Fairteiler

Nicht nur ein schönes Plattencover - hält sich auch ein paar Tage

Nicht nur ein schönes Plattencover – hält sich auch ein paar Tage

Frage: Welche Geschäfte machen zuerst dicht, wenn jetzt alle Menschen Hamsterkäufe machen? Richtig – die Zoohandlungen.

Der neue Zivilschutz lässt mich nicht los. „Der Unterschied zwischen Panik und klarem Verstand ist die Vorbereitung.“ Diesen Satz habe ich heute in der taz gelesen, er stammt von einem so genannten „Prepper“, das sind Leute, die zuhause Notfallrationen horten oder Kurbelradios und anderes Outdoorzeug, falls z.B. mal landesweit über mehrere Tage der Strom ausfällt. Es gibt sogar einen Online-Shop, der sich auf dieses ganze Thema spezialisiert hat, mit Hintergrund-Fakten, dass nur 5 Prozent aller Deutschen einen längeren Notfall überstehen würden usw. Man kann da richtige „Survival-Kits“ kaufen, für sieben Tage, zwei Wochen oder einen Monat …

Nicht falsch verstehen, ich finde das hochinteressant. Ein paar „Experten“ kaufen sich dann allerdings noch Waffen, um sich im Endstadium der Katastrophe selbst verteidigen zu können. Mann gegen Mann. Das geht mir natürlich zu weit. Wobei ich dieses Bild, wenn ich ehrlich bin, im Traum schon mal vor Augen hatte: Wie ich mich – offenbar als Selbstversorger auf dem Land (definitiv eine Zukunftsvision von mir) – mit einem Mal einer Horde heranstürmender Städter gegenüber sehe und entscheiden muss: Verteidigen oder helfen? Töten oder teilen? Bin dann in der entscheidenden Sekunde aufgewacht, aber es war echt krass.

Morgen geht es nach St. Petersburg. Die Stadt wurde im 2. Weltkrieg von den Deutschen eingeschlossen. Hunderttausende sind während dieser Blockade damals verhungert. Oder wurden zu Tieren. Die Hölle auf Erden.

Ich werde mich zu benehmen wissen – und ein paar Eindrücke teilen. Also, Prepper, werft die Waffen in den Müll, nehmt euch einen Hartkeks und kurbelt die Radios an!

23. August 2016 von Gerrit
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Speisekammermusik

Der neue Zivilschutz sieht vor: Wir Bürger sollen jetzt wieder Vorräte anlegen. Und es soll wieder eine allgemeingültige Sirene für den Notfall her. Oder ein Signal. Wahnsinn. Meine Großeltern hatten auch so eine Speisekammer. Auf dem Land war das üblich, aber die Kammer meiner Großeltern war ein Riesenteil, deswegen hieß es auch Lager. Und das war immer voll. Für den Notfall. Wochenlang hätten die sich ernähren können, ohne einkaufen zu gehen.

Und diese alte Sirene ertönt in Schleswig-Holstein auf dem Land immer noch, jeden Samstagmittag, um Punkt 12 Uhr. Letztens hab ich die erst wieder gehört, als wir beim Pferd waren. Kann aber auch sein, dass das die freiwillige Feuerwehr war. Oder ist das dieselbe Sirene?

Ich bin eigentlich sehr froh, dass ich nicht genau weiß, wie diese Sirene für den Ernstfall klingt. Dass sich da kein Sound eingebrannt hat, den man nicht mehr loswird. Ich wünsche mir auch, dass meine Kinder nie auf ein solches Geräusch oder Warnsignal werden achten müssen. Georg Diez hat gestern auf SPON ein Plädoyer für mehr Optimismus gehalten. Das wünsche ich mir auch. Im Moment wird so viel befürchtet, misstraut und sich gesorgt, da geht die Lebensfreude schnell mal flöten.

