Old school

Da bin ich doch heute Abend mal wieder regelrecht gezwungen zu bloggen. Denn: Mein Rechner rechnet gerade noch einen Vorschnitt heraus, den ich in den letzten Tagen nebenbei angefertigt habe. Habe leider die aufwändige Export-Option gewählt, jetzt rechnet er und rechnet und wird vor allen Dingen ziemlich heiß – hoffentlich geht er nicht kaputt.

Viel passiert in den letzten Tagen, komme ich nicht so richtig nach mit dem Bloggen, dabei gäbe es genug zu erzählen. Habe heute mit meinem Kollegen eine Producerin in Kolumbien angerufen, weil ich im Februar in dem Küstengebirge da drehen muss, in der Sierra Nevada de Santa Marta. das wird sicher interessant.

In den letzten Tagen hatten wir Abnahme mit unserer arte-Doku über das Böse. Ist immer ein Prozess. Aber bis auf ein paar kleine Änderungen lief alles gut, nächste Woche wird vertont und das Sendeband gebaut. Bin sehr stolz auf meine bessere Hälfte, weil sie einen so guten Job gemacht hat.

Aber auch sonst läuft alles ganz reibungslos. Unsere Seniorentruppe punktet wieder, 7 Punkte aus den letzten drei Spielen, wenn wir so weiter machen, haben wir pünktlich zur Weihnachtsfeier die rote Laterne abgegeben. Und mein Knöchel hält auch, komme immer besser in Form. Und merke auch, wie wichtig dieses Team für mein Wohlbefinden ist.

Auch die Söhne machen allesamt Freude. Aktuell sorgen sich alle ein wenig um die Zukunft, zumindest machen sie sich Gedanken. Ich denke auch in letzter Zeit oft an früher. Vielleicht weil sie jetzt in diesem Alter sind, in dem man anfängt, das Leben mit anderen Augen zu sehen. Vielleicht auch, weil ich vor kurzem bei meiner Mutter in alten Fotos gewühlt und meine Schultasche von damals wiedergefunden habe. Benutze sie jetzt sogar fürs Büro, weil meine Laptop-Tasche kaputt ist. Also, wie gesagt, vielleicht kommt da Einiges zusammen, jedenfalls habe ich vor ein paar Tagen eine kleine Korrespondenz in unserem ehemaligen-Abi-Chat begonnen, auf der Suche nach unserem tollen Abi-Film, den damals ein Mitschüler in liebevoller Kleinarbeit gemacht hat. Prompt hat eine andere Mitschülerin den Film am nächsten Morgen in drei Teilen hochgeladen. Hammer! Ich habe nach dem Download mal kurz reingeschaut – und was sehe ich als Erstes?

Bildschirmfoto 2019-11-27 um 13.47.33

Meine alte Schultasche. Habe sie mir damals beim Reinging in die Schule aus Spaß vors Gesicht gehalten, um nicht gefilmt zu werden. Damals hatte die Tasche ihren großen Auftritt – und jetzt wieder. Der alte Verdancy-Aufkleber (unser Bandname) hält übrigens immer noch. Genauso wie unsere Musik:

28. November 2019 von Gerrit
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Waldmeister

waldmeister

Meine Mutter räumt gerade den Dachboden auf und ist dabei auf unzählige Fotokisten gestoßen. Nun fotografiert sie ab und an sehr skurrile Schnappschüsse mit dem Handy ab und postet sie im Familien-Chat. Heute war eines von mir dabei, ich kann mich sehr genau an den Tag erinnern, an dem das Foto gemacht wurde. Es war im Frühjahr 1987, der Tag der Waldlauf-Kreismeisterschaften. Die Distanz: 2400 Meter. Mein Teamkollege Michael M. und ich liefen mit dem Startschuss von der Spitze weg, mit großem Vorsprung vor dem Rest des Feldes und wollten eigentlich ganz kameradschaftlich zu zweit durchs Ziel. Kurz vor der Ziellinie rief einer der Kampfrichter, es könne nur einen Sieger geben, woraufhin Michael einen Moment lang zögerte und mir dann den Vortritt ließ. Das werde ich (ihm) nie vergessen.

