Hochzeit …

… ist ein interessantes Wort. Es bezeichnet – je nachdem, ob man das „o“ der ersten Silbe lang oder kurz betont – entweder den Höchststand einer Entwicklung (im Gegensatz zu einem Tiefpunkt oder einer Krise) oder eben ein Heiratsfest. Im Idealfall meint es mitunter beides auf einmal.

Ich habe geheiratet. Nein, wir haben geheiratet. Nach zwölf Jahren gemeinsamer Beziehung. Nicht aus steuerlichen Gründen, sondern um den nächsten Schritt zu gehen. Vielleicht, weil die Kinder jetzt groß sind. Weil sich die erste Aufregung des Lebens gelegt hat. Weil wir gemerkt haben, dass wir uns in dem ganzen Trubel zumindest auf uns verlassen können. Nicht auf uns selbst, sondern auf den anderen von uns. Weil wir bislang mit ein paar Schrammen davongekommen sind und die zweite Halbzeit jetzt offiziell als Team bestreiten wollen. Doppelt gemoppelt, hält besser. Weil es schöner ist, „meine Frau“ zu sagen. Mit Betonung auf „Frau“, nicht auf „meiner“, versteht sich. Weil man jetzt alt werden kann, ohne bekloppt zu werden. Aber auch, ohne sich gehen zu lassen. Weil man dem anderen jeden Tag aufs Neue zeigen möchte, dass er/sie einem viel bedeutet. Dass man den anderen nie mehr aus den Augen verlieren möchte. Dass nichts von alledem selbstverständlich ist. Dass es ein großes Glück bedeutet, keine Angst mehr vor der Zukunft haben zu müssen. Dass eine Partnerschaft eine runde Sache sein kann, auch wenn der andere ein paar Ecken und Kanten hat. Auch wenn nach einer Hochzeit nicht immer Hoooochzeit sein kann. Sich der Alltag aber stets nach Liebe anfühlt.

Auf uns, meine Liebe!

Hochzeit

Bücherkoje

Letzter Tag vor meinem Urlaub! Mit allem fertig geworden. ZDF ist sehr zufrieden mit unserer Off-Road-Doku, die als Reihe im August läuft – und ich muss sagen, ich auch. Das ist nicht immer der Fall, dass beide Seiten happy sind, insofern erwähne ich das mal.

Ich wollte aber ganz was Anderes erzählen. Hatte mir nämlich gestern für den Urlaub ein Buch bestellt, den neuen Roman von Philippe Djian, dem einzigen Autoren, dessen Neuerscheinungen ich unbesehen, und ohne zu hinterfragen, kaufe. So wie Platten von The Notwist. Gerade in diesen Tagen, in denen es bei den meisten Künstlern echt ans Eingemachte geht.

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Jedenfalls habe ich das Buch in der Bücherkoje bestellt, an der Jakobi-Kirche, einer Institution. Weil ich ja aber arbeiten muss, habe ich kurz nach Fünf mal im Internet geguckt, wie lange sie wohl geöffnet hat. Da stand: 18:30 Uhr. Mein Bauchgefühl sagte jedoch, ruf lieber vorher an. Nach drei Mal klingeln ging die Chefin ran, Frau Eikmeier, und meinte, oh, sie sei eigentlich schon auf dem Sprung. Ich sagte, nein, ich käme sofort, bräuchte 5 Minuten, und sie so, ja, gut, sie müsse aber kurz zur Post, wir könnten uns vor dem Laden treffen, und ich gleich losgehetzt, ehrlich gesagt, ein bisschen genervt, weil ich dachte, wieso haut die so früh ab, und bei der Post ist es bestimmt voll, und die kommt doch eh nicht wieder.

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Ein paar Minuten später stand ich bei ihr vor der Ladentür und sah den Zettel mit den geänderten Öffnungszeiten: bis 17(!) Uhr. Das heißt, als ich sie anrief, hatte sie eigentlich schon Feierabend! Und als ich mich gerade kräftig schämen wollte, kam sie um die Ecke und lachte und meinte, da hätte ich aber Glück gehabt, aber wäre doch schade, wenn ich im Urlaub nix zu lesen hätte.

