Wie Deo!

Manche Dinge stinken wirklich zum Himmel, aber dazu später mehr!

Ihr seht, ich bin ein paar Tage abgetaucht. War mit meiner Lebensgefährtin und den beiden großen Jungs eine Woche lang in einer der aufregendsten Städte der Welt: New York. Jetzt bin ich pleite, aber es hat sich gelohnt. Ich will Euch nicht langweilen, und es muss auch nicht immer New York sein, aber zum Abschluss der Kindheit nochmal ein paar Tage mit den fast schon flügge gewordenen Küken an einem außergewöhnlichen Ort zu verbringen, ist ein Geschenk. Zumal ich meinen Sprössling ja auch nicht jeden Tag sehe.

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Wir haben natürlich viel unternommen, aber lustigerweise hat sie, glaube ich, am meisten eine Sache interessiert, die a) umsonst und b) moralisch ein bisschen zweifelhaft ist. Da sich beide für die Justiz interessieren (und ihre Eltern zwei lange TV-Dokus über „das Böse“ gemacht haben), waren wir im „Night Court“, einem öffentlichen Gericht in Manhattan, wo mutmaßliche Straftäter im Viertelstundentakt einer Haftrichterin vorgeführt werden. Hochinteressant. Und tatsächlich teilweise auch sehr dramatisch, weil im Publikum z. B. auch die Schwester oder die junge, schwangere Freundin eines Angeklagten sitzen und zusammenbrechen, wenn die Richterin die Höhe der Kaution bestimmt. Ein anderer Angeklagter, der wegen eines mutmaßlichen sexuellen Übergriffes vor Gericht stand, wurde irgendwann laut und rief, er sei das Opfer, und musste abgeführt werden. Das lässt einen nicht kalt. Für junge Menschen aber vielleicht ganz heilsam: Drogen sind BÄH, und Nein heißt Nein. Man weiß nicht, was noch kommt, aber wir können hier und jetzt zufrieden feststellen, dass die Kinder, ohne größere Tragödien zu produzieren, erwachsen geworden sind. Das ist nicht selbstverständlich, und dafür bin ich sehr dankbar.

IMG_9851Quasi auf dem Rückweg nach Deutschland von dem Strache-Video erfahren. Ohne Worte. Überraschen tut es mich aber nicht. Wenn ich nichts zu tun hätte, würde ich auch mal ein paar andere Typen genauer unter die Lupe nehmen. Man kann diese Art Politiker ja leider nur stoppen, wenn man einen Knüppel findet, den man ihnen zwischen die Beine werfen kann. Die AfD hat in den letzten Tagen bei uns in der Gegend noch mal wild plakatiert und mir kommt jeden Abend die Galle hoch. Ernsthaft. Wut und Trauer, wegen so viel Blödheit auf allen Seiten. Zum Glück gibt es noch genügend Gegenstimmen und andere, gute Impulse, wie dieses tolle, clevere Fritz Kola-Werbebanner, das, glaube ich, mein alter Mitbewohner und sein kreativer Kollege von Rocket & Wink entworfen haben (siehe unten). Man kann nur erahnen, was passiert, wenn bestimmte Leute an die Macht kämen und kritische Stimmen auch hierzulande nach und nach mundtot gemacht würden. Man kann es nur erahnen. Oder ins Ausland gucken. Oder in die Geschichtsbücher. Sonntag wählen gehen! Ernsthaft!

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21. Mai 2019 von Gerrit
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In Stelling bringen

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Heute ist mal wieder so ein Tag, an dem ein Blick in die Zeitung genügt, um nachhaltig schlechte Laune zu kriegen. Streng genommen, reichen die ersten 3 Seiten der Süddeutschen. Artensterben auf den Seiten 1 und 2 (das Problem wird auf der ersten Seite benannt, aber es wird nichts nützen, das ist krass) und auf Seite 3 ein Feature über eine Stadt in Südafrika, namens Orania, in der es Weiße „geschafft“ haben, dass da nur Weiße leben. Obwohl es natürlich auch in Südafrika von der Verfassung her verboten ist, einen Ort nur für Weiße zu schaffen. Aber die Bewohner tricksen. Sie organisieren ihre Stadt Orania als Firma, an der die Bewohner Anteile erwerben können. Eine Aufnahmekommission entscheidet, wer in den Ort kommen darf. Und – Überraschung! – Nichtweiße sind unerwünscht.

