Moment, Aufnahme!

HDlmSufmsadS

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Manchmal braucht man keine formale Bestätigung darüber, ob man es im Leben „geschafft“ hat, also keinen Fernseh- oder Literaturpreis oder gar einen Blick auf das Bankkonto. Manchmal reicht es, am Freitag einen Blick zurück auf die Woche zu werfen und erstaunt festzustellen, wie bunt das Leben sein kann, und wie wohltuend, einfach nur der Typ zu sein, der man ist, in dem Leben, das man führt. Ganz unaufgeregt (Was nicht heißt, dass es nicht auch mal wieder Rückschläge geben wird, aber es geht ja im Leben auch darum, die gute Momentaufnahme mal abzuspielen …).

Ich brauchte tatsächlich ein paar Tage, um mich von den Drehreise-Strapazen zu erholen, aber dann ging es – ganz easy – Schlag auf Schlag. Am Montag haben meine Lebensgefährtin und ich es endlich zum Standesamt geschafft, zwar erstmal nur zur Anmeldung, aber ich fand das schon aufregend genug, auf eine gute Art, wohlgemerkt, und ich empfinde es als großes Geschenk, dass man sich über diesen Schritt freuen, aufgeregt und gespannt sein kann, obwohl wir jetzt schon fast 12 Jahre zusammen sind. Danke dafür, Süße!

Am Dienstag habe ich angefangen, die Eindrücke meines Kolumbiendrehs zu einem so genannten „Mood-Tape“ zusammenzuschneiden. Der Sender wollte was sehen, wie die Protagonisten funktionieren, wie die Bilderwelten aussehen, das ist üblich, aber auch ein bisschen stressig, weil davon tatsächlich einiges abhängt. Lange Rede, kurzer Sinn: Habe es selbst vorgeschnitten, gestern Mittag meinem Chef gezeigt, der hat es an den Sender weitergeleitet, und gestern Abend kam das Feedback aus Mainz: die Verantwortlichen dort waren begeistert!

Ich erhielt die Nachricht gerade, als ich mich in einem weiteren Meeting befand, und zwar in der Agentur meines ersten Hamburger Mitbewohners, Rocket & Wink, zwei superkreative Typen, die gerne eine ausgefallene Doku über sich machen würden und mich gefragt haben, ob ich Regie führen könne. Kann ich natürlich nicht so einfach, ohne zu kündigen, aber allein die Tatsache, dass diese kreativen Typen mich fragen, ob ich mir das vorstellen könne, ist der Hammer!

Nein, ich musste keine Frau sprechen! Fand nur das Bild so schön.

Nein, ich musste keine Frau sprechen! Fand nur das Bild so schön.

Davor habe ich kurz einer Kollegin geholfen, die beim Vertonen einer fremdsprachigen Doku noch einen Synchronsprecher brauchte, für eine tragende Figur, einen Koch, das war richtig viel, aber es hat total Spaß gemacht. Ich meine, ich hab das nicht gelernt, aber durch die vielen Lesungen und das Dialoge lesen und schreiben, verfüge ich da mittlerweile über eine ambitionierte Laien-Kompetenz, die offenbar dem Zuschauer zumutbar ist ;-)

Und es hört nicht auf: In diesem Augenblick (ich habe mir einen halben Tag frei genommen) sitze ich hinter meinem Alphabeten-Kollegen Sebastian Stuertz, der sich zwischen all seinen Buch-Release-Terminen Zeit freigeschaufelt und mich angefunkt hat, damit wir die nächste Podcast-Folge auf den Weg bringen: unser Interview mit dem Hamburger Autoren Frank Berzbach, der mir (als Experte für kreatives Leben) sicher attestieren würde, dass es mir im Moment gelingt, besonnen, kreativ und inspiriert die Tage zu gestalten. Leider streikt gerade die Technik – Mist (da ist er schon, der nächste Rückschlag!).

Gewöhn´ Dich dran, Junge!

Gewöhn´ Dich dran, Junge!