Es war mein erster und einziger Titel und vielleicht hatte ich ihn auch verdient. 1986 gehörte ich in meiner Altersklasse zur absoluten Spitze in Nordrhein-Westfalen, trainierte gut, manchmal zweimal am Tag, ohne Verletzungen. Vor allem aber war der körperliche Unterschied zu den anderen Athleten meines Alters noch nicht so groß wie im Folgejahr. Das Problem bei der Leichtathletik war für mich, dass die Klassen nach Jahrgang eingeteilt wurden, was bedeutete, dass ich, geboren im Dezember 1973, zum Teil gegen Konkurrenten lief, die fast ein Jahr älter waren, weil sie im Januar oder Februar Geburtstag hatten. Obendrein war ich – rein körperlich – ohnehin ein ziemlicher Spätzünder. Das hatte ich ganz gut im Griff, weil ich so fleißig trainierte – bis eben zum Frühjahr 1987. Da gewann ich erst den renommierten Crosslauf beim ESV Münster und fuhr gewissermaßen als Favorit zu den Kreismeisterschaften. Und auch das Meisterschaftsrennen bestritt ich – an der Seite meines Teamkollegen Michael – von der Spitze weg.

Heute würde ich sagen, das war damals eine große Geste von ihm als 13-Jähriger, mir den Vortritt zu lassen. Ich meine, es war ein Schlüsselrennen. Vermutlich hätte ich ihn an jenem Tag im Endspurt noch einmal niederringen können, aber faktisch war es das letzte Mal, dass ich vor ihm im Ziel landete. Danach ging es abwärts und ehemals langsamere Athleten machten einen Schuss und liefen mir plötzlich davon.

Wobei – nicht ganz richtig: Jahre später ließ ich Michael bei einem 10 km Stadtlauf in Greven noch einmal hinter mir, weil er mit riesigen Blasen an den Füßen aussteigen musste. Aber anders als die Meisterschaft fühlte sich der Sieg nicht wie einer an.

13. November 2019 von Gerrit
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Im Schnelldurchlauf

geht’s weiter.

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Und zwischendrin Versuche innezuhalten und einmal festzustellen, dass das Leben schön, aber ziemlich voll ist. Aber in diesen Tagen sieht man immerhin Ergebnisse und Zwischenstände und am Ende mit Freude, dass man vorne liegt, in diesem Spiel des Lebens …

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Tolle Tage mit dem Ältesten im Norden gehabt. Angeln und Filme gucken. Es war ein bisschen wie in dem Buch „Film Club“, das ich vor einiger Zeit mal an dieser Stelle empfohlen habe. Konnte ihm Pulp Fiction und 12 Monkeys nahelegen. Er war ganz erstaunt, dass Bruce Willis und Brad Pitt wirklich gute Schauspieler sind. Und „Joker“ haben wir gesehen in einem kleinen Kino in Schleswig, mit zwei(!) anderen Zuschauern. Diese Zeit der uneingeschränkten Aufmerksamkeit ist einfach sehr wertvoll, und (Achtung, Insiderwissen!) wer weiß, vielleicht guckt er sich demnächst auf YouTube sogar mal den Kurzfilm an, der die Inspiration für 12 Monkeys war …

Apropos Film: Meine Lebensgefährtin hat einen tollen Job gemacht. Unsere Wissenschaftsdokumentation für arte über das Böse, die uns die letzten Wochen in Atem gehalten hat, ist fast fertig. Habe es diesmal auch geschafft, mich rechtzeitig um ein Grafikpaket zu kümmern, sodass das ganze Programm gut daherkommt.

Und? Wir haben mit den Senioren gestern unsere ersten Verbandsliga-Punkte geholt. Jetzt geht’s aufwärts … und gleich mit Jüngsten zu dessen Fußball-Spiel. Da wird auf jeden Fall der neue Klappstuhl zum Einsatz kommen, den ich mir anlässlich des Angelurlaubes letzte Woche bei Angel Joe in Flensburg gegönnt habe …

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Ansonsten? Muss man sagen, manchmal stimmt das: Was lange währt, wird endlich gut. Vor einiger Zeit war die großartige Autorin Anke Stelling bei den Alphabeten zu Gast. Jetzt ist das Interview online. Ich würde sagen: Pflichtprogramm für alle Literaturfans. Insgesamt zwei Folgen, die erste kommt sofort:

10. November 2019 von Gerrit
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Liebe Erklärung,

Erste Woche Schnitt hinter uns, die Wissenschaftsdokumentation über „Das Böse“ für arte. Eigentlich ein tolles Projekt, wenn nicht wieder alles zeitlich so eng wäre. Auch wenn es großen Spaß macht, nach Jahren mal wieder gemeinsam mit meiner Freundin einen Film zu machen. Aber es ist doch ein komplexes Thema. Es gibt natürlich auch tausendundeine Möglichkeiten, den Film zu montieren. Und in der Kürze der Zeit diese ganzen Wissenschaftsinterviews durchackern und zeitgleich im Prinzip die besten O-Töne zu identifizieren und nebenbei noch Ideen für eine passende Bildsprache zu entwickeln … da kann man sich leicht drin verlieren. Wenn man dann nicht aufpasst, kommt man den ganzen Tag nicht raus.

