Terre Ohr

Bald ist es Zeit für meine Spezialeinheit ...

Ja, der Chef ist ein weißer Cowboy, aber er trägt sein Herz am linken Fleck!

Samstag. Draußen ist es warm, aber grau, eine Tasse Kaffee fragt mich, ob ich mich mit ihr auf die Terrasse setze. Warum nicht? Muss ja nicht gleich etwas mit ihr anfangen. Klemme mir ein Buch unter das Herz, Gedichte und Lieder von Wolf Wondratschek. Eines trägt den Namen: Deutschland im Herbst – und da weiß der geneigte Leser natürlich gleich, worum es geht. Als „Deutscher Herbst“ bezeichnet man die Zeit im September/Oktober 1977, die geprägt war von den terroristischen Anschlägen der RAF. Diese Zeit gilt bis heute als eine der schwersten politischen Krisen der Bundesrepublik Deutschland. „Deutschland im Herbst“ wiederum ist der Titel eines deutschen Autorenfilmes, der sich mit eben dieser Phase auseinandersetzt und im Folgejahr erschien. Das ist so (mutmaßlich) der Kontext dieses Wondratschek-Gedichtes, aus dem ich drei Zeilen zitieren möchte:

Einige legten die Karten auf den Tisch,
um die Hände frei zu haben für einen ersten Schusswechsel
mit der Politik.

Dieser Text ist in diesen Tagen wieder hochaktuell. Das Land befindet sich erneut einer ständigen Terror-Gefahr ausgesetzt. Diesmal nicht von links, sondern vor allem von rechts. Wieder nehmen die Terroristen die Politik ins Visier, aber eben nicht nur, und das ist der Unterschied. Insofern hat das Attentat von Halle das (vorerst) letzte Tabu gebrochen. Denn natürlich ist linker Terror nicht besser als rechter Terror, aber die Tatsache, dass in Deutschland wieder ein Täter in dieser Form Jagd auf jüdische Mitbürger gemacht hat, erscheint so unfassbar, dass eine Steigerung kaum möglich scheint. Und warum? Weil die Politik geschlafen hat, als sich der Teufel aus der Hölle befreit und hier – mitten unter uns – ins rechte Licht gesetzt hat. Weil die, die gesagt haben, das wird man ja wohl noch sagen dürfen, plötzlich wirklich alles sagen durften. Und zwar so lange, bis es einige andere geglaubt haben. Und wiederum andere sich im Recht fühlten, unmenschlich zu handeln.

Und wenn die verbliebenen, demokratischen Parteien es mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln jetzt nicht schaffen, die neuen, demokratiefeindlichen Kräfte außer Kraft zu setzen und mittelfristig den Nährboden zu entziehen, dann weiß ich bald wirklich nicht mehr, was ich meinen Kindern später antworten soll, wenn sie fragen: Wie konnte das wieder passieren?

12. Oktober 2019 von Gerrit
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Täter-Wissen

Was Banales vorab, obwohl es gar nicht so banal ist: Momentan fällt mir auf, dass bestimmte Gewerke mit sehr frauenfeindlicher Werbung aufwarten, vornehmlich so Produzenten von Garagentoren, Autoteilen, oder Gartenbau-Unternehmen („Bei uns steht nicht nur der Zaun“, letztens erst gelesen). Und heute morgen ist mir in unserer kleinen Esso-Tankstelle eine Warnweste ins Auge gefallen, wo ich mich auch gefragt habe, ob sie dem Hersteller ins Gehirn geschissen haben. Ich meine, das gibt es doch nicht. Man kann doch auch einen Durchschnittsmenschen mit normaler Kleidung vorne drauf packen, oder nicht? So sieht es aus wie eine Werbung für Telefonsex …

