Ski Gong

In der Speicherstadt stehen immer reihenweise Autos im Halteverbot, mit lustigen Zetteln in der Scheibe, damit sie ja kein Knöllchen kriegen oder, noch schlimmer, abgeschleppt werden. Einige sogar mit Namen und Telefonnummer, und wo man arbeitet – als wenn der Abschleppdienst oder die Politessen sich die Mühe machen würden, vorher anzurufen!? Irgendwie rührend.

Trotzdem Knöllchen oder ein altes zur Tarnung?
Trotzdem Knöllchen oder ein altes zur Tarnung?

Heute Abend geht es in den Schnee. Ein paar tage mit den Liebsten. Kann es mir eigentlich nicht leisten, aber gut. Die Kinder freuen sich, ich freue mich. Leider muss ich mein Diensthandy anlassen, zu komplex ist diese Amerika-Produktion. Noch einige ungeklärte Fragen. Deswegen wäre ich manchmal gerne Handwerker. Naja, jedenfalls ist das Visum schon mal da.

Hab heute zufällig im Abendblatt (von Dienstag) gelesen, dass ein paar Hamburger Sterneköche überlegen, eine Art Konventionalstrafe oder Buchungsgebühr zu verlangen, wenn Gäste, die einen Tisch gebucht haben, einfach nicht kommen. Ich musste direkt an Ali Güngörmüs denken, mit dem ich vor Jahren mal gedreht habe, wo – mitten im Dreh, also vor laufender Kamera – jemand in seinem Restaurant anrief und kurz vor der ausgemachten Zeit die Reservierung für den großen 8er-Tisch platzen ließ. Da wurde selbst der nette und ausgeglichene Ali etwas schmallippig. Aber das ist natürlich auch richtig Umsatz, der da flöten geht. Naja, jedenfalls will sich Ali auch dieser Köche-Initiative anschließen. Ich glaube, der Dreh ist auch schon wieder 8 Jahre her. So lange ärgern die sich damit rum, bis einer mal sagt: Jetzt reicht´s. Muss wie eine Erlösung für die anderen sein. Sowas will man ja auch nicht alleine durchziehen, dann bist Du als Chef gleich uncool.

Mir fällt gerade ein, dass ich bei unserer Apotheke ein Seaband für Kinder bestellt habe – hilft gegen Reiseübelkeit. Mein Sohn hat mich aber eben angerufen, er habe sein altes just wiedergefunden. Es ist zwar kein 8er-Tisch bei Ali, aber ich glaube, ich rufe mal eben in der Apotheke an und cancle die Bestellung.

Roh world

Hab das Büchlein von Fritz J. Raddatz „Jahre mit Ledig“, das mir meine Freundin geschenkt hat, gelesen und bin ganz begeistert. Was für eine interessante Zeit die 60er doch waren. Und was für ein berauschender Job, an der Seite des (unehelichen) Sohnes von Ernst Rowohlt eben diesen Verlag zur Blüte zu treiben. Ständig auf der Suche nach neuen Autoren, diese für sich zu gewinnen, dann das Publikum für diese, oft mit Erfolg, immer unter Strom und den Augen des Chefs, mit der Fähigkeit zu Zwinkern … ja, es ist Literatur über Literatur und sicher nicht die ganze Wahrheit, aber es entfacht genau den sonnigen Zauber wie eines der ersten Chartbreaker des Verlags, Tucholskys „Schloss Gripsholm“, nach wie vor eines meiner Lieblingsbücher. Interessant und charmant und versöhnlich und gesund auch, dass das Büchlein bei Rowohlt erschienen ist, obwohl Raddatz durchaus auch kritische Töne orgelt, aber die Grundtonart bleibt harmonisch und uneinholbar von Winter-WM, Masern und dem ganzen Rest.

Fühle mich in die Geschichte regelrecht eingearbeitet. Weil Namen wie Tucholsky fallen und „von Salomon“, dessen Sohn mein erster Chef war und dessen Großneffe Jakob nun hier in Hamburg ein immer gern von mir getroffener Freund ist; Manuel Möglich – jetzt ebenfalls ein Rowohlt-Autor – schrieb, ich sei in der Danksagung seines Buches erwähnt, meine Freundin hat es per Foto aus dem Buchladen bestätigt. Freut mich.

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Aber der Gipfel des Zu(sammen)falls – ein Name, eine Zeile darüber, Gunnar Schmidt, der Verlagsleiter, der mich vor ca. 10 Jahren nach der Lektüre meines Debuts „Jugendstil“ – wiederum auf Geheiß des mittlerweile verstorbenen Zeit-Redakteurs Konrad Heitkamp – auf dem Handy anrief und Interesse an meiner Schreibe bekundete. Nun ist bekanntlich nichts daraus geworden und doch so viel, es strickt schließlich meine eigene zum Ärmel einer kleinen, warm haltenden Literatur-Geschichte, und ich kann damit herrlich über alles hinwegwischen. Hab mir allerdings sicherheitshalber aus unserem Hause das neue Wissen-Heft eingesteckt:

Scheitern

Scherz beiseite, das Interview mit dem Soziologen Heinz Bude klingt wirklich interessant.

