Ausstelling

Es poltert: „Prost!“, das Arschgeweih,
auf dass am Darß der Barsch gedeih´

Vielleicht spezialisiere ich mich wirklich auf urbane Poesie und Schüttelreime. Deep und albern, schön im Wechsel …

Habe gestern übrigens wirklich ein Kunstwerk erschaffen. Unfreiwillig. Reiner Zufall. Wollte mir den zweiten Teil unseres Interviews mit Anke Stelling aufs Handy spielen, um es auf dem Nachhauseweg zu hören, doch beim Tonexport ist etwas schief gelaufen. Alle Tonspuren lagen übereinander und wurden synchron ausgespielt. Ein wildes Stimmengewirr, mit drei Akteuren: Anke, Sebastian und ich. Als ich mich aber ein bisschen darauf eingelassen hatte, fand ich es plötzlich großartig. Weil immer wieder ein neuer Gedanke auftauchte, um sofort wieder von einem anderen Bruchstück abgelöst zu werden. Könnte eine super Kopfhörer-Station für eine Ausstellung sein!

Abends mit meiner Lebensgefährtin (es ist übrigens ganz bezaubernd, wie sich alle Freunde, Kollegen und die Familie mit uns freuen, dass wir bald heiraten) noch auf der Terrasse gesessen und die BUNTE durchgeblättert. Irgendwann äußerte sich meine Freundin besorgt, sie habe das Gefühl, ich wolle in diesem Leben unbedingt nochmal ins Rampenlicht. Ich dachte nach und kam ziemlich schnell zu dem Schluss, dass das so eigentlich nicht stimmt. Also, ja, ich fände es schön, in größerem Stil nochmal ein Buch zu verlegen und im Anschluss daran wieder Musik zu machen, aber nur um des Tuns willen. Weil mir diese Ausdrucksformen wichtig sind, das Lob und die Anerkennung im Job für meine Filme aber relativ egal. Also, natürlich freue ich mich, dass meine Arbeit von allen Seiten geschätzt wird, aber ich brauche das nicht für mein künstlerisches Selbstverständnis. Es ist schwer zu erklären. Aber dann fiel mir plötzlich ein Bild ein, das ich so noch nicht bemüht habe, das es aber trifft. Ich sagte, ich käme mir vor wie ein Schuster, der aber dazu verdonnert wird, zeitlebens als Schneider zu arbeiten. Und das einzige, was er möchte, ist es, mal in aller Ruhe ein paar Schuhe zu machen, und dass die Leute dann kommen und sagen: Ach, das sind ja schöne Schuhe. Wir bestellen unsere Schuhe jetzt in Zukunft immer bei Dir. Und ich müsste damit nicht prominent werden. Oder reich. Es sollte reich-en, klar, aber ich würde mit beiden Beinen auf dem Boden und – um im Bild zu bleiben – bei meinem Leisten bleiben.

14. Juni 2019 von Gerrit
Kategorien: Allgemein | Schreibe einen Kommentar

Instant Input, oder: der Geist heiligt die Zettel

Snapseed

Pfingsten kam der heilige Geist über uns. Viel Zeit mit der Familie. Essen mit Schwestern, Fußball mit Söhnen, Spaziergänge mit vierbeinigen Isländern. Ruhe und Frieden, innerhalb unserer Burgmauern.

Kurz vorweg: Dass meine 16- und 18-jährigen Söhne immer noch mit mir kicken gehen (also in der Öffentlichkeit, wo man uns womöglich gemeinsam sehen könnte), rührt mein Herz so sehr, dass ich kaum Worte finde. Heute ist dann der dritte Sohn, der am Wochenende keine Zeit hatte, mittags zum Essen in die Kantine gekommen, um sich von mir ein Zelt zu leihen, das er letztes Mal (und da vielleicht zum letzten Mal) mit mir zusammen aufgebaut hat, herrje, es war total nett und lustig, aber auch ein bisschen emotional, sie werden SO SCHNELL GROß!