Ich war heute vor meiner Abreise nach St. Petersburg nochmal mit den Jungs im Hagenbecks-Aquarium. Da waren wir früher oft, aber eben jetzt auch lange nicht mehr, und es war total nett. Ein Spaß für groß und klein (auch wenn die „Kleinen“ gar nicht mehr klein sind). Nicht nur das Ambiente selber, sondern auch dieses gemeinsame Suchspiel, wenn es darum geht, irgendwelche gut getarnten Kröten oder Echsen zu erspähen, von denen die Schilder ja bezeugen, dass sie irgendwo sein müssen. Oder kleine, bunte, frei fliegende Vögel über den Köpfen im Restaurant. Oder die großen Krokodile. Alles in allem ein lebender Beweis dafür, wie wundervoll die Schöpfung ist. In solchen Momenten ist der „Zivilschutz“ echt galaxienweit entfernt.

Oder dieser diplomatische Irrsinn:

auch interessant

Wobei ich die Kategorie „auch interessant“ und die Formulierung „mal wieder“ dann doch ein bisschen flapsig finde.

22. August 2016 von Gerrit
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Zweite Halbzeit

Es wäre schön, wenn sich die Kämpfe in der Welt auf sportliche Wettkämpfe beschränken würden. Die Bilder von dem Jungen aus Aleppo, die gestern und heute überall zu sehen waren, machen mich krank. Vor Wut, Trauer und Verzweiflung. Denn es ist da jeden Tag so, jede Sekunde, seit Jahren, und es betrifft ein ganzes Volk. Und das ist nur ein Land von vielen, in denen die Einwohner nicht in Frieden leben können.

Man kann vom Menschen vermutlich nicht erwarten, dass er irgendwann vom Mittel der Gewalt absieht, das ist schade.

Es gibt aber auch zarte Momente: Gestern Abend lief im Netz Turmspringen der Damen mit einer Teilnehmerin aus Nordkorea. Die nahm schon zum dritten Mal an einer Olympiade teil, aber gestern sprang sie richtig gut, jedoch schien es fast so, als dürfe sie sich gar nicht richtig freuen. Nach dem letzten Sprung winkte sie ganz scheu in die Kamera, als täte sie etwas Verbotenes. Und ihre Trainerin war genauso scheu und kontrolliert und berührte ihren Schützling kurz an der Schulter, zog die Hand dann gleich wieder zurück, aber es war klar, dass sie eine Sekunde lang daran gedacht hatte, sie in den Arm zu nehmen. Und sich dann dagegen entschieden. Das hat mich sehr berührt.

Habe als abendliches Beruhigungsmittel die Olympia-Livestreams für mich entdeckt. Am besten unkommentiert. Bei Leichtathletik hat man dann wirklich beinahe das Gefühl, auf den oberen Rängen im Stadion zu sitzen. Vor zwei Abenden habe ich den kompletten Hochsprung der Zehnkämpfer geguckt – das war die beste Berichterstattung seit Jahren. Ohne Worte. Total entschleunigt. Und man kann selber Dinge erkennen. Es gibt einen Zehnkämpfer aus Grenada, der heißt Kurt Felix – da hatten sich die Schweizer Medien natürlich auch schon draufgestürzt.

Quelle: www.20min.ch

Quelle: www.20min.ch

Ansonsten? War ich heute beim Arzt. Nehme ab jetzt Tabletten gegen meine hohen Cholesterinwerte. Goodbye, Jugend. Willkommen, zweite Halbzeit. Kommentiert. Von mir, versteht sich.

19. August 2016 von Gerrit
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Gegenfragen

Quelle: SPON heute

Quelle: SPON heute

Gegenfrage: Wer hat Hemingway zuvor die Hörner aufgesetzt?

Quelle: taz

Quelle: taz gestern

Gegenfrage: Wer ist bei Pro7 nochmal für die Programmvielfalt zuständig?

Core-Knabe
Kindskopf
Kunstlicht
Ewig nicht
nüchtern
Rolltreppenwitzelange
Einbrüche
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Gegenfrage: Kunst oder Kalkül?

