Licht. Wo?

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Heute mit einem Erdbebenforscher im Fundament und auf der Turmspitze des Doms gewesen. Sehr beeindruckend. Die wussten damals schon, dass das Fundament eines Bauwerks genau so groß sein muss wie das Bauwerk selbst. Nur so funktioniert die Statik. Mit dem Dom verhält es sich wie mit den Pyramiden: Man kann nicht glauben, dass das Menschen vor so langer Zeit wirklich erbaut haben. Dagegen tun wir uns heute schwer, ein Loch in einem Fahrradreifen zu flicken.

Lese gerade bei Enzensberger, wie er Ende der sechziger Jahre einer Einladung nach der anderen folgt und ständig irgendwelche Länder bereist, während seine neue russische Frau für Aufregung und zu Hause die Kommune 1 für Schlagzeilen sorgen. Und dass er selber irgendwann nicht mehr weiß, ob er noch reist oder schon flieht.

Hatte eben wieder so einen kurzen, unwirklichen Handlungsreisenden-Moment, als ich in der Kölsch Kneipe unten im Hotel den Rinderbraten von der Tageskarte bestellt habe. War auf der einen Seite unter Leuten, auf der anderen auf einem fernen Planeten. Hab mich hinter meinem Buch verschanzt, bis ich es irgendwann beiseite gelegt habe, um mein Smartphone zu befragen, mit was ich mich im Anschluss im Fernsehen zerstreuen kann. Nein, ich bin auch nicht perfekt. Aber zu meiner Verteidigung: Kabel 1 wiederholt gerade alle Bud Spencer Filme. Da fällt mir auf: Kabel 1 klingt fast wie Kommune 1.

Kultur ist eben ein Phänomen. Gestern in einen Massenauflauf vor einer großen Kölner Buchhandlung geraten (siehe oben). Autogrammstunde von … Daniela Katzenberger. Bin weitergegangen. Das war mir dann doch zu einfach.

29. Juni 2016 von Gerrit
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Gute Mischung

Mein Sohn - empathisch

Mein Sohn – empathisch

Heute in der Scheiße gewatet. Und im Enzensberger weitergelesen. Das reinste Lehrbuch. Bin froh, dass ich für ARTE auch bald nach St.Petersburg reise. Würde allerdings lieber als Dichter mit meiner Freundin fahren, weniger als Reporter mit der Kamera. Wer für andere ein Geschehen dokumentiert, bekommt von dem eigentlichen Geschehen selbst nichts mit, so paradox das klingen mag. Ich degeneriere dann zur Sehhilfe Dritter und erblinde selbst. Irgendwie in der Art.

Ohne Worte

Ohne Worte

„Wirrwarr“, findet Entenschnabel ein gutes Wort. „Ich begreife nicht ganz, wie in tausend Tagen überhaupt so viel passieren konnte.“ Ein Satz von ihm. Was diesen Satz richtig gut macht? Das „nicht ganz“ …

Liebe es, wie Enzensberger über seine privaten „Tumulte“ spricht, über den Umgang mit seinem alten Ich, dessen Aufzeichnungen er sich Jahrzehnte später erbarmt; oder über einen Auftritt am Mikro einer politischen Kundgebung vor 25.000 Menschen. Wie er sich plötzlich wie ein „Demagoge“ vorkommt und in derselben Sekunde schwört, nie wieder große Reden zu schwingen. Ich meine, ich betreibe ja bloß diesen Blog, habe aber jetzt schon manchmal Sorge, falsch zitiert zu werden, wenn ich z.B. anzweifele, ob wir demokratietauglich sind!?

Heute in der Kölner Kanalisation standen Willi und Freddi knietief in der Kloake und haben den Kanal gesäubert. Von der Scheiße ihrer Mitbürger. Sie würden sich manchmal mehr Wertschätzung wünschen. Stattdessen schimpfen die Leute, wenn Willis Tankwagen mal ein bisschen den Fußweg blockiert. Ja, man kann sagen, ich habe heute viel gelernt – im Elfenbeinturm und im Abwasserkanal. Gute Mischung.

Ansonsten? R.I.P. Mücke! Zum Heulen.

28. Juni 2016 von Gerrit
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Tor eines Handlungsreisenden

Blick aus dem Fenster

Blick aus dem Fenster

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Und wieder in Köln. Morgen gehe ich für ARTE erneut in die Kanalisation.

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Habe mich extra in dem kleinen Old School Hotel vom letzten Mal eingebucht.