Habe gestern nebenbei ein schönes kleines Buch gelesen: Der Platz, von Annie Ernaux, im Prinzip die Biographie ihres Vaters, aus ihrer Sicht, d.h. aus der Sicht der Tochter. Der Beipackzettel nennt dies „Autofiktion“. Ein tolles, gerade mal 90 Seiten „starkes“ Buch, das mich in seiner unaufgeregten Art insofern auch zusätzlich ein bisschen beruhigt hat, als dass es mich an mein eigenes Buchexposé erinnert, das gerade im Umlauf ist. Auch wenn ich es im ersten Entwurf wohl, was das Konzept betrifft, ein bisschen überfrachtet habe (zumindest entnehme ich das dem Feedback), geben mir Texte wie Der Platz, in denen weder viel gesprochen noch viel unternommen wird, Recht, es genauso zu versuchen. Manche Autoren schaffen es, auf wenigen Seiten und zwischen wenigen Zeilen soviel Raum für eigene Gedanken zu schaffen, dass der eigene Kopf kaum ausreicht.

Werde auch deswegen versuchen, mein daily poet-Konzept zu perfektionieren.

IMG_0022

Diese Art von Instant-Input ist gut, daher noch ein kleiner Tipp für alle Freunde und Freundinnen von Literatur. Der zweite Teil unseres Interviews mit Dagrun Hintze ist endlich online. Brandneu und unterhaltsam. Viel Spaß damit …

Und immer dran denken: Man muss nicht Mona Lisa heißen, um andere mit einem Lächeln zu inspirieren.

11. Juni 2019 von Gerrit
Kategorien: Allgemein | Schreibe einen Kommentar

daily poems

contentcontentcontentcontentcontentcontentcontentcontentcontentcontentcontentcontentcontentcontentcontentcontentcontentcontentcontentcontentcontentproduzierenproduzierenproduzierenproduzierenproduzierenproduzierenproduzierenusw.

Neue Formatidee: Daily Poems. Lebensbejahend. Visuell. Deep. Hammer. Zwinkersmiley!

Drinkyourcoffee

Nee, im Ernst, schönes Wochenende, Euch allen. Ich kann ja auch nicht immer tote Tiere posten. Das Leben ist schön, auch wenn nicht immer alles nach Plan läuft. Es ist ein Geschenk, und wir sollten es nicht ungeöffnet wegwerfen. Komme darauf, weil ich eben, auf Anraten eines jungen Kollegen, die Rom-Episode der tollen Koch-Serie No Reservations mit Anthony Bourdain gesehen habe; ein toller Host mit einem tollen Job und einem – wie man denken könnte – tollen Leben, der sich dennoch mit nur 61 Jahren eben dieses genommen hat … schade.

Langes Wochenende vor der Tür. Die Sonne scheint. Mein jüngster Sohn ist auf dem Weg, meine kleine Schwester auch, meine Schwägerin in spe ebenfalls, der Grill heizt bestimmt schon vor. Das wird nett. Danke.

07. Juni 2019 von Gerrit
Kategorien: Allgemein | Schreibe einen Kommentar

Meise haben

Version 2

Ich habe vor einigen Jahren mal angefangen, auf der Straße totgefahrene Tiere zu fotografieren, weil ich finde, dass diese Motive erstens eine ganz besondere Ästhetik entwickeln, und zweitens, weil auch dies ein weiteres Beispiel dafür darstellt, dass der Mensch im wahrsten Sinne über Leichen geht … äh, fährt.