 

 

 

16. August 2016 von Gerrit
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Inkubation

Eine neue Woche. Wollte am Wochenende eigentlich ein paar Texte für die Jubiläumsausgabe des Whatever-Magazins der beiden Hamburger Werberaketen Rocket & Wink schreiben, habe jedoch – bis auf den Entwurf erster Ansätze – nur Mist gemacht: Katzenklo, Wäsche, Staub saugen. Nicht, weil ich das musste, sondern weil ich den anderen Berg konsequent vor mir hergeschoben habe. Es ist zum Verrücktwerden. Manchmal brauche ich zum Schreiben derart die total perfekte Situation, dass ich mich von jeder Kleinigkeit ablenken lasse. Was natürlich auch damit zu tun hat, dass auf dem Bildschirm noch nichts formuliert ist, was mich zurückhält. Also, gewissermaßen vom Ablenken ablenkt. Dazu noch Olympia, Supercup, es ist kompliziert.

Hab am Wochenende auch das Buch durchgelesen, das mir meine Freundin auf dem Campingplatz in Österreich geschenkt hat, „Sibermond und Kupfermünze“ von W. Somerset Maugham. Das war kein Mist.

(aus: W. Somerset Maugham: "Silbermond und Kupfermünze")

(aus: W. Somerset Maugham: „Silbermond und Kupfermünze“)

Das Spannende an älteren Romanen ist ja, dass man nebenbei viel über die Zeit erfährt, in denen sie geschrieben wurden. Über die Kultur, soziale Normen, Rollenbilder. Maugham lässt seinen Protagonisten, den Maler Charles Strickland, z.B. häufig verwundert feststellen, man könne eine Frau schlagen, „bis einem der Arm weh tut“, sie liebe ihn danach nur noch mehr. So ganz abwegig ist das nicht. Josef Wilfling, ehemals bei der Mordkommission München, hat mir das auch mal in einem Interview bestätigt, dass es diese Abhängigkeit bei Frauen gibt. Wo man sich verzweifelt fragt, warum diese Frauen bei ihren Männern bleiben!? Hab ich mich natürlich gleich selber befragt: Bin ich als Partner zu brav? Muss ich ab und an mal richtig ausrasten? Nein, im Ernst, ich verachte Männer, die Frauen schlagen, aber die Grundfrage hat mich dennoch ein bisschen beschäftigt. Und gestern Abend habe ich dann gedacht, dass ich meine Freundin sehr wohl manchmal „verletze“, wenn ich nämlich in dieser Phase bin, wie gerade beschrieben, wo ich eigentlich einen Schatz zu heben habe, aber schon am ersten Spatenstich scheitere und verzweifele. Und die Partnerin dann doppelt „gearscht“ ist, weil du 1. schlechte Laune hast und sie dich 2. auch nicht aus diesem Loch holen oder sonst irgendwie helfen kann. In diesen Momenten bist du der einsamste Mensch der Welt (höre passenderweise gerade dazu „It´s easy to be lonely“ von der letzten Sophia-Platte), und obwohl die Partnerin dir das affektierte Künstlergehabe im Grunde übel nehmen müsste, steigert es am Ende, glaube ich, sogar ihre Zuneigung oder zumindest das Mitgefühl, wie gesagt, es ist kompliziert. Vielleicht irre mich auch, und es nervt sie einfach nur. Hoffen wir das mal nicht.

In „Silbermond und Kupfermünze“ redet Stricklands Sohn Robert übrigens auch ganz anders über den Krieg: „Natürlich ist der Krieg etwas Furchtbares und so weiter; aber er bringt die besten Eigenschaften eines Mannes ans Licht, das lässt sich nicht leugnen.“ Ich halte es da eher mit dem österreichischen Psychiater Reinhard Haller, der in einem Interview für unsere Doku über das Böse gesagt hat: „Der Krieg ist die Mutter alles Bösen.“ Weil es im Krieg eben keine Regeln mehr gibt.