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Ich will nicht immer sagen: Die Welt ist schlecht! Ist sie ja auch nicht. Der Mensch hat viele schlechte Eigenschaften und die lebt er aus. Manchmal rücksichtslos. Und die Welt ist deswegen in einem schlechten Zustand. So vielleicht. Und, klar, das Leben als Erwachsener mit Kindern in der modernen Zivilisation ist ein anstrengendes. Eines mit Sorgen und Verpflichtungen, und zwar so viel davon, dass die Lebensfreude manchmal darunter leidet.

Dieses „Leben“ beschreibt Anke Stelling auf geradezu erschreckend beeindruckende Art und Weise in ihrem neuen Buch Schäfchen im Trockenen. Lese es gerade, weil sie bald bei uns im Podcast zu Gast ist und ich natürlich gerne vorbereitet wäre. Überlege, ob ich das Eis mit einem Kalauer breche, nach dem Motto: Anke, in Hamburg bist Du jetzt so berühmt, die haben sogar eine Autobahnabfahrt nach Dir benannt … ja, ich weiß, dass das Stellingen heißt, aber darum geht´s ja nicht. Ich möchte die Frau zum Lachen bringen, ihr Text ist so ernst und ihre Erzählerin so sorgenvoll, dass ich ganz demütig werde. Frage mich natürlich auch, wie leicht oder schwer das Leben von Anke Stelling selbst ist. Andererseits beneide ich sie darum, dass sie jeden Tag schreiben kann. Jeden Tag, bis es sitzt.

Apropos, bis es sitzt. Muss, bei aller Bescheidenheit, leider kurz vom Wochenende erzählen. Hab im Top-Spiel gegen Glinde tatsächlich mal wieder einen Freistoß direkt verwandelt, mit Vollspann direkt in den Winkel, ernsthaft, kein Blatt passte da mehr zwischen. Hat natürlich keiner gefilmt, deswegen haben es meine Söhne wieder nicht geglaubt, naja, ich hab dann gesagt, so ein bisschen wie Michael Ballack bei der EM 2008 gegen Österreich, also, ein bisschen so, gibt´s bei Youtube, ist mir jetzt zu blöd, das reinzustellen. Jedenfalls: Diese Momente zu erleben, ist in der Tat auch ein großes Geschenk. Deswegen ist die Welt auch nicht schlecht. Viel euphorischer und zufriedener kann man einen Sonntag nicht verbringen.

07. Mai 2019 von Gerrit
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Alle Tiere …

Alle Zeit der Welt ist relativ. Nur nicht die days – die machen die pace. Und tote Tiere zu fotografieren, ist Kommunikation. Face-to-face.

Snapseed

Tja, wer jetzt denkt: Ist er nun völlig übergeschnappt?, liegt nicht so ganz falsch. Ein Highlight jagt das nächste, eine Aktion die andere, alles wichtig, Aufs und Abs, links und rechts, oben und unten, keine Routine, außer der, dass es keine Routine gibt.

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War mit meiner Süßen Dienstag und Mittwoch in Berlin. Habe dort eine Literaturagentin getroffen, was sehr nett und interessant war, aber auch noch nicht mehr, weil ich doch nochmal an den Schreibtisch gehe, aber dann, vielleicht mehr, brauche Zeit, Zeit, oh, Gott, schreibt der jetzt, die ganze Zeit, so, abgehackt??? Nein! Abends waren wir auf einer sehr netten Party, halb drinnen, halb auf der Straße, und haben dort mit den Berliner Kollegen von Stadtlandfilm gefeiert, und zwar deren 10-jähriges Firmenjubiläum. Ja, dachte ich auch: Was? – 10 Jahre? Deswegen umso schockierender, weil wir damals dort mit meinem alten Freund Gian-Philip Themenbilder für das Böse gedreht haben, als sie diese Räumlichkeiten gerade neu bezogen hatten. 10 Jahre ist das jetzt her! Unfassbar!

Täter Mensch 3

Gian-Philip kam übrigens auch auf ein Bier vorbei. Oder waren es drei? Egal, ich liebe das, wenn man an einen Ort fährt, aber dort viele altbekannte Gesichter trifft. Die sich auch noch freuen, einen zu sehen. Denke dann immer, dass ich nicht alles im Leben falsch gemacht haben kann.

