Bußfall

War heute nochmal zur Röntgenkontrolle. Krücken sind weg! Merke allerdings, dass mir das normale Gehen noch ziemlich schwerfällt. Trotzdem, eine ganz neue Perspektive. Der Arzt meinte, übernächste Woche könnte ich anfangen zu joggen, in vier Wochen vielleicht schon wieder ein bisschen kicken. Werde versuchen, die Gratwanderung zu meistern, zwischen schnell wieder fit machen und nicht überpacen.

Habe unter Woche eine ganz reizende Videobotschaft meiner Mannschaftskollegen erhalten, nach dem Motto: Junge, komm bald wieder. Erwähne das deswegen, weil es da wieder eine Parallele zu meinem Handy-Game „Score Hero“ gibt. Da wurde mein Avatar „Anders“ auch wieder mit warmen Worten in die Nationalelf zurückberufen …

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Ansonsten freue ich mich, dass ich die letzten Krankentage genutzt habe, um zu entrümpeln. Ein paar Dinge sind tatsächlich in den Alltag eingeflossen, z.B. diese kleine „Pauline“, in der jetzt unser Basilikum steht und diese schlichte Tasse aus der Uni-Mensa in Münster, die jetzt auch über 20 Jahre auf dem Buckel haben müsste.

IMG_0469EE858A52-F901-474B-B015-A61C6CFF36C7Irgendwie sind diese kleinen Dinge wichtig, die eine gewisse Beständigkeit aufweisen, in Zeiten wie diesen, in denen man alle sechs Monate ein neues Ladekabel braucht oder alle zwei Jahre ein neues Telefon. Da fällt mir ein. Meine Lebensgefährtin hatte diese Woche irgendwie Lust auf ein Überraschungsei. Und ich wollte dann – wie früher – das Gimmick zusammenbauen, so eine Art Kriegssportflugzeug. Doofe Anleitung, doofes Teil, und es funktionierte am Ende nicht mal richtig. War alles krumm und schief. Hab es dann einfach weggeschmissen. Abgesehen davon, dass es ein kleiner, sinnloser Müllberg war, habe ich mir zudem vorgestellt, was gewesen wäre, wenn ich das einem Kind geschenkt hätte … totaler Reinfall.

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Ich freue mich wieder auf den Sport! Gesunder Geist in gesundem Körper, sage ich ja immer, und für den Geist habe ich in den letzten Wochen genug getan. Morgen interviewen die Alphabeten Karen Köhler. Das wird sicher auch interessant. Außerdem ist die Doppel-Folge mit der Literaturexpertin Karla Paul jetzt online. Könnt ihr ja mal reinhören …

 

12. August 2019 von Gerrit
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Weg damit

R.I.P. Vergangenheit

R.I.P. Vergangenheit

Habe die letzten Krankentage genutzt, um ein bisschen zu entrümpeln. Habe also das gemacht, was man eigentlich nicht machen sollte, wenn man sich alt und krank fühlt, nämlich in den Requisiten seiner Kindheit und Jugend zu wühlen. Dabei ist natürlich einiges zum Vorschein gekommen: Kontoauszüge meines ersten Girokontos, der erste Dauerauftrag, Taschengeld von meiner Mutter, fünf Mark im Monat, später acht, in der Oberstufe mehr, da habe ich aber auch schon selber gearbeitet (die Quittungen habe ich auch noch gefunden), für eine Gebäudereinigungsfirma und ein Betonwerk, später als Roadie und DJ. Und erste Gehversuche als Journalist.

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Da wollte wohl jemand Comiczeichner werden

Außerdem mein Taufbesteck, jede Menge Schulhefte aus der siebten Klasse, Deutschaufsätze aus der zehnten und Matheaufgaben aus der Mittelstufe, die ich heute überhaupt nicht mehr verstehe.
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Und alte Bücher, das Jahrbuch meiner Highschool in Amerika, mein Trainingsheft aus meiner Leistungssport-Phase als Mittelstreckenläufer, inklusive Marschtabelle meines Vaters für eine Zeit unter 16 Minuten auf 5000 Meter. So schnell war ich allerdings nie …

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Und natürlich auch die großen „Werke“, die das Ende meiner Unschuld eingeläutet haben: die Doktorarbeit und mein erster Romanentwurf. Als ich diese dicken Wälzer in den Händen hielt und mich erinnerte, dass ich damals ja schon drauf und dran war, zum ersten Mal Vater zu werden, dachte ich plötzlich, dass es eigentlich ein Wunder ist, wie ich das alles damals geschafft habe. Vielleicht dazu demnächst mehr, werde da, glaube ich, mal wieder einen Blick reinwerfen. Wobei mir immer Karl Lagerfelds Worte in den Ohren klingeln, dass er (seine) Archive immer gehasst und nie einen Blick zurück verschwendet habe. Eigentlich gut.