Warnweste

Im Moment drehen wir ja unter anderem für die arte-Wissenschaftsdokumentation über „Das Böse“. Am Dienstag hatte meine Co-Autorin die forensische Psychiaterin Nahlah Saimeh im Interview. Ich kenne sie schon seit ein paar Jahren und die Gespräche mit Frau Saimeh sind immer hochspannend, aber diesmal war es vor allem beinahe prophetisch. Denn ein Schwerpunkt des Gespräches war der norwegische Täter Anders Breivik. Und obwohl man immer ein bisschen gucken muss, dass man diese Tat, bei der es ja auch darum ging, eine möglichst große Berichterstattung und öffentliche Aufmerksamkeit zu erzielen, nicht wieder ins Rampenlicht zu stellen und ggf. Nachahmer zu inspirieren, sagte aber Frau Saimeh dazu, dass es gerade deswegen wichtig sei, diese Tat nochmal zu untersuchen, weil gerade solche Taten wahrscheinlich zukünftig öfter passieren würden. Und genau einen Tag später passierte dieses grauenvolle Attentat auf die jüdische Synagoge in Halle. Wenn man die formalen Rahmenbedingungen betrachtet, fast eine Kopie der Tat von Breivik. Und sie geschah nicht, weil wir eine Doku über Breivik gemacht haben, sondern weil der Täter einen jüdischen Feiertag als Tag X auserkoren hat.

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Das „vorbeihuschende Böse“ … ist nur der Kameramann!

Es zeigt uns auf jeden Fall zweierlei: dass eine Dokumentation über Täter wie Breivik sehr zurückhaltend, seriös und sachlich sein muss, dass es aber auch richtig ist, diese Tat von Oslo nochmal zu untersuchen, um noch mehr Sensibilität dafür zu schaffen, was um einen herum geschieht und worauf man achten kann, wenn man zumindest die eine oder andere Tat dieser Art zukünftig verhindern möchte. Wir werden auf jeden Fall versuchen, einen Extrablick auf diese Tätergruppe zu werfen und zu fragen, was diese innere Radikalisierung womöglich begünstigt.

11. Oktober 2019 von Gerrit
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Ich kann

Ich kann
meinen Fuß wieder bewegen
mir am Flughafen in Oslo
ein englisches Buch kaufen
und anschließend
sogar noch einen Kaffee

Ich kann
fast alles,
was es gibt,
mit meinem Smartphone bezahlen
und mich nicht mehr darüber wundern müssen, aber
es mir erlauben,
es trotzdem zu tun

Ich kann
einfach gehen,
ohne mich ständig umschauen zu müssen,
aus Angst
oder bleiben
was vielleicht viel mehr Mut verlangt

Ich kann
behaupten
die Sanktionen betreffen andere
die Bomben treffen andere

Ich kann
mich nicht mehr verlieben
weil ich es schon bin

Kindergeschrei einordnen
oder eine Aussage
einen Kater ertragen
oder sogar zwei
und zeigen:
Respekt
Liebe
haufenweise Gefühle

Dankbarkeit

is a tricky thing

 

Manchmal ist das ja so, dass einem ein paar Zeilen durch den Kopf gehen, die man gleich festhalten will. Ich weiß gar nicht, was den Auslöser gegeben hat. Ich glaube, als ich gestern an der Tankstelle stand und auf der Zapfsäule ein Sticker prangte, mit den Worten: Einfach das Smartphone davor halten! oder so, klang auf jeden Fall irgendwie völlig crazy in meinen Dichter-Ohren.

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Ansonsten? Habe ich mir – getreu des Mottos: Gesunder Geist in gesundem Körper – gestern zum ersten Mal den Knöchel selbst getaped (Schreibt man das so?). Gab ein ganz gutes YouTube Tutorial dazu. Bin jedenfalls zufrieden mit dem Ergebnis, bilde mir auch ein, dass der verletzte Knöchel wieder schlanker ist. Habe es letzte Woche möglicherweise ein bisschen übertrieben. War ja viermal laufen, am Freitag war der Knöchel dann etwas geschwollen. Eigentlich müsste ich regelmäßig zur Lymphdrainage. Aber wie soll das gehen?

Ich kann
eben doch
nicht alles.