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Habe daher am Wochenende die Gelegenheit genutzt, mit zu unserem Pferd zu gehen. Ich liebe das ja, diesen Stallgeruch, den heißen Atem der Tiere, dieses blinde Vertrauen, die guten Vibes. Vielleicht habe ich dieses Bauern-Gen tatsächlich von meinem Vater, keine Ahnung, aber als ich da im Heu saß und dem Pferd beim Fressen zugeschaut habe, dachte ich plötzlich, dass es für Maria und Josef vielleicht gar nicht die schlechteste Option war, ihr Kind in einem Stall zu bekommen. Besser jedenfalls als in so einer blöden Herberge mit nervigen Herbergseltern, nervigen, anderen Familien, betrunkenen Jugendlichen und Hagebutten-Tee zum Frühstück ;-)

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Vor ein paar Tagen auf dem Nachhauseweg im Radio ein Bettina Wegner-Feature auf NDR Kultur gehört. Großartig. Tolle Künstlerin, tolle Songs, Wahnsinnsgeschichte. Da sind die Gebühren richtig angelegt, kann ich nur sagen … und was für ein Scheiß-System, die DDR mit dieser Stasi-Kacke, unfassbar. Nie wieder Nazis! Nie wieder Stasi! Einfach nur von kompetenten Leuten regiert und bezaubernden Menschen geliebt werden. Warum ist da so schwer? Wobei, was Letzteres betrifft, kann ich mich nicht beschweren. Und nicht einmal der komplizierte Job kann die Stimmung trüben …

 

Er flüsterte ihr in ihr
kleines Ohr wie groß
artig sie war

und dass die Sonne
schien wie die Welt
weswegen man manchmal am Radio hing und anfing zu heulen
wenn plötzlich Moon River lief
am besten

in der Version von Audrey Hepburn
in Gedanken an Dich
Lebensretterin

die immer sagt, man müsse krank sein
um einen genialen Gedanken
zu fassen
zu bekommen

an der es nie albern aussieht
wenn sie mit 50 noch ein Nachthemd mit Disney Motiven trägt

komischer Weise
Leben mit Dir
ein einziges Sektfrühstück

eine Schnapsidee wäre das
jetzt mit dem Trinken aufhören zu wollen

26. Oktober 2019 von Gerrit
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Terre Ohr

Bald ist es Zeit für meine Spezialeinheit ...

Ja, der Chef ist ein weißer Cowboy, aber er trägt sein Herz am linken Fleck!

Samstag. Draußen ist es warm, aber grau, eine Tasse Kaffee fragt mich, ob ich mich mit ihr auf die Terrasse setze. Warum nicht? Muss ja nicht gleich etwas mit ihr anfangen. Klemme mir ein Buch unter das Herz, Gedichte und Lieder von Wolf Wondratschek. Eines trägt den Namen: Deutschland im Herbst – und da weiß der geneigte Leser natürlich gleich, worum es geht. Als „Deutscher Herbst“ bezeichnet man die Zeit im September/Oktober 1977, die geprägt war von den terroristischen Anschlägen der RAF. Diese Zeit gilt bis heute als eine der schwersten politischen Krisen der Bundesrepublik Deutschland. „Deutschland im Herbst“ wiederum ist der Titel eines deutschen Autorenfilmes, der sich mit eben dieser Phase auseinandersetzt und im Folgejahr erschien. Das ist so (mutmaßlich) der Kontext dieses Wondratschek-Gedichtes, aus dem ich drei Zeilen zitieren möchte:

Einige legten die Karten auf den Tisch,
um die Hände frei zu haben für einen ersten Schusswechsel
mit der Politik.