Wunderschöner Abschluss am Mittwoch: Ausflug mit meinem Patenkind in den Berliner Tierpark. Wir sehen uns leider viel zu selten. Daher bin ich sehr glücklich darüber, dass die paar Stunden reichten, um ein ganz wohliges Gefühl entstehen zu lassen. Zum Zeitvertreib haben wir uns lustige Witze ausgedacht, nach dem Vorbild dieser „Alle-Kinder-stehen-am-Abgrund-nur-nicht-Peter-der-geht-noch-einen-Meter“-Sprüche. Aber mit Tieren. Und nicht so böse. Wurde bis zum Schluss nicht langweilig (also meinem Patenkind und ihrer Schwester, mir sowieso nicht ;-)

Kostprobe gefällig?

Alle Tiere sind gesund. Nur nicht die Eule, die hat ne Beule.
Oder:
Alle Tiere werden immer lauter. Nur nicht der Gorilla, der wird immer stiller.

Ja, ich weiß, ist kein Gorilla, aber sonst reimt es sich ja nicht ...

Ja, ich weiß, ist kein Gorilla, aber sonst reimt es sich ja nicht …

Vielleicht sollte ich doch ein Kinderbuch schreiben. Was Lustiges. Also nichts mit eingesperrten Tieren, das ist nämlich eigentlich nicht lustig, im Gegenteil. Was Nettes, in rot und blau. Passend zu den schicken IKEA-Regalen, die in jedem Kinderzimmer stehen. Konfektionsware, eben.

Ansonsten? Wird die Stadt zur Wahl wieder mit dämlichen Gesichtern zugeschissen. Die NPD hat einen ganz geschmackvollen Slogan: Gas geben! Warum werden solche Sprüche nicht verboten? Und die Typen verdonnert!? Müll sammeln. Plastik aus dem Meer fischen. Irgendwas Sinnvolles. Ehrlich, ich verstehe das nicht, dass sowas geht. Was ich hingegen sehr wohl verstehe (auch wenn ich es nicht gutheiße, bzw. mich sogar vor den Folgen fürchte), ist, dass die Menschen von den großen Volksparteien enttäuscht und genervt sind, weil die ihren Job nicht machen. Ich habe in den letzten Tagen mit drei Menschen gesprochen, die Angst haben, ihre Wohnung zu verlieren. Menschen, die arbeiten (sogar mehrere Jobs), Steuern zahlen, glühende Anhänger der Demokratie, Mülltrenner, Friedensstifter, durch und durch gute Bürger – die nachts wach liegen, weil die Häuser, in denen sie wohnen, neue Eigentümer haben, die nichts tun, außer die Miete zu erhöhen. Ganz im Ernst, da darf man sich doch nicht wundern, wenn irgendeinem jungen Familienvater irgendwann mal die Krawatte platzt. Oder eine alleinstehende, selbständige Mediengestalterin aus lauter Verzweiflung aus dem Fenster springt. Doch, im Einzelfall halte ich Enteignung von Wohnraum für kein schlechtes Mittel.

Und? Habe gewissermaßen über Nacht ein neues Exposé über das Böse verfasst. Diesmal für arte. 10 Jahre nach den Themenbildern am Prenzlauer Berg. Da schließt sich ja wohl sowas von der Kreis, runder geht´s gar nicht. Apropos rund, den hatten wir auch noch: Alle Tiere haben Pause. Nur nicht der Hund, bei dem geht es rund. Kleiner Tipp an alle Eltern: Das Versmaß muss nicht perfekt sein, damit sich ein fast 6-jähriges Mädchen kaputtlacht und selbst anfängt, sich Witze auszudenken. Der mit der Eule und der Beule ist von ihr. Da lacht das Dichterherz.

03. Mai 2019 von Gerrit
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Über Mehrjähriges und Steinzeitiges

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Heute Morgen habe ich echt gestaunt. Die Terrasse ist explodiert. Und dass, obwohl die meisten Blumen alt sind, also mehrjährig, und es noch nicht einmal Mai ist. Es ist aber natürlich auch ziemlich warm gewesen die letzten Tage, man muss ja fast jeden Tag gießen. Steht ja auch in der Zeitung, dass die große Dürre bevorsteht. Oh, schöner Bilderwitz – die große Dürre, und dann eine hochgewachsene, schlaksige Frau …