Mag es, wie ein Arbeiter auf Montage zu hausen. Nicht umsonst nennt man das Schneiden eines Films ja auch Montage. Und diese ganzen neuen Hotelketten langweilen mich.
Hab im Zug ein bisschen in dem Enzensberger Buch über seine frühen Russlandreisen gelesen. Hatte danach Lust, selber ein Buch mit meinen Reiseaufzeichnungen zu machen.
Bin die Zugstrecke von Hamburg nach Köln ja heute zum X. Mal gefahren. Wenn man mit frischem Blick die Landschaft betrachtet und die Menschen an den Bahnhöfen, dann fragt man sich manchmal schon, wie die Menschen eine solche Lebens- oder, besser gesagt, Daseinsform freiwillig wählen konnten. Rauchende Schlote, grauer Beton, hohe Häuser und seltsame Fortbewegungsmittel, die die Massen von links nach rechts transportieren.
Und hier ist es noch schön, verglichen mit dem, was Enzensberger über das Russland der sechziger Jahre schreibt.

Ansonsten? Italien, Island, Wow!

27. Juni 2016 von Gerrit
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So´n Tag

Sonntag. Tag der Ruhe.

Irgendwann, wenn das Chaos tobt,
sendet der öffentlich-rechtliche
Beruhigungskanal
immer wieder sonntags
„Immer wieder sonntags“ …

Hab der Versuchung widerstanden und heute tatsächlich etwas Sinnvolles geleistet, nämlich meiner Schwester beim Misten geholfen. Wasser geschleppt. Dachrinne gesäubert. Das Pferd gestriegelt. Die Koppel „abgeäppelt“, mich von Bremsen stechen lassen und mehrfach am Weidezaun einen gewischt bekommen.

Die deutschen Fans singen jetzt auch die Nationalhymne. Bela Rethy meinte, sie hätten sich das von den englischen Fans abgeschaut. Ich finde es einfach nur gruselig. Dauert nicht mehr lange, dann singen sie wieder die alten Strophen. Dieses neue Deutschland-Design auf jedem Kack geht mir auf die Eier.

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Genieße aber das Spiel unserer „Mannschaft“. Wenn ich mir etwas wünschen und die Zeit zurückdrehen könnte, würde ich gerne 10 Jahre Profifußball in mein Leben mogeln. Wäre gerne ein Schweinsteiger gewesen. 15 gute Jahre und im Grunde nie wieder arbeiten müssen. Doch das kriege ich wohl nicht mehr hin!?

Leider eher Kloß statt Kroos

Leider eher Kloß statt Kroos

Ansonsten? Kann man nur hoffen, dass die Amis etwas von den Briten gelernt haben. Nicht emotional entscheiden! Auch wenn es sich im ersten Moment gut anfühlt.

26. Juni 2016 von Gerrit
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Euweia

Grunz

Das Volk hat entschieden: Die Briten sind raus. Nicht bei der EM, nein, generell. Der „Brexit“ ist beschlossene Sache. Euweia. Ich möchte nicht falsch verstanden werden, aber die Demokratie oder die Instrumente der Demokratie haben in all ihrer Stärke eben auch ihre Tücken. Ich finde es gut, die Bürger einer Stadt zu fragen, ob sie Olympia wollen, aber es gibt m.E. auch Fragen, die „die Masse“ nicht sachgerecht beantworten kann. Oder nicht im Sinne einer freiheitlich-demokratischen Gesinnung. Zum Beispiel, wenn man den Schweizern die Einwanderungsfrage stellt. Und hierzulande würde man sich auch wundern, wenn man der aktuellen Stimmung gehorchen und mal ganz grundsätzlich die „Vertrauensfrage“ stellen würde, wie wir eigentlich leben wollen.

Nochmal: Ich möchte nicht falsch verstanden werden. Es ist ja gut, wenn das Volk mal die Chance hat, der Politik zu sagen: Bis hierher und nicht weiter. Oder: Bedenkt euer Tun! In der Demokratie muss es sogar verschiedene Meinungen geben, um die Vielfalt zu erhalten. Und dass ich nicht derjenige sein kann, der vorschreibt, welche Meinungen (noch) erlaubt sind oder nicht, ist auch klar. Auf der anderen Seite lebt ein so hochwertiges, aufgeklärtes politisches System aber leider davon, dass diese Meinungen fundiert sind und jeder eine eigene Meinung hat. Aber „die Masse“ hat traditionell keine eigene Meinung. Sie ist der Funke, der sich zu einer immer größer werdenden, brennenden Lawine formiert, bis man sie nicht mehr löschen kann. Es ist paradox, aber sie wird gewissermaßen durch sich selbst unantastbar. Ihre destruktiven Kräfte verstecken sich in ihr und in sich selbst. Oder wie Dieter Nuhr es mal treffend formuliert hat: „Intelligenz lässt sich nicht addieren. Dummheit schon.“

24. Juni 2016 von Gerrit
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Berlin

Berlin war super. Intensiv. Mit guten Freunden. Lebendig. Jedes Bild ein Motiv:

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Ich könnte in dieser Stadt vermutlich nicht mehr auf Dauer leben, aber die Vielfalt, das friedliche, gewachsene Nebeneinander, das ständig aufblubbernde Gefühl, dass hier wirklich jeder Mensch so sein kann, wie er/sie will, das hat mich mal wieder überzeugt. Bei allen Problemen und Baustellen. Ich kann nur hoffen, dass die Politik es schafft, soziale Gleichheit herzustellen. Denn nur so kann die persönliche Vielfalt gewahrt werden.