Ja, liebe Leute, für gebrauchte Bücher ist das Netz nicht schlecht. Aber bestellt neue Bücher wirklich nur beim Händler …

Carmen

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Nee, Google, ernsthaft? Dann versuche ich es mal selbst …

*

Adam schaltete das Radio ein. Die Stille setzte ihm in unguten Momenten im selben Maße zu, wie er sie im Allgemeinen schätzte. Aber das Radio einzuschalten, barg immer ein kleines Risiko. Das Radio zerstört das Wesen, hatten Medienkritiker früh gemahnt, es sei ein Tummel-Feld von Weltgeräuschen, später verpestete Göbbels, dieser mickrige Zwerg, den Äther mit seiner Propaganda, aber gut, bei Adams Klassiksender hielt sich das Risiko vielleicht in Grenzen.

Er hatte Glück, gerade spielten sie L’amour est un oiseau rebelle, die Arie aus der Oper Carmen. Die Liebe ist ein wilder Vogel, ein bezaubernder Titel. Und so wahr. Adam mochte diese Liebesgeschichte, der Sergeant und das verrückte Mädchen aus der Zigarettenfabrik. Er, der die Ordnung schätzte, und sie, die alles in Unordnung brachte. Da prallten zwei Welten aufeinander, und es lag auf der Hand, warum sich Adam von dieser Geschichte so angezogen fühlte.

Adam drehte das Radio etwas lauter. Die Callas machte das schon gut. Vielleicht war sie nicht die beste Sängerin, aber sie war sicher die einzige. Und dann dieser aufschlussreiche Text: Drohen oder beten, nichts wird helfen, der eine spricht, der andere schweigt. Wenn du mich nicht liebst, liebe ich dich. Und wenn ich dich liebe, gib auf Dich acht. Gib auf Dich acht. Sie wiederholte es am Ende noch einmal, nein, sie schrie es regelrecht in den Himmel: Gib auf Dich acht! Wie hätte man anders über die ganze Schwere und Magie der Liebe singen wollen, als mit diesen Worten, eingeschlagen in dieser Melodie?

*

Eva und er hatten manchmal getanzt, immer zu diesem einen Lied von Audrey Hepburn aus dem Film Breakfast at Tiffany´s. In dem Film sitzt sie auf ihrem kleinen New Yorker Balkon und begleitet sich selbst auf der Gitarre, so herzzerreißend schön, dass man als Mann am liebsten in der Zeit reisen und sie aus ihrem Unglück retten wollte. Jedenfalls ließ sich darauf gut ein langsamer Walzer tanzen, so dass es sich nicht nur sicher anfühlte, sondern auch gekonnt aussah. Dieser Tanz war über die Jahre die einzige gemeinsame Bewegung gewesen, die sie auf Festen und Feiern verband. Ein formaler Akt, der es ihnen ermöglichte, ihre Beziehung, ihre Zweisamkeit regelmäßig vor Außenstehenden zu bezeugen.

Eines Abends, letztes Weihnachten, also ziemlich genau vor einem Jahr, sagte Eva ihm genau dies; dass dieser Tanz für sie eine beinahe konstituierende Funktion habe. Und dass sie viel zu selten tanzten. Adam hatte daraufhin geschwiegen und sogleich seine innere Verzweiflung gespürt, weil er ahnte, dass dies ein Moment war, in dem er hätte tätig werden müssen. Ihre Bemerkung war ja keine einfache Bemerkung, sondern ein Hilfeschrei, so viel hatte er im Laufe der Jahre kapiert. Also was jetzt? Das Internet war ausgefallen, und anders als die anderen Überlebensmittel – Eingemachtes, Klopapier, Medikamente, Nudeln, Äpfel usw. – hatte er dieses Lied nicht vorrätig. Doch nun sehnte sich Eva plötzlich nach diesem Ritual. Keine Ahnung, wie lange er tatenlos dagesessen hatte, bis sie schließlich den ersten Schritt machte, den ersten Tanz-Schritt, sie übernahm gewissermaßen die Führung, und Adam musste schmunzeln, er erinnerte sich genau, so sehr amüsierte ihn die Vieldeutigkeit der Sprache, was sich wiederum als hilfreich erwies, denn Eva, ihre Fingerspitzen bereits in seiner Hand, verstand diesen Hauch eines Lächelns, das sein Mund umspielte, als Zustimmung, wenn nicht sogar als Aufmunterung, ja, als klares Signal, hier und jetzt den Tanz zu versuchen, ohne die Hilfestellung der Musik, ohne die tragenden Säulen des Dreiviertel-Taktes, einfach nur Auge in Auge, ein riskantes Wagnis, ein … ein … aber es ging nicht. Schon nach wenigen Sekunden verendeten sie mitten in der Bewegung, halbwegs verkehrt, scheu und verletzt, wie ein Vogel mit einem gebrochenen Flügel.