Und heute Abend kommt meine kleine Schwester, um mit uns ihren Geburtstag zu feiern. Wir schenken ihr das tolle Romandebut von Sebastian – mit Widmung, versteht sich. Und danach gehen wir alle essen. Das wird schön. Und lustig. Mein Ziehsohn wird sich herrlich für uns schämen – und dann mitlachen.

In diesem Sinne – lacht Euch an! Und alle Hamburger am Sonntag die richtige Wahl treffen, bitte! Es lebe die Demokratie!

Schönes Wochenende!

21. Februar 2020 von Gerrit
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Hauptsache: Nebenrolle!

Puh, bin zwar platt, habe aber den Jetlag, glaube ich, überlistet!

Der einzige Vorteil auf den langen Flügen ist ja, dass man ein paar Filme gucken kann, die man im Kino verpasst hat. Wobei ich es auch einfach nicht mehr oft ins Kino schaffe, weil ich, wenn ich nicht arbeite, trommele, Fußball oder Podcaster spiele, gerne auch mal zuhause bin. Egal, habe jedenfalls u.a. Rocketman geguckt, diesen Elton John-Film, weil mich Musik fasziniert. Deswegen muss ich unbedingt auch noch den Lindenberg-Film gucken.

Um es kurz zu machen: der Film Rocketman ist gut. Nicht so gut wie Bohemian Rhapsody, aber gut. Schön gedreht, schöne Musik, gute Schauspieler, und selbst die Musical-Elemente gehen einem nicht auf die Eier. Ein bisschen deprimierend fand ich die Schilderung des Vater-Sohn-Verhältnisses, das ging mir nahe, man kann sich gar nicht vorstellen, dass es Väter gibt, die so sind. Aber vermutlich geht es sogar noch schlimmer …

Eine Szene hat mir besonders viel Freude bereitet, und die möchte ich gerne hier und heute mit Euch teilen. Sie ist deswegen so großartig, weil der Song gut ist, der Entstehungszusammenhang kurios, die Dramaturgie des Entstehungsprozesses leicht, aber spannend und die Schauspielerleistung grandios – vor allem von Jamie Bell, der Eltons Texter-Freund Bernie Taupin spielt.

Meines Erachtens spielt Bell seine Nebenrolle in dieser Szene noch eindrücklicher als Taron Egerton den Part des genialen Komponisten, der diesen Welthit Your Song mal eben nach dem Frühstück scheinbar mühelos aus dem Ärmel schüttelt. Das ist in der Tat toll inszeniert, weil Egerton/John eben sehr wohl hier und da kurz nach den richtigen Harmonien sucht, aber dennoch zugleich deutlich wird, wie unfassbar inspiriert er in diesem Moment gewesen sein muss. Und sein Texter-Freund hört das auch, oben im Badezimmer. Er will sich eigentlich rasieren, hört aber die ersten Takte von unten und weiß sofort, dass gerade etwas Magisches passiert (ca. bei Min. 0.20). Und dieses wunderbare Mischung aus Überraschung, Ungläubigkeit, Freude und einer ahnungsvollen Gewissheit, dass das, was er da gerade hört, ihr Leben verändern wird, drückt Jamie Bells Mimik so wahnsinnig gut aus, dass man selbst ganz verzaubert ist (z.B. bei Min. 0.53). Das Ganze gipfelt in dem einen Moment bei ca. Min. 1:20 ff. Egerton/John singt die Zeile: „This one is for you.“ Er widmet diesen Song in dem Moment des Entstehens seinem Texter-Freund, den er auf eine (bloß) platonische Weise zu lieben gezwungen ist, und haut diesen damit völlig aus den Latschen, was Bells/Taupins Reaktion sofort bestätigt. Der ganze Respekt, die ganze Liebe und Zuneigung zwischen den beiden nimmt plötzlich Formen an. Eine kleine Szene, aber ganz großes Kino! Wenn das auch nur annähernd damals wirklich so passiert ist, können sich die beiden Künstler sehr glücklich schätzen, so etwas gemeinsam erlebt zu haben.