IMG_9494 IMG_9493 IMG_9492 … wie in dem Metzgerwitz (Ich hätte gerne 1oo Gramm Leberwurst, aber von der groben Fetten – Die hat heute Berufsschule) … egal, nicht lustig. Apropos Metzger, bin auf dem Weg zur Arbeit an einem Edeka-Plakat vorbeigefahren, auf dem ein Burger abgebildet war und darunter: #ehrenburger. Fand ich eigentlich ganz clever, habe aber eben gesehen, dass der Hashtag bei Instagram ein alter Hut ist. Da ist mal wieder was mit Verspätung aus der neuen in die alte Welt transferiert worden. Medien, ohnehin ein interessantes Thema. Im Moment wird viel über neue Formate und neuen Content für unterwegs, d.h. für mobile Endgeräte nachgedacht. Also qualitativ hochwertige Inhalte, die die Themen oder Geschichten nicht mehr in 90 oder 45, sondern in 10-15 Minuten abhandeln. Sehr spannend, da geht noch was.

Ganz stolz sind sie darauf bei prosex ...

Ganz stolz sind sie darauf bei prosex, wie die Homepage beweist …

Im Moment leben wir, was das betrifft, echt in einer Phase des Umbruchs. Das sieht man an Formaten wie GNTM. Wir gucken das jetzt donnerstags einigermaßen regelmäßig als Familie, und die gestrige Folge hat mal wieder bewiesen, wie frauenfeindlich das Ganze ist, als Paris Hilton, mit einem Rohr bewaffnet, weißes Zeug auf die Models gespritzt hat. Das ist bei stern.de und welt.de auch ganz lustig kommentiert worden, ist es ja auch, ich frage mich nur, warum sich darüber niemand beschwert. Also, so gar nicht!? Warum es niemanden aufregt!? Ich meine, gerade Models berichten immer wieder über metoo-mäßige Vorfälle, wie kann man dann so ein Shooting inszenieren? Klar, mit Paris Hiltons Vorgeschichte … ich verstehe das schon, es nervt mich nur ein bisschen, dass darüber nur gelacht wird. Das sind Steinzeit-Inhalte auf modernen Kanälen. Ich meine, ich gucke es ja auch, hmmmm …, nur aus Zuneigung? Oder rege ich mich gerne auf? Ich weiß es nicht. Trotzdem: Über jeden (vermeintlichen) Elfer wird tagelang deutschlandweit debattiert – und hier? Dass sich da der Presserat so gar nicht zu äußert, wundert mich schon.

Ich mache mich demnächst auf die Suche nach einer kleinen Landscholle, mit einem artesischen Brunnen und Obstbaumbestand und ohne Antenne – dann bin ich sicher.

26. April 2019 von Gerrit
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Bibliophilosophische Betrachtungen

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Der Arbeitstag nahm heute, nach einer relativ tief gehenden Betriebsversammlung zum Auftakt, im Laufe des Nachmittags noch eine nette Wendung. Ich bin für das „geheime Rom“ nämlich auf der Suche nach einem bestimmten Buch von Golo Maurer über die Preußen am Kapitol, und wir haben für diese Zwecke eine Bibliothek, wo nette und kompetente KollegenInnen sitzen und diese Buch- oder Filmwünsche bearbeiten.

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Aber dieses eine Buch war nicht zu kriegen. Der Kollege teilte mir jedoch mit, ein Exemplar stehe in der Bibliothek des Museums für Kunst und Gewerbe, könne aber nicht ausgeliehen werden. Und wie man das da einsehen könne, wisse er auch nicht genau. Habe dann selbst herausgefunden, dass die einen online-Katalog auf der Seite haben, habe mir das Buch dort rausgesucht, die Daten ausgedruckt, bin eben rüber gestiefelt, konnte dort direkt ins Buch reinschauen und noch Kopien machen lassen. Und, ja, die Kollegen da waren etwas gesetzt, aber sehr freundlich und äußerst hilfsbereit. War auf jeden Fall ein netter und erfolgreicher Ausflug. Erinnerte mich plötzlich auch daran – und das hat vielleicht damit zu tun, dass ich am Wochenende wieder Unikram in den Händen hatte – dass die Besuche in der großen Universitäts-, aber mehr noch in den kleineren Institutsbibliotheken damals das war, was mir im Studium mit am meisten Spaß gemacht hat. Ich liebe einfach die Aura von alten Büchern. Klar, es kommt ein bisschen darauf an, was drin steht, aber Bücher sind so friedlich und geduldig. Zumindest machen sie den Eindruck. Obwohl sie auf der anderen Seite so eine Macht haben. Eine Wirkung, im Guten und im Schlechten. Obwohl es natürlich die Autoren sind, die diese Wirkung erzielen. Im Prinzip sind Bücher wie schlafende Hunde. Wenn ich nicht Angst haben müsste, gebissen oder eingeschläfert zu werden, könnte ich auch als Bibliothekar arbeiten.