Im Falle dieser kleinen Meise liegt allerdings der Verdacht nahe, dass einer unserer Kater den Piepmatz womöglich im Flug erwischt hat. Verdammt. Traurig, aber in dieser Traurigkeit auch irgendwie schön. Als hätte sie sich schlafen gelegt. Könnte mir sogar vorstellen, dass man das groß druckt und aufhängt, oder etwa nicht? Oder müssen sich meine Liebsten jetzt Sorgen machen? Also, Gerrit war ja immer schon ein bisschen komisch, aber neuerdings hängt er sich totgefahrene Tiere an die Wand …

Hatte heute ein lustige Situation mit unserem neuen Volontär, der übergangsweise in meinem Büro sitzt. Jedenfalls stießen wir irgendwann unterm Tisch mit den Füßen aneinander, und ich so lustig polterig: Junge, zieh die Schochen ein! Und er hat so gelacht, weil er das Wort „Schochen“ nicht kannte, aber lustig fand, und da haben wir kurz versucht zu recherchieren, ob es das wirklich gibt, oder ob ich das falsch in Erinnerung hatte – die FB-Community war auch unsicher, egal, muss meinen Vater nochmal fragen. Einen Beleg habe ich jedenfalls gefunden. Nicht gerade supervalide, aber immerhin …

Quelle: www.mundmische.de

Quelle: www.mundmische.de

06. Juni 2019 von Gerrit
Kategorien: Allgemein | Schreibe einen Kommentar

Kapelle, Kapelle

Heute folgende Meldung in einer Boulevardzeitung gelesen: Da (wegen der Vergewaltigungsvorwürfe) jederzeit eine Anklage droht, könnte Ronaldo beim Betreten von US-Boden verhaftet werden. Deshalb einigte sich Juve mit dem Ausrichter des International Champions Cup, dass Turin diesmal nicht in den USA spielt, sondern in Singapur, China und Schweden.

Wie doch so wenig Zeilen soviel stinkenden Mist enthalten können!

IMG_9986

Auf dem Nachhauseweg hängt dieses Plakat. Von weitem habe ich gedacht: Gott? Kostenlos ausprobieren? Was? Im Vorbeifahren habe ich es dann richtig gelesen: Es geht um Golf, nicht um Gott. Der Platz in Großensee veranstaltet einen „Erlebnistag“ (was auch immer das sein soll), um Neukunden zu akquirieren. Aber vielleicht wäre das auch mal was für die Kirche, um Neukunden zu werben? Einen Tag lang kostenlos Gott ausprobieren: Stoßgebet zum Himmel schicken und hoffen, dass das Erbetene eintritt. Und wenn nicht? Einfach wieder austreten. Oder konvertieren.

Apropos, ich habe angefangen, unser Alphabeten-Interview mit der Literaturexpertin Karla Paul zu schneiden. Da geht es am Ende auch um (Lebens-)Philosophie und Spiritualität. Sehr ungewöhnlich und interessant. Erscheinungs(!)datum? Hoffentlich bald.

Und nicht, dass ich aufgrund der Ereignisse der letzten Tage jetzt schon voll (und vor allem ohne Rücksprache zu halten) in die Planung einsteige, aber ein taz-Kulturtipp brachte mich heute auf diese wunderbare Hochzeitskapelle … ich hoffe, ich muss jetzt niemandem erklären, wer die Acher-Brüder sind … Und wie geil wäre es, wenn man die engagieren könnte? Nicht zum Tanzen. Zum Vorglühen.

04. Juni 2019 von Gerrit
Kategorien: Allgemein | Schreibe einen Kommentar

Hafengeschichten

IMG_9951

Manche Dinge im Leben kann man nicht so wirklich beeinflussen, z.B. ob man den Literatur-Nobelpreis erhält oder im Lotto gewinnt. Wer amerikanischer Präsident wird, oder erblich bedingten Haarausfall. Manche Dinge aber eben auch sehr wohl. Wenn sich eine gute Gelegenheit bietet, sollte man sie nutzen. Das setzt allerdings auch voraus, dass man eine gute Gelegenheit erkennt. Ich betone das deshalb, weil ich in der Hinsicht kein Experte bin, im Gegenteil. Ich habe unverständlich lange dafür gebraucht, meiner Lebensgefährtin in den richtigen Worten klarzumachen, dass es für mich sehr wohl einen Unterschied macht, ob sie meine „Lebensgefährtin“ ist (ich halte das weiterhin für einen außergewöhnlich schönen und romantischen Begriff) oder meine „Frau“.