22. Juni 2016 von Gerrit
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Mann schafft

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Meine Mannschaft hat den Flieger zurück nach Hamburg genommen. Ich sitze im EC von Prag nach Berlin. Nach zwei tollen Tagen in Tschechiens Hauptstadt, ganz gesellig und geruhsam.

Hatte Freitag auf dem Weg zum Flughafen – gewissermaßen zum direkten Vergleich – noch eine andere „Truppe“ mit in der S-Bahn. Die hat morgens um 9 schon zotige Lieder gesungen. Aber es klang nicht cool und lustig, sondern eher nach Massenvergewaltigung. Obwohl Frauen und Kinder daneben saßen. Ätzend. Von außen betrachtet, würde man unser Team vielleicht als „brav“ bezeichnen. Ich finde es einfach toll. Ein lebendes Beispiel dafür, dass sich über die Definition von Coolness trefflich streiten lässt. Alles gute Jungs. Männer und Väter, die ihr Bestes geben. Und dazu noch lustig sind. Ich glaube, wir sind die einzige Truppe, die sich geschlossen die Kafka-Statue angeschaut hat. Und der Vorschlag kam nicht einmal von mir!

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Habe eben meine kleine Siddhartha-Ausgabe zu Ende gelesen. Sehr anregend, gerade in puncto Vaterliebe. Diese ewige Frage nach der richtigen Balance zwischen an-sich-binden und frei lassen. Und wie sich die Dinge von Generation zu Generation wiederholen. Dass man als Vater etwas erwartet, was man als Sohn selbst nie eingehalten hat. Oder andersherum. Und wie schwer diese Liebe auch wiegen kann, weil man sie im Grunde in ein Fass ohne Boden gießt!? Was nicht bedeutet, dass man sie nicht auch genießen kann. Und zurückbekommt. Und dass „Zeit“ immer jetzt geschieht und alles in allem stets in uns drin war/ist/sein wird. Der Fluss als Lehrmeister – dieses Motiv sehe ich jetzt auch mit anderen Augen, nachdem ich mit meinem Sohn in den Auen Schleswig-Holsteins auf Forellenfang war. Trotzdem muss ich damit rechnen, dass er sich demnächst vorübergehend von mir abwenden wird. Vielleicht muss ich sogar darauf hoffen.

Spürte wirklich kurz, nachdem ich das Buch zugeklappt hatte, in mir das Gefühl, meinen Mitmenschen wieder offener und unmittelbarer entgegentreten zu können. Bis ich kurz darauf hinter Dresden ins Zugbistro ging und dort sogleich die erste Prüfung auf mich wartete: die nächste Fußballmannschaft.

Ich möchte es so formulieren: Ohne die Lektüre zuvor hätte ich sicher schlechter abgeschnitten …

 

19. Juni 2016 von Gerrit
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Tri Kot

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Hab mir vor einer halben Ewigkeit mal das 70er Jahre-Auswärtstrikot der Nationalmannschaft gekauft. Ziehe es zu besonderen Spielen an, heute natürlich auch. Früher fand ich es cool, aber diesmal beschlich mich auf der Fahrt ins Büro irgendwie ein komisches Gefühl. Die beflaggten Gärten und Autos, die Auslagen in den Supermärkten, sogar Deutschland-Blumen(!) gibt es jetzt, kein Scherz. All das, gepaart mit der allgemeinen Stimmung, … schwierig.

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Schade, dass die Jahre des deutschen Understatements endgültig vorbei sind. Ich möchte eigentlich gar nicht zu denen gehören, die wieder „Deutschland, Deutschland“ schreien. Klar, ich kann differenzieren, Sport ist Sport, aber ich muss sagen: AfD und Pegida haben mir mein Trikot madig gemacht. Und das ist noch das kleinste Problem.