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Nebenbei auch ein Glas und eine Tasse wiedergefunden, die mir ein guter Freund geschenkt hat, nachdem wir 1997 eine kurze Zeit gemeinsam in Dänemark verbracht haben. Ich habe sie gestern gefunden und heute, einen Tag später, habe ich zufälligerweise ein Brief von ihm bekommen. Mit einer sehr traurigen Nachricht: Sein Vater ist gestorben. Das hat mich sehr berührt. Vielleicht, weil ich auch zwei Tage im Gestern unterwegs war. Warum manchmal Dinge passieren oder sich tiefe Eindrücke bilden wie im Inneren eines Wirbelsturms, während andere Tage wie kleine Wölkchen vor sich hin schweben, wird mir immer ein Rätsel bleiben.

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Bin, was meine Schulsachen und Klassenarbeiten angeht, ein bisschen überrascht, wie ordentlich ich damals geschrieben habe. Ich weiß, dass ich dieses Schönschreiben mit meinem Vater üben musste, und ich war nicht der größte Fan davon – sicher eine der Sachen, für die man, um sie zu schätzen, älter werden musste. Es ist eigentlich schade, dass man heutzutage kaum noch mit der Hand schreibt. Es ist natürlich auch leichter, Notizen wie diese einfach in sein Smartphone zu sprechen, anstatt sie erst mit der Hand zu schreiben und dann noch einmal abzutippen. Vielleicht sollte ich mal diese digitalen Stifte ausprobieren. Habe überhaupt keinen Schimmer, wie sich das anfühlt …

08. August 2019 von Gerrit
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Würde! Ich, Anders, machen

Immer noch an Krücken, vielleicht die letzte Woche. Merke, wie mir der Sport fehlt, wie ich es vermisse, einfach eine Tasse Kaffee von A nach B zu tragen, ohne die Hälfte zu verschütten, wie mir langsam die Decke auf den Kopf fällt.

Die allgemeine Ruhe führt allerdings auch zu guten Gedanken. Ideen. Sätzen. Lese auch mehr als sonst. Habe im Moment große Freude an so kleinen Gedichten:

die Natur
der Dinge
zurück

erobert
ein Tautropfen
mit Gedächtnisschwund

Und ich bin am Wochenende mal wieder durch meine Fotos gegangen. Habe im letzten Jahr immer mal wieder tote Tiere fotografiert, vor allem auf der Straße. Weil mich das berührt. Weil der Mensch da rücksichtslos alles platt fährt, aber auch weil die Tiere dann einfach so liegen gelassen werden. Und weil ich festgestellt habe, dass man den Tieren durch den richtigen Blickwinkel und den passenden Ausschnitt etwas von ihrer Würde zurückgeben kann.

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06. August 2019 von Gerrit
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Teil-Belastung.

Teil-Belastung. Belaste meinen kaputten Fuß nur teilweise. Mit einem Druck, der ungefähr 20 Kilogramm entspricht. Weil er, der Fuß, der vollen Belastung womöglich noch nicht standhält. Frage mich, ob das nicht auch auf andere Körperteile übertragen werden kann; dass man zeitweise vielleicht auch sein Gehirn oder sein Herz teilbelastet, vielleicht sogar unbewusst, ganz ohne ärztliche Anweisung. Weil auch alles andere dem Druck manchmal nicht standhält!?

Ach, was weiß ich? Konnte ja nicht einmal das Kreuzworträtsel in der BUNTEN lösen. Da waren echt ganz schwierige Fragen drin: Fluss in Schottland mit X Buchstaben? Wie in den alten Kreuzworträtseln meiner Oma. Und im Internet nachgucken, mache ich nicht. Mut zur Lücke. Das Rätsel in der MOPO ging dann aber ganz gut, hat mein Ziehsohn gemacht. Und ich habe ihm geholfen, wenn er nicht weiterwusste.