 

13. Februar 2020 von Gerrit
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By roh

Über den Wolken ist der Sturm bloß ein Blau ...

Über den Wolken ist der Sturm bloß ein Blau …

Gestern Abend heile in Hamburg gelandet. War immer noch ziemlich windig, habe es nach Ewigkeiten mal wieder erlebt, dass die Passagiere nach der Landung geklatscht haben. War doch allen ein bisschen mulmig zumute. Meine Freundin hatte mir vor Abflug auch noch von einer Maschine erzählt, die einen oder zwei Tage zuvor in Amsterdam landen wollte, es mehrfach erfolglos versuchte und dann wieder nach Spanien zurückflog. Das möchte niemand.

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Kolumbien war jedenfalls eine Erfahrung. Ich darf ja nicht zuviel verraten, aber: tolle Landschaften, tolle Protagonisten, tolles Team. Ich habe mir auch Mühe gegeben, ruhig und besonnen Regie zu führen, und wenn wir improvisieren mussten, stets die richtigen Entscheidungen zu treffen. Ob es geglückt ist, sieht man hinterher im Schnitt, ich habe aber deswegen keine schlaflosen Nächte. Höchstens wegen der Zeitumstellung. Versuche, den Jetlag zu überlisten. Bin gestern standhaft wach geblieben, dann abends um 11 ins Bett und heute morgen um 08:30 wieder hoch. Bin nun zwar ein bisschen platt, aber vielleicht klappt es ja. Mal sehen.

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Ein tolles Team!

Was hängengeblieben ist, ist die Tatsache, wie gut es uns geht. Wie strukturiert und frei zugleich Deutschland ist (zumindest noch, die AfD raubt mir natürlich den letzten Nerv). Wie gut versorgt wir sind. Das Standard-Essen in alIMG_1401len kolumbianischen Restaurants war Chicken, Beans & Rice. Und als Vorspeise eine Suppe mit z.T. recht grober Fleischbeilage (s. Foto). War aber in Ordnung. Und wie sauber es bei uns ist. Was wiederum kein Wunder ist, der ganze Müll liegt ja auch woanders. Ich war jedenfalls nachträglich sehr stolz auf meinen jüngsten Sohn, weil der sich aktuell sehr für Umwelt- und Klimaschutz engagiert. Das könnte im Alter auch ein Hobby von mir werden. Umweltschutz und irgendeine Art von Entwicklungshilfe. Wobei das ja immer ein zweischneidiges Schwert ist.

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Ein Fußballplatz für 11Freunde-Ästheten

Wir haben z.B. diesmal mit den Kogi gedreht, das ist einer von drei Stämmen in Kolumbien, die man als „indigene Bevölkerung“ bezeichnen könnte. Und die versuchen, ihre Traditionen und die Natur zu schützen, werden aber natürlich auch von der (so genannten) „Zivilisation“ beeinflusst. Deswegen leben sie u.a. in dem Müll, den wir produziert haben. Und verfallen zum Teil den Mechanismen, denen wir längst verfallen sind. Um ihr Leben und ihre Botschaft zu transportieren, haben wir sie besucht. Aber natürlich ist der Besuch eines Kamerateams genau das, was die Nachkommen der Kogi möglicherweise dazu verleitet, ihr ursprüngliches Leben zu hinterfragen. Obwohl das natürlich schade ist. Der Anblick der Kinder, als wir die Drohne haben fliegen lassen, war jedenfalls ein denkwürdiges Erlebnis.