Am Wochenende habe ich es ihr gesagt (naja, „gestammelt“ trifft es wohl eher). Ich habe mir schon länger über das Wie? und Wann? den Kopf zerbrochen und am Wochenende hat dann alles gestimmt. Was nicht heißt, dass es wie am Schnürchen geklappt hat. Mein Ziehsohn hatte uns ja anlässlich seiner Geburtstagsparty höflich, aber bestimmt gebeten, außer Haus zu übernachten. Also waren wir am Samstag erst im Fischereihafen Hamburg essen (ein Gutschein von ihren Kollegen), und dann sind wir weiter ins Elsa Brändström-Haus gefahren. Ich hatte dort – etwas aus der Not heraus, weil ganz Hamburg ausgebucht war – ein Zimmer gebucht, weil meine Lebensgefährtin gesagt hat, sie „müsse unbedingt in die Elbe“, ein Zitat von Gunter Gabriel. Er meinte damit, dass er mit seinem Hausboot nochmal auf große Fahrt wolle, deswegen ist dieser Ausdruck für uns ein geflügeltes Wort dafür geworden, wenn einer von uns etwas Neues beginnen möchte oder plötzlich wieder ein (neues) Ziel vor Augen hat.

Jedenfalls war das Elsa Brändström-Haus ein totaler Glücksgriff (ich hatte das schon vermutet). Das Wetter stimmte, wir saßen alleine in dem Riesengarten in Liegestühlen, mit Elbblick, ich hatte eine Kühltasche mit Drinks und Snacks vorbereitet, also, alles in allem ein sehr reiner, intensiver Moment. Und eigentlich hätte ich es hier schon machen können/sollen/müssen, aber irgendwie hatte ich das Gefühl, es könnte noch besser werden. Am nächsten Tag sind wir am Falkensteiner Ufer spazieren gegangen und danach weiter zur Schiffsbegrüßungsanlage „Willkomm-Höft“ gefahren.

IMG_9959

Und da war so ein Minigolfplatz aus einer anderen Zeit, total urig, beinahe an der Grenze zum Unmöglichen, aber irgendwie gut, und ich traf keinen Ball, weil ich plötzlich dachte, verdammt, Du hast gestern den perfekten Moment verstreichen lassen, ehrlich, ich war noch nie so schlecht beim Minigolf, und meine Freundin wunderte sich schon, und die Stimmung wurde plötzlich so merkwürdig, weil ich dachte, das gibt’s doch nicht, Du hast es verbockt, und als meine Freundin sich in dem kleinen Partyzelt auf dem Platz niederließ, um halbherzig zu gucken, was die Kühltasche noch so hergibt, da sah ich alles vor mir: Dass das die Frau ist, die ich in diesem Leben um keinen Preis mehr verlieren möchte. Und da hab ich mir ein Herz gefasst, zwei Eis besorgt, mich ihr gegenüber auf die Bierbank gesetzt und gefragt, ob sie meine Frau werden möchte. Weil ich es nicht mehr ausgehalten habe. Ja, ich glaube, das trifft es. Ich habe die Ungewissheit nicht mehr ausgehalten, ob wir als Mann und Frau gemeinsam alt werden können. Oder ob ich es endgültig verbockt hatte!? Und dann hat sie JA gesagt, und wir haben geweint und gelacht – und mit einem nicht mehr ganz kalten Bier und einem nicht ganz so leckeren Gin-Mix-Getränk aus der Dose angestoßen. In einem alten Pavillon, auf einem Minigolfplatz. Und was soll ich sagen? Es war perfekt. Ein bisschen verspätet, aber perfekt. Und es ist ein schönes Gefühl zu wissen, dass ich unsere Zukunft auf diese Weise beeinflusst habe.