Hab heute auf dem Weg zur Arbeit mal wieder eine der CDs von Alexander Kluges „Chronik der Gefühle“ gehört. „Schlachtbeschreibung“ heißt die, wie sein früher Roman, mit dem Kluge ja damals die Mischform aus Doku und Fiktion erfunden und gleich umgesetzt hat. In diesem Werk geht es viel um Stalingrad und den Wahnsinn dieses Winterfeldzuges. Kluge zitiert da absurde Richtlinien der Obersten Heeresleitung zum Kälteschutz (Zeitungen in die Unterhose bröseln etc.) und Augenzeugenberichte von kannibalischen Auswüchsen angesichts der Hungersnot, und ich dachte beim Hören bloß, JEDER junge Mensch müsste das eigentlich hoch und runter hören, um nicht wieder auf dumme Gedanken zu kommen.

Was mich an Maughams Künstler-Figur, dem Maler Charles Strickland, am meisten beeindruckt, ist nicht nur dieser Wille, absolute Schönheit zu schaffen, und die Hilflosigkeit, wenn es nicht passiert. Nein, was ich viel cooler finde, ist, dass ihm der künstlerische Erfolg zeitlebens nichts bedeutet. Dass er seine Bilder nur verschenkt und nicht verkauft und sogar das Wandgemälde, das er am Ende schafft, und das – auch wohl nach seinen Vorstellungen – endlich das vollendete Werk darstellt (bezeichnend, dass er erst blind werden muss, um die richtigen Farbtöne zu treffen und zu komponieren), direkt nach seinem Tod vernichtet werden soll. Weil es ihm reicht zu erkennen, dass er mit der Annahme, dieser Schatz sei in ihm, richtig lag.

Kunst kann nie Kunst sein, wenn sie nur kalkuliert um ihrer Wirkung willen entsteht. Und genauso muss ich eigentlich an die Sache herangehen. Will ich bloß, dass mein Name in einem stylishen Kunstmagazin zweier Hamburger Werbeikonen steht, oder gibt es da wirklich einen Schatz zu bergen?

15. August 2016 von Gerrit
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68 er leben

Screenshot: Mobile strike - Bin statt für ein Burka- eher für ein temporäres Wargames-Verbot!

Screenshot: Mobile strike – Bin anstatt gegen Burkas eher für ein temporäres Wargames-Verbot!

Heute mehr über die 68er Bewegung gelesen. Dass sich die Kommune 1 in Enzensbergers leerstehenden Wohnung in Berlin gründete, hatte ich schon in „Tumulte“ gelesen, aber bereits wieder vergessen. Muss mir solche netten Randnotizen einfach besser merken.

Dass (Pop-)Musik bzw. die Beatles damals so eine globale Welle geschlagen haben, ist heute unvorstellbar. Oder dass sich 5 Millionen Menschen die Aufklärungsfilme von Oswalt Kolle im Kino angeschaut haben. Heute gibt es dafür Youtube. In Milliarden Varianten. Und die jungen Zuschauer sind immer noch nicht (viel) aufgeklärter. Sie haben nur Bilder im Kopf. Häufig die falschen.

Finde es manchmal ein bisschen schade, dass uns im Grunde gar nichts mehr so richtig überraschen kann. Oder schocken. Es gibt im Prinzip nichts, von dem wir uns nicht in irgendeiner Form ein Bild machen können oder bereits gemacht haben. Das ist eigentlich schrecklich. Ein ätzender Zustand der Bewusstseinssättigung.

Vielleicht ist das unsere Challenge, sich wieder verstärkt mit den eigenen Augen Bilder von etwas zu machen, anstatt immer nur medial vermittelt. Sich mal die Zeit zu nehmen und z.B. einer Schnecke eine Minute lang beim Kriechen zu beobachten, also gewissermaßen ein unantastbares, nicht reproduzierbares Master im Kopf zu erstellen. Oder besser, mit geschlossenen Augen, ja, keine Ahnung, da ist man wieder sehr schnell bei Walter Benjamins Aura-Begriff. Aber das natürliche, als unwiderbringlich empfundene Erlebnis im Hier und Jetzt, das hat schon eine hohe Qualität.