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Ich war mal ganz schlau. So vor 20 Jahren. Jetzt lese ich und recherchiere wirklich interessante Themen, vergesse die Hälfte jedoch sogleich wieder. Hab mir früher allerdings auch immer Notizen gemacht und diese dann bis zum Erbrechen „studiert“. Deswegen heißt es ja auch Studium.

Habe gerade eben das neue Buch von Karen Köhler durchgelesen: Miroloi. Es erscheint erst am 19. August, aber wir haben es jetzt schon bekommen, weil die Autorin demnächst bei den Alphabeten zu Gast ist. Ich bin mir nicht sicher, ob es noch eine Sperrfrist gibt, deswegen will ich gar nicht zuviel verraten.

Nur soviel: Die kreative Arbeit mit der Sprache gefällt mir sehr. Die Wortschöpfungen und Satzkonstruktionen. Ich sammele ja immer „gute Sätze“ oder gute Passagen, um sie dann im Interview auch mit den Autoren und Autorinnen zu besprechen, und diese guten Sätze lese ich, wenn ich beim Lesen des Buches drüber stolpere, immer sogleich mit der Sprachfunktion des Smartphones ein, das geht am schnellsten. Und bei vielen guten Sätzen in diesem Buch von Karen Köhler kapituliert diese Funktion, weil der Computer die Worte nicht kennt und er sich auch nicht vorstellen kann, dass sich jemand solche Worte ausdenkt und schreibt. Und das, glaube ich, ist ein schönes Kompliment.

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Parallel habe ich abends, wenn ich mit meiner Freundin beim Pferd war (damit mir zuhause nicht die Decke auf den Kopf fällt), in einem anderen kleinen Buch gelesen, das ich in letzter Zeit immer in der Tasche mit mir herum trage: Die Herzlichkeit der Vernunft, Gespräche zwischen Ferdinand von Schirach und Alexander Kluge. Kluge-Gespräche, wenn man so will. An einer Stelle fragt der Jurist und Schriftsteller Kluge den Juristen und Schriftsteller von Schirach, wann er denn vom Juristen zum Schriftsteller gewechselt sei. Und von Schirach erzählt erstmal von den Gemeinsamkeiten der Gewerke, dass nämlich der Verteidiger auch immer dem Richter einer Geschichte erzählen müsse, die dem Richter den Angeklagten näher bringt und menschlicher macht, um so womöglich das Urteil zu mildern. Und am Ende kommt er zu der Erkenntnis: „Der Leser ist, wenn Sie so wollen, der Richter des Schriftstellers.“

Wenn das nicht utopisch und völlig verfehlt wäre, müsste man die Menschen eigentlich zwingen, dieses kluge Büchlein zu lesen.
Du bist wie ein Gürtel
der mich zusammenhält
ein Mitbringsel
von unterwegs
aus kostbarem

fast verbotenem
Material
reingeschmuggelt
hab ich Dich
und jetzt die Angst

abzunehmen

 

 

02. August 2019 von Gerrit
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Bome cack

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Bin seit Freitag den Gips los. Nur die blaue Wickel ist geblieben. Muss allerdings noch zwei Wochen an Krücken laufen, um den heilenden Fuß wieder langsam an die Belastung zu gewöhnen. War gestern zum ersten Mal seit 6 Wochen wieder in der Badewanne. Jetzt ist der Abfluss verstopft. Scherz!

Wobei, also (Schon gegessen?) es ist schon interessant, wie die Haut weiter neue Haut produziert und wie sich die Schichten übereinanderlegen, wenn man die Haut nicht durch normale Bewegung oder Nutzung abreibt. Ich konnte nicht mal richtig meine Zehen beugen, so hart und dick war die Haut unter dem Fußballen geworden. Egal. Der menschliche Körper ist einfach ein großer Schatz. Der Größte, den wir besitzen. Wie schnell der sich manchmal erholt. Fühlt sich heute schon ganz anders an, den kaputten Fuß aufzusetzen, fast normal. Gestern war das wie ein Fremdkörper. Im wahrsten Sinne.