25. April 2019 von Gerrit
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Yps, die Pannenshow

Bin Ostermontag mal eben in die Zeitmaschine gestiegen. Was für ein Trip in die Kindheit/Jugend. Musste zwangsweise entrümpeln, hab ich auch, ungefähr zehn Ordner mit Unikram weggeschmissen.

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Aber einiges musste ich doch behalten, bin dabei nämlich auf ein paar echte Schätze gestoßen. Nur so viel vorab: Meine beiden Söhne, die netterweise geholfen haben, haben sich weggeschmissen.

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Zum Beispiel über meine bemalten Aktenordner, wo ich doch immer Ordnung und Reinlichkeit predige … wobei geordnet bin ich ja. SEHR sogar. Habe nämlich auch einen Ordner mit Skurrilitäten wiedergefunden. Ja, ich muss irgendwann schon mal viel Zeit gehabt haben, anders ist das nicht zu erklären. Fast ein bisschen manisch. Aber auch: Was für ein Glück! Oder? Egal, es fanden sich darin u. a. sich ein Autogramm von Kalle Rummenigge aus dem Jahre 1981. Die Karte dazu hab ich selbst bemalt. Mein Vater hatte sie damals heimlich zum FC Bayern geschickt (zu Händen von Herrn Hoeneß) und mir dann später unter den Weihnachtsbaum gelegt.

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Aber es wird noch besser. Offenbar habe ich als 9-Jähriger mal der Zeitschrift YPS ein Agenten-Gimmick vorgeschlagen: den Schieß-Kugelschreiber. Ich meine sogar, mit Konstruktionszeichnung(!). Jedenfalls schrieben sie damals zurück: Danke, aber nein, aber Danke, ganz nett eigentlich.

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Knapp zwei Jahre später entdeckte ich dann bei uns im Supermarkt ein neues YPS-Detektiv-Heft. Das Gimmick? Richtig: der Schieß-Kugelschreiber. Na, da war aber was los. Achterbahn im Kopf. Ich habe denen dann nochmal geschrieben: Hatten die YPS-Erfinder meine Idee geklaut? Ich wollte es nur wissen. Ich hätte es auch keinem verraten, habe ich so geschrieben (Und sogar Rückporto beigelegt. WTF?). Am besten ist aber die verschwörerische Unterschrift: Super-Special Detektiv, Super-Geheim-Special Agent.

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Super, Junge! Zu meiner Verteidigung: Ich war 11. Bin seitdem auch (etwas) gereift, wie mein Musiktipp zum Wochenanfang hoffentlich beweist:

23. April 2019 von Gerrit
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Alles kaputt

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Wenn sich Dein Ziehsohn in dieser Form heimlich auf dem Einkaufszettel verewigt, weißt du, du hast nicht alles falsch gemacht. Dieser lustige Frechdachs. Dabei bin ich gar nicht kaputt. Gut, der kleine Zeh ist gebrochen, meine Augen tränen ständig im Büro, ich hab innere Hitze und schlechte Cholesterin-Werte, aber kaputt???

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Ich kann Euch sagen, was wirklich kaputt ist. Alle drei Lichterketten, die ich in den letzten zwei Jahren für die Terrasse gekauft habe. Obwohl die angeblich outdoor-tauglich sind. Das geht mir wirklich auf den Sack und auch auf die Gefahr hin, dass ich klinge, wie mein Vater: Der Mensch fliegt zum Mond und baut Schiffe, auf denen Flugzeuge landen können, aber eine verdammte Lichterkette zu produzieren, die man problemlos 10 Jahre draußen hängen lassen kann und trotzdem funktioniert, keine Chance. Und dabei geht es mir nicht mal (nur) um die 50 Euro, das ist schlimm genug, aber dieser sinnlose Müll, das ist echt ätzend. Eine Schande, dass alle Baumärkte so einen Schrott im Sortiment haben. Wenn ich gar nix zu tun hätte, würde ich ein kleines mobiles Hochbeet auf Rädern für Stadtbalkone entwickeln. In schöner Holz-Optik, mit implementierter, witterungsbeständiger Lichterkette.