 

 

06. Oktober 2019 von Gerrit
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Morgen, Land

Morgenland
Allein im Büro. Die Kollegin hat den Brückentag frei genommen. Wollte ich eigentlich auch, ging aber nicht. Draußen ist es grau. Stelle ein altes Fensterbild meines Sohnes vors Licht und mache es mir ein bisschen gemütlich. Lustig, plötzlich freue ich mich ein bisschen auf Weihnachten. Doppelt lustig, eine unserer Protagonisten-Einheiten für TerraX ist im Dezember im Oman. Was wird traditionell im Oman produziert? Weihrauch. Und wer hatte Weihrauch als Geschenk im Gepäck? Richtig …

Hase

Werde den Oman-Dreh aber wahrscheinlich gar nicht machen, egal, nächstes Thema (bin zur Zeit so sprunghaft): Ich weiß, ich weiß, diese Fotos von den toten Tieren sind ein bisschen grenzwertig, aber mich faszinieren sie auf eine traurige Weise. Dieser Anblick hat so etwas unfassbar Endgültiges. Da ist so ein kleines, kompliziertes Tierleben, in dem es jeden Tag aufs Neue ums Überleben geht. Ich meine, so ein Hase denkt ja nicht an gestern oder morgen oder an seinen Job, da gibt es immer nur ein Hier und Jetzt, total intensiv und dann – zack, alles aus. Wobei mir gerade jetzt, da ich diese Zeilen schreibe, auffällt, dass jedes Tier, das ein Nest baut oder Wintervorräte sammelt, ja offenbar doch über das Hier und Jetzt hinausdenkt. Hochinteressant …

Plage mich seit Tagen mit ziemlich starken Nackenschmerzen herum. Schon alles versucht: Bewegung, Ibuprofen, Wärmepflaster, Massagen, aber die Schmerzen gehen nicht weg, was natürlich ein bisschen nervt, weil ich froh bin, dass es mit dem Knöchel in den letzten Tagen so schnell bergauf gegangen ist. Jetzt ist das Problem nach oben gewandert …

Ich weiß natürlich auch, woran es liegt. Strampele hier gerade wieder ein bisschen im Hamsterrad. Muss eigentlich dringend eine Art Drehbuch erstellen, merke aber, dass mir Informationen fehlen, bzw. ich mich in diesem Falle schwer tue, angesichts der – im Grunde unendlichen – Möglichkeiten, die Geschichte zu erzählen, Entscheidungen zu treffen. Dabei dienen diese „Drehbücher“ häufig eigentlich nur als Grundlage für eine Kalkulation. Trotzdem habe ich natürlich den Anspruch, die Geschichte bereits im Vorfeld so durchleuchten und aufgliedern zu können, dass man sie danach mit einer gewissen Ruhe realisieren kann. Was nicht bedeutet, dass unsere Reportagen und Dokumentationen einem Drehbuch folgen. Es geht, wie gesagt, nur darum, dass, was man planen kann, so gut es geht, aufzuschlüsseln und sich dennoch die Freiräume für das, was dann vor Ort wirklich passiert, zu bewahren. Und das sitzt mir gerade echt und im wahrsten Sinne des Wortes im Nacken …

War vorgestern Abend auf einer kleinen Literaturveranstaltung, die der Alphabeten-Kollege Stuertz ins Leben gerufen hat. Es waren vornehmlich Autoren und Autorinnen war, und das war ganz interessant, weil ich manchmal vergesse, dass es auch andere Menschen gibt, die eine Geschichte im Kopf haben und sie vielleicht auch aufs Papier bringen können, aber das noch lange nicht bedeutet, dass auch ein Buch daraus wird. Und dass andererseits Menschen, die kurz vor der Veröffentlichung eines Buches stehen, auch nur Sätze schreiben, die aus ganz normalen Worten bestehen. Auch wenn es schöne Sätze sind. Leona Stahlmann hat aus ihrem bald erscheinenden Buch gelesen. Ich weiß nicht, ob ich den Titel hier schon verraten darf, geht auf jeden Fall um BDSM, aber anders, also eher um die Haltung, das Lebensgefühl, weniger um die explizite Erotik. Klang auf jeden Fall spannend.