Dieser Text ist in diesen Tagen wieder hochaktuell. Das Land befindet sich erneut einer ständigen Terror-Gefahr ausgesetzt. Diesmal nicht von links, sondern vor allem von rechts. Wieder nehmen die Terroristen die Politik ins Visier, aber eben nicht nur, und das ist der Unterschied. Insofern hat das Attentat von Halle das (vorerst) letzte Tabu gebrochen. Denn natürlich ist linker Terror nicht besser als rechter Terror, aber die Tatsache, dass in Deutschland wieder ein Täter in dieser Form Jagd auf jüdische Mitbürger gemacht hat, erscheint so unfassbar, dass eine Steigerung kaum möglich scheint. Und warum? Weil die Politik geschlafen hat, als sich der Teufel aus der Hölle befreit und hier – mitten unter uns – ins rechte Licht gesetzt hat. Weil die, die gesagt haben, das wird man ja wohl noch sagen dürfen, plötzlich wirklich alles sagen durften. Und zwar so lange, bis es einige andere geglaubt haben. Und wiederum andere sich im Recht fühlten, unmenschlich zu handeln.

Und wenn die verbliebenen, demokratischen Parteien es mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln jetzt nicht schaffen, die neuen, demokratiefeindlichen Kräfte außer Kraft zu setzen und mittelfristig den Nährboden zu entziehen, dann weiß ich bald wirklich nicht mehr, was ich meinen Kindern später antworten soll, wenn sie fragen: Wie konnte das wieder passieren?

12. Oktober 2019 von Gerrit
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Täter-Wissen

Was Banales vorab, obwohl es gar nicht so banal ist: Momentan fällt mir auf, dass bestimmte Gewerke mit sehr frauenfeindlicher Werbung aufwarten, vornehmlich so Produzenten von Garagentoren, Autoteilen, oder Gartenbau-Unternehmen („Bei uns steht nicht nur der Zaun“, letztens erst gelesen). Und heute morgen ist mir in unserer kleinen Esso-Tankstelle eine Warnweste ins Auge gefallen, wo ich mich auch gefragt habe, ob sie dem Hersteller ins Gehirn geschissen haben. Ich meine, das gibt es doch nicht. Man kann doch auch einen Durchschnittsmenschen mit normaler Kleidung vorne drauf packen, oder nicht? So sieht es aus wie eine Werbung für Telefonsex …

Warnweste

Im Moment drehen wir ja unter anderem für die arte-Wissenschaftsdokumentation über „Das Böse“. Am Dienstag hatte meine Co-Autorin die forensische Psychiaterin Nahlah Saimeh im Interview. Ich kenne sie schon seit ein paar Jahren und die Gespräche mit Frau Saimeh sind immer hochspannend, aber diesmal war es vor allem beinahe prophetisch. Denn ein Schwerpunkt des Gespräches war der norwegische Täter Anders Breivik. Und obwohl man immer ein bisschen gucken muss, dass man diese Tat, bei der es ja auch darum ging, eine möglichst große Berichterstattung und öffentliche Aufmerksamkeit zu erzielen, nicht wieder ins Rampenlicht zu stellen und ggf. Nachahmer zu inspirieren, sagte aber Frau Saimeh dazu, dass es gerade deswegen wichtig sei, diese Tat nochmal zu untersuchen, weil gerade solche Taten wahrscheinlich zukünftig öfter passieren würden. Und genau einen Tag später passierte dieses grauenvolle Attentat auf die jüdische Synagoge in Halle. Wenn man die formalen Rahmenbedingungen betrachtet, fast eine Kopie der Tat von Breivik. Und sie geschah nicht, weil wir eine Doku über Breivik gemacht haben, sondern weil der Täter einen jüdischen Feiertag als Tag X auserkoren hat.

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Das „vorbeihuschende Böse“ … ist nur der Kameramann!

Es zeigt uns auf jeden Fall zweierlei: dass eine Dokumentation über Täter wie Breivik sehr zurückhaltend, seriös und sachlich sein muss, dass es aber auch richtig ist, diese Tat von Oslo nochmal zu untersuchen, um noch mehr Sensibilität dafür zu schaffen, was um einen herum geschieht und worauf man achten kann, wenn man zumindest die eine oder andere Tat dieser Art zukünftig verhindern möchte. Wir werden auf jeden Fall versuchen, einen Extrablick auf diese Tätergruppe zu werfen und zu fragen, was diese innere Radikalisierung womöglich begünstigt.