Lebensqualität.

12. August 2016 von Gerrit
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Kein Signal

keinsignal

von oben, dass das Wetter nochmal besser wird. Bekomme eine Lungenentzündung alleine vom Aus-dem-Fenster-schauen.

Es ist, als hätte ich es gerochen. Hab ich doch im letzten Beitrag beschlossen, das Lebenswerk eines Mannes zeige sich am Ende weniger in bedruckten Regalmetern und mehr in der Fürsorge für seine Liebsten, lese ich heute bei SPON eine Rezension über Thomas Langs neuen Roman „Immer nach Hause“. Thema: Hermann Hesses Ehe mit der Basler Fotografin Mia Bertoulli und seinen vielen Fluchtversuchen aus eben diesem Familienleben. Seine Gattin Bertoulli endete später mehrfach in psychiatrischer Behandlung, ein hoher Preis für die künstlerische Suche des Schriftstellers; ich würde sogar sagen, ein eigentlich unbezahlbarer.

Während ich im Urlaub war, hat mein Arbeitgeber zwei Spezial-Hefte herausgebracht: eines über Fidel Castro und eines über die Sechziger. Hab ja noch vor dem Urlaub „Tumulte“ von Enzensberger gelesen und muss sagen, dass ich diese Ära immer spannender finde. Weil es auch so viele Überschneidungen gibt. Sartre fährt mit Castro durch Kuba, genauso wie Enzensberger, den Castro später auf die Liste der politischen Gegner setzt. Sartre befragt auch den jungen Daniel Cohn-Bendit nach dessen Revolutionsbegriff, der sich wiederum über das Menschenbild eines Che Guevaras aufregt. Alles Randnotizen unter einer großen Cloud.

Man darf nicht vergessen, was die 68er-Bewegung alles im Nachkriegsdeutschland „bewegt“ hat, zum Beispiel die Frauen- oder Schwulenbewegung. Das Meiste von dem, was wir heute als fortschrittlich und schützenswert empfinden, wurde damals nicht nur erkämpft, sondern zum ersten Mal überhaupt formuliert.

Ich frage mich, ob es damals leichter oder schwerer war, sich Gehör zu verschaffen. Und ob es heute noch eine Forderung gibt, die – wenn man sie richtig formuliert – etwas Großes „bewegen“ könnte. In die richtige Richtung, versteht sich.

Ansonsten? Ertappe ich mich dabei, abends gerne noch ein bisschen Olympia zu gucken. Ich beobachte da einen Trend: Die Sportarten, in denen wir Deutschen erfolgreich agieren, sind eher Luxussportarten: Reiten, Schießen, Tennis. Das ist symptomatisch und wird sich in den nächsten Jahrzehnten auch eher verschärfen.

Und? Habe jetzt erst die Heimwerker-Videos von Fynn Kliemann für mich entdeckt. Dafür ist das Medium wirklich gedacht und gemacht.

11. August 2016 von Gerrit
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Schneckentempo

schneckentempo from anders-blog on Vimeo.

Urlaub vorbei. Morgen geht es wieder ins Büro. Und dann in zwei Wochen ab nach St. Petersburg. Erdogan wird dann wohl nicht mehr da sein, sonst hätte ich mich mit den beiden Demokratie-Experten mal an einen Tisch setzen können.

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Das Wetter hier ist ja tatsächlich so unsommerlich wie aus der Ferne beschrieben. Der einzige Vorteil an diesen ständigen Schauern ist, dass sich die Blumen wie von selbst gießen.

Waren ja mit dem Wohnmobil unterwegs und sind auch wirklich der Sonne hinterher gefahren. Österreich, Slowenien, Kroatien und auf dem Rückweg noch mal Österreich. Geangelt, Fußball gespielt, im Mittelmeer gebadet, gut gegessen und als Familie Zeit miteinander verbracht. Ich bin sehr dankbar für diese schönen Momente, gerade in diesen hektischen Zeiten, doch umso härter ist jetzt die Phase, da die eigenen Kinder wieder weg sind. Daran werde ich mich nie gewöhnen.