Ich trage ja auch immer noch meine Buch-Idee vor mir her, die ich während meines Sabbaticals Anfang des Jahres begonnen habe. Habe auch ein bisschen weitergeschrieben, als ich mit dem Knöchelbruch zuhause lag und sammle auch jetzt immer wieder neue Gedanken, aber ich komme momentan natürlich nicht wirklich zum Schreiben. Und da beißt sich die Katze ein bisschen in den Schwanz, weil, um das Buch (das wirklich gut werden könnte) ernsthaft voranzutreiben, bräuchte ich Zeit, aber dafür bräuchte ich einen Vertrag oder Vorschuss – und den wiederum bekomme ich als Neuling auf der großen Bühne vermutlich erst, wenn man schon mehr geschrieben hat als das, was ich bereits habe. Puh, es ist kompliziert. Auf der anderen Seite ist es natürlich auch gut, einen Job zu haben, der einem den Lebensunterhalt sichert. Außerdem sind die Kollegen nett, einer kam gerade rein und bot mir an, mich mit einem Kumpel zu vernetzen, der mir bei dem Drehbuch helfen kann.

Ich habe ja noch ein bisschen Resturlaub. Den werde ich wohl um den Jahreswechsel herum nehmen und dann mal versuchen, den nächsten Schritt zu machen. Karen Köhler hat den ersten Wurf von Miroloi ja auch erstmal ein Jahr lang liegen gelassen, bevor sie die Arbeit an dem Manuskript wieder aufgenommen hat. Also, keine Panik. Morgen ist Land in Sicht …

Ansonsten? Brexit, Trump, „Feierbiest“ China – es ist nicht so, dass man sich nicht auch über andere Themen Gedanken machen könnte …

Und? FC Bayern – Wow, Gnabry ist jetzt bestimmt 150 Millionen wert, aber wer mich im Spiel gegen Tottenham wirklich umgehauen hat, war Lewandowski. Hat als einziger von Anfang an richtig dagegengehalten und wurde belohnt. Bin gespannt, wo das dieses Jahr endet.

04. Oktober 2019 von Gerrit
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Democrazy

Schade, dass es nötig ist, aber gut, dass es passiert!

Schade, dass es nötig ist, aber gut, dass es passiert!

Bin ziemlich beeindruckt von dieser neuen Rechtsstaat-Kampagne der Regierung. Ja, vielleicht ist das der Unterschied zu 1933; dass der Staat gerade spürt, dass er sich vor einer erneuten „Machtergreifung“ aktiv schützen muss. Peter Maxwill hat dazu ein paar Gedanken bei SPIEGEL Online geteilt; dass das natürlich ambivalent zu bewerten ist, dass der Staat offenbar nun schon für Selbstverständlichkeiten werben muss. Ein Alarmzeichen und ein Glücksfall zugleich, ja, aber vielleicht stehen sich die Bürger dieses Landes tatsächlich irgendwann in zwei Lagern gegenüber: die Demokraten gegen die Anti-Demokraten. Dann ist es gut, wenn die Demokraten vorher in großem Stil für die Demokratie geworben haben. Ich meine, ständig ist Hamburgs Innenstadt mit Plakaten für AfD-Veranstaltungen zugepflastert. Wirklich, ich spüre langsam eine deutliche Abwehrhaltung gegen die Farbe blau …

Meine Freundin war ein paar Tage auf Dreh. Habe daher abends ein bisschen aus Langeweile angefangen, in der Mediathek „Ohne Schnitzel geht es nicht“ zu gucken, eine WDR-Serie mit Günther (Armin Rohde) und Wolfgang (Ludger Pistor). Locker, lustig und trotzdem mit kritischem Blick auf Ungerechtigkeiten unserer Hartz-IV-Gesellschaft. Sehr gelungen. In der ersten Folge hatte Werner Hansch einen Gastauftritt. Den habe ich vor Jahrzehnten mal interviewt, als ich (als Student) regelmäßig eine Radiosendung für den SC Preußen Münster redaktionell betreut habe, da war er nämlich als Stadionsprecher beim Benefiz-Spiel einer Preußen-Traditionself gegen die Uwe Seeler-Traditionself zu Gast, und ich weiß noch, wie ich ihn (etwas naiv) gefragt habe, wie ihm beim Kommentieren so schnell immer die „flotten Sprüche“ einfallen würden, und er fast unwirsch wurde, dass seien keine „flotten Sprüche“, sondern „Sprachbilder“ … aha! Und kurz darauf in Folge 1 die Bierbrauerei, der Raum mit den großen Kupferkesseln, wo Günther und Wolfgang mit dem Juniorchef über eine Werbekampagne verhandeln, die kam mir auch bekannt vor. Das war, glaube ich, in der Sünner-Brauerei in Köln-Kalk. Da habe ich mal für arte gedreht. Will sagen, ich habe schon einiges gesehen und erlebt und manchmal denke ich, das Interessanteste, was ich eigentlich zu erzählen habe, ist das, was ich wirklich erlebt habe. Peter Maxwill, der – bereits oben erwähnte – Kollege von SPIEGEL-Online macht das so. Der fährt im Land herum und schreibt darüber und macht dann ein Buch daraus. Da hinke ich meiner Zeit hinterher.