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Gewohnt haben wir übrigens in einem einfachen, aber völlig ausreichenden Hostel in Palmor, wiederum einem interessanten Gebirgsdorf, wo die Bauern der umliegenden Kaffeeplantagen auf Mulis ihre Säcke mit den Bohnen hinbringen. Alles ein bisschen rudimentär, aber der offene Wohn- und Essbereich des Hostels war sehr inspirierend für meine Resthof-Pläne! Aber, keine Sorge, ich kaufe mir keine Papageien. Obwohl, …

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Ansonsten waren wir auf einer Kaffeeplantage im Hochgebirge, ziemlich Off-Road-mäßig mit den Autos unterwegs (jaja, auch ein zweifelhaftes Vergnügen) und was bei allem Stress doch auch wieder schön war, war einfach das kreative Arbeiten mit dem Kamerateam. So ein Abenteuer in der Ferne schweißt zusammen, das ist einfach so – sicher eine der schönsten Seiten meines Jobs. Und jetzt bin ich wieder hier. Gestern in bezaubernder Weise von meiner Liebsten abgeholt und empfangen worden – und gleich geht´s zum Training! Wetter ist zwar scheiße, aber der Sturm macht Pause. Zum Glück, dachte schon der Platz wäre gesperrt. Die Jungs freuen sich auch – UND sind lustig …

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12. Februar 2020 von Gerrit
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Work and travel

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Vier Uhr morgens am Flughafen.  Die Pflicht ruft. Kolumbien. Bin gespannt, nervös, freue mich aber auch auf ein Land, das ich noch nicht kenne. Wäre natürlich toll, sowas mit mehr Muße und im Idealfall sogar mit meiner Partnerin zu machen. Vor allem, wenn man jetzt dahin fährt, um Menschen zu porträtieren, die genau das machen: so ein Land gemeinsam und in Ruhe bereisen. Ich versuche, von unterwegs ein paar Eindrücke zu schildern. Muss jetzt los.

02. Februar 2020 von Gerrit
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Annoyes Jahr

Jaja, ich weiß – am 28. November war der letzte Eintrag. Und dann? Was ist passiert? Schwer zu sagen. Zunächst einmal habe ich mir zwei Tage später tatsächlich wieder die Bänder gerissen. Wieder beim Fußball. Diesmal links. War aber nicht ganz so schlimm wie im Sommer. Kein Gips. Und nach zwei Wochen konnte ich schon wieder normal gehen. Trotzdem nervig!

Das Verrückte war, dass ich eigentlich gerade meinen Resturlaub für den stornierten Sommerurlaub nehmen wollte, als das passierte. Hab mich natürlich nicht krank gemeldet, um die Dinge nicht zu verkomplizieren. Und die Zeit – trotz Familie, Weihnachten und Geburtstag – gut genutzt. Wieder ein bisschen geschrieben. Also, meine Idee, die ich vor einem Jahr begonnen habe umzusetzen, weiter überarbeitet. Ob es was ist? Verglichen mit all dem, was ich in dem letzten Jahr allein von unseren Podcast-Gästen gelesen habe, würde ich sagen: Ja, schon. Merke halt, dass man Zeit braucht, um zu schreiben. Es geht nicht zwischen Tür und Angel.

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Immer noch beim Spiegel … und noch nicht im Container. Heft-ig!

Es passiert so viel. So schnell. Ich würde gerne meine Eltern fragen, ob das früher auch so war. Dass die ältesten Kinder plötzlich im Abi-Stress sind, obwohl man ihnen gestern noch das Schulbrot geschmiert hat. Und der Jüngste weilt im Ausland, in Afrika, für 4 Monate. Und man selbst ist ständig steif und unbeweglich und schnell aus der Puste. Und schwach auf den Augen, wenn es ums Lesen geht. Aber über den Tellerrand kann man gerade noch hinausschauen.

IMG_1273Andererseits wird man auch ruhiger. Wechselt selbständig die Glühbirnen am Auto (Nummernschild-Beleuchtung), ohne in Panik zu verfallen, dass man in die Werkstatt muss oder von der Polizei angehalten wird. Angehalten werden – ein schönes Teekesselchen. Gibt es das noch: Teekesselchen? Ach, die einbeinige Krähe ist immer noch da. Auch im neuen Jahr. Beruhigend. Fast ein bisschen rührend. Wie zäh die ist. Dafür ist JIMG_1279an Fedder nicht mehr da, und der NDR macht einfach weiter. Muss er ja auch. The Show musst go on.