L’amour est un oiseau rebelle, que nul ne peut apprivoiser. Vielleicht konnte man den rebellischen Vogel zähmen, dachte Adam, aber er ließ sich nicht beherrschen. Schon gar nicht ein ganzes Leben lang. Wenn man ihn einsperrte und hoffte, dass er sich an einen gewöhnte, wuchsen ihm riesige Schwingen und Klauen und ein Schnabel, so lang und scharf wie ein Säbel.

(S)Elfi from the past

Manchmal ist das Internet ja schon schön, vor allem, wenn man mit Menschen kommuniziert, die weit weg sind, einem aber dennoch nahestehen.

Hatten heute in unserem Familien-Chat diese nette Situation, dass meine Mutter ein Tortenrezept – Rhabarbertorte mit Baisergitter (letzteres musste ich erstmal googeln, ob das überhaupt ein richtiges Wort ist) – postete, mit einem Hinweis, sie habe das vor Urzeiten von einer Nachbarin bekommen, als wir noch Kinder waren: Frau Stracke. Ob wir die noch kennen würden!? Und ich so: Klar, die Hunde hießen Trixi und Elfi, keine Ahnung, wo das im ersten Moment herkam. Und meine große Schwester war ziemlich erstaunt, weil das stimmte, aber als ich dann darüber nachdachte, fiel mir auch ein, warum ich mir die beiden Hundenamen bis heute so gut merken kann. Ist vielleicht nicht zu meinem Vorteil, aber ich war jung und stehe dazu …

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Und da schließt sich der Kreis, weil Aksel Dogan mich letztens bei FB herausforderte, die 10 wichtigsten Platten meines Lebens zu nennen. Und natürlich nennt man da Metallica oder The Notwist oder Rage against the Machine, aber vielleicht hat auch diese Single entscheidend zu meiner Entwicklung beigetragen, wer weiß? Ich schäme mich auf jeden Fall nicht zu sagen: Ich war mit 6 mal sehr kurzzeitig in ein Foto von Elfi Graf verknallt. Hier, der Vollständigkeit halber:

Fairschwörungstheorien

Wow, unsere Nachbarin von ganz unten ist auf die bescheuerte Idee gekommen, ihr Home-Office zu nutzen, um jetzt ihr Bad zu sanieren. Hat sie auch so gesagt, dass sei total praktisch für sie, weil sie ja sowieso zuhause ist. Dass alle anderen aber auch zuhause sind, ist ihr völlig egal. Heute haben sie angefangen, und ich bin jetzt schon kurz davor, ne Bombe zu schmeissen. Ich meine, sie wollen das alte Bad ja eh abreißen …

Seit 9 Wochen sind wir jetzt im Home-Office. Hat unsere Geschäftsführung heute per Mail mitgeteilt. Kommt mir gar nicht so lange vor. Aber ist schon alles seltsam. Weil man auch nicht weiß, was die Lockerungen bewirken. Oder ob es eine zweite Welle gibt. Wann die Grenzen wieder geöffnet werden. Wann man wieder reisen kann. Wann wieder so etwas wie Normalität herrscht, ohne dass man Angst haben muss, dass einem normales Verhalten anschließend ins Gesicht schlägt.