Der Kollege Stuertz von den Alphabeten übt gerade für seine Frühjahrstournee, so eine Mischung aus Musik/Konzert und Lesung in einem, das habe ich mit Jugendstil schon vor über 15 Jahren gemacht, hat damals nur keinen interessiert. Wobei man zugeben muss, dass die Verbindung zwischen Geschichte und Musik bei ihm natürlich noch viel enger ist. War auch zur öffentlichen Probe eingeladen, hatte aber keine Zeit … der Job! Bin jedenfalls sehr gespannt aufs Ergebnis und wünsche ihm natürlich alles Beste. Was ich sagen will, ist: Damals war ich mit meiner Kunst jedenfalls mal meiner Zeit voraus.

Übrigens, ganz interessant: Die aktuelle BUNTE(!) schreibt über den SPIEGEL: eine Story zu der Relotius-Geschichte, bzw. zu dem Buch, was der Kollege Juan Moreno über die Zeit, als er Relotius bei den SPIEGEL-Vorgesetzten anschwärzen und dann beweisen musste, dass er (Relotius) bei seinen Reportagen unsauber gearbeitet hatte. Und die Vorgesetzten (die ich auch kenne mir deren Reaktion auch vorstellen kann) Moreno anfangs nicht geglaubt haben und Moreno sie nach und nach überzeugen musste, sich die Arbeiten des hochgelobten und mehrfach ausgezeichneten Kollegen mal genauer anzugucken …

Ich werde mir das Enthüllungsbuch wahrscheinlich nicht kaufen. Ich weiß, ehrlich gesagt, auch nicht, ob man darüber unbedingt ein Buch schreiben muss (auch wenn das natürlich nicht hoch genug zu bewerten ist, dass Moreno diesen Fall aufgedeckt hat), aber, klar, der Vorschuss wird okay gewesen sein, und das wird jetzt verfilmt, und Moreno ist für den Rest seines Lebens der Experte für diese Geschichte. Ich bin gespannt, wieviel Licht Morenos Sicht der Dinge nachträglich nochmal auf die (zumindest früher) z.T. recht festgefahrene Arbeitsweise beim SPIEGEL wirft. Ich selbst habe ja den Eindruck, dass das Haus aktuell wirklich versucht, sich neu zu erfinden, auch wenn es ein bisschen überfällig ist. Aber Morenos Buch könnte schon nochmal ein leichtes Nachbeben verursachen.

Ansonsten?
Erstes Training gemacht. Knöchel hat gehalten. Was er versprochen hat.
Der Doktor ;-)

War Freitagabend auch schon wieder beim Auswärtsspiel mit dabei. Allerdings nur als Coach an der Seitenlinie. Haben zum fünften Mal hintereinander verloren, und alle waren nach dem Spiel entsprechend geknickt. Habe spontan eine kleine Motivationsrede gehalten: Dass es keinen Grund gibt, jetzt den Kopf in den Sand zu stecken. Wir hatten auch nicht schlecht gespielt, und es war von vornherein klar, dass die erste Saison in der Verbandsliga hart werden würdIMG_0796e. Und dass wir dieses Abenteuer auch genießen sollten, so ein bisschen wie Union Berlin, d.h. genießen und kämpfen und ab und an den Gegner überraschen. Werde auf jeden Fall versuchen, am 20. Oktober mein Comeback zu geben und mit gutem Beispiel voranzugehen.
Und? Finde ich diese vorherbstlichen „Schmuddelsonntage“, wenn man nichts vorhat und nicht raus muss, eigentlich ganz gemütlich. Obdachlosigkeit und Wohnungsnot sind auch zwei Themen, die die Regierung mal richtig angehen sollte. Dann müsste man auch weniger Angst vor den Populisten haben.