 

16. April 2019 von Gerrit
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Son Tag wie heute

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Wer will schon die Profis von St. Pauli sehen? – Hatte heute mal wieder eine ganz spontane Idee. Keine Kinder, keine Freundin, keine Termine, bin also in die Randbezirke Hamburgs Richtung Elbdeich gefahren und habe mir das Spitzenspiel unserer Seniorenstaffel angeschaut: ETSV gegen Glinde. Was für ein Genuss. Also, nicht das Gekicke, das wird in zunehmendem Alter einfach nicht besser, aber der Rest. Das Drumherum. Alles friedlich, kaum Regen, und in der Halbzeit eine gute alte Bratwurst. Nichts für meine Cholesterinwerte, aber für die Seele.

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Beim Fußballschauen ist mir wieder eine Sache aufgefallen: Ja, es ist auch ein Platz für zivile Aggressionen, aber noch mehr für Sportsgeist und Fairplay. Wie oft sich in den 70 Minuten zwei erwachsene, männliche Kontrahenten die Hände geschüttelt haben, einfach toll. Selbst die Diskussionen mit dem Schiedsrichter verliefen respektvoll und freundlich. Obwohl es auf dem Papier um den Platz an der Spitze ging (um den wir, nebenbei bemerkt, auch immer noch mitkämpfen).

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Zu Hause geht es gerade genauso idyllisch weiter. Die faulen Kater schlafen, die Supermarkt-Blumen, die ich gestern gepflanzt habe, tun so, als wären sie was ganz Besonderes. Das alles rührt mein Herz.

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Seit 15:30 Uhr drücke ich meinen bescheuerten, arroganten Bayern die Daumen. Merke, dass ich immer noch der Niederlage gegen Liverpool hinterher trauere. Das sind aber wahrlich alles nur Luxusprobleme. Habe heute auf dem Nachhauseweg überlegt, noch einen Abstecher in die KZ-Gedenkstätte Neuengamme zu machen, doch das nehme ich mir mal für einen der nächsten Sonntage vor. Das sollte man in Ruhe machen und vielleicht auch mit den Jungs. Man kann nur dankbar sein für jeden Tag, den man in Friedenszeiten verlieben darf (Anm.: spreche den Text, wenn ich unterwegs bin, immer in mein Smartphone, und an der Stelle hat die Spracherkennung aus „verleben“ ein „verlieben“ gemacht, egal, das kann man mal so stehen lassen).

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Bin stattdessen noch ein bisschen an der doofe Elbe spazieren gegangen (jetzt ist es aber genug, Spracherkennung). Am olympischen Ruderstützpunkt diese interessante Brücke gesehen, der Mittelteil liegt auf Rollen und kann bei Bedarf einfach übers Wasser geschoben werden, um die Lücke zuschließen. Das ist doch genial. Warum besinnen sich die Menschen nicht immer darauf, etwas Gutes aus ihren Möglichkeiten zu machen? Das mechanische Prinzip ist ja beinahe antik, da hätten auch schon die alten Ägypter drauf kommen können. Vielleicht sind die alten Sachen manchmal doch die besten. Habe das gestern wieder gedacht, als ich Kartoffeln gekocht habe. Die waren allerdings neu.

Zuletzt noch ein Mini-Abstecher an der evangelisch-lutherischen Dreieinigkeitskirche in Allermöhe. Dort ein paar Beobachtungen gemacht: Warum eigentlich immer Stiefmütterchen? Auf dem Friedhof natürlich das große Thema: Tod, aber nicht nur auf natürliche Weise, sondern auch in Gedenken an die Weltkriege.

IMG_9384IMG_9386IMG_9380Genau das meine ich, wenn ich sage, Friedenszeiten sind das Paradies auf Erden. Man vergisst bei dem historisch-theoretischen Diskurs manchmal, was ein großer Krieg mit einem kleinen Dorf macht. Er rottet es aus!

Unter einem Grabstein, den ich aus Datenschutzgründen nicht zeige, liegt offenbar ein Paar. Er: geboren 1910, sie: 1919. Er: gestorben im Oktober 1944, sie 2008. Angenommen, die beiden waren ein Paar, dann werden sie frühestens 1937 oder 1938 geheiratet haben, die Frau muss damals jedenfalls noch sehr jung gewesen sein. Und als er einberufen wurde, können sie höchstens ein paar Jahre verheiratet gewesen sein. Das heißt, die Frau hat fast ihr ganzes Leben als Witwe gelebt. Das ist so schrecklich, dass man dafür eigentlich kaum Worte findet.