Ansonsten? Der normale Wahnsinn. Aufrüsten in Russland, seltsame Trainerdiskussionen in Deutschland und Rocker und Stargeiger tappen in „Sex-Fallen“. Dabei geriet eine echte Horror-Meldung leider total in den Hintergrund:

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16. Juni 2016 von Gerrit
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Schüsse

Verfolge
Schwalben
auf der Leinwand

Bananenflanken
Verfoulen
Noch in der Luft
werden
Elfmeter
immer länger

Verliere mich
in Deinem 5-Meter-Raum

Verbringe ein halbes Leben
mit EM glotzen

Ball

Schweinsteiger trifft – aber wie?!
Löw macht Sachen – aber warum?!
Heute spielt Österreich-Ungarn – aber gegen wen?! (Ja, den Witz hat die 11Freunde schon gemacht)

Ansonsten? Das totale Chaos. Hooligans und Polizistenmörder in Frankreich. Massaker in Orlando. Erneute Unwetterwarnungen für Deutschland.

Hab das Gefühl, dass man sich so langsam, sukzessive an das Chaos gewöhnt. Dass man aber auch die friedlichen Tage umso mehr schätzt. Die Tage, an denen „nix passiert“. Schade, dass man dafür erst das Chaos braucht, um zu dieser Erkenntnis zu kommen. Hab gestern in Köln gedreht und auf dem Rückweg ein bisschen in einer kleinen „Siddharta“-Ausgabe gelesen, die ich mir extra mal für unterwegs gekauft habe. Werde mich zukünftig wieder mehr mit dem „höheren Sinn“ beschäftigen. Damit mich das Chaos nicht durcheinander bringt.

Heute morgen kam im Radio die Nachricht, Niedersachens Innenminister fordere höheres Bußgeld für Raser, halte darüber hinaus aber auch einen nach Einkommen gestaffelten Bußgeldkatalog für denkbar, um Menschen mit geringem Einkommen nicht zu benachteiligen. Beides(!) fordere ich seit Jahren.

Vielleicht sollte ich nochmal in die Politik gehen. Denn ebenso fordere ich seit langem bessere Bildung und soziale Gerechtigkeit. Über diese Missstände äußert sich heute der Wirtschaftsforscher Marcel Fratzscher in der taz. 40 Prozent der ärmsten Deutschen haben praktisch kein Vermögen. Die Schere geht eben seit Jahren immer weiter auseinander. Und in der Tat ist das noch wichtiger als ein neuer Bußgeldkatalog. Aber da fehlen die Visionäre. Und ein gemeinsamer Wille. Klar, warum sollten Politiker daran etwas ändern? Die reiten ja praktisch auf der scharfen Klinge. Doch irgendwann schnappt die Schere urplötzlich wieder zu und schneidet unsere Gesellschaft mitten durch.

14. Juni 2016 von Gerrit
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Keep smiling

 

 

Wenigstens ER hat was zu lachen

Wenigstens ER hat was zu lachen

Bin wieder auf dem Weg nach Köln. An einem Tag, an dem andere das Bier kaltstellen, mit ihren Kindern das Ergebnis tippen, sich auf das erste Spiel der Mannschaft freuen, bin ich schon wieder „einsamer-Wolf-mäßig“ unterwegs.
Das Reservierungssystem in der Bahn hat wieder mal nicht funktioniert. Meine Reservierung galt nicht. Auf dem Platz saß außerdem schon eine Omi, brachte es nicht übers Herz, ihr den wieder wegzunehmen. Hab mich dann kurz woanders hingesetzt, aber da kam gleich so ein „deutscher Fan“ im DFB-Trikot: „Wir ham dafür bezahlt.“ Hab kurz überlegt, ihm zu erklären, dass er sich seine Reservierung in die Glatze massieren kann, und das auszusitzen, wollte morgen aber auch nicht mit Pflaster im Gesicht drehen.
Sitze jetzt auf dem Gang. Also dem Gang, auf dem keine Sitze sind. Direkt neben dem Klo. Gebe zu, bin ein bisschen mellow. Nächste Woche kommt mein bester Freund, und ich habe eigentlich keine Zeit. Wie beim letzten Mal. Diesmal ist es die Ausfahrt mit der Mannschaft. Anstatt es als Highlight anzusehen – Freizeitstress. Fühle mich saudoof deswegen. Es ist ätzend, dass Entscheidungen immer zugleich für und gegen etwas sind. Das kann nicht richtig sein.

Muss sagen, an Tagen wie diesen hätte ich gerne das bedingungslose Grundeinkommen. Dann würde ich heute zuhause bleiben. Und morgen Kunst machen. Vermutlich würde ich nicht mal weniger verdienen, wenn ich die Chance hätte, das mit der Kunst mal vernünftig „einzustielen“. Sehe ständig irgendwelchen Mist, der sich super verkauft.
Herrjemine, nennt sich Smartphone, aber kennt nicht: einstielen. DAS ist symptomatisch.
Gerade war der Schaffner hier. Ich möge mich doch BITTE in die 1.Klasse setzen. Liegt vielleicht am „Dr.“ auf der BahnCard. Zögere noch. Gar nicht so schlecht in Klonähe …

 

12. Juni 2016 von Gerrit
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