Am Steuer, Bescheid

Diese Antwort lege ich mir schon mal für ein großes Interview zurecht. Was für mich Sicherheit ist? – Mit meiner klugen, großen Schwester die Steuererklärung zu machen. Nachdem ich mit meiner letzten Steuerberaterin ja so auf die Schnauze gefallen bin, war das gestern die reinste Entspannung. Weil meine Schwester immer die Ruhe bewahrt, mir alles erklärt, und zwar so, dass ich es auch verstehe, und weil sie tatsächlich das will, was alle immer nur versprechen: mein Bestes. Ehrlich, ich bin nicht paranoid, aber in Zeiten, in denen man immer Angst haben muss, in der Autowerkstatt, von den Versicherungen, Handwerkern, Energieversorgern, dem Telefonanbieter, kurzum: von allen, die am längeren Hebel sitzen oder mehr wissen, als man selbst, beschissen zu werden, total erholsam.

Warnwahn
Warnwahn

Auf dem Rückweg leuchtete plötzlich eine Warnlampe auf – Rücklicht kaputt. Dabei war der Elch gerade erst beim Wintercheck. Einen kleinen Bruder als Autoschrauber, das wäre auch nicht schlecht.

Meine süße Freundin hat mir, während ich über der Steuer saß (ich war wieder Mal so ehrlich, dass es wehtat – das ist der Nachteil bei den Programmen, die einem die Rückerstattung gleich berechnen -, aber irgendjemand muss ja die Eckfahne hochhalten), ein Buch gekauft: „Jahre mit Ledig“, von F. J. Raddatz (s. letzter Blog-Eintrag), in dem Raddatz über seine Zeit beim Rowohlt-Verlag schreibt. Heinrich M. Ledig war der uneheliche Sohn von Ernst Rowohlt und hat den Verlag schon früh erfolgreich weitergeführt. Und Raddatz war seine rechte Hand. Bin jetzt schon halb durch. Was für ein schönes Geschenk, demnächst ein paar Gedanken mehr dazu.

Möglichkeiten

Foto 1

Wir haben viele Möglichkeiten. Manchmal auch nur zwei – Ja oder Nein! Aber meistens gibt es immer mehrere Alternativen, verschiedene Blickwinkel, Abwechslung. Wenn man nicht gerade ab 20:15 Uhr Phoenix guckt.

Man kann nur hoffen, Göring ist ein 6-Teiler
Man kann nur hoffen, der Göring-Streifen sind 6 verschiedene Teile

Manche scheinen gar keine Wahl zu haben. Hab heute gelesen, dass Helmut Dietls Sohn auch Regisseur ist und der Sohn von Bayern Doc Müller-Wohlfahrt mittlerweile auch … Bayern Doc. Irgendwie cool und gruselig zugleich.

Meistens haben wir aber sehr viele Möglichkeiten. Die meisten Entscheidungen, die wir im Alltag treffen können, haben keine große Relevanz. Es sei denn, wir haben den Mut, uns an die großen Fragen zu wagen: Ja oder Nein?! Und ich meine damit nicht die Frage, ob wir den Griechen noch einen Kredit gewähren sollen. Ich meine die Frage, wieviel Kredit ich MIR noch gewähren will. Bis ich mal Nein sage. Zu mir.

Hab heute gedacht, ich müsste mal wieder mehr lesen. Der Vater meiner Patentochter hat mir „Ein ganzes Leben“ von Robert Seethaler empfohlen. Oder mal wieder Handke, weil Burda so überzeugend davon schwärmte oder die Tagebücher von F.J. Raddatz. Schreibe ja auch viel und denke, dass das am Ende womöglich mein nachhaltigstes Projekt gewesen sein wird. Ich, der Chronist. Auf der anderen Seite hat man zu Lebzeiten nicht so viel davon, weil man sich sehr verwundbar macht. „Ich stehe etwas zu nackt auf dem Marktplatz …“ Soll Raddatz mal gesagt haben.

Mein Freund Manuel Möglich(!) hat es hingegen geschafft. Heute kommt sein Buch raus: „Überall Deutschland“ – das Thema, über das wir auch unsere Reisereportage gemacht haben. Hier sein Trailer. Er macht eine ziemlich geile Tour. Hoffe, ich bin da, wenn er hier ist.