In Kroatien haben wir spontan einen alten Bekannten besucht, Holger Frenzel, ein Deutscher, der dort seit Jahren einen Campingplatz betreibt. Ich habe ihn vor Jahren mal für VOX gedreht, seitdem waren immer mal wieder Fernsehteams da. Aktuell läuft gerade was mit ihm auf Kabel 1, „Zwischen Meer und Maloche“ oder so ähnlich, hab am Sonntag Abend kurz reingeschaltet, fand es aber langweilig, bis auf Holger, versteht sich, der ist echt unterhaltsam. Und ein guter Gastgeber. Hat mit uns einen Bootsausflug zu den Delphinen gemacht, das war (selbst für die größeren) Jungs natürlich ein Knaller.

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Wenn man Zeit mit seinen Liebsten verbringt, stellt man sich automatisch die Frage, warum das so selten der Fall ist. Warum man so viel Zeit mit anderen Dingen verbringt. Und wie man das ändern kann. Ich habe mir extra zwei Tage länger Urlaub genommen, aber anstatt zu entstpannen, wäscht man einen Haufen Wäsche und kommt ins Grübeln.

Meine Freundin hat mir im Campingplatz-Supermarkt ein Buch gekauft: „Silbermond und Kupfermünze“ von W. Somerset Maugham. Es handelt von Charles Strickland, der seinen Job als Börsenmakler aufgibt, Frau und Kinder verlässt, um in Paris als Maler zu leben. Es gibt einen Haufen Genies, die zeitlebens einen Riesenoutput hatten, aber sich einen Dreck um ihre Kinder gekümmert haben. Ja, mir fehlt auch manchmal die Zeit, mehr als einen Gedanken zu formulieren, aber ich glaube, die eigentliche Lebensleistung misst man am Ende nicht in gedruckten Regalmetern.

In der neuen „11Freunde“ gibt es eine schöne Vorstellung der neuen, jungen, noch unbekannten Bundesligaprofis. Einer von ihnen heißt wie ich, nämlich Gerrit, allerdings Holtmann mit Nachnamen. Es hat mich sehr gerührt, wie er erzählt, dass ihm viele Trainer in der Jugend gesagt haben, er würde es nie zum Profi bringen, und wie er seinem krebskranken Vater auf dem Sterbebett versprach, „es mit dem Fußball zu packen und auf meine Mama aufzupassen“. Gerrit Holtmann war damals so alt wie meine Söhne heute, im Ernst, als ich das gelesen habe, musste ich fast heulen.

Für mich beginnt jetzt auch die Vorbereitung auf die neue Saison. War heute sogar joggen, morgen ist Training. Und ich habe in Equipment investiert. Wir haben auf dem Rückweg von Östereich einen Zwischenstop in Herzogenaurach gemacht und mit dem Jungs einen Abstecher ins Puma- bzw. Adidas-Outlet gemacht. Leider bin ich auch schwach geworden. Hab mir ein paar Fußballschuhe gekauft, ein Restpaar, das angeblich mal 250 Euro gekostet hat. Für sage und schreibe 25 Euro. Hatte sie schon einmal zum Kicken an – keinen Unterschied festgestellt. Aber schick sind sie schon. Oder zumindest schrill …

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09. August 2016 von Gerrit
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Das macht die Kunst

Es ist so weit. Urlaubszeit. Wieder ein Jahr vergangen. Wahnsinn. Dieses Jahr ist allerdings einiges anders: kein Schweden, dafür zwei Jungs unterwegs, die noch eingesammelt werden müssen, der dritte schon hier, mit den Hufen scharrend. Weil mit der Planung alles ein bisschen schwierig war, haben wir nur eine Buchung getätigt: ein Wohnmobil. Das holen wir morgen Mittag ab, und dann lassen wir es darauf ankommen. Meine Freundin und ich haben uns jedenfalls fest vorgenommen, die Zeit zu genießen, so oft sind ja auch nicht alle Männchen an Bord.