Unsere gemeinsame Zukunft!

d8cae4e0-cc06-4aa1-99b3-f0a11528c446

03. Juni 2019 von Gerrit
Kategorien: Allgemein | Schreibe einen Kommentar

Tag, Vater

IMG_9932

Um es vorweg zu sagen – alle drei Söhne haben mir zum Vatertag gratuliert. Der eine, obwohl ich gar nicht sein „richtiger“ Vater bin, was mich natürlich umso mehr freut, der zweite hat sich zwar nicht persönlich gemeldet, aber mir immerhin ein GIF per WhatsApp geschickt (dieser Satz hätte vor 5 Jahren auch keinen Sinn gemacht), und der dritte hat mir … naja, streng genommen hat er mir nicht gratuliert, aber er hat mir seine kostbare Zeit geschenkt und ist mit mir Essen gegangen, ein Fischbrötchen bei Brücke 10 und auf dem Rückweg waren wir noch im U-Boot-Museum. Fast wie früher.

Jedenfalls ist ja nun schon der zweite von dreien 18 geworden, und natürlich merke ich auch, dass ich älter werde. Deswegen habe ich mich ja auch so über die Einladung zum Jahrgangstreffen meiner Grundschulklasse im September gefreut (s. Blogeintrag vom 29.05.). Weil da plötzlich wieder so viele Motive aus der Kindheit erscheinen. Habe gestern Abend meiner Mutter am Telefon davon erzählt, die hat mir gleich ein altes Foto geschickt, auf dem ich zusammen mit meinem Kinderfreund Michael zu sehen bin: Das ist sehr lange her, 40 Jahre.

IMG_9937

Hatte am Dienstag meine Einführung im Sportclub, an diversen Geräten, hier bei uns in der Firma. Werde versuchen, fit für die Landesliga zu werden. Und ein bisschen Gewicht zu verlieren. Vermutlich geht das auch nicht ohne Ernährungsumstellung, aber irgendwie müssen die paar Zuviel-Kilos runter. Ich habe ja leider ohnehin so eine Körperhaltung, bei der sich der Bauch nach vorne schiebt, das glaubt mir nur keiner; also, dass das kleine Bäuchlein in erster Linie anatomische Ursachen hat. Und weil mir das keiner glaubt, bin ich ganz froh, dass ich gestern etwas entdeckt habe, was mich ein wenig rehabilitiert: Denn selbst der große Belmondo hat in „Der Profi“ in der legendären Szene mit dem bösen Polizisten („Den trockenen Augenwischer zahlt der blonde Wichser!“) einen vorgestreckten Bauch, weil er da eben so steht, wie er steht. Sieht man ganz genau, die kleine Kugel vor dem Hohlkreuz:

IMG_9935

Morgen schön Liverpool gucken. Wenn wir es denn gucken können. Musste mit meiner Lebensgefährtin die Wohnung räumen, weil der Zweite seinen, eben erwähnten, 18. Geburtstag feiert. Mache mir ein kleines bisschen Sorgen, aber nur ein kleines bisschen.

31. Mai 2019 von Gerrit
Kategorien: Allgemein | Schreibe einen Kommentar

Hecking-Schützen und Schulanfänger

Und wenn Du denkst, jetzt könnte mal alles ein bisschen vor sich hin plätschern, passieren die unglaublichsten Dinge!

letsparty

Habe gestern Post bekommen, einen richtigen Brief, mit einer Snoopy-Briefmarke darauf. Ohne Absender. Mysteriös. Meine Lebensgefährtin argwöhnte sogleich: „Wer schickt Dir Briefe mit einer Snoopy-Briefmarke?“ – Ich: „Ganz ehrlich, keine Ahnung.“