Apropos, habe gestern Abend mit meinem Ziehsohn Transcendence geguckt, diesen Sci-Fi-Film mit Johnny Depp, der am Anfang stirbt und am Ende mit Hilfe der Nanotechnologie im Prinzip wie Jesus wiederaufersteht. Eigentlich ein ganz cooler Film, mir gefiel vor allem die Wohnung, in der Johnny Depp und seine Frau am Anfang des Films gewohnt haben.

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Ja, ich sitze viel vor der Glotze. Also, ich arbeite auch an Drehbüchern und mache mir Skizzen, Bilderwitze oder sonstige Notizen, aber der Fernseher läuft den ganzen Tag: Dokus und Sport. Habe gestern seit 1000 Jahren mal wieder Tennis geguckt. Und Formel 1. Dabei ist mir eingefallen, dass ich früher ständig Sportschau geguckt habe. Immer samstags und sonntags und dann noch Sport im Westen. Ich war echt ein Sport-Junkie. Kannte mich auch überall aus. Sieger von Galopp-Rennen, Turner, Wasserballer, Leichtathleten sowieso.

Ach ja, und ich lese wieder ein bisschen nebenher: gerade „Dorfpunks“ von Rocko Schamoni. Hab es nie gelesen, und da ich jetzt selber nochmal angreifen will, dachte ich, ich lese es mal. Finde es besser als erhofft und unterhaltsamer als erwartet. So ist das manchmal. Ich weiß gar nicht, was ich gegen den habe. Und warum? Ich glaube, seit ich ihn mal am Nebentisch im Gespräch mit einem Kollegen erlebt habe. Irgendwie unsympathisch, aber vermutlich kann man von so einer „Begegnung“ auch keine Rückschlüsse auf das große Ganze ziehen. Andererseits – wenn nur die Hälfte von dem stimmt, was er in „Dorfpunks“ erzählt, war er immer schon ein kleiner Spacko. Immerhin kann er von seiner Kunst leben. Und zieht eine Karte nach der anderen aus dem Ärmel. Also, was weiß ich schon? Wer bin ich schon? Doch wohl eher ein Glühwürmchen als ein Stern. Wenn ich nicht Fernsehen glotze, spiele ich Score Hero und fürchte mich jetzt schon vor dem endgültigen Karriere-Ende.

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Vor ein paar Tagen bin ich zum letzten Spiel eingelaufen, und der englische Kommentator hielt so eine authentische Lobeshymne auf meine Verdienste für den Verein, da hätte ich fast geheult. Muss ich mir Sorgen machen? War natürlich dann doch nicht mein letztes Spiel, hab jetzt noch eine Saison in Monaco drangehängt. Vielleicht gucke ich mir da mal ein Formel 1-Rennen an …

28. Juli 2019 von Gerrit
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Hundstage

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Hab kurz überlegt, ob die Überschrift passt, aber doch, Hundstage sind diese heißesten Tage zwischen Ende Juli und Ende August. Der Begriff rührt übrigens nicht daher, dass Hunde (oder Katzen) wie tot daliegen, weil es so warm ist, sondern es hat was mit den Sternen zu tun. Wikipedia sagt dazu: „Namengebend ist das Sternbild Großer Hund (Canis Major). Vom Aufgang des Sternbildes bis zur Sichtbarkeit als Gesamteinheit vergehen 30 bis 31 Tage, woher sich deshalb die Bezeichnung „Tage vom großen Hund“ (Hundstage) ableitete.“ Wieder was gelernt!

Morgen kommt vielleicht der Gips ab. Oder hoffentlich. Kann nix machen. Zu heiß. Und dadurch, dass ich immer auf dem linken Fuß stehe, wenn ich Zähne putze oder Kaffee koche oder mir eine Stulle schmiere, tut der jetzt auch weh. Kein Bock mehr, ehrlich. Und die Hitze. Frage mich, wie die Kater das aushalten. Und die verlieren Haare, unfassbar, fliegen alle hier rum …

Wenigstens kann ich Fernsehen gucken. Vor ein paar Tagen lief auf RTLNitro eine ganz frühe A-Team-Folge. Das A-Team zu Besuch in Ost-Berlin, also in der ehemaligen DDR. Hammer! Zur besseren Tarnung organisieren sie ein Football Spiel: ein abgehalftertes EX-Highschool-Team aus Texas gegen die junge, frische, durchtrainierte DDR-Auswahl. Als wenn da je Football gespielt worden wäre!!?? Die Amis liegen erst zurück, weil die DDR-Genossen den amerikanischen Quarterback geschmiert haben (der einzige Unsympath in der Mannschaft). Dann werden die US-Boys besser und drehen das Spiel, weil sie in der Pause nochmal betonen, dass sie „für Amerika“ spielen. Nach nur ein Mal Training. Herrje, die Amis sind so bekloppt.