29. September 2019 von Gerrit
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Nord wegen

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Ein kurzes Lebenszeichen aus dem Jobstrudel. Bin zurück von einem kurzen, sehr intensiven Dreh auf der norwegischen Insel Senja. Haben dort für das ZDF gedreht, mit einem sehr interessanten, netten jungen Paar, Ellen und Jonas, (plus Hund), das in seinem alten Landrover Nordeuropa durchquert.

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Hatte ein bisschen Sorge, dass mein gerade genesener Knöchel der off road-Belastung vielleicht nicht standhält, ging aber alles ganz gut. Sind sogar am dritten Tag auf einen kleinen Berg gestiegen (Husfjället), bei gar nicht so leichten Bedingungen (Sonne, Wind, Regen, Hagel, Schnee, alles innerhalb von 5 Stunden). Bin auch zwei oder dreimal mit dem „schlechten“ Fuß weggerutscht, der krasseste Ausrutscher war ganz oben, kurz vor dem Gipfel, als der Schnee einsetzte. Da war ich dann doch ganz erleichtert, dass nix Schlimmeres passiert ist. Ich meine, das war jetzt kein besonders hoher Berg, aber selbst bei diesem Hobby-Aufstieg ist einem deutlich geworden, warum es so oft zu Unfällen in den Bergen kommt.

Regenbogen

Ansonsten muss ich sagen, dass mich dieses Insel – bei allem Produktionsstress – wirklich sehr geflasht hat. Am besten gefallen hat mir Hamn i Senja, eine kleine Hotelanlage, in der wir zwei Nächte gepennt haben, das war echt so, dass ich dachte, warum bin ich hier zum Arbeiten und nicht mit meiner Freundin hier, zum Lesen und Wandern. Wobei gelesen habe ich auch ein bisschen: „Normal People“ von Sally Rooney. Und gewandert sind wir auch. Und Kanu gefahren, also die Protagonisten. Das Wasser da ist, aus der Luft betrachtet, an manchen Stellen so türkis, dass man meint, in der Karibik zu sein.

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Wahnsinn. Ach ja, und der Pannendienst musste unseren Wagen aus dem Schlamm ziehen. Also, wir haben schon einiges erlebt. Allerdings muss ich auch sagen, dass ich solche körperlich anstrengenden Drehs auch nicht mehr so locker wegstecke. Am Wochenende plagte mich prompt eine leichte Erkältung, die ich mir auf dem Berg eingefangen habe. Und die Schulter ist verspannt. Irgendwas muss ich ändern. Ich weiß nur noch nicht, was und wann. Denn im Grunde sind diese Drehreisen ja toll. Jetzt muss ich gleich wieder zum Flughafen, meine bessere Hälfte abholen. Sie hat heute für einen Film, den wir gemeinsam für ARTE machen, in Paris gedreht. Und vorgestern Abend kam mein Ziehsohn aus London angeflogen (Klassenreise). Klingt glamourös, erschwert aber den Alltag. In Zeiten wie diesen könnten wir fast eine Dependance am Flughafen aufmachen …

23. September 2019 von Gerrit
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Eigentlich …

Der Herbst ist da. Es regnet junge Hunde, aber es ist noch nicht kalt. Leider erschwert der Regen gerade enorm meinen Job. Morgen geht es nach Nordnorwegen für Terra X. Eigentlich ein toller Tripp, aber es scheint da auch gerade jeden Tag zu regnen, was das Drehen (vor allem mit der Drohne) natürlich etwas erschwert. Und es immer zu thematisieren, dass es regnet, macht auf Dauer auch keinen Spaß.