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Hab aus der Hüfte das Nötigste besorgt, den Rest kaufen wir unterwegs dazu. Alles kein Problem. Das Leben ist schön. Bin heute ein bisschen mit dem Rad durch die Nachbarschaft gefahren und habe in die Gärten geschaut, den Geräuschen gelauscht. Ich glaube, dass die Menschen hierzulande von dem ganzen Getöse in der Welt, insbesondere aus der Türkei, ziemlich bewegt sind. Dass sie den Frieden und die Ruhe hier nicht nur zu schätzen wissen, sondern dankbar dafür sind. Beinahe demütig. Das ist, wenn der Anlass nicht so traurig wäre, eigentlich ein guter Ansatz. So viele Dinge, die wir als selbstverständlich hinnehmen, sind, streng genommen, purer Luxus: warmes Wasser (oder sogar sauberes), ein Dach über dem Kopf, sichere Straßen, pünktliche Gehälter, volle Regale im Supermarkt. Man darf das nicht vergessen. Niemals. Und deswegen fahren wir morgen einfach los, kreuz und quer, den Fischen, dem Ball und der Sonne hinterher und freuen uns, dass wir alle da sind. Wer weiß, wie lange solche „Auszeiten“ noch selbstverständlich sind.

Die Welt da draußen tobt, und man fragt sich, wie es in modernen Zeiten dazu kommen kann. Man muss diesen Machtpolitikern etwas entgegensetzen. Etwas, auf das die Menschen wirklich hören. So wie Mario Gomez, der gesagt hat, er könne „aus politischen Gründen“ nicht mehr für seinen Verein Besiktas Istanbul spielen. Das regt die Menschen zum Denken an. Wenn sich Sportler äußern. Oder Künstler. Kunst kann Berge versetzen. Hab meiner Freundin zum Geburtstag zwei Karten für ein Sophia-Konzert geschenkt. Höre gerade die letzte Platte „As We Make Our Way“ auf Spotify. Werde sie mir auch noch kaufen. Was für ein Talent, was für ein Ausdruck. Apropos, mein Freund, der „Stubenhacker“, hat ein neues Video veröffentlicht. Sehr clever und cool, alle Achtung! Bin total gespannt auf die Platte, die im Herbst erscheinen soll.

21. Juli 2016 von Gerrit
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Die Moral der Geschichte

Um mal mit dem Leichtverdaulichen anzufangen: In der taz war heute eine schöne Kolumne von Silke Burmester. Thema: die Trennung von Sky und Mirja du Mont bzw. der schwindende Niedergang des „Promi-Standortes“ Hamburg. Ich hab das Paar ja vor ein paar Wochen für die Ikea-Doku interviewt, weswegen mir meine lustige Freundin schon vor ein paar Tagen diese WhatsApp schickte:

skyumirja

Ehrlich gesagt, ich hab mich damals auch nach dem „Geheimnis“ dieser Ehe gefragt. Die waren schon cool zusammen, aber … tja, keine Ahnung, ich meine mich nur zu erinnern, dass er an dem Tag ziemlich schlimme Rückenschmerzen hatte. Er konnte kaum auf dem Hocker sitzen.

Hab meiner Schwester zum bestandenen Abitur das Manuel Möglich-Buch besorgt (sie fand seine Wild-Germany-Reportagen cool) und den Autoren vorher eine Widmung reinschreiben lassen. Das Brasilien-Kapitel im Buch fußt ja auf einer Reise, die Manuel und ich 2013 gemeinsam für ZDFneo unternommen haben, insofern hat dieses Geschenk schon einen „doppelten Bezug“. Bei der Gelegenheit hab ich auch mal im Netz geschaut, was Manuel gerade so macht, und bin auf ein altes TV-Promi-Ranking gestoßen:

manuelmoeglich

Ja, Manuel ist schon ein smarter Typ, aber dieses Glamouröse, Starmäßige sehe ich natürlich überhaupt nicht, nachdem wir wochenlang gemeinsam und vor allem „ungeschminkt“ unterwegs waren. Ist eher lustig und beinahe absurd, dass er da zwischen Til Schweiger und Mats Hummels auftaucht. Sieht er wahrscheinlich genauso.