Sinnsoldat

Foto

War ja am Dienstag beim amerikanischen Konsulat, um mein US-Visum zu beantragen. Hab bei der Gelegenheit auch meine Patentochter besucht. War sehr nett.

Als ich am Abend vorher ankam, war ich irgendwie und auf eine leicht bescheuerte Art gerührt, wie zielsicher ich mich mit der Berliner S- und U-Bahn fortbewege, ohne groß auf Pläne gucken zu müssen. Das ist auch eine Art Zwischenergebnis. Das Feierabendbier (s. Foto) habe ich übrigens einfach nur getrunken, weil man es in der Berliner S-Bahn noch darf.

Grundsätzlich ist mir aufgefallen, dass ich lange nicht in Berlin war. Und dass hier lange einer meiner allerbesten Freunde gewohnt hat, der wiederum jetzt in den USA lebt, wo ich ja bald wieder hinfahre, aber ihn womöglich trotzdem wieder nicht treffen werde, weil es alles komplex ist. Und trotzdem schickt er mir genau in der einen Nacht (seit langem mal wieder) eine Mail, in der ich in seiner alten Stadt bin. Macht das Sinn?

empathy and ironie

Foto 3

Hatte mit meiner Freundin seit längerem mal wieder eine kleine Diskussion, in der sie mir zurecht darlegte, dass es bei all meinen Aktivitäten (Fußball, Trommeln etc.) doch möglich sein müsse, ab und an mal für sie auf einen dieser Termine zu verzichten, ohne gleich ein Drama (Drummer?) daraus zu machen. Stimmt natürlich. Keine Ahnung, warum ich mich damit im Moment so schwer tue. Also, falsch, natürlich habe ich eine Ahnung, warum ich mich da sperre, aber das ist irrationaler, übergroßer Quatsch und sollte praktisch eigentlich kein Problem sein. Ironie des Schicksals: An genau demselben Tag kamen unsere goldenen ADAC Partnercards (www.anders-blog.de/?p=3583). Und wiederum einen Tag später wurden wir Zeugen eines absoluten Horror-Autounfalls. Das ist eben auch die Dramaturgie des Lebens, so einen Dreiklang kann man nicht schreiben, das passiert einfach. Da bleibt man kurz stehen, mit zitternden Knien, und dankt dem Schutzengel, dass man – eigentlich länger als nötig – beim Autohändler noch nach Dachgepäckträgern geguckt hat und deswegen ein paar Minuten später die B75 hochgefahren ist. Und nimmt sich vor, nie wieder zu streiten …

Fragen 2

So, wie es aussieht, fahre ich bald schon wieder nach New York. Diesmal beruflich. Fühlt sich komisch an, ohne meine Freundin.

Musste mich jedenfalls gerade erstmal durch diesen Visa-Zirkus kämpfen. Die großen Dramen stecken ja manchmal in kleinen Fragen, z.B. dass man vielleicht einfach nicht weiß, wie der eigene Vater heißt. Das gibt es eben auch. Wahrscheinlich öfter, als man denkt. Wobei die Fußnote dazu ist, dass die amerikanischen Behörden – wie das Beispiel beweist – offenbar glauben, dies sei besonders bei Menschen mit mexikanisch klingenden Namen ein Problem …

19-02-2015 12-17-49

 

Ich hätte mir den „Do not know“-Button lieber bei dieser Frage gewünscht:

19-02-2015 12-34-29

Fragen

tee

Warum hab ich Probleme, einen ganz normalen Tee zu trinken, nur weil „Advent“ draufsteht?

Warum möchte ich nicht, dass mich der sport1.fm-Reporter duzt?

Warum klingen die neuen Bands, die aktuell bei SAT1 betrailert werden, alle so darkmetalgothicmäßig? Und als hätten sie alle denselben Produzenten?

Warum stehen in der Zeitung heute wieder so viele schlechte Nachrichten?

Ist der 3. Weltkrieg jetzt schon ausgebrochen? Hat Grass etwa Recht?

Wo ist mein Optimismus? Mein Einschätzungsvermögen? Mein Humor?