Und die allgemeinen Wirtschaftsprognosen sind natürlich auch fies. Fast so fies wie die Verschwörungstheorien, die jetzt von bestimmten Leuten verbreitet werden. Echt, der Untergang der (Pop-)Kultur. Da kann man nur hoffen, dass wenigstens so Leute wie Joko und Klaas weiterhin klaren Kopf bewahren und mit guten Inhalten dagegen halten. Mal schauen, was zum Bundesligaauftakt noch alles kommt. Vielleicht eine Fairschwörungstheorie, haha … Verschwören. Kann man das auch sagen, wenn man einen falschen Schwur angelegt hat? Sorry, hab mich verschworen, darf ich nochmal?

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Gar nicht so schlecht steht das …

Aber es gibt auch Lichtblicke. Meine Mutter, meine Schwestern und ich haben letztes Wochenende das Vorzeit an ihrem Wohnwagen aufgebaut. Und Kuchen gegessen. Und gelacht. Und uns nicht umarmt. War total nett, alle mal wieder zu sehen. Nächstes Wochenende besuche ich meinen ältesten Sohn auf dem Land, der bereitet sich auf die letzten Abi-Prüfungen vor. Gehen wir ein bisschen in der Natur spazieren.

Der Jüngste weilt noch in Namibia. Zur Zeit besucht er Swakopmund, dieser kleine deutschstämmige Ort an der Küste. Ist da mit einer Freundin hingefahren. Gestern Abend habe ich mir ein bisschen Sorgen gemacht, weil ich ihn nicht erreicht habe und auch gar nicht wusste, wo und bis wann er da ist. Naja, mitten in der Nacht schrieb er dann zurück, sorry, hab nicht aufs Handy geguckt, morgen wollen wir in der Wüste Quad fahren. Ist aber auch im Einzelfall nicht immer so leicht, als Vater einen Mix aus Sich-Sorgen-machen und Laufenlassen hinzubekommen. Ich hoffe, das hört irgendwann ganz auf …

Am Mittwoch hatten wir das erste Mal seit Wochen wieder Training mit der Mannschaft. Allerdings nicht auf dem Fußballplatz, sondern im Stadtpark. Haben auch nicht gekickt, sondern nur Fitness gemacht. War schön, die Jungs wiederzusehen. Blöd, dass unsere erste und vielleicht einzige Saison in der Verbandsliga durch Verletzungen und Corona geprägt war.

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Und ich habe meine letzten freie Tage genommen, um den ersten Wurf meines neuen Buches zu vollenden. Jetzt suche ich Probeleser, die sich das anschauen und mir einen ersten Leseeindruck schildern. Also um zu schauen, ob die Grundidee funktioniert. Ich hoffe, ja, sonst sinkt die Laune …

Ansonsten? Blüht der Raps. Und es regnet zwischendurch. Und unten gehen der Bohrhammer und die Stichsäge nochmal ans Werk. Hoffentlich machen die gleich Feierabend. Oh, da fällt mir auf, es ist Freitag. Wochenende! Dann kann ich heute Abend ein richtiges Bier trinken. Komme unter der Woche ganz gut ohne aus – auch nicht schlecht auf meine alten Tage …

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Rapsody in Orange

 

Gedankengänge

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Heitere Aussichten! Oder: Gut gedüngt, ist halb geblüht!

Habe gestern erfahren, dass das Schweizer Fernsehen im Juni nochmal meine Serie über die SchweizerInnen in Moskau ausstrahlt. Vielleicht haben sie Not, weil viel weggebrochen ist, wegen Corona, andererseits, vielleicht wiederholen sie es auch, weil es schönes Programm war. Musste bei der Gelegenheit an die Reihe davor denken, die ich fürs SRF gemacht habe, die SchweizerInnen in New York. Und dabei musste ich an eine Band denken, die ich zufällig entdeckt habe, Bird Courage, wobei, streng genommen, eigentlich nur einen von ihnen, den Sänger und Songwriter. Ich war damals auf dem Nachhauseweg, irgendwo in Brooklyn, und wartete unten am Gleis auf die Metro. Ich glaube, die Station war Bedford Avenue. Jedenfalls spielte und sang dieser junge Mann auf der anderen Seite, am Gleis in der Gegenrichtung. Und ich erinnere mich genau daran, wie ich das nicht glauben konnte, dass jemand so singen und sich gleichzeitig so auf der Gitarre begleiten kann. Ich bin dann rüber und hab ein paar Stücke lang zugehört. Eine Bahn nach der anderen fuhr vorbei. Am Ende hab ich ihm eine EP abgekauft, selbst produziert, für 10 Dollar. Hab sie eben auf dem Rückweg vom Trommeln nochmal im Auto gehört, großartig.

