätte sein können, bzw. dass der Unterschied darin besteht, dass Woody Allen Filme so aussehen, wie sie aussehen, weil Woody Allen nicht in (schönen) Bildern denkt, sondern in Dialogen, und dass Birdman im Prinzip ein 1:1 gefilmtes Theaterstück ist, was aber – sozusagen on Top – noch einen Super-Look hat. Einfach WOW!

Roman Tisch

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Vielleicht tut sie nur so, vielleicht auch nicht. Hab meine Freundin (angeblich) ein bisschen aus der Fassung gebracht, und zwar mit der simplen Frage, ob ich nicht für sie eine ADAC-Partnercard beantragen solle. Da war sie ganz gerührt. Tja, in Zeiten, in denen Scheidungen und Unterhaltszahlungen zum normalen Lebensstil gehören, gibt es für Midlife-Wölfe wie mich offenbar nicht mehr viel, womit man seine Liebste überraschen kann …

Dabei bin ich ja ständig auf der Suche nach angemessenen großen Gesten, die meine Liebe und Dankbarkeit für diese Frau ausdrücken. Dass jetzt ausgerechnet ein Vorschlag ins Schwarze trifft, den ich, ehrlich gesagt, auch ein klitzekleines Bisschen aus pragmatischen Gründen (Wir sind beide Mitglied, warum sollen wir beide den vollen Beitrag zahlen?) gemacht habe, beschämt mich etwas. Deswegen behalte ich das lieber für mich …

Road-T(r)ip

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War gestern Abend auf einer Party meines alten Freundes Michael Knüfer. Der betreibt in Münster seit 20 Jahren eine DJ-Agentur und hatte in die Rote Lola eingeladen. Nette Location, leckeres Pinkus und (natürlich) gute Musik. Davor blieb sogar noch Zeit für eine kleine Stippvisite bei meinem Vater. Er hat mich freundlicherweise nicht nur vom Bahnhof abgeholt, sondern auch noch abends zur Party gefahren. Macht er aber eigentlich immer. Interessanterweise führen wir auf diesen kleinen Fahrten von A nach B immer die besten Gespräche. Vielleicht, weil man gemeinsam in eine Richtung fährt und sich nicht angucken muss …

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Zwischen Bremen und Osnabrück lag übrigens jede Menge Schnee. Frechheit.

 

Neue(s) Zeit, Alter!

14 Jahre lang hat er darauf gewartet, das letzte davon einigermaßen sehnsüchtig. Jetzt wurde sein Wunsch erfüllt. Und DAS war die erste Nachricht an mich, seinen Vater.

Handy

Wie reagiert man als humanistisch aufgeklärter, cooler, aber zugleich prinzipientreuer Super-Dad auf so eine freche und zugleich lügenhafte (immerhin hab ich noch ein paar Haare) Schmähbotschaft? Ohne Nachtisch ins Bett? Internat? Prügel? Oder noch schlimmer, einfach blockieren? So ein Schlingel. Immerhin: es reimt sich.

Witzi-Klo

Hab in den letzten Tagen mal meine Bilderwitze-Sammlung herumgereicht, um zu schauen, ob die Leute das lustig finden. Und wenn ja, was. War ganz interessant. Einen fand komischerweise niemand lustig. Dabei ist das einer meiner Favoriten. Zur besseren Ansicht draufklicken …

Ballonseide

Wobei – die besten Witze macht immer noch das Leben. Bin heute im Zuge einer Recherche (lange Geschichte) auf der Homepage eines Dixie-Klo-Vermieters gelangt und habe diesen Schreibfehler entdeckt. Draufklicken und auf untere Titelzeile achten …

dixiklo

 

los zeit

40 Jahre hat die Werkzeugkiste meines Vaters gehalten. Lebens-Leistung.
40 Jahre hat die Werkzeugkiste meines Vaters gehalten. Jetzt ist sie gebrochen. Traurig.

Ja, ich hänge gerade viel im Gestern, obwohl … vielleicht ist es umso mehr das Jetzt, wenn man im Gestern hängt. Wie eine Reflektion der Sonne, ein Strahl, der einen im Hier und Jetzt trifft, aber in Wahrheit Lichtjahre unterwegs war.

Mein Sohn hat Das geheime Tagebuch des Adrian Mole am Wochenende fast durch gelesen. Er sagte, es sei ganz lustig. Das ist schon ein großes Kompliment. Man darf ja das, was der eigene Vater offenkundig cool findet, selber bloß nicht auch super finden. Merke das immer, wenn ich Witze mache, dass sich die Jungs eher die Zunge abbeißen als herzhaft zu lachen. Nein, so schlimm ist es nicht. Außerdem zählt, was hängenbleibt. Gestern waren wir bei meiner Schwester und überlegten, was wir gemeinsam spielen könnten, und meine Schwester meinte – im Scherz – Fitze (ihr Hund) könne nur Mau-Mau. Daraufhin mein Sohn blitzeschnelle: Ich dachte, er spielt nur Wau-Wau … Ernsthaft, solche Kalauer machen mich stolzer als eine 1 in Mathe.

Yps

Er hat von meiner Schwester zum Geburtstag auch noch ein Yps-Heft bekommen. Mit Survival-Handbuch und -Werkzeug. War mein Tipp. Fand er gut. Muss trotzdem aufpassen, dass ich meine So-war-ich-in-deinem-Alter-Misson nicht übertreibe. Hinterher wird der Ärmste noch so wie ich.

 

Buchtage 2

mole3

Mein Geschenk ist gut angekommen. Vor allem, als ich sagte, das wäre noch nicht alles. Nein, im Ernst, mein Sohn hat ganz genau kapiert, dass es etwas Besonderes ist. Sogar den peinlichen Papa-Brief, der beilag, hat er ganz cool hingenommen. Hatte ihm im Vorfeld versprochen, dass er mit 14 fortan ab und zu Kaffee bei mir bekommt. War gestern das erste, was er fragte, als ich ihn abends vom Training abgeholt habe. Ob er einen Milchkaffee to go haben könne. Hab ihm meinen Rest im Thermo-Becher gegeben. War irgendwie ein großer Moment. Irgendwann wird es der Rest eines Bieres sein. Herrje. Werde das so lange, es geht, hinauszögern …

Bessere Welt

Hab heute beim Mittagessen ein Buch gelesen. Es geht darin um kleine Dinge, die man an sich bzw. an seinem Verhalten verändern und damit eine große Wirkung erzielen kann. Hat mir gut gefallen. Vieles darin hab ich allerdings schon gemacht. Fühlte mich prompt besser. Nur in Sachen Auto und Plastiktüten kann ich ordentlich nachbessern. Und ein Testament hab ich noch nicht aufgesetzt, schon gar keines, in dem eine Stiftung o.Ä. bedacht wird. Es waren auch ein paar lustige Beispiele aufgeführt: Irgendein Typ hatte seiner Frau, die ihn zeitlebens immer am Rauchen gehindert hat, ein kleines Vermögen vermacht, unter der Veraussetzung, dass sie täglich 5 Zigaretten raucht. Ein anderer 24.000 Pfund an Jesus, wenn er kommt und beweist, dass es ihn gibt. Herrlich. Auch herrlich, dass wir darüber lachen können.