Ich öffnete also gespannt den Briefumschlag. Darin eine Karte: Let´s Party. Einladung zum Jahrgangstreffen. Ich klappte die Karte auf und las: Nach fünf Jahren ist es endlich wieder soweit … Ich stutzte. Jahrgangstreffen? Wieso fünf Jahre? War doch erst letztes Jahr in Münster!? Und hinterher auf dem Schuljubiläum, mit meinen Schwestern. Ich las weiter: Treffen … Marktplatz in Warstein … von dort wandern wir zur Warsteiner Welt … und plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Es ging um ein Jahrgangstreffen meiner Grundschulklasse in Warstein. Also, ich war da nur bis zur zweiten Klasse, danach sind wir nach Münster gezogen, was damals, 1982, eine traumatische Erfahrung war – zumindest in dem Moment, in dem ich von dem Umzug erfuhr. Mittlerweile bin ich nicht unglücklich darüber, auch wenn der „Schützenkönig“ im Sauerland ein wichtiger Titel ist, den ich gerne mal gewonnen hätte … vielleicht … oder auch nicht … und auch, dass mein bester Freund Michael (war natürlich auch schon Schützenkönig, im Kindergarten hat er mir sogar den Titel vor der Nase weggeschnappt, und DAS hat mich wirklich genervt), kaum, dass ich weg war, mit Dirk unzertrennlich war, habe ich doch ganz gut verkraftet.

Und nun dieser Brief! Was war passiert? Offenbar haben sich meine Warsteiner Freunde an meinen Namen erinnert und meine Adresse recherchiert. Und mich nach fast 40 Jahren(!) mal zu einem ihrer Treffen eingeladen. Das ist doch der absolute Hammer. Ich meine, ich werde da niemanden mehr erkennen und wahrscheinlich den ganzen Abend alleine in der Ecke hocken. Und Warsteiner, das Bier meiner Geburtsstadt, ist ja leider auch das einzige Bier, das ich nicht vertrage! Aber ich versuche AUF JEDEN FALL zu kommen! Und Michael wiederzusehen, der ist nämlich Teil des Organisationsteams …

Ansonsten? Hat der HSV endlich mal wieder einen guten Trainer verpflichtet: Dieter Hecking hat zugesagt. Von ihm finde ich das allerdings recht mutig. Das wäre so, als ob man jetzt in die SPD eintritt, um in die Politik zu gehen: Es kann gut gehen, aber die Wahrscheinlichkeit ist recht hoch, dass man sich in ein selbst geschaufeltes Grab legt.

29. Mai 2019 von Gerrit
Kategorien: Allgemein | Schreibe einen Kommentar

Vor-Bilder

osten

War gestern unterwegs im Namen der Firma. Protagonisten-Recherche in Thüringen. Hinfahren, kleines Video drehen, wieder nach Hause. Das sind eigentlich die schönsten Termine, aber gestern war der Aufwand extrem hoch. 6 Stunden hin, 1 Stunde reden, 6 Stunden wieder zurück. Aber, wie gesagt, eigentlich sind das die schönsten Termine. Weil der Druck nicht so hoch ist. Ich würde, glaube ich, gerne jeden Tag so Mini-Reportagen drehen. Interessante Leute besuchen, zeigen, wie die leben, und dann weiter zum nächsten.

Hatte letzte Woche so ein schönes kurzes Zusammentreffen mit einem interessanten Menschen. Die preisgekrönte Autorin Anke Stelling war bei den Alphabeten zu Gast, zwar morgens um 10, aber wir hatten es auch müde und nüchtern sehr nett und lustig. Abends zuvor waren Kollege Stuertz und ich noch auf der Lesung von Vea Kaiser, davor haben wir schnell noch die zweite Folge mit Dagrun Hintze fertig geschraubt, also, zwölf Stunden lang stand alles im Zeichen der Literatur. Es ist aber wichtig, auch diese Dinge weiter voran zu treiben.