Warum ich das erzähle? Weil ich das alles manchmal nicht raffe; dass sich der größte Mist wie doof verkauft, während großartige Künstler nicht wissen, wie sie die Miete für den nächsten Monat aufbringen sollen.

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Heute habe ich z.B. ein bisschen für mein Buch recherchiert, es ging um die Oper Carmen. Auf jeden Fall kommt bei Google, wenn man das eingibt, als erster Treffer Carmen Geiss, und zwar auch in der Kombination mit Sängerin, kein Scheiß, da suchst du nach einer Oper von Weltruf und landest stattdessen sofort bei einer Frau, die sich Sängerin nennt, weil sie wegen einer zweifelhaften Reality-TV-Karriere über genug Follower bei Instagram verfügt, um sich zu allem Überfluss auch noch an Schlagern zu versuchen. Also, soll sie ja, aber warum verdrängt sie damit wie ein Plattfisch alle anderen Fische im Aquarium?

Ich habe mir jetzt auch nochmal zwei Tage frei genommen, um übers Wochenende vielleicht die erste Fassung des neuen Buches abzuschließen. Und auf der einen Seite nervt es natürlich unheimlich, dass man alles dem Job unterordnen und sich immer Zeit freischaufeln muss, um zu schreiben. Und dass man dann, wenn man sich die Zeit genommen hat, sofort auf Knopfdruck funktionieren muss. Auf der anderen Seite weiß ich, dass es in Zeiten wie diesen auch Sorgen nehmen kann, wenn man eine Festanstellung hat und weiß, woher am ersten des Monats die Kohle kommt. Bedingungsloses Grundeinkommen, das wäre doch eine Lehre, die man jetzt aus der Krise ziehen könnte. Aber gut, im weltweiten Vergleich sind meine Probleme Luxusprobleme, weiß ich wohl.

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Ansonsten? Hoffe ich, dass der Kollege Stuertz bald mal wieder seinen Zauberstift zückt, mir fallen im Moment wieder so viele Bilderwitze ein. Andererseits muss der auch gucken, dass er irgendwie seinen tollen Debütroman bewirbt. Alles nicht so einfach!

Hier die tolle Band Bird Courage aus Brooklyn. Stay safe and support your local artists!

Virologen sind die neuen Popstars!

Hallo!

Ein kurzes Lebenszeichen aus dem Home-Office. Bin fleißig. Unter der Woche für die Firma Schnittbetreuung, heute am Feiertag wieder in Sachen Buch unterwegs. Nachdem ich in den letzten Tagen die Dinge ein wenig hin und her bewegen musste, ging es heute mal wieder ganz flüssig.

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Bin heute Morgen auf Seite 170 gestartet und eben auf Seite 180 zum Ende gekommen. 10 Seiten überarbeitet, angereichert, neu geschrieben, nicht schlecht für einen Tag. Weiß natürlich nicht, ob das alles gut ist oder lesenswert, oder ob das am Ende keine Sau interessiert, aber ich kann ja eh nicht anders, als auch dieses Buch wieder fertig zu machen. Auch wenn es sich, von außen betrachtet, vielleicht nicht lohnt.