Wenn bei der Requisite kein Muttersprachler Korrektur liest ...

Wenn bei der Requisite kein Muttersprachler Korrektur liest …

Und International Champions Cup läuft. Ich nehme die Nachtspiele auf und gucke sie dann vormittags. Bayern gewinnt gegen Real. Und beim Stand von 3:0 wechselt Bayern bei einem Turnier in den USA einen Inder und einen Australier ein. Mehr internationales Marketing geht wirklich nicht …

Zwischendurch sitze ich an Exposés und Drehbüchern, weil die Projekte weiter betreut werden müssen. Bisschen nervig, ich kann auch nicht lange am Schreibtisch sitzen. Hab es aber auch geschafft, die ersten Seiten meiner Romanidee zu überarbeiten. Hab sie nochmal an die Agentin nach Berlin geschickt. Mal schauen …

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Ansonsten freue ich mich über unseren Schmetterlingsflieder, weil der seinem Namen alle Ehre macht, auch wenn der kleine, schwarze Kater sich da jetzt neuerdings immer auf die Lauer legt. Und ärgere mich dagegen tierisch über den neuen Test von Stiftung Warentest, der ergab, dass diese Kaffee-Bambusbecher Schadstoffe an den Kaffee abgeben, die man dann mittrinkt. Nicht nur, dass die Becher was völlig anderes suggerieren und Leute wie ich auf dieses Weltverbesserer-Image reingefallen sind, nein, durch diese Mistdinger ist jetzt auch ein neuer Riesenmüllberg entstanden, denn die kann ja kein normaler Mensch mehr benutzen. Obwohl deren Intention eigentlich darin bestand, Müll zu vermeiden. Warum wird das nicht vorher getestet? Oder denken die Produzenten, das fällt nicht auf? Sowas finde ich wirklich zum Kotzen.

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Gutes, altes Plastik gegen neues, blödes Bambus!

25. Juli 2019 von Gerrit
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Blog-Haus wieder geöffnet

Mein alter Freund Nils hat mich vor ein paar Tagen angerufen. Er hatte in meinem Blog gelesen, dass ich mir den Knöchel gebrochen habe und wollte hören, wie es mir geht. Habe mich total über seinen Anruf gefreut und daraufhin beschlossen, wieder einen kleinen Eintrag zu machen, auch wenn es mir ein bisschen schwerfällt, längere Zeit am Schreibtisch zu sitzen. Aber offenbar wird dieser Blog als Nabelschnur genutzt, also muss auch weiterhin Blut durchfließen …

War Montag wieder zur Kontrolle. Trage den Gips jetzt seit 4 Wochen, habe also 2/3 der Zeit um, aber der Arzt wollte sich noch nicht festlegen, bis wann ich den Gips noch tragen muss. Diese 6 Wochen seien eben nur „Erfahrungswerte“ – Würg! Habe mich ja wirklich einigermaßen mit dem Gips und der Situation arrangiert (auch wenn die beste Freundin aller Zeiten meint, ich sei ein bisschen wehleidig), fürchte aber, dass es noch dauern wird, bis ich wieder auf dem Fußballplatz stehe. Hab zwischendurch mal die Sportsachen sortiert und gedacht, die lange Unterhose brauchst du gar nicht wegzupacken. Wenn du wieder spielst, ist Winter. DAS beschäftigt mich in der Tat.

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Ansonsten hat mir die Arzthelferin erst mal erklärt, was eigentlich wirklich in meinem Fuß passiert ist. Hatte das gar nicht so verstanden, dass an dem Knöchelstück, das gebrochen ist, auch die Bänder sitzen, die somit natürlich auch an der Stelle komplett abgerissen sind und nun wieder anwachsen müssen. Ich frage mich, wie das faktisch geht. Reichen sich Knochenzellen und Bänder da ganz fest die Hand und lassen niiieee mehr los? Und wenn es geht, muss man sagen, das der Körper ein absolut faszinierendes Werkzeug ist. Eines, das einem nicht nur alles ermöglicht, sondern sich auch noch selbst repariert. Das kann kein Auto, egal wie modern und teuer es ist.