Ansonsten? Freunde melden sich, das ist schön. Freundin will mich noch, das ist auch schön. Sehr schön sogar. Man bekommt interessante Anfragen, weil man schon so lange durchhält. Erfreut sich an gut gemachten Radio-Features nachts auf der Autobahn und fragt sich, was passiert, wenn es das alles nicht mehr gibt. Wenn sich die Menschen keine Mühe mehr geben, etwas Gutes zu tun. Einen moralisch einwandfreien, wertvollen Beitrag zu leisten. Diese AfD-Plakate machen mich krank. Die Typen da drauf! Warum gibt es keine Eignungs- oder Gesinnungstests für Politiker? Für jeden Job braucht man eine Art Qualifikation, nur nicht als Politiker. Und als Makler!

Also, ich werde wieder öfter von mir hören lassen. Auf allen Kanälen. Es sei denn, ich werde nächste Woche im kolumbianischen Hochland von einem tollwütigen Hund gebissen. Dann wird es eng. War nämlich heute zur Impfberatung. Leider zu spät für Tollwut und Typhus. Also, Wasser nur aus Glasflaschen – und die als Schlagstock verwenden, wenn die wilden Hunde kommen.

27. Januar 2020 von Gerrit
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Old school

Da bin ich doch heute Abend mal wieder regelrecht gezwungen zu bloggen. Denn: Mein Rechner rechnet gerade noch einen Vorschnitt heraus, den ich in den letzten Tagen nebenbei angefertigt habe. Habe leider die aufwändige Export-Option gewählt, jetzt rechnet er und rechnet und wird vor allen Dingen ziemlich heiß – hoffentlich geht er nicht kaputt.

Viel passiert in den letzten Tagen, komme ich nicht so richtig nach mit dem Bloggen, dabei gäbe es genug zu erzählen. Habe heute mit meinem Kollegen eine Producerin in Kolumbien angerufen, weil ich im Februar in dem Küstengebirge da drehen muss, in der Sierra Nevada de Santa Marta. das wird sicher interessant.

In den letzten Tagen hatten wir Abnahme mit unserer arte-Doku über das Böse. Ist immer ein Prozess. Aber bis auf ein paar kleine Änderungen lief alles gut, nächste Woche wird vertont und das Sendeband gebaut. Bin sehr stolz auf meine bessere Hälfte, weil sie einen so guten Job gemacht hat.

Aber auch sonst läuft alles ganz reibungslos. Unsere Seniorentruppe punktet wieder, 7 Punkte aus den letzten drei Spielen, wenn wir so weiter machen, haben wir pünktlich zur Weihnachtsfeier die rote Laterne abgegeben. Und mein Knöchel hält auch, komme immer besser in Form. Und merke auch, wie wichtig dieses Team für mein Wohlbefinden ist.

Auch die Söhne machen allesamt Freude. Aktuell sorgen sich alle ein wenig um die Zukunft, zumindest machen sie sich Gedanken. Ich denke auch in letzter Zeit oft an früher. Vielleicht weil sie jetzt in diesem Alter sind, in dem man anfängt, das Leben mit anderen Augen zu sehen. Vielleicht auch, weil ich vor kurzem bei meiner Mutter in alten Fotos gewühlt und meine Schultasche von damals wiedergefunden habe. Benutze sie jetzt sogar fürs Büro, weil meine Laptop-Tasche kaputt ist. Also, wie gesagt, vielleicht kommt da Einiges zusammen, jedenfalls habe ich vor ein paar Tagen eine kleine Korrespondenz in unserem ehemaligen-Abi-Chat begonnen, auf der Suche nach unserem tollen Abi-Film, den damals ein Mitschüler in liebevoller Kleinarbeit gemacht hat. Prompt hat eine andere Mitschülerin den Film am nächsten Morgen in drei Teilen hochgeladen. Hammer! Ich habe nach dem Download mal kurz reingeschaut – und was sehe ich als Erstes?