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Gesunder Geist in gesundem Körper, so lautet mein Motto in diesen Tagen. Gehe jeden zweiten Tag joggen. Hab die Hanteln wieder hervorgeholt. Und seit zwei Wochen nur alkoholfreies Bier. Bis auf letzen Samstag, schönen Dank auch, Jan-Uwe (Nein, in besonderen Situationen muss man auch mal von seinem Kurs abweichen können. Solange man nicht vom Kurs abkommt! ;-)

Ansonsten? Treffe ich mich morgen nach Wochen mal wieder (vorsichtig) mit meinem Sohn. Die beiden älteren hatten diese Woche Abi-Prüfungen! Abi!!!! Nicht mittlere Reife, Abi!!! Das ist schon alles ein bisschen merkwürdig. Ich weiß noch genau, wie ich mich damals in deren Alter am Anfang wähnte, aber im Grunde fühle ich mich immer noch so. Ich meine, ich mache jetzt seit 17 Jahren Filme, aber ich hab immer noch das Gefühl, es ist eigentlich ein Übergangsjob. Crazy.

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Apropos crazy – wie verrückt diese Zeiten sind, sieht man u.a. auch daran, welche „Promis“ es auf den BUNTE-Titel schaffen. Virologen sind die neuen Popstars!

Und? Wenn ich nicht fleißig bin, falle ich meiner Schwäche zum Opfer. Score! Hero hat eine neue Saison freigeschaltet. Ich bin jetzt Trainer beim AS Rom. Das allein wäre vielleicht keine news, aber die Programmentwickler kreieren in der deutschen Version manchmal so schöne Übersetzungsfehler, vor allem, wenn Umlaute im Spiel sind. Und für das heutige Spiel haben sie sich etwas ganz Schönes ausgedacht. Da stand wohl Mutter Merkel Pate. Patin? Patina? Was soll ich sagen, wir schaffen das auch.

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Der Würfel

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Der Würfel
Sie kommen einem groß vor. Manchmal. Diese neun Quadratmeter. Oder 27 Kubikmeter, wenn man die Höhe der Wände dazurechnet.
Aber man rechnet nicht mehr. Man strengt sich überhaupt nicht mehr an. Man macht eigentlich gar nichts. Im Würfel. Ursprünglich Zellen für Isolationshäftlinge. Dann wurden sie umfunktioniert. Weil sie dichthalten.
„Zwischenstation“ nennt es die Regierung. Ein Genie hat das Wording kreiert.
Einziges Möbelstück im Würfel: ein Sessel, der im seltenen Fall, dass man wirklich schläft (Aber ist man den Rest der Zeit über wirklich wach?), mit einem Knopfdruck zur Liege wird. Man verlässt ihn nicht mehr. Das Genie sagt, der Sessel sei das „ontologische Zentrum unserer neuen Erlebniswelt“.
„Das einzige Ding, das man anfassen kann“, sage ich. Allerdings lässt mein Gefühl in den Fingerspitzen stetig nach.
Die Luft ist klimatisiert und brennt in den Lungen. Sie wird ständig neu aufbereitet und gefiltert, ebenso die Nahrung. Die implantierte Magensonde überprüft nebenbei die Vitalfunktionen und mischt bei Bedarf ein Vitaminpräparat oder ein Antibiotikum ins Serum.
Man hat keinen Geschmack mehr. Bei nichts. Auch nicht bei Geschlechtspartnern. Cyber Sex wurde perfektioniert. „Lusttröpfchen statt Tröpfcheninfektion“, wirbt die Regierung. Ein Genie hat den Claim kreiert. Man kann in einer Datenbank mit der rechten Maustaste andere Würfelbewohner anficken. „Echte Menschen“, wirbt die Regierung. „Definiere echt“, sage ich und nehme die Intim-Manschette gar nicht mehr ab. Die VR-Brille auch nicht. Die Datenbank lässt keine Wünsche offen. Es gibt auch Naturaufnahmen. Von Bäumen. Das ist das Geilste. Beruhigender als das abendliche Valium, das durch die Sonde rauscht.
Drogen ohne Nebenwirkungen.
Sex ohne Nebenwirkungen.
Nebenwirkungen ohne Nebenwirkungen.
Dämmerzustand.
Alles wird eine Empfindung.
Alles on demand.
Weiße Mäuse vögeln rosa Elefanten.
Mein Kopf kann alles, was ich denke.
„Zwischenstation“ nennt es die Regierung. Ein Genie hat das Wording kreiert.
“Matschepampe“, sage ich.

