Weg damit

R.I.P. Vergangenheit

R.I.P. Vergangenheit

Habe die letzten Krankentage genutzt, um ein bisschen zu entrümpeln. Habe also das gemacht, was man eigentlich nicht machen sollte, wenn man sich alt und krank fühlt, nämlich in den Requisiten seiner Kindheit und Jugend zu wühlen. Dabei ist natürlich einiges zum Vorschein gekommen: Kontoauszüge meines ersten Girokontos, der erste Dauerauftrag, Taschengeld von meiner Mutter, fünf Mark im Monat, später acht, in der Oberstufe mehr, da habe ich aber auch schon selber gearbeitet (die Quittungen habe ich auch noch gefunden), für eine Gebäudereinigungsfirma und ein Betonwerk, später als Roadie und DJ. Und erste Gehversuche als Journalist.

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Da wollte wohl jemand Comiczeichner werden

Außerdem mein Taufbesteck, jede Menge Schulhefte aus der siebten Klasse, Deutschaufsätze aus der zehnten und Matheaufgaben aus der Mittelstufe, die ich heute überhaupt nicht mehr verstehe.
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Und alte Bücher, das Jahrbuch meiner Highschool in Amerika, mein Trainingsheft aus meiner Leistungssport-Phase als Mittelstreckenläufer, inklusive Marschtabelle meines Vaters für eine Zeit unter 16 Minuten auf 5000 Meter. So schnell war ich allerdings nie …

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Und natürlich auch die großen „Werke“, die das Ende meiner Unschuld eingeläutet haben: die Doktorarbeit und mein erster Romanentwurf. Als ich diese dicken Wälzer in den Händen hielt und mich erinnerte, dass ich damals ja schon drauf und dran war, zum ersten Mal Vater zu werden, dachte ich plötzlich, dass es eigentlich ein Wunder ist, wie ich das alles damals geschafft habe. Vielleicht dazu demnächst mehr, werde da, glaube ich, mal wieder einen Blick reinwerfen. Wobei mir immer Karl Lagerfelds Worte in den Ohren klingeln, dass er (seine) Archive immer gehasst und nie einen Blick zurück verschwendet habe. Eigentlich gut.

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Nebenbei auch ein Glas und eine Tasse wiedergefunden, die mir ein guter Freund geschenkt hat, nachdem wir 1997 eine kurze Zeit gemeinsam in Dänemark verbracht haben. Ich habe sie gestern gefunden und heute, einen Tag später, habe ich zufälligerweise ein Brief von ihm bekommen. Mit einer sehr traurigen Nachricht: Sein Vater ist gestorben. Das hat mich sehr berührt. Vielleicht, weil ich auch zwei Tage im Gestern unterwegs war. Warum manchmal Dinge passieren oder sich tiefe Eindrücke bilden wie im Inneren eines Wirbelsturms, während andere Tage wie kleine Wölkchen vor sich hin schweben, wird mir immer ein Rätsel bleiben.

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Bin, was meine Schulsachen und Klassenarbeiten angeht, ein bisschen überrascht, wie ordentlich ich damals geschrieben habe. Ich weiß, dass ich dieses Schönschreiben mit meinem Vater üben musste, und ich war nicht der größte Fan davon – sicher eine der Sachen, für die man, um sie zu schätzen, älter werden musste. Es ist eigentlich schade, dass man heutzutage kaum noch mit der Hand schreibt. Es ist natürlich auch leichter, Notizen wie diese einfach in sein Smartphone zu sprechen, anstatt sie erst mit der Hand zu schreiben und dann noch einmal abzutippen. Vielleicht sollte ich mal diese digitalen Stifte ausprobieren. Habe überhaupt keinen Schimmer, wie sich das anfühlt …

08. August 2019 von Gerrit
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