Geh, dichte!

Ich nehme den gestrigen Tag zum Anlass, mal wieder meine Korrespondenz mit der Welt aufzunehmen, hier, in meinem virtuellen Panic Room.

Ich durfte gestern einen kleinen Beitrag leisten, auf einer neuen Lesebühne namens Flying Poetry – im Wohl oder Übel. Es war klein, voll, warm, gemütlich. Hosts waren Ayna Steigerwald und Cenk Bekdemir, und dieses Format war wirklich – ich glaube für alle, die da waren – ein kleiner Lichtblick in dunklen Zeiten; die Wahl heute in Sachsen-Anhalt, von der ich in dieser Sekunde noch nicht weiß, wie sie gelaufen ist, die weltweiten Konflikte, Futterkrise, Klimachaos … auf der anderen Seite habe ich gestern auch noch gedacht, dass man so eine Veranstaltung mit so vielen Menschen auf so wenig Raum vor ein paar Jahren gar nicht hätte machen können. Deshalb: Licht. Es sind diese Veranstaltungen, die Hoffnung machen, einem den Glauben an eine bessere Welt zurückgeben. So pathetisch das klingt.


Jedenfalls hat mir riesigen Spaß gemacht, mal wieder kurze Texte bzw. Gedichte vorzulesen. Überhaupt mal wieder in so einem Rahmen zu lesen. Ich bin ja nicht so der Netzwerker, ich kriege das einfach nicht hin, Veranstalter*Innen anzuschreiben, mich ins Gespräch zu bringen, in die Szene einzutauchen ;-) Dabei funktioniert es ja immer gut und ich komme immer gerne, wenn es geht.

Abgesehen davon, dass es IMMER so ist, dass man auch andere Autor*Innen trifft, die sich tolle Gedanken machen, die richtigen Worte finden, coole Sachen machen, Stimmungen erzeugen. Gestern wurden Texte in u.a. Polnisch, Türkisch, Französisch, Ukrainisch, Japanisch, Englisch und Jiddisch vorgelesen, das ist doch der helle Wahnsinn.

Ich war diesmal – zumindest auf der Bühne – der Älteste. Das hat auch Vorteile. Ich war so ruhig, und es hat mich so berührt, wie die jungen Menschen um mich herum alle versuchen, ihr Leben zu meistern. Es ist manchmal für mich unvorstellbar, wenn ich darüber nachdenke, was diese jungen Leute noch vor sich haben. Ich weiß, das klingt behämmert, und es trifft mich natürlich auch bei unseren Söhnen oder bei der Arbeit, aber auch gestern wieder, und ich merke dann, wie mich so ein fast unverhältnismäßig großes Mitgefühl überkommt, wenn ich bedenke, wieviele offene Fragen die noch vor sich haben – aber zum Teil eben auch schon bemerkenswerte Antworten gefunden.

Besonders gefreut habe ich mich, dass mein Verlagskollege, Fußballkumpel und Jugendfreund Jan auch da war – und diese tollen Fotos und Videos gemacht hat. Die Lesung stelle ich hier einfach mal rein:

Hamburg, meine Perle, mit diesen vielen interessanten, guten Menschen – bleib wie Du bist. Sauber. Politisch korrekt. Zumindest weitgehend. Hab Dich lieb.