meister

Fällt momentan schwer, mal durchzuatmen. Jeder Tag ist etwas Besonderes. Wir sind am Sonntag mit den Senioren Meister in der Landesliga geworden. Haben das letzte Spiel, das wir gewinnen mussten, überzeugend mit 5:0 nach Hause geschaukelt. Ich konnte sogar wieder einen Elfmeter verwandeln. Komme damit auf 6 Treffer in dieser Saison, für einen defensiven Mittelfeldspieler kein schlechtes Ergebnis: 2 Elfmeter, 2 Freistöße und 2 Tore aus dem Spiel heraus. Das ist mir das letzte Mal vor 25 Jahren gelungen, damals noch in Wolbeck. Meister geworden bin ich zuletzt in der A-Jugend, das ist noch länger her. Es war wirklich ein emotionales Erlebnis, mit den ganzen anderen „alten Säcken“, mit denen ich zum Teil ja schon 15 Jahre lang zusammen spiele, noch einmal so einen kleinen „Triumph“ zu feiern. Zumal sich erst am letzten Spieltag überhaupt die Möglichkeit ergab, noch am Spitzenreiter vorbeizuziehen. Herrlich. Und dass die Bayern mit einem überragenden Neuer und einem Weltklasse-Lewandowski noch das Double holen, war natürlich die Krönung. Hätte Uli Hoeneß danach auf der Party nicht über Boateng gesagt, er wirke wie ein „Fremdkörper“ – und das nach dem ganzen Gauland-Blödsinn.

Womit wir beim nächsten Thema wären: die große Wahl. Jetzt leben wir wieder in einer Zeit, in der man sich bei jeder Wahl in die Hose macht, aus Angst vor einem weiteren Rechtsruck. Aber die ganz große Katastrophe blieb aus. Und die Grünen haben zugelegt, auch das ist gut. Wenn man genauer hinguckt, fallen einem aber natürlich auch die Probleme auf: AfD wieder stärkste Partei in Sachsen, die SPD vor dem Aus. Das trifft mich wirklich, dass eine Partei, die eigentlich von jeher den besten Kompromiss dargestellt hat, sich über die Jahre nicht nur selbst so versenkt hat, sondern auch noch nicht verhindert, dass die Rechten wieder auf dem Vormarsch sind.

Und da schließt sich der Kreis: Thüringen ist zwar nicht Sachsen, aber man merkt sofort, wenn man im Osten unterwegs ist. Ich finde das ja gar nicht schlimm und meine das auch nicht blöd, aber man merkt es eben. Aber man merkt es auch, wenn man in Dortmund in der S-Bahn sitzt. Will sagen, der Westen hat es nicht geschafft, seinen Blick und sein Herz zu öffnen. Man sieht den Menschen im Osten an, dass sie sich bis heute irgendwie übergangen und nicht ernst genommen fühlen. Klar, auch in Bottrop oder Bayreuth gibt es ältere Herren mit Brille und Hut, die aussehen wie Honecker, aber hier in der Regionalbahn ab Eisenach sehen sie wirklich aus wie Honecker. Und in Bottrop vielleicht doch eher wie Herbert Knebel. Und ja, wenn ich die Ergebnisse aus Sachsen höre, denke ich auch, lass´ die da doch ihren Scheiß alleine machen, aber das ist natürlich keine Lösung. Es wäre Aufgabe der traditionellen Volksparteien gewesen, die regionalen, strukturellen Herausforderungen frühzeitig zu erkennen und darauf zu reagieren. Das Volk auszubilden, Geschichte in den Schulen zu lehren, den Osten und den Westen zusammenzuführen. Der „Content“ der Wiedervereinigung hat sie aber nicht sonderlich interessiert, und jetzt bekommen wir alle die Quittung.

Nachtrag: Die Protagonisten, die ich später am Tag in Thüringen getroffen habe, waren zwei sehr interessante junge Menschen, ein Paar, das sich hier mit anderen Gleichgesinnten auf einem Schloss zu einer großen „Hippie-WG“ zusammen geschlossen hat. Sie bereiten gerade ein Festival vor, bereisen aber auch die Welt, deswegen habe ich sie ja interviewt. Der junge Mann hat mich freundlicherweise danach zum Bahnhof gebracht, und ich habe ihn gefragt, wie er das Leben hier im Osten empfindet, und er sagte, früher sei das schon vorgekommen, dass Neonazis ihre Festivals gesprengt hätten, und dass die älteren Menschen hier vornehmlich „rechts“ seien. Aber es sei eben auch gut, dass sie jetzt da seien, die „Hippies“ vom Schloss, weil man könne denen ja auch nicht das Land überlassen. Das war das Bewundernswerteste und Mutigste, was ich seit langem gehört habe.