Am Steuer, Bescheid

Diese Antwort lege ich mir schon mal für ein großes Interview zurecht. Was für mich Sicherheit ist? – Mit meiner klugen, großen Schwester die Steuererklärung zu machen. Nachdem ich mit meiner letzten Steuerberaterin ja so auf die Schnauze gefallen bin, war das gestern die reinste Entspannung. Weil meine Schwester immer die Ruhe bewahrt, mir alles erklärt, und zwar so, dass ich es auch verstehe, und weil sie tatsächlich das will, was alle immer nur versprechen: mein Bestes. Ehrlich, ich bin nicht paranoid, aber in Zeiten, in denen man immer Angst haben muss, in der Autowerkstatt, von den Versicherungen, Handwerkern, Energieversorgern, dem Telefonanbieter, kurzum: von allen, die am längeren Hebel sitzen oder mehr wissen, als man selbst, beschissen zu werden, total erholsam.

Warnwahn
Warnwahn

Auf dem Rückweg leuchtete plötzlich eine Warnlampe auf – Rücklicht kaputt. Dabei war der Elch gerade erst beim Wintercheck. Einen kleinen Bruder als Autoschrauber, das wäre auch nicht schlecht.

Meine süße Freundin hat mir, während ich über der Steuer saß (ich war wieder Mal so ehrlich, dass es wehtat – das ist der Nachteil bei den Programmen, die einem die Rückerstattung gleich berechnen -, aber irgendjemand muss ja die Eckfahne hochhalten), ein Buch gekauft: „Jahre mit Ledig“, von F. J. Raddatz (s. letzter Blog-Eintrag), in dem Raddatz über seine Zeit beim Rowohlt-Verlag schreibt. Heinrich M. Ledig war der uneheliche Sohn von Ernst Rowohlt und hat den Verlag schon früh erfolgreich weitergeführt. Und Raddatz war seine rechte Hand. Bin jetzt schon halb durch. Was für ein schönes Geschenk, demnächst ein paar Gedanken mehr dazu.

Möglichkeiten

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Wir haben viele Möglichkeiten. Manchmal auch nur zwei – Ja oder Nein! Aber meistens gibt es immer mehrere Alternativen, verschiedene Blickwinkel, Abwechslung. Wenn man nicht gerade ab 20:15 Uhr Phoenix guckt.

Man kann nur hoffen, Göring ist ein 6-Teiler
Man kann nur hoffen, der Göring-Streifen sind 6 verschiedene Teile

Manche scheinen gar keine Wahl zu haben. Hab heute gelesen, dass Helmut Dietls Sohn auch Regisseur ist und der Sohn von Bayern Doc Müller-Wohlfahrt mittlerweile auch … Bayern Doc. Irgendwie cool und gruselig zugleich.

Meistens haben wir aber sehr viele Möglichkeiten. Die meisten Entscheidungen, die wir im Alltag treffen können, haben keine große Relevanz. Es sei denn, wir haben den Mut, uns an die großen Fragen zu wagen: Ja oder Nein?! Und ich meine damit nicht die Frage, ob wir den Griechen noch einen Kredit gewähren sollen. Ich meine die Frage, wieviel Kredit ich MIR noch gewähren will. Bis ich mal Nein sage. Zu mir.

Hab heute gedacht, ich müsste mal wieder mehr lesen. Der Vater meiner Patentochter hat mir „Ein ganzes Leben“ von Robert Seethaler empfohlen. Oder mal wieder Handke, weil Burda so überzeugend davon schwärmte oder die Tagebücher von F.J. Raddatz. Schreibe ja auch viel und denke, dass das am Ende womöglich mein nachhaltigstes Projekt gewesen sein wird. Ich, der Chronist. Auf der anderen Seite hat man zu Lebzeiten nicht so viel davon, weil man sich sehr verwundbar macht. „Ich stehe etwas zu nackt auf dem Marktplatz …“ Soll Raddatz mal gesagt haben.

Mein Freund Manuel Möglich(!) hat es hingegen geschafft. Heute kommt sein Buch raus: „Überall Deutschland“ – das Thema, über das wir auch unsere Reisereportage gemacht haben. Hier sein Trailer. Er macht eine ziemlich geile Tour. Hoffe, ich bin da, wenn er hier ist.

