{"id":5179,"date":"2017-02-27T16:28:33","date_gmt":"2017-02-27T16:28:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.anders-blog.de\/?p=5179"},"modified":"2017-02-27T16:28:33","modified_gmt":"2017-02-27T16:28:33","slug":"lieber-zuhoerer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.anders-blog.de\/?p=5179","title":{"rendered":"Lieber Zuh\u00f6rer"},"content":{"rendered":"<p>Muss mich seit letzter Woche mit dem Thema &#8222;Amok&#8220; auseinandersetzen. Hab auch ein kleines Dossier zur Lekt\u00fcre bekommen und fand das tats\u00e4chlich sehr interessant. Vielleicht habe ich zum Thema Amok allerdings jetzt auch einen anderen Zugang, weil meine S\u00f6hne nun selbst in dem Alter sind, in dem Jugendliche oder junge M\u00e4nner typischerweise zu T\u00e4tern werden.<\/p>\n<p>Die Kernfrage der Forschung lautet: Gibt es fr\u00fche Warnsignale, die Eltern, Lehrer oder Freunde im Umgang mit potentiellen T\u00e4tern erkennen k\u00f6nnen? Kurz gesagt: Kann man einen Amoklauf verhindern?<\/p>\n<p>Gerade die Rolle und die Verantwortung der Eltern wird in diesem Zusammenhang kritisch beleuchtet. Und auch ich frage mich als Vater: Wie meistert man die Gratwanderung zwischen &#8222;langer Leine&#8220; und &#8222;Supervision&#8220;?<\/p>\n<p>Sue Klebold, die Mutter von Dylan Klebold, einem der beiden T\u00e4ter des Columbine High School-Attentats, sagte in einem Interview mit der S\u00fcddeutschen Jahre sp\u00e4ter ein paar Worte, die ich mir ziemlich zu Herzen genommen habe: <em>\u201eIch wusste fr\u00fcher nicht, wie man zuh\u00f6rt. Ich dachte, ich w\u00fcrde zuh\u00f6ren, aber in Wahrheit tat ich es nicht. Ich kann mich daran erinnern, dass ich als Kind meiner Mutter vorweinte, wie h\u00e4sslich ich sei und dass mich niemand m\u00f6ge. Worauf sie sagte: `Aber ich mag dich doch.\u00b4 Es war sicher nett von ihr gemeint, aber auch das ist nicht zuh\u00f6ren.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Der K\u00f6lner Psychotherapeut Stephan Potting erz\u00e4hlt (ebenfalls in einem SZ-Interview), Eltern von T\u00e4tern h\u00e4tten h\u00e4ufig die Beziehung zu ihren Kindern vermieden und dar\u00fcber den Kontakt zu ihnen verloren. Er rate Eltern daher, <em>\u201eden Kontakt zu ritualisieren\u201c<\/em>, z. B. durch gemeinsames Abendessen, gemeinsame Gespr\u00e4che und Begrenzung des Medienkonsums. Den daraus entstehenden \u00c4rger mit dem pubertierenden Nachwuchs empfindet er als <em>\u201esinnvoll\u201c<\/em>. Hochinteressant. Lieber ab und an in die Konfrontation gehen als gar nicht miteinander reden.<\/p>\n<p>Die Rolle der Medien ist nat\u00fcrlich auch interessant. Wie muss man ein solches Geschehen medial aufbereiten? Es gibt mittlerweile einen Verhaltenskodex, wie man in Deutschland \u00fcber Amokl\u00e4ufe berichten soll: den T\u00e4ter pixeln, m\u00f6glichst wenig Details \u2013 damit der T\u00e4ter nicht zum &#8222;Helden&#8220; bzw. zur Identifikationsfigur wird und noch mehr Nachahmer findet.<\/p>\n<figure id=\"attachment_5181\" aria-describedby=\"caption-attachment-5181\" style=\"width: 225px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.anders-blog.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/IMG_3697-e1488212716504.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-5181\" src=\"https:\/\/www.anders-blog.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/IMG_3697-e1488212716504-225x300.jpg\" alt=\"Wann ist ein Bild ...\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.anders-blog.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/IMG_3697-e1488212716504-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.anders-blog.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/IMG_3697-e1488212716504.jpg 480w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-5181\" class=\"wp-caption-text\">Wann ist ein Bild &#8230;<\/figcaption><\/figure>\n<figure id=\"attachment_5180\" aria-describedby=\"caption-attachment-5180\" style=\"width: 225px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.anders-blog.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/FullSizeRender.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-5180\" src=\"https:\/\/www.anders-blog.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/FullSizeRender-225x300.jpg\" alt=\"... ein Bild von sich?\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.anders-blog.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/FullSizeRender-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.anders-blog.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/FullSizeRender.jpg 480w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-5180\" class=\"wp-caption-text\">&#8230; ein Bild von sich?<\/figcaption><\/figure>\n<p>Ich habe einem Protagonisten in meinem zweiten Roman \u201eKunststoff\u201c damals einen Satz in die Feder diktiert: &#8222;Amok ist umgedrehtes Koma.&#8220; Ich dachte damals, das w\u00e4re superoriginell, bis mir ein Kollege erz\u00e4hlte, so \u00e4hnlich h\u00e4tte die Punkband &#8222;Abw\u00e4rts&#8220; schon in den Achtzigern eine Platte betitelt. Jetzt habe ich gelesen, dass das in Winnenden das Passwort f\u00fcr den schlimmstm\u00f6glichen Fall war. Als die Katastrophe ihren Lauf nahm, rief der Rektor: &#8222;Frau Koma kommt!&#8220;<\/p>\n<p>Ich habe mir auf jeden Fall vorgenommen, wieder besser zuzuh\u00f6ren. Generell. Weil es das soziale Miteinander f\u00f6rdert. Und sich der Andere besser f\u00fchlt. Ganz einfach.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Muss mich seit letzter Woche mit dem Thema &#8222;Amok&#8220; auseinandersetzen. Hab auch ein kleines Dossier zur Lekt\u00fcre bekommen und fand das tats\u00e4chlich sehr interessant. 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