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Meine alte Schultasche. Habe sie mir damals beim Reinging in die Schule aus Spaß vors Gesicht gehalten, um nicht gefilmt zu werden. Damals hatte die Tasche ihren großen Auftritt – und jetzt wieder. Der alte Verdancy-Aufkleber (unser Bandname) hält übrigens immer noch. Genauso wie unsere Musik:

28. November 2019 von Gerrit
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Waldmeister

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Meine Mutter räumt gerade den Dachboden auf und ist dabei auf unzählige Fotokisten gestoßen. Nun fotografiert sie ab und an sehr skurrile Schnappschüsse mit dem Handy ab und postet sie im Familien-Chat. Heute war eines von mir dabei, ich kann mich sehr genau an den Tag erinnern, an dem das Foto gemacht wurde. Es war im Frühjahr 1987, der Tag der Waldlauf-Kreismeisterschaften. Die Distanz: 2400 Meter. Mein Teamkollege Michael M. und ich liefen mit dem Startschuss von der Spitze weg, mit großem Vorsprung vor dem Rest des Feldes und wollten eigentlich ganz kameradschaftlich zu zweit durchs Ziel. Kurz vor der Ziellinie rief einer der Kampfrichter, es könne nur einen Sieger geben, woraufhin Michael einen Moment lang zögerte und mir dann den Vortritt ließ. Das werde ich (ihm) nie vergessen.

Es war mein erster und einziger Titel und vielleicht hatte ich ihn auch verdient. 1986 gehörte ich in meiner Altersklasse zur absoluten Spitze in Nordrhein-Westfalen, trainierte gut, manchmal zweimal am Tag, ohne Verletzungen. Vor allem aber war der körperliche Unterschied zu den anderen Athleten meines Alters noch nicht so groß wie im Folgejahr. Das Problem bei der Leichtathletik war für mich, dass die Klassen nach Jahrgang eingeteilt wurden, was bedeutete, dass ich, geboren im Dezember 1973, zum Teil gegen Konkurrenten lief, die fast ein Jahr älter waren, weil sie im Januar oder Februar Geburtstag hatten. Obendrein war ich – rein körperlich – ohnehin ein ziemlicher Spätzünder. Das hatte ich ganz gut im Griff, weil ich so fleißig trainierte – bis eben zum Frühjahr 1987. Da gewann ich erst den renommierten Crosslauf beim ESV Münster und fuhr gewissermaßen als Favorit zu den Kreismeisterschaften. Und auch das Meisterschaftsrennen bestritt ich – an der Seite meines Teamkollegen Michael – von der Spitze weg.

Heute würde ich sagen, das war damals eine große Geste von ihm als 13-Jähriger, mir den Vortritt zu lassen. Ich meine, es war ein Schlüsselrennen. Vermutlich hätte ich ihn an jenem Tag im Endspurt noch einmal niederringen können, aber faktisch war es das letzte Mal, dass ich vor ihm im Ziel landete. Danach ging es abwärts und ehemals langsamere Athleten machten einen Schuss und liefen mir plötzlich davon.

Wobei – nicht ganz richtig: Jahre später ließ ich Michael bei einem 10 km Stadtlauf in Greven noch einmal hinter mir, weil er mit riesigen Blasen an den Füßen aussteigen musste. Aber anders als die Meisterschaft fühlte sich der Sieg nicht wie einer an.

13. November 2019 von Gerrit
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Im Schnelldurchlauf

geht’s weiter.