Ansonsten? Kann das sein, dass Union Berlin gestern den VFB Stuttgart aus der Bundesliga geworfen hat? Nee, kann nicht sein, oder? Nee, …

28. Mai 2019 von Gerrit
Kategorien: Allgemein | Schreibe einen Kommentar

Wie Deo!

Manche Dinge stinken wirklich zum Himmel, aber dazu später mehr!

Ihr seht, ich bin ein paar Tage abgetaucht. War mit meiner Lebensgefährtin und den beiden großen Jungs eine Woche lang in einer der aufregendsten Städte der Welt: New York. Jetzt bin ich pleite, aber es hat sich gelohnt. Ich will Euch nicht langweilen, und es muss auch nicht immer New York sein, aber zum Abschluss der Kindheit nochmal ein paar Tage mit den fast schon flügge gewordenen Küken an einem außergewöhnlichen Ort zu verbringen, ist ein Geschenk. Zumal ich meinen Sprössling ja auch nicht jeden Tag sehe.

IMG_9611

Wir haben natürlich viel unternommen, aber lustigerweise hat sie, glaube ich, am meisten eine Sache interessiert, die a) umsonst und b) moralisch ein bisschen zweifelhaft ist. Da sich beide für die Justiz interessieren (und ihre Eltern zwei lange TV-Dokus über „das Böse“ gemacht haben), waren wir im „Night Court“, einem öffentlichen Gericht in Manhattan, wo mutmaßliche Straftäter im Viertelstundentakt einer Haftrichterin vorgeführt werden. Hochinteressant. Und tatsächlich teilweise auch sehr dramatisch, weil im Publikum z. B. auch die Schwester oder die junge, schwangere Freundin eines Angeklagten sitzen und zusammenbrechen, wenn die Richterin die Höhe der Kaution bestimmt. Ein anderer Angeklagter, der wegen eines mutmaßlichen sexuellen Übergriffes vor Gericht stand, wurde irgendwann laut und rief, er sei das Opfer, und musste abgeführt werden. Das lässt einen nicht kalt. Für junge Menschen aber vielleicht ganz heilsam: Drogen sind BÄH, und Nein heißt Nein. Man weiß nicht, was noch kommt, aber wir können hier und jetzt zufrieden feststellen, dass die Kinder, ohne größere Tragödien zu produzieren, erwachsen geworden sind. Das ist nicht selbstverständlich, und dafür bin ich sehr dankbar.

IMG_9851Quasi auf dem Rückweg nach Deutschland von dem Strache-Video erfahren. Ohne Worte. Überraschen tut es mich aber nicht. Wenn ich nichts zu tun hätte, würde ich auch mal ein paar andere Typen genauer unter die Lupe nehmen. Man kann diese Art Politiker ja leider nur stoppen, wenn man einen Knüppel findet, den man ihnen zwischen die Beine werfen kann. Die AfD hat in den letzten Tagen bei uns in der Gegend noch mal wild plakatiert und mir kommt jeden Abend die Galle hoch. Ernsthaft. Wut und Trauer, wegen so viel Blödheit auf allen Seiten. Zum Glück gibt es noch genügend Gegenstimmen und andere, gute Impulse, wie dieses tolle, clevere Fritz Kola-Werbebanner, das, glaube ich, mein alter Mitbewohner und sein kreativer Kollege von Rocket & Wink entworfen haben (siehe unten). Man kann nur erahnen, was passiert, wenn bestimmte Leute an die Macht kämen und kritische Stimmen auch hierzulande nach und nach mundtot gemacht würden. Man kann es nur erahnen. Oder ins Ausland gucken. Oder in die Geschichtsbücher. Sonntag wählen gehen! Ernsthaft!

IMG_9856b

21. Mai 2019 von Gerrit
Kategorien: Allgemein | Schreibe einen Kommentar

← Ältere Artikel

Neuere Artikel →