Hi, Fidelity!

Ihr Lieben,
tja, ist alles schwer zu glauben: Spielplätze abgesperrt, Fußballplätze geschlossen, Abi verschoben, Anfassen verboten, Familienbesuche ebenso, Kassiererinnen hinter Plastik und immer noch kein Klopapier. Ab morgen bin ich im Schnitt, aber eben nicht wirklich, sondern eigentlich zuhause, schneide aber zusammen mit dem Cutter, der im Schnitt sitzt. Amazon liefert keine Bücher mehr und Leute stürmen die Charts mit Songs wie Klopapier und Nudeln – und es ist nicht Helge Schneider.

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Petrus spielt auch schön verrückt und bedeckt für einen Morgen nochmal alles mit Schnee. Und trotzdem sind das nur Oberflächlichkeiten. Denn nebenbei erreichen mich Nachrichten von befreundeten Autoren, die ihr Buch nicht in die Welt tragen können, befreundeten Freelancern, denen Aufträge wegbrechen und anderen guten Freunden, die um ihre Existenz bangen.

Und dann die große Frage: Bringen die Maßnahmen es überhaupt? Wäre es nicht gut, wenn der Virus einmal durchgeht? Stichwort: Herden-Immunität. Ja, aber da frage ich: Denkt dabei niemand an die Ärzte und Ärztinnen, die dann vor der Flut von Infizierten stehen und entscheiden müssen, wen sie behandeln und wen sie aufgeben?

Hoffen wir, dass sich die Lage schnell normalisiert. Oder so schnell, wie möglich. Und dass danach nicht alle durchdrehen und es volle Pulle wieder von vorne losgeht. Ist doch zumindest ganz gut, dass sich auch die Natur mal ein bisschen erholen kann. Keine Flugzeuge, keine Kreuzfahrtschiffe, weniger Verkehr … merkt man sofort.

Ich selbst komme auch zur Ruhe. Jedenfalls hier, in meinem kleinen, umfunktionierten Wandschrank, mit dem Fenster zum Wald, wenn nicht gerade die Müllabfuhr morgens um Sechs die Container leert. Die Typen ohne Masken übrigens und nebeneinander hinten auf den Trittbrettern, das sind maximal 1 Meter 50 Abstand. Aber ist ja gut, dass wir jetzt nicht auch noch in unserem Müll ersticken. Deutschland ist schon ganz gut, nur ein paar Deutsche stören.

Spiele mit den Katzen. Streichle sie oft im Vorbeigehen oder fotografiere sie, die sind schon richtig genervt. Aber sie sind auch zu drollig. Ich meine, wer sich so in den Altpapierkarton schmeißt, der legt es doch darauf an, fotografiert zu werden …

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Apropos genervt, finde Home-Office nach wie vor gut, merke aber, dass mir die ganzen Online-Konferenzen und Telkos jetzt schon ein bisschen auf den Geist gehen. Die Leute schreiben auch mehr, Emails und Messages in diversen Chats. Auch viel Unwichtiges. Aber auch viel Witziges. Und um Kontakt zu seinen Kindern zu halten, sind diese Möglichkeiten natürlich gut, ach, was sage ich: Gold wert.

Versuche, abends wieder regelmäßig zu schreiben. Gucke aber auch kurze Dokus oder schaue nur mal rein, Filmausschnitte, Outtakes, zappe mich quasi durchs Internet. Höre wieder mehr Musik. Und recherchiere unwichtige Dinge, lasse mich treiben und die Gedanken in meinem Kopf.

Werde von nun an regelmäßig kleine Internet-Hits posten, auf die ich abends so stoße, und mit Euch teilen. Vielleicht habt ihr ja Spaß daran. Wir beginnen mit einem tollen Stück von einem insgesamt sehr tollen Soundtrack zu einer Verfilmung eines sehr tollen Buches: High Fidelity.

Bleibt gesund – oder wie uns die Kollegen vom Schweizer Fernsehen eben schrieben: Blibed Gsund!