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Und zwischendrin Versuche innezuhalten und einmal festzustellen, dass das Leben schön, aber ziemlich voll ist. Aber in diesen Tagen sieht man immerhin Ergebnisse und Zwischenstände und am Ende mit Freude, dass man vorne liegt, in diesem Spiel des Lebens …

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Tolle Tage mit dem Ältesten im Norden gehabt. Angeln und Filme gucken. Es war ein bisschen wie in dem Buch „Film Club“, das ich vor einiger Zeit mal an dieser Stelle empfohlen habe. Konnte ihm Pulp Fiction und 12 Monkeys nahelegen. Er war ganz erstaunt, dass Bruce Willis und Brad Pitt wirklich gute Schauspieler sind. Und „Joker“ haben wir gesehen in einem kleinen Kino in Schleswig, mit zwei(!) anderen Zuschauern. Diese Zeit der uneingeschränkten Aufmerksamkeit ist einfach sehr wertvoll, und (Achtung, Insiderwissen!) wer weiß, vielleicht guckt er sich demnächst auf YouTube sogar mal den Kurzfilm an, der die Inspiration für 12 Monkeys war …

Apropos Film: Meine Lebensgefährtin hat einen tollen Job gemacht. Unsere Wissenschaftsdokumentation für arte über das Böse, die uns die letzten Wochen in Atem gehalten hat, ist fast fertig. Habe es diesmal auch geschafft, mich rechtzeitig um ein Grafikpaket zu kümmern, sodass das ganze Programm gut daherkommt.

Und? Wir haben mit den Senioren gestern unsere ersten Verbandsliga-Punkte geholt. Jetzt geht’s aufwärts … und gleich mit Jüngsten zu dessen Fußball-Spiel. Da wird auf jeden Fall der neue Klappstuhl zum Einsatz kommen, den ich mir anlässlich des Angelurlaubes letzte Woche bei Angel Joe in Flensburg gegönnt habe …

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Ansonsten? Muss man sagen, manchmal stimmt das: Was lange währt, wird endlich gut. Vor einiger Zeit war die großartige Autorin Anke Stelling bei den Alphabeten zu Gast. Jetzt ist das Interview online. Ich würde sagen: Pflichtprogramm für alle Literaturfans. Insgesamt zwei Folgen, die erste kommt sofort:

10. November 2019 von Gerrit
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Liebe Erklärung,

Erste Woche Schnitt hinter uns, die Wissenschaftsdokumentation über „Das Böse“ für arte. Eigentlich ein tolles Projekt, wenn nicht wieder alles zeitlich so eng wäre. Auch wenn es großen Spaß macht, nach Jahren mal wieder gemeinsam mit meiner Freundin einen Film zu machen. Aber es ist doch ein komplexes Thema. Es gibt natürlich auch tausendundeine Möglichkeiten, den Film zu montieren. Und in der Kürze der Zeit diese ganzen Wissenschaftsinterviews durchackern und zeitgleich im Prinzip die besten O-Töne zu identifizieren und nebenbei noch Ideen für eine passende Bildsprache zu entwickeln … da kann man sich leicht drin verlieren. Wenn man dann nicht aufpasst, kommt man den ganzen Tag nicht raus.

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Habe daher am Wochenende die Gelegenheit genutzt, mit zu unserem Pferd zu gehen. Ich liebe das ja, diesen Stallgeruch, den heißen Atem der Tiere, dieses blinde Vertrauen, die guten Vibes. Vielleicht habe ich dieses Bauern-Gen tatsächlich von meinem Vater, keine Ahnung, aber als ich da im Heu saß und dem Pferd beim Fressen zugeschaut habe, dachte ich plötzlich, dass es für Maria und Josef vielleicht gar nicht die schlechteste Option war, ihr Kind in einem Stall zu bekommen. Besser jedenfalls als in so einer blöden Herberge mit nervigen Herbergseltern, nervigen, anderen Familien, betrunkenen Jugendlichen und Hagebutten-Tee zum Frühstück ;-)

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Vor ein paar Tagen auf dem Nachhauseweg im Radio ein Bettina Wegner-Feature auf NDR Kultur gehört. Großartig. Tolle Künstlerin, tolle Songs, Wahnsinnsgeschichte. Da sind die Gebühren richtig angelegt, kann ich nur sagen … und was für ein Scheiß-System, die DDR mit dieser Stasi-Kacke, unfassbar. Nie wieder Nazis! Nie wieder Stasi! Einfach nur von kompetenten Leuten regiert und bezaubernden Menschen geliebt werden. Warum ist da so schwer? Wobei, was Letzteres betrifft, kann ich mich nicht beschweren. Und nicht einmal der komplizierte Job kann die Stimmung trüben …