Ansonsten? Hat Peter Fox auf irgendeiner Podiumsdiskussion offenbar irgendwas zur Komplexität der globalisierten Welt gesagt und dass uns das nötige Bewusstsein dafür fehle …

Mir wird Folgendes bewusst: Mein Ziehsohn und sein kleiner Stiefbruder sind gerade in Göteborg bei einer Jugend-Fußball-WM. Man kann im Internet die Spiele per Live-Ticker verfolgen, während die Eltern zuhause hocken und sich fragen, wohin man noch in den Urlaub fahren kann.

gothiacup

In die Türkei jedenfalls vorerst nicht mehr, was für den einen Sohn den Verlust eines mögliches Urlaubszieles bedeutet, für den anderen jedoch den Verlust seiner Heimat. Oder zumindest deren vorläufige Unzugänglichkeit. Meine Freundin hat immer noch Bekannte und Verwandte dort, was diese „Krise“ so nah an uns herangeholt hat, wie ich es noch bei keiner anderen zuvor erlebt habe. Die Angst der Menschen dort, auf die Straße zu gehen, und die bürgerkriegsähnlichen Zustände schilderte uns eine Verwandte schon am Morgen nach dem Putsch per Telefon. Und dass ihr diese unfassbare Nacht ihrem ganzen Schrecken „für immer in Erinnerung bleiben“ werde.

Ich spüre im Moment ein völlig neues Gefühl der Hochachtung für die Politik hierzulande und kann nur hoffen – in dem Wissen, dass gerade das in Frage gestellt wird – dass sie es langfristig schafft, das Volk als Ganzes zu betrachten und nicht zu spalten. Mittlerweile empfinde ich es als Zeichen großer Stärke, bspw. neuen radikalen Parteien immer erst mal unvoreingenommen zuzuhören, bevor man sie genauer unter die Lupe nimmt. Als sich damals die DVU gründete, hat man das ausgehalten. Denn wenn man gesagt hätte: Das sind die Bösen, alle Parteimitglieder verhaften!, wäre man keinen Deut besser gewesen als diverse Staatsoberhäupter in Europa, die aktuell demokratische Grundrechte mit Füßen treten.

Mal ganz einfach gefragt: Was ist das für ein Politiker, der sein Volk wie Hunde aufeinander loslässt?

Und jetzt kommt das Spannende: Es gibt in einer Demokratie keine richtigen oder falschen Meinungen. Kein demokratisches Staatsoberhaupt darf sein Volk in gut und böse unterteilen. Dafür haben wir die Gewaltenteilung. Das ist das Tolle an unserem System. Und obwohl ich es kritisiere, wenn es woanders passiert, merke ich jetzt in dieser Sekunde, da ich es schreibe, dass ich im Grunde auch gerne manchmal hierzulande bestimmen würde, wer gut und wer böse ist. Dass ich der kleinen DVU im Nachhinein ihren Aufmarsch gönne, aber jetzt die AfD als so große Bedrohung empfinde, dass ich „mein“ demokratisches Deutschland eigentlich davor bewahren möchte, dass sie sich selbst – mit ihren eigenen Mitteln – in die falschen Hände begibt. Ja, ich möchte sie regelrecht beschützen. Nicht gerade mit Gewalt, aber notfalls durch Notstandsgesetze. Oder vielleicht sogar doch mit allen Mitteln?!

Ich muss mich mal wieder dringend mit Moralphilosophie beschäftigen.

19. Juli 2016 von Gerrit
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