11. Oktober 2019 von Gerrit
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Ich kann

Ich kann
meinen Fuß wieder bewegen
mir am Flughafen in Oslo
ein englisches Buch kaufen
und anschließend
sogar noch einen Kaffee

Ich kann
fast alles,
was es gibt,
mit meinem Smartphone bezahlen
und mich nicht mehr darüber wundern müssen, aber
es mir erlauben,
es trotzdem zu tun

Ich kann
einfach gehen,
ohne mich ständig umschauen zu müssen,
aus Angst
oder bleiben
was vielleicht viel mehr Mut verlangt

Ich kann
behaupten
die Sanktionen betreffen andere
die Bomben treffen andere

Ich kann
mich nicht mehr verlieben
weil ich es schon bin

Kindergeschrei einordnen
oder eine Aussage
einen Kater ertragen
oder sogar zwei
und zeigen:
Respekt
Liebe
haufenweise Gefühle

Dankbarkeit

is a tricky thing

 

Manchmal ist das ja so, dass einem ein paar Zeilen durch den Kopf gehen, die man gleich festhalten will. Ich weiß gar nicht, was den Auslöser gegeben hat. Ich glaube, als ich gestern an der Tankstelle stand und auf der Zapfsäule ein Sticker prangte, mit den Worten: Einfach das Smartphone davor halten! oder so, klang auf jeden Fall irgendwie völlig crazy in meinen Dichter-Ohren.

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Ansonsten? Habe ich mir – getreu des Mottos: Gesunder Geist in gesundem Körper – gestern zum ersten Mal den Knöchel selbst getaped (Schreibt man das so?). Gab ein ganz gutes YouTube Tutorial dazu. Bin jedenfalls zufrieden mit dem Ergebnis, bilde mir auch ein, dass der verletzte Knöchel wieder schlanker ist. Habe es letzte Woche möglicherweise ein bisschen übertrieben. War ja viermal laufen, am Freitag war der Knöchel dann etwas geschwollen. Eigentlich müsste ich regelmäßig zur Lymphdrainage. Aber wie soll das gehen?

Ich kann
eben doch
nicht alles.

 

 

06. Oktober 2019 von Gerrit
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Morgen, Land

Morgenland
Allein im Büro. Die Kollegin hat den Brückentag frei genommen. Wollte ich eigentlich auch, ging aber nicht. Draußen ist es grau. Stelle ein altes Fensterbild meines Sohnes vors Licht und mache es mir ein bisschen gemütlich. Lustig, plötzlich freue ich mich ein bisschen auf Weihnachten. Doppelt lustig, eine unserer Protagonisten-Einheiten für TerraX ist im Dezember im Oman. Was wird traditionell im Oman produziert? Weihrauch. Und wer hatte Weihrauch als Geschenk im Gepäck? Richtig …

Hase

Werde den Oman-Dreh aber wahrscheinlich gar nicht machen, egal, nächstes Thema (bin zur Zeit so sprunghaft): Ich weiß, ich weiß, diese Fotos von den toten Tieren sind ein bisschen grenzwertig, aber mich faszinieren sie auf eine traurige Weise. Dieser Anblick hat so etwas unfassbar Endgültiges. Da ist so ein kleines, kompliziertes Tierleben, in dem es jeden Tag aufs Neue ums Überleben geht. Ich meine, so ein Hase denkt ja nicht an gestern oder morgen oder an seinen Job, da gibt es immer nur ein Hier und Jetzt, total intensiv und dann – zack, alles aus. Wobei mir gerade jetzt, da ich diese Zeilen schreibe, auffällt, dass jedes Tier, das ein Nest baut oder Wintervorräte sammelt, ja offenbar doch über das Hier und Jetzt hinausdenkt. Hochinteressant …

Plage mich seit Tagen mit ziemlich starken Nackenschmerzen herum. Schon alles versucht: Bewegung, Ibuprofen, Wärmepflaster, Massagen, aber die Schmerzen gehen nicht weg, was natürlich ein bisschen nervt, weil ich froh bin, dass es mit dem Knöchel in den letzten Tagen so schnell bergauf gegangen ist. Jetzt ist das Problem nach oben gewandert …

Ich weiß natürlich auch, woran es liegt. Strampele hier gerade wieder ein bisschen im Hamsterrad. Muss eigentlich dringend eine Art Drehbuch erstellen, merke aber, dass mir Informationen fehlen, bzw. ich mich in diesem Falle schwer tue, angesichts der – im Grunde unendlichen – Möglichkeiten, die Geschichte zu erzählen, Entscheidungen zu treffen. Dabei dienen diese „Drehbücher“ häufig eigentlich nur als Grundlage für eine Kalkulation. Trotzdem habe ich natürlich den Anspruch, die Geschichte bereits im Vorfeld so durchleuchten und aufgliedern zu können, dass man sie danach mit einer gewissen Ruhe realisieren kann. Was nicht bedeutet, dass unsere Reportagen und Dokumentationen einem Drehbuch folgen. Es geht, wie gesagt, nur darum, dass, was man planen kann, so gut es geht, aufzuschlüsseln und sich dennoch die Freiräume für das, was dann vor Ort wirklich passiert, zu bewahren. Und das sitzt mir gerade echt und im wahrsten Sinne des Wortes im Nacken …