Kurz bevor ich wieder zu Hause war, bin ich noch in Jenfeld einer freien Tankstelle vorbeigefahren. Dort hatte ein 15-Jähriger große Probleme sein BMX-Rad aufzupumpen, weil das Ventil abgeknickt war. Er hat mich sehr nett gefragt, ob ich ihm helfen könne, und ich konnte ihm helfen. Hatte zufällig ein bisschen Werkzeug dabei und gemeinsam haben wir es hinbekommen. Genauso freundlich und sogar etwas erleichtert hat er sich anschließend bei mir bedankt. Ich war auch froh, ihm helfen zu können, das war wirklich ein sehr nettes, überraschendes Erlebnis.

Auch der Abschluss des Tages nachher wird sich sehen lassen können: Dortmund-Tatort an der Seite meiner Liebsten. Aylin Tezel, die ich sehr schätze, hatte gestern Abend schon einen großen Auftritt in „Die Informantin“. Klasse Buch, klasse Film.

Ansonsten? Habe ich gestern meine Gedichte-Sammlung weiter auf Vordermann gebracht. Das macht Spaß, da durchzupflügen und alle Zeilen, die sich in sich verrannt haben, in die Kabine zu schicken. Ja, möglicherweise befasse ich mich zu viel mit Fußball. Aber besser als Jagdgewehre zu sammeln oder exotische Tiere.

14. April 2019 von Gerrit
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Intensely

Hab mich immer gefragt, wie das Atelier eines Aktionskünstlers aussieht.

Hab mich immer gefragt, wie das Atelier eines Aktionskünstlers aussieht.

Alles ist Kunst!
Oder?
Nicht!

Es gibt Wörter, die versteht man sofort, ohne deren Bedeutung zu kennen: Intensely, zum Beispiel. Obwohl ich dessen Bedeutung natürlich kenne. Fällt mir gerade so ein, egal – kleiner Tipp für heute? Wenn ihr in England mit einem Mietauto unterwegs seid, checkt mal, ob ihr über mautpflichtige Brücken fahrt. Das ist in England gar nicht so selten und wird zum absoluten Nervkram, wenn ihr Wochen später Post von der Autovermietung bekommt, die erstens eine Bearbeitungsgebühr nehmen, und ihr zweitens den Strafzettel gar nicht mehr bezahlen könnt, weil die städtischen Mautbetreiber längst ein privates Inkassounternehmen eingeschaltet haben. Lese zwar gerade überall, dass die in Deutschland nicht vollstrecken können, aber es ist meganervig. Und das alles wegen 2 Pfund! Warum sind da keine Terminals? Zumindest auf einer Spur, für so blöde Touristen wie mich? Zivilisation at its worst.

Mersey Kopie

Sitze wieder (wenn ich nicht gerade die online-Rechtsberatung vom ADAC checke) über dem geheimen Rom. Habe im Zuge der Katakomben etwas über das frühe Christentum in Rom gelesen und die z. T. sehr, sehr grausigen Methoden der Christenverfolgung. Kaiser Nero ließ die Christen, weil er sie für den großen Brand in der Stadt Rom verantwortlich machte (bis heute gibt es ja die Gerüchte, er war es selbst, um Rom hinterher neu zu erbauen), festnehmen und wie Fackeln anzünden, also tatsächlich zur Beleuchtung seiner grausigen Schauspiele. Unfassbar.

Was ich auch nicht wusste: die Stella-Geschichte (Takis Würger und so, ihr wisst schon) spielte auch in Rom. Hier lebte die „schöne Jüdin“, die zum eigenen Schutz mit den Nazis kollaborierte und ihre Glaubensbrüder und -schwestern verriet. Warum ich dabei an die GNTM-Folge von gestern denken muss, weiß ich auch nicht. Vielleicht, weil Heidi zum Ende der Sendung die Mädchen dazu verpflichtete, ihrerseits, jede für sich und vor versammelter Mannschaft, eine Ausscheidungskandidatin aus der Gruppe zu benennen. Da werden Menschen zu unmoralischem Handeln gezwungen, keine Ahnung, fast so ein bisschen wie beim Standford-Experiment. Man gibt Menschen Macht über andere Menschen, deren Ausmaß sie aber gar nicht begreifen. Meine Freundin und ich fanden das jedenfalls unmöglich, aber der Presserat findet das offenbar alles okay. Ich habe mir jedenfalls sehr gewünscht, dass sich wenigstens ein Mädchen hinstellt und sagt: Bei allem Respekt, das ist menschenverachtend, ich mache da nicht mit. Das wäre ihr bestimmt hoch angerechnet worden, wenn sie es vernünftig begründet hätte.