Habe allerdings auch, seitdem ich das mit den abgerissenen Bändern weiß, das Gefühl, dass es in dem Knöchel kribbelt und prickelt. Sind vielleicht Heilungsschmerzen. Und ich habe auch das Gefühl, dass ich noch vorsichtiger sein muss, weil da jetzt diese Weichteile wieder zusammenwachsen müssen. Dabei wird man natürlich ein bisschen blöd. Gestern saß ich am Laptop, um ein paar meiner laufenden Filmprojekte zu bearbeiten, da ist der Kater mit Vollspeed angerauscht gekommen und natürlich gegen den Fuß gedonnert. Hab ziemlich mit ihm geschimpft und dann gesehen, dass er mir vorher die kleine Plüschmaus an den Gips gelegt hatte, die er immer für mich apportiert, wie ein Hund, ehrlich. Jedenfalls wollte er nur spielen, und als ich nicht reagiert habe, ist er eben da hingesprungen, wo er die Maus abgelegt hatte – an meinem Gips. Fühlte mich prompt mies, als hätte ich einen der Söhne zu Unrecht beschuldigt.

Größte Herausforderung des Tages ist es, heile die steile Wendeltreppe in der Wohnung runter zu kommen und an alles zu denken, was man von oben mit runternehmen wollte, um ja nicht wieder hoch zu müssen und die Treppe ein zweites Mal zu nehmen.

Aber es gibt auch gute Seiten: Verbringe Zeit mit meiner Liebsten und komme zum Lesen. Und zum Serien gucken, was ich sonst nie mache. Interessant, was es da alles gibt. Aktuelle Lieblingsserie: Rocco Schiavone -Der Kommissar und die Alpen (ein ziemlich dämlicher deutscher Untertitel, genauso wie in Die Brücke – Transit in den Tod, das schauen wir uns als nächstes an). Wie immer sind die ersten Folgen stärker als die neueren, trotzdem hatten wir großen Spaß dabei, mit diesem knorrigen, alten Bullen auf Spurensuche zu gehen.

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Und ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich wirklich gerne Score Hero spiele. Jeden Tag ein paar Minuten, bis die Energie verbraucht ist. Es frisst also nicht soviel Zeit. Mein jüngster Sohn hat mir das Spiel auf dem Telefon eingerichtet und den Avatar nach mir benannt: Anders. Spiele mittlerweile die 22. Saison und habe große Freude daran zu sehen, wie mein virtuelles Ich auch älter wird, mit Verletzungen zu kämpfen hat, ein Comeback nach dem anderen erzwingt und jede Saison um einen neuen Vertrag kämpft. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, das Spiel hört mich ab und individualisiert die Challenge nach meinem realen Erleben. Ist aber, glaube ich, Quatsch. Fühle mich jedenfalls tatsächlich ein bisschen mit meinem Avatar verbunden, auch wenn man das hier nicht so öffentlich schreiben sollte. Egal. Jetzt ist es raus.

17. Juli 2019 von Gerrit
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Keine Experimente!

Ein Drittel habe ich geschafft. Bleiben noch vier Wochen. War heute bei der Gipskontrolle, und der Knöchel wurde auch noch mal geröntgt. Sieht alles ganz okay aus. Wir machen so weiter. Hatte ja bis zum Schluss die leise Befürchtung, dass sie feststellen, sie müssen doch noch operieren. Über kaputte Bänder haben wir noch gar nicht gesprochen. Der Fuß schillert in sämtlichen Farben, wahrscheinlich muss ich danach auch noch zur Physiotherapie, weil der Muskel natürlich verkümmert. Und das vor meiner ersten Saison in der Verbandsliga …

Der ruhende Ball ...