War vorgestern Abend auf einer kleinen Literaturveranstaltung, die der Alphabeten-Kollege Stuertz ins Leben gerufen hat. Es waren vornehmlich Autoren und Autorinnen war, und das war ganz interessant, weil ich manchmal vergesse, dass es auch andere Menschen gibt, die eine Geschichte im Kopf haben und sie vielleicht auch aufs Papier bringen können, aber das noch lange nicht bedeutet, dass auch ein Buch daraus wird. Und dass andererseits Menschen, die kurz vor der Veröffentlichung eines Buches stehen, auch nur Sätze schreiben, die aus ganz normalen Worten bestehen. Auch wenn es schöne Sätze sind. Leona Stahlmann hat aus ihrem bald erscheinenden Buch gelesen. Ich weiß nicht, ob ich den Titel hier schon verraten darf, geht auf jeden Fall um BDSM, aber anders, also eher um die Haltung, das Lebensgefühl, weniger um die explizite Erotik. Klang auf jeden Fall spannend.

Ich trage ja auch immer noch meine Buch-Idee vor mir her, die ich während meines Sabbaticals Anfang des Jahres begonnen habe. Habe auch ein bisschen weitergeschrieben, als ich mit dem Knöchelbruch zuhause lag und sammle auch jetzt immer wieder neue Gedanken, aber ich komme momentan natürlich nicht wirklich zum Schreiben. Und da beißt sich die Katze ein bisschen in den Schwanz, weil, um das Buch (das wirklich gut werden könnte) ernsthaft voranzutreiben, bräuchte ich Zeit, aber dafür bräuchte ich einen Vertrag oder Vorschuss – und den wiederum bekomme ich als Neuling auf der großen Bühne vermutlich erst, wenn man schon mehr geschrieben hat als das, was ich bereits habe. Puh, es ist kompliziert. Auf der anderen Seite ist es natürlich auch gut, einen Job zu haben, der einem den Lebensunterhalt sichert. Außerdem sind die Kollegen nett, einer kam gerade rein und bot mir an, mich mit einem Kumpel zu vernetzen, der mir bei dem Drehbuch helfen kann.

Ich habe ja noch ein bisschen Resturlaub. Den werde ich wohl um den Jahreswechsel herum nehmen und dann mal versuchen, den nächsten Schritt zu machen. Karen Köhler hat den ersten Wurf von Miroloi ja auch erstmal ein Jahr lang liegen gelassen, bevor sie die Arbeit an dem Manuskript wieder aufgenommen hat. Also, keine Panik. Morgen ist Land in Sicht …

Ansonsten? Brexit, Trump, „Feierbiest“ China – es ist nicht so, dass man sich nicht auch über andere Themen Gedanken machen könnte …

Und? FC Bayern – Wow, Gnabry ist jetzt bestimmt 150 Millionen wert, aber wer mich im Spiel gegen Tottenham wirklich umgehauen hat, war Lewandowski. Hat als einziger von Anfang an richtig dagegengehalten und wurde belohnt. Bin gespannt, wo das dieses Jahr endet.

04. Oktober 2019 von Gerrit
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Democrazy

Schade, dass es nötig ist, aber gut, dass es passiert!

Schade, dass es nötig ist, aber gut, dass es passiert!

Bin ziemlich beeindruckt von dieser neuen Rechtsstaat-Kampagne der Regierung. Ja, vielleicht ist das der Unterschied zu 1933; dass der Staat gerade spürt, dass er sich vor einer erneuten „Machtergreifung“ aktiv schützen muss. Peter Maxwill hat dazu ein paar Gedanken bei SPIEGEL Online geteilt; dass das natürlich ambivalent zu bewerten ist, dass der Staat offenbar nun schon für Selbstverständlichkeiten werben muss. Ein Alarmzeichen und ein Glücksfall zugleich, ja, aber vielleicht stehen sich die Bürger dieses Landes tatsächlich irgendwann in zwei Lagern gegenüber: die Demokraten gegen die Anti-Demokraten. Dann ist es gut, wenn die Demokraten vorher in großem Stil für die Demokratie geworben haben. Ich meine, ständig ist Hamburgs Innenstadt mit Plakaten für AfD-Veranstaltungen zugepflastert. Wirklich, ich spüre langsam eine deutliche Abwehrhaltung gegen die Farbe blau …