Ein Aufbegehren
Ein Aufbegehren (draufklicken)

Guter Rad

Das Leben ist bunt. Und vielfältig. Und vielseitig. Und während man selbst im Joballtag zwischen Reiseplänen, Telefonaten, Recherchen, Gesprächen und Konzepten plötzlich kurzzeitig im Dunkeln steht, öffnet sich hinter einem die Tür, und ein Licht geht auf.

Rad

Mein Sohn hat sich im Rahmen eines Klassenprojektes ein Fahrrad gebaut. Aber was für eines. Saucool und superstylish. Und zur Konfirmation wünscht er sich einen Akkuschrauber. Bin ganz stolz – und wünschte, es bliebe mir mehr Zeit mit ihm für gemeinsames Basteln.

Bin im Bild

5 BILD Themen von heute, die alles beinhalten:

Die Bayern müssen für die Champions League in die Ukraine. Oha! (Echt)

Neu-Alt-Hamburger Olic hat sich am Samstag nach seiner Auswechslung vom Bayernarzt behandeln lassen. Verrückt!

Hat Madonna ihre Bühnenoutfits jahrelang von der Barbie geklaut? Gibt´s nicht!

Fifty Shades of Grey Star Dakota Johnson hatte für die „Popo-Klopp-Szenen“ (BILD) ein Po-Double. Skandal!

Scholz weiter Roter Riese in Hamburg. Klingt ein bisschen wie „Rosa Riese“. Den hat, glaube ich, auch die BILD erfunden …

backpacker

Manchmal liebe ich es, in dieser Stadt zu wohnen. Hab meinen Sohn letzte Woche zu einer Tanztheaterprobe gefahren und musste 90 Minuten in der Bernstorffstraße abhängen. Hatte da gerade ein paar Tage zuvor im Studio-Kino Birdman gesehen, an diesem Abend lief Shades of Grey an. Bernsteinbar machte aber erst um 21h auf. Ich also ins Café vom Backpacker-Hostel, und es war total nett. Der Barkeeper spielte gerade die CD einer Rockband, die an dem Tag zu Gast war und abends offenbar in Hamburg ein Konzert gab. Überhaupt ganz interessante Hostel-Gäste mit interessanten (Kurz-)Geschichte, schnappe immer nur auf, was andere sagen, ehrlich, ich liebe sowas. Und ich war obendrein noch superproduktiv. Hab jedenfalls fleißig an einem Konzept geschrieben, das ich mir gerade auf den Leib schneidere, egal. Shades of Grey war natürlich auch Thema. Ich kann den Hype nicht verstehen, hab damals allerdings auch als Redakteur das letzte Jahr Wa(h)re Liebe mit Lilo Wanders mitgemacht und im Zuge einer Kiez-Reportage auch schon im Club de Sade gedreht, da hat man natürlich einen gewissen Erfahrungsvorsprung. Oder sagen wir besser: Überdosis.

Da fehlt wohl ein "L"
Die Unterhatungskünstler – ohne „L“

In Altona ist mir übrigens schon vor ein paar Wochen dieses Schaufenster aufgefallen (draufklicken). Musste – ganz ohne Häme – ein bisschen lachen. Bei wirklich wichtigen Sachen sollte halt immer noch jemand gegenlesen …

 

Kinder-Schokolade

Im aktuellen Greenpeace-Magazin erhebt die Umweltorganisation schwere Vorwürfe gegen Ferrero. Werden die Haselnüsse für Nutella z.T. von Kindern in der Türkei geerntet? Ferrero sagt, man versuche Kinderarbeit zu verhindern, natürlich. Denn sonst würde der Begriff „Kinder-Schokolade“ eine ganz neue Bedeutung erhalten.

schmutztella

Das Bild zur Nachricht ist angelehnt an die aktuelle Nutella-Kampagne. Großartig.

Das Schlimme ist: Dass die Produktionsbedingungen für Industrieschokolade problematisch sind, ist ja nix Neues. Und noch schlimmer ist: Ich vermute, der Umsatz bei Ferrero wird wegen dieser Bad News, selbst wenn sie stimmt, auch diesmal kaum spürbar zurückgehen. Weil es den Leuten scheißegal ist. Mir heute nicht.