Sinnsoldat

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War ja am Dienstag beim amerikanischen Konsulat, um mein US-Visum zu beantragen. Hab bei der Gelegenheit auch meine Patentochter besucht. War sehr nett.

Als ich am Abend vorher ankam, war ich irgendwie und auf eine leicht bescheuerte Art gerührt, wie zielsicher ich mich mit der Berliner S- und U-Bahn fortbewege, ohne groß auf Pläne gucken zu müssen. Das ist auch eine Art Zwischenergebnis. Das Feierabendbier (s. Foto) habe ich übrigens einfach nur getrunken, weil man es in der Berliner S-Bahn noch darf.

Grundsätzlich ist mir aufgefallen, dass ich lange nicht in Berlin war. Und dass hier lange einer meiner allerbesten Freunde gewohnt hat, der wiederum jetzt in den USA lebt, wo ich ja bald wieder hinfahre, aber ihn womöglich trotzdem wieder nicht treffen werde, weil es alles komplex ist. Und trotzdem schickt er mir genau in der einen Nacht (seit langem mal wieder) eine Mail, in der ich in seiner alten Stadt bin. Macht das Sinn?

empathy and ironie

Foto 3

Hatte mit meiner Freundin seit längerem mal wieder eine kleine Diskussion, in der sie mir zurecht darlegte, dass es bei all meinen Aktivitäten (Fußball, Trommeln etc.) doch möglich sein müsse, ab und an mal für sie auf einen dieser Termine zu verzichten, ohne gleich ein Drama (Drummer?) daraus zu machen. Stimmt natürlich. Keine Ahnung, warum ich mich damit im Moment so schwer tue. Also, falsch, natürlich habe ich eine Ahnung, warum ich mich da sperre, aber das ist irrationaler, übergroßer Quatsch und sollte praktisch eigentlich kein Problem sein. Ironie des Schicksals: An genau demselben Tag kamen unsere goldenen ADAC Partnercards (www.anders-blog.de/?p=3583). Und wiederum einen Tag später wurden wir Zeugen eines absoluten Horror-Autounfalls. Das ist eben auch die Dramaturgie des Lebens, so einen Dreiklang kann man nicht schreiben, das passiert einfach. Da bleibt man kurz stehen, mit zitternden Knien, und dankt dem Schutzengel, dass man – eigentlich länger als nötig – beim Autohändler noch nach Dachgepäckträgern geguckt hat und deswegen ein paar Minuten später die B75 hochgefahren ist. Und nimmt sich vor, nie wieder zu streiten …

Fragen 2

So, wie es aussieht, fahre ich bald schon wieder nach New York. Diesmal beruflich. Fühlt sich komisch an, ohne meine Freundin.

Musste mich jedenfalls gerade erstmal durch diesen Visa-Zirkus kämpfen. Die großen Dramen stecken ja manchmal in kleinen Fragen, z.B. dass man vielleicht einfach nicht weiß, wie der eigene Vater heißt. Das gibt es eben auch. Wahrscheinlich öfter, als man denkt. Wobei die Fußnote dazu ist, dass die amerikanischen Behörden – wie das Beispiel beweist – offenbar glauben, dies sei besonders bei Menschen mit mexikanisch klingenden Namen ein Problem …

19-02-2015 12-17-49

 

Ich hätte mir den „Do not know“-Button lieber bei dieser Frage gewünscht:

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Fragen

tee

Warum hab ich Probleme, einen ganz normalen Tee zu trinken, nur weil „Advent“ draufsteht?

Warum möchte ich nicht, dass mich der sport1.fm-Reporter duzt?

Warum klingen die neuen Bands, die aktuell bei SAT1 betrailert werden, alle so darkmetalgothicmäßig? Und als hätten sie alle denselben Produzenten?

Warum stehen in der Zeitung heute wieder so viele schlechte Nachrichten?

Ist der 3. Weltkrieg jetzt schon ausgebrochen? Hat Grass etwa Recht?

Wo ist mein Optimismus? Mein Einschätzungsvermögen? Mein Humor?

Ein Aufbegehren
Ein Aufbegehren (draufklicken)

Guter Rad

Das Leben ist bunt. Und vielfältig. Und vielseitig. Und während man selbst im Joballtag zwischen Reiseplänen, Telefonaten, Recherchen, Gesprächen und Konzepten plötzlich kurzzeitig im Dunkeln steht, öffnet sich hinter einem die Tür, und ein Licht geht auf.

Rad

Mein Sohn hat sich im Rahmen eines Klassenprojektes ein Fahrrad gebaut. Aber was für eines. Saucool und superstylish. Und zur Konfirmation wünscht er sich einen Akkuschrauber. Bin ganz stolz – und wünschte, es bliebe mir mehr Zeit mit ihm für gemeinsames Basteln.