Meine Freundin war ein paar Tage auf Dreh. Habe daher abends ein bisschen aus Langeweile angefangen, in der Mediathek „Ohne Schnitzel geht es nicht“ zu gucken, eine WDR-Serie mit Günther (Armin Rohde) und Wolfgang (Ludger Pistor). Locker, lustig und trotzdem mit kritischem Blick auf Ungerechtigkeiten unserer Hartz-IV-Gesellschaft. Sehr gelungen. In der ersten Folge hatte Werner Hansch einen Gastauftritt. Den habe ich vor Jahrzehnten mal interviewt, als ich (als Student) regelmäßig eine Radiosendung für den SC Preußen Münster redaktionell betreut habe, da war er nämlich als Stadionsprecher beim Benefiz-Spiel einer Preußen-Traditionself gegen die Uwe Seeler-Traditionself zu Gast, und ich weiß noch, wie ich ihn (etwas naiv) gefragt habe, wie ihm beim Kommentieren so schnell immer die „flotten Sprüche“ einfallen würden, und er fast unwirsch wurde, dass seien keine „flotten Sprüche“, sondern „Sprachbilder“ … aha! Und kurz darauf in Folge 1 die Bierbrauerei, der Raum mit den großen Kupferkesseln, wo Günther und Wolfgang mit dem Juniorchef über eine Werbekampagne verhandeln, die kam mir auch bekannt vor. Das war, glaube ich, in der Sünner-Brauerei in Köln-Kalk. Da habe ich mal für arte gedreht. Will sagen, ich habe schon einiges gesehen und erlebt und manchmal denke ich, das Interessanteste, was ich eigentlich zu erzählen habe, ist das, was ich wirklich erlebt habe. Peter Maxwill, der – bereits oben erwähnte – Kollege von SPIEGEL-Online macht das so. Der fährt im Land herum und schreibt darüber und macht dann ein Buch daraus. Da hinke ich meiner Zeit hinterher.

Der Kollege Stuertz von den Alphabeten übt gerade für seine Frühjahrstournee, so eine Mischung aus Musik/Konzert und Lesung in einem, das habe ich mit Jugendstil schon vor über 15 Jahren gemacht, hat damals nur keinen interessiert. Wobei man zugeben muss, dass die Verbindung zwischen Geschichte und Musik bei ihm natürlich noch viel enger ist. War auch zur öffentlichen Probe eingeladen, hatte aber keine Zeit … der Job! Bin jedenfalls sehr gespannt aufs Ergebnis und wünsche ihm natürlich alles Beste. Was ich sagen will, ist: Damals war ich mit meiner Kunst jedenfalls mal meiner Zeit voraus.

Übrigens, ganz interessant: Die aktuelle BUNTE(!) schreibt über den SPIEGEL: eine Story zu der Relotius-Geschichte, bzw. zu dem Buch, was der Kollege Juan Moreno über die Zeit, als er Relotius bei den SPIEGEL-Vorgesetzten anschwärzen und dann beweisen musste, dass er (Relotius) bei seinen Reportagen unsauber gearbeitet hatte. Und die Vorgesetzten (die ich auch kenne mir deren Reaktion auch vorstellen kann) Moreno anfangs nicht geglaubt haben und Moreno sie nach und nach überzeugen musste, sich die Arbeiten des hochgelobten und mehrfach ausgezeichneten Kollegen mal genauer anzugucken …

Ich werde mir das Enthüllungsbuch wahrscheinlich nicht kaufen. Ich weiß, ehrlich gesagt, auch nicht, ob man darüber unbedingt ein Buch schreiben muss (auch wenn das natürlich nicht hoch genug zu bewerten ist, dass Moreno diesen Fall aufgedeckt hat), aber, klar, der Vorschuss wird okay gewesen sein, und das wird jetzt verfilmt, und Moreno ist für den Rest seines Lebens der Experte für diese Geschichte. Ich bin gespannt, wieviel Licht Morenos Sicht der Dinge nachträglich nochmal auf die (zumindest früher) z.T. recht festgefahrene Arbeitsweise beim SPIEGEL wirft. Ich selbst habe ja den Eindruck, dass das Haus aktuell wirklich versucht, sich neu zu erfinden, auch wenn es ein bisschen überfällig ist. Aber Morenos Buch könnte schon nochmal ein leichtes Nachbeben verursachen.