 

Er flüsterte ihr in ihr
kleines Ohr wie groß
artig sie war

und dass die Sonne
schien wie die Welt
weswegen man manchmal am Radio hing und anfing zu heulen
wenn plötzlich Moon River lief
am besten

in der Version von Audrey Hepburn
in Gedanken an Dich
Lebensretterin

die immer sagt, man müsse krank sein
um einen genialen Gedanken
zu fassen
zu bekommen

an der es nie albern aussieht
wenn sie mit 50 noch ein Nachthemd mit Disney Motiven trägt

komischer Weise
Leben mit Dir
ein einziges Sektfrühstück

eine Schnapsidee wäre das
jetzt mit dem Trinken aufhören zu wollen

26. Oktober 2019 von Gerrit
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Terre Ohr

Bald ist es Zeit für meine Spezialeinheit ...

Ja, der Chef ist ein weißer Cowboy, aber er trägt sein Herz am linken Fleck!

Samstag. Draußen ist es warm, aber grau, eine Tasse Kaffee fragt mich, ob ich mich mit ihr auf die Terrasse setze. Warum nicht? Muss ja nicht gleich etwas mit ihr anfangen. Klemme mir ein Buch unter das Herz, Gedichte und Lieder von Wolf Wondratschek. Eines trägt den Namen: Deutschland im Herbst – und da weiß der geneigte Leser natürlich gleich, worum es geht. Als „Deutscher Herbst“ bezeichnet man die Zeit im September/Oktober 1977, die geprägt war von den terroristischen Anschlägen der RAF. Diese Zeit gilt bis heute als eine der schwersten politischen Krisen der Bundesrepublik Deutschland. „Deutschland im Herbst“ wiederum ist der Titel eines deutschen Autorenfilmes, der sich mit eben dieser Phase auseinandersetzt und im Folgejahr erschien. Das ist so (mutmaßlich) der Kontext dieses Wondratschek-Gedichtes, aus dem ich drei Zeilen zitieren möchte:

Einige legten die Karten auf den Tisch,
um die Hände frei zu haben für einen ersten Schusswechsel
mit der Politik.

Dieser Text ist in diesen Tagen wieder hochaktuell. Das Land befindet sich erneut einer ständigen Terror-Gefahr ausgesetzt. Diesmal nicht von links, sondern vor allem von rechts. Wieder nehmen die Terroristen die Politik ins Visier, aber eben nicht nur, und das ist der Unterschied. Insofern hat das Attentat von Halle das (vorerst) letzte Tabu gebrochen. Denn natürlich ist linker Terror nicht besser als rechter Terror, aber die Tatsache, dass in Deutschland wieder ein Täter in dieser Form Jagd auf jüdische Mitbürger gemacht hat, erscheint so unfassbar, dass eine Steigerung kaum möglich scheint. Und warum? Weil die Politik geschlafen hat, als sich der Teufel aus der Hölle befreit und hier – mitten unter uns – ins rechte Licht gesetzt hat. Weil die, die gesagt haben, das wird man ja wohl noch sagen dürfen, plötzlich wirklich alles sagen durften. Und zwar so lange, bis es einige andere geglaubt haben. Und wiederum andere sich im Recht fühlten, unmenschlich zu handeln.

Und wenn die verbliebenen, demokratischen Parteien es mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln jetzt nicht schaffen, die neuen, demokratiefeindlichen Kräfte außer Kraft zu setzen und mittelfristig den Nährboden zu entziehen, dann weiß ich bald wirklich nicht mehr, was ich meinen Kindern später antworten soll, wenn sie fragen: Wie konnte das wieder passieren?

12. Oktober 2019 von Gerrit
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