Deutschland im Sommer

Zuerst die schlechte Nachricht: Die AfD plakatiert wieder die ganze Stadt mit einem „Veranstaltungshinweis“: Araber-Clans gegen Deutschland. Kampf der Kulturen! Der Ton verschärft sich. Und er stinkt zum Himmel, weil der Begriff „Kultur“ aus dem Sprachrohr einer Partei wie der AfD natürlich auch gefärbt ist. Also, sagen wir so, ein Beispiel aus der Geschichte: Die Nazis haben es auch als Kulturauftrag angesehen, „entartete“ Kunst zu vernichten.

Jemand, der diese Entwicklungen zurück ins Mittelalter auch sehr literarisch, differenziert und menschlich beobachtet, ist Ferdinand von Schirach. Lese gerade „Kaffee und Zigaretten“. Hat mir meine Freundin geschenkt, weil ich krank war. Und wenn sie als Kind krank war, hat sie auch immer etwas geschenkt bekommen. Bezaubernd. Wo war ich? Ach so, Kaffee und Zigaretten. Tolles Buch, allerdings ganz schön viele Schachtel-Sätze (Haha, wegen Zigaretten, ihr wisst schon). Nein, im Ernst, sehr inspirierend, auch gut für den Feierabend, da die Geschichten immer recht kurz sind. Ein paar Ideen kenne ich bereits aus „Herzlichkeit der Vernunft“, aber das ist auch interessant zu sehen, wie diese Ideen von einem Buch zum nächsten über sich hinaus wachsen. Einen außergewöhnlichen Gedanken, den er zitiert (und nicht als seinen verkauft, was ich sehr sympathisch finde), stammt von William Faulkner, zumindest zur Hälfte, es ist nämlich nicht ganz klar, ob von Schirach das Zitat nur teilt oder ergänzt. Wörtlich heißt es im Buch: Das Vergangene ist nicht tot, schrieb William Faulkner einmal. Es ist nicht einmal vergangen.

Faulkner

Quelle und Buchtipp: Ferdinand von Schirach: Kaffee und Zigaretten, Luchterhand

Gehe seit Dienstag ohne Krücken – und deshalb auch wieder ins Büro. Bin die ersten zwei Tage mit Bus und Bahn gefahren, weil ich dachte, Auto fahren würde noch nicht gehen. Außerdem muss ich nächste Woche eigentlich erst in die Werkstatt. Dann haben mich die kurzen Fußwege aber so geschlaucht, dass ich beschlossen habe, jetzt wieder mit dem Auto zu fahren.

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Das ist kein Foto-Trick …

Lustigerweise kam an dem Tag, an dem ich das erste Mal ohne Krücken und ein bisschen schwerfällig ins Büro gerumpelt kam, draußen vor dem Fenster eine alte Bekannte zu Besuch: eine einbeinige Krähe, die wir hier schon ein paarmal beobachtet haben. Das hat wirklich mein Herz gerührt. Bin kurz davor, Futter zu streuen, wenn es jetzt kälter wird.

Meine Lebensgefährtin kauft aus Gewohnheit immer die BUNTE (obwohl sie sich jedesmal wieder fragt, warum sie da eigentlich tut). Es ist ja auch nichts dagegen einzuwenden, ein bisschen Promi-Klatsch & Tratsch unter die Leute zu bringen. Und ich habe auch nichts gegen unterhaltsame Spekulationen, wenn es nicht fies und unwürdig wird. Aber ich habe den Eindruck, die BUNTE verliert da ein wenig das Augenmaß. Manche Untertitel haben wirklich BILD-Niveau. Und ich an, nicht einmal die BUNTE versteht das als Kompliment.

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Und das ist noch harmlos …

Ansonsten? Hatten die Alphabeten am Dienstagabend Karen Köhler zu Gast. Wurde ein langes Gespräch, sehr lustig, sehr klug, hinten raus auch ein bisschen emotional, alles in allem ein nahezu legendärer Abend. Hoffe, das vermittelt sich später auch in der Sendung.

Und? Habe meine Söhne nach fast 5 Wochen wieder gesehen. Gleich am ersten Arbeitstag kam mein ältester Sohn mittags zum Essen in die Kantine, morgen kommt der Jüngste zu uns nach Hause und bleibt über Nacht. Schön. Das Leben geht weiter, natürlich, wie sollte es auch anders gehen? Es macht keinen Sinn, sich ständig zu fragen, wo die Jahre geblieben sind. Und warum alles so schnell geht. Das Vergangene lebt. Es überlebt uns sogar. Morgen oder Übermorgen.

16. August 2019 von Gerrit
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