Ansonsten?
Erstes Training gemacht. Knöchel hat gehalten. Was er versprochen hat.
Der Doktor ;-)

War Freitagabend auch schon wieder beim Auswärtsspiel mit dabei. Allerdings nur als Coach an der Seitenlinie. Haben zum fünften Mal hintereinander verloren, und alle waren nach dem Spiel entsprechend geknickt. Habe spontan eine kleine Motivationsrede gehalten: Dass es keinen Grund gibt, jetzt den Kopf in den Sand zu stecken. Wir hatten auch nicht schlecht gespielt, und es war von vornherein klar, dass die erste Saison in der Verbandsliga hart werden würdIMG_0796e. Und dass wir dieses Abenteuer auch genießen sollten, so ein bisschen wie Union Berlin, d.h. genießen und kämpfen und ab und an den Gegner überraschen. Werde auf jeden Fall versuchen, am 20. Oktober mein Comeback zu geben und mit gutem Beispiel voranzugehen.
Und? Finde ich diese vorherbstlichen „Schmuddelsonntage“, wenn man nichts vorhat und nicht raus muss, eigentlich ganz gemütlich. Obdachlosigkeit und Wohnungsnot sind auch zwei Themen, die die Regierung mal richtig angehen sollte. Dann müsste man auch weniger Angst vor den Populisten haben.

29. September 2019 von Gerrit
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Nord wegen

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Ein kurzes Lebenszeichen aus dem Jobstrudel. Bin zurück von einem kurzen, sehr intensiven Dreh auf der norwegischen Insel Senja. Haben dort für das ZDF gedreht, mit einem sehr interessanten, netten jungen Paar, Ellen und Jonas, (plus Hund), das in seinem alten Landrover Nordeuropa durchquert.

sukieujberg

Hatte ein bisschen Sorge, dass mein gerade genesener Knöchel der off road-Belastung vielleicht nicht standhält, ging aber alles ganz gut. Sind sogar am dritten Tag auf einen kleinen Berg gestiegen (Husfjället), bei gar nicht so leichten Bedingungen (Sonne, Wind, Regen, Hagel, Schnee, alles innerhalb von 5 Stunden). Bin auch zwei oder dreimal mit dem „schlechten“ Fuß weggerutscht, der krasseste Ausrutscher war ganz oben, kurz vor dem Gipfel, als der Schnee einsetzte. Da war ich dann doch ganz erleichtert, dass nix Schlimmeres passiert ist. Ich meine, das war jetzt kein besonders hoher Berg, aber selbst bei diesem Hobby-Aufstieg ist einem deutlich geworden, warum es so oft zu Unfällen in den Bergen kommt.

Regenbogen

Ansonsten muss ich sagen, dass mich dieses Insel – bei allem Produktionsstress – wirklich sehr geflasht hat. Am besten gefallen hat mir Hamn i Senja, eine kleine Hotelanlage, in der wir zwei Nächte gepennt haben, das war echt so, dass ich dachte, warum bin ich hier zum Arbeiten und nicht mit meiner Freundin hier, zum Lesen und Wandern. Wobei gelesen habe ich auch ein bisschen: „Normal People“ von Sally Rooney. Und gewandert sind wir auch. Und Kanu gefahren, also die Protagonisten. Das Wasser da ist, aus der Luft betrachtet, an manchen Stellen so türkis, dass man meint, in der Karibik zu sein.

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Wahnsinn. Ach ja, und der Pannendienst musste unseren Wagen aus dem Schlamm ziehen. Also, wir haben schon einiges erlebt. Allerdings muss ich auch sagen, dass ich solche körperlich anstrengenden Drehs auch nicht mehr so locker wegstecke. Am Wochenende plagte mich prompt eine leichte Erkältung, die ich mir auf dem Berg eingefangen habe. Und die Schulter ist verspannt. Irgendwas muss ich ändern. Ich weiß nur noch nicht, was und wann. Denn im Grunde sind diese Drehreisen ja toll. Jetzt muss ich gleich wieder zum Flughafen, meine bessere Hälfte abholen. Sie hat heute für einen Film, den wir gemeinsam für ARTE machen, in Paris gedreht. Und vorgestern Abend kam mein Ziehsohn aus London angeflogen (Klassenreise). Klingt glamourös, erschwert aber den Alltag. In Zeiten wie diesen könnten wir fast eine Dependance am Flughafen aufmachen …

23. September 2019 von Gerrit
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