Der ruhende Ball …

War ein paar Tage bei meiner Mutter, weil es bei den Temperaturen in Hamburg nicht auszuhalten war. Außerdem ist es vielleicht gut, wenn sich meine Liebsten die Pflege ein bisschen teilen, bevor sie mit mir wahnsinnig werden. Versuche wirklich, das Beste daraus zu machen. Habe mit meiner Mutter einen kleinen Ausflug an die Ostsee gemacht. Konnte aber natürlich auch nicht an den Strand. Doch der Wind war ganz schön. Ansonsten versuche ich zu lesen und lenke mich mit Fußballgucken ab: Frauen WM und U21. Gut, dass wenigstens das läuft, obwohl es natürlich auch schwerfällt, anderen Menschen beim Fußballspielen zuzuschauen. Mir ist aufgefallen, dass sich bei den paar Spielen, die ich geguckt habe, gleich zwei Spieler am Sprunggelenk verletzt haben. Ist mir vorher nie so aufgefallen, dass der Knöchel bei Fußballern ein neuralgischer Punkt ist. Hatte aber auch sehr wenig Verletzungspech in den letzten 25 Jahren.

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Man muss auf andere Gedanken kommen. Nach der ersten Kontrolle letzte Woche war ich mit meiner Lebensgefährtin kurz in den Deichtorhallen, in der HYPER-Ausstellung. Das war cool. Bin ein Fan von Kunst und von Musik und von Fotos – also für mich war das genau richtig. Sehr inspirierend und auch nicht zu abgehoben.

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Gäbe es ein bedingungsloses Grundeinkommen, würde ich mehr Kunst machen. Ich habe das in mir, ich weiß es. Ich poste ja ab und an meine kleinen Landschaften, die ich in Blumenkästen und -töpfen zaubere. In einer Gartenzeitschrift meiner Mutter war ein Feature über eine Frau, die das beruflich macht: Miniaturgärten …

Naja, aber unterm Strich alles sehr anstrengend. Und natürlich schlägt die Verletzung aufs Gemüt. Eigentlich steht ab morgen der gemeinsame Familienurlaub an, aber ich kann ja nix machen, und der Arzt sagte heute noch mal, ich müsse nach wie vor sehr vorsichtig mit dem Knöchel sein (Wörtlich sagte er: „Keine Experimente!“ Was glaubt er, was ich mache?). Da diese Familienurlaube für uns immer sehr heilig sind, weil das eigentlich die einzige Zeit ist, wo wir alle fünf mal zusammen sind, ist es natürlich doppelt bitter, aber so ist es eben. Hoffe, die Jungs lassen sich trotzdem blicken und leisten ihrem kranken Vater ein bisschen Gesellschaft. Bleibt bloß zu hoffen, dass sie nächstes Jahr auch noch mal Zeit finden, mit uns wegzufahren. Bedeutet für uns vermutlich, dass wir uns ein lohnendes Reiseziel suchen müssen. Das Gute wiederum ist, dass der Knöchel vermutlich wieder verheilt und es jetzt auch nicht das Ende meiner Karriere bedeutet. Auch wenn mein Score!-Hero-Avatar da etwas pessimistischer scheint …

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Ansonsten? Zittert die Welt vor der Unberechenbarkeit Trumps und Angela Merkel einfach so. Hoffe wirklich, es ist nichts Ernstes.

28. Juni 2019 von Gerrit
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Ausgebremst

Katerstimmung nach Knöchelbruch

Katerstimmung nach Knöchelbruch

Man muss ein bisschen vorsichtig sein, wenn man Begriffe wie „Drama“ oder „Tragödie“ verwendet, aber wenn der Unfallchirurg – eine Woche, bevor dein Familienurlaub beginnt – vor dem Röntgenbild deines rechten Fußes steht und hinter vorgehaltener Hand (Als wenn ich es dann nicht hören würde!) „Ach, du Scheiße …“ murmelt, dann kann man schon mal kurzzeitig die Fassung verlieren.

Hab tatsächlich auch 3 Tage gebraucht, um den Schock zu verdauen. Ausfahrt mit der Mannschaft, Aktiv-Urlaub mit der Familie, kann ich alles jetzt erstmal getrost vergessen. Um es kurz zu machen: Habe mir bei unserem freitäglichen Mittagskick in der Firma den Knöchel gebrochen. Mindestens sechs Wochen Gips. Das war es dann mit meinem Fitnessprogramm für unsere erste Saison in Hamburgs höchster Seniorenliga.