Ansonsten? Heute Abend Spitzenspiel. Wir gegen Curslack-Neuengamme! Was? Kennt ihr nicht? Ist wie FC Bayern, nur kleiner.

12. April 2019 von Gerrit
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Mit Woch Gespräche

Heute morgen auf dem Weg zur Arbeit noch eine neue Batterie für den Roller besorgt (siehe Blog von gestern). War zum Glück wieder mit offenen Augen unterwegs, sonst wäre mir dieses zeitgenössische Meisterwerk entgangen. Sollte ich in 20 oder 30 Jahren mal einen nostalgischen Bildband gestalten, der ausdrücken soll, wann wie was schief gelaufen ist – dieses Bild wäre garantiert dabei. Darin ist alles enthalten. Wohnen, Umwelt, Konsum, Automatisierung, ALLES!

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Habe angefangen, ein Drehbuch über das geheime Rom zu schreiben. Ziemlich komplex, von hier aus. Obwohl mir eine Kollegin aus Rom ein paar sehr schöne Geschichten zusammengetragen hat. Aber eine gute Geschichte muss eben auch immer bebildert werden, wenn sie im Fernsehen erzählt werden soll. Und das ist meist die große Schwierigkeit. Oder Herausforderung. Darum beneide ich die Kollegen der schreibenden Zunft mitunter; sie brauchen die Story einfach nur zu schreiben.

Mir fiel dann heute noch ein, dass der Schauspieler Helmut Berger lange in Rom gelebt hat. Bin bei der folgenden Recherche auf ein Interview gestoßen, das – interessanterweise – die Autorin Elfriede Jelinek auf ihrer Homepage verlinkt hat, und zwar nicht nur dieses eine, sondern ziemlich viele. Geführt hat diese Gespräche aber nicht sie, sondern der Journalist André Müller.

Müller hat jahrelang für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften Interviews mit berühmten Persönlichkeiten geführt, war aber auch im Theaterkontext tätig. 2011 ist er an Krebs gestorben, d.h. die Kollegin Jelinek hält die Textsammlung auf ihrer Homepage gewissermaßen in Ehren:

Gute Gespräche

Das ist übrigens ein interessantes Thema: Homepages von Toten, die immer noch am Leben erhalten werden (die Seiten, nicht die … ach, egal). Es gibt so eine auch von einem Münsteraner Künstler, den ich immer sehr geschätzt habe: Axel Schulz oder Schulß, wie er sich zuletzt schrieb. Da kann man immer noch seine Songs hören und sich im Laufe der Nacht bei Überschreiten des Horizontes auch etwas verlieren. Einer meiner absoluten All-time-favourites (musikalisch und textlich) ist übrigens Morgen fangen wir von vorne an, von der Platte Ich lass erst den Fluss vorbei, im Übrigen auch schon ein grandioser Titel. Und noch drei Randnotizen: Einer von Axels Produzenten war Ekki Maas von der Band Erdmöbel. Deren Keyboarder Wolfgang Proppe hat auch auf einer Schulz-Platte gespielt: der roten, mit dem Titel: Du & ich und die und die. Auf derselben Platte trommelt mein alter Schlagzeuglehrer Ben Bönniger. Bis heute inspirierend. Jetzt wisst ihr Bescheid!

http://www.ue-artundweise.de

Viel Spaß beim Stöbern und Hören!

Wenn man stöbern und hören zusammenführt, wird daraus „stören“!

Und? Habe soeben festgestellt, dass es noch einen anderen Musiker gibt, der Ekkehard Maaß heißt, immerhin Träger des Bundesverdienstkreuzes. Die taz berichtete gerade über ihn, weil im Hinterhof seiner Wohnung nun gebaut werden soll. Genau da, wo er 1978 einen für die DDR bedeutenden, literarischen Salon gründete. Was soll uns das sagen?

ALLES ist
endlich
wie

10. April 2019 von Gerrit
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