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So wird’s gemacht …

Am Freitag hatte ich noch Glück, da haben wir für dieselbe Produktion den Abschied der zweiten Protagonisten-Einheit gedreht; die in der Nähe von Rothenburg, die ich letztens noch besucht habe. Jedenfalls ist es da trocken geblieben, und wir konnten das letzte Fahrbild, wie geplant, mit der Drohne drehen: im Vordergrund Freunde und Familie beim Winken, LKW fährt los, Kamera geht hoch, immer höher, bis man über das flache Land hinwegschaut und das grüne LKW-Wohnmobil ganz hinten am Horizont verschwindet. Das ist mittlerweile tatsächlich eher Dokumentar-Film, wenn man sich die technischen Möglichkeiten von heute ansieht. Was alles möglich ist, was früher Millionen gekostet hätte (oder zumindest tausende ;-). In dem Bereich haben die Digitalisierung und der technische Fortschritt tatsächlich die Produktionsbedingungen demokratisiert. Nicht umsonst entstehen heutzutage mit kleinen Mitteln große Werke – was nicht heißt, dass nur, weil jetzt jeder Musik produzieren oder Filme machen kann, nicht auch ganz viel Müll die Medienlandschaft überschwemmt. Aber das war in Wahrheit früher auch nicht anders.

Ansonsten trifft der Job-Stress auf private Termin-Doppelungen. Habe nächstes Wochenende eigentlich eine Einladung zu einem Ehemaligentreffen meiner Grundschule in Warstein. Eigentlich ein total netter Termin. Aber eigentlich wäre es auch schön, zuhause zu bleiben, weil mein jüngster Sohn am selben Tag mit seiner Mannschaft gegen Rahlstedt spielt, also direkt vor der Tür. Da wäre ich natürlich gerne dabei, zumal die Jungs in der Woche darauf mit ihrer Mutter in die Herbstferien fahren. Manchmal wünschte ich, ich könnte mich zerteilen. An solchen Wochenenden zumindest. Dann rede ich mir ein, dass Väter im Knast oder auf Bohrinseln oder in den obersten Manager-Etagen ihre Kinder womöglich noch seltener sehen. Macht es aber nicht viel besser.

Ansonsten? Erhalten Kollege Stuertz und ich im Moment ganz viel tolles Feedback für unseren Alphabeten-Podcast. Die neue Doppelfolge mit Karen Köhler ist aber auch zu lustig. Vor allem der zweite Teil! Bitte gerne reinhören und weiterempfehlen …

Und? Weil ich sonst meistens tote Tiere poste, heute mal etwas Lebendiges. Eine kleine Maus, die mir am Freitag beim Dreh vor die Linse gelaufen ist. Süß, oder? Ich könnte auch Tierfilmer werden. Vielleicht drehe ich einen Film über unsere Kater. Die würden als erstes die Drohne vom Himmel holen!

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15. September 2019 von Gerrit
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Verzweifelter Versuch einer Zusammenfassung

Rückenschmerzen. Zuviel Arbeit. Knöchelschmerzen. Bin Donnerstagabend nach einem schönen Essen mit meinem Sohn über einen hochstehenden Pflasterstein gestolpert. Nix Dramatisches passiert, aber mir ist schmerzhaft bewusst geworden, dass ich noch meilenweit von der Normalform entfernt bin.

Mein ältester Sohn erzählte mir beim Essen, er schreibe nächste Woche eine Geschichtsarbeit über die Weimarer Republik und die Machtergreifung, und weil es mich interessierte und ich auch nicht mehr alles parat habe, fragte ich ihn, wie das nochmal alles war damals. Wie war die Stimmung im Land? Warum konnten die Nazis plötzlich so populär werden? Warum geriet der Aufstieg Hitlers zur Macht letztlich so leicht? Und mein Sohn referierte, und ich war ganz froh, dass die jungen Menschen das immer noch in der Schule lernen, und fand es vor diesem Hintergrund noch schwieriger zu verstehen, warum die AfD aktuell so einen Zuspruch erhält.

Gestern im Supermarkt hörte ich plötzlich hinter mir einen Typen in meinem Alter mit grauem Seitenscheitel in Steppjacke und Hemd murmeln: „Fremd im eigenen Land, das wird sich bald ändern.“ Einfach so. Ein ganz „normaler“, smarter Typ. Ich dachte, ich höre nicht richtig. Als ich wieder bei Sinnen war, hatte er sich schon verpisst. Also, das war kein Tourette oder so, das kam aus tiefstem Herzen. Klar, solche Leute gab es