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Megaätzend. Das einzig Gute ist, dass ich mit meinem Fitnessprogramm gerade erst begonnen habe. Ist ja für meine bezaubernde Privatpflegerin so schon fast unmöglich, einmal am Tag eine Bauchfalte für das Mono-Embulex zu formen … jaja, ich weiß, aber was bleibt einem noch außer Galgenhumor? Das Schicksal annehmen? Ich muss ehrlich sagen, ich erkenne noch nicht so richtig den Sinn!? Manchmal sollen einem diese erzwungenen Auszeiten ja irgendwie die Augen öffnen. Hey, mach mal einen Schritt zurück und schaue mit frischem Blick auf dein Leben. Was fällt dir auf? Komme natürlich schon ins Grübeln. Bin aber noch nicht über den Punkt hinaus, wo ich das einfach nur als Bestrafung empfinde. Kackscheißendreck.

Und das Verrückte ist … ich meine, ich spiele wirklich nur ein einziges Handy- oder Computerspiel. Ein einziges, sonst nichts. Mein Sohn hat es mir aufs Handy geladen, und es hat mit Fußball zu tun. Ich spiele einen jungen Nachwuchsfußballprofi namens Anders und mache mit ihm Karriere. Wir haben schon ein paar Höhen und Tiefen über die letzten Saisons miteinander erlebt, aber er war noch nie verletzt. Jetzt wollte ich (hab ja nun Zeit) eine Runde spielen – dreimal dürft ihr raten, was passiert ist (bitte auch den Text dazu lesen):

Und es ist auch der rechte Fuß

Und es ist auch der rechte Fuß

Ist das nicht crazy?

 

17. Juni 2019 von Gerrit
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Ausstelling

Es poltert: „Prost!“, das Arschgeweih,
auf dass am Darß der Barsch gedeih´

Vielleicht spezialisiere ich mich wirklich auf urbane Poesie und Schüttelreime. Deep und albern, schön im Wechsel …

Habe gestern übrigens wirklich ein Kunstwerk erschaffen. Unfreiwillig. Reiner Zufall. Wollte mir den zweiten Teil unseres Interviews mit Anke Stelling aufs Handy spielen, um es auf dem Nachhauseweg zu hören, doch beim Tonexport ist etwas schief gelaufen. Alle Tonspuren lagen übereinander und wurden synchron ausgespielt. Ein wildes Stimmengewirr, mit drei Akteuren: Anke, Sebastian und ich. Als ich mich aber ein bisschen darauf eingelassen hatte, fand ich es plötzlich großartig. Weil immer wieder ein neuer Gedanke auftauchte, um sofort wieder von einem anderen Bruchstück abgelöst zu werden. Könnte eine super Kopfhörer-Station für eine Ausstellung sein!

Abends mit meiner Lebensgefährtin (es ist übrigens ganz bezaubernd, wie sich alle Freunde, Kollegen und die Familie mit uns freuen, dass wir bald heiraten) noch auf der Terrasse gesessen und die BUNTE durchgeblättert. Irgendwann äußerte sich meine Freundin besorgt, sie habe das Gefühl, ich wolle in diesem Leben unbedingt nochmal ins Rampenlicht. Ich dachte nach und kam ziemlich schnell zu dem Schluss, dass das so eigentlich nicht stimmt. Also, ja, ich fände es schön, in größerem Stil nochmal ein Buch zu verlegen und im Anschluss daran wieder Musik zu machen, aber nur um des Tuns willen. Weil mir diese Ausdrucksformen wichtig sind, das Lob und die Anerkennung im Job für meine Filme aber relativ egal. Also, natürlich freue ich mich, dass meine Arbeit von allen Seiten geschätzt wird, aber ich brauche das nicht für mein künstlerisches Selbstverständnis. Es ist schwer zu erklären. Aber dann fiel mir plötzlich ein Bild ein, das ich so noch nicht bemüht habe, das es aber trifft. Ich sagte, ich käme mir vor wie ein Schuster, der aber dazu verdonnert wird, zeitlebens als Schneider zu arbeiten. Und das einzige, was er möchte, ist es, mal in aller Ruhe ein paar Schuhe zu machen, und dass die Leute dann kommen und sagen: Ach, das sind ja schöne Schuhe. Wir bestellen unsere Schuhe jetzt in Zukunft immer bei Dir. Und ich müsste damit nicht prominent werden. Oder reich. Es sollte reich-en, klar, aber ich würde mit beiden Beinen auf dem Boden und – um im Bild zu bleiben – bei meinem Leisten bleiben.

14. Juni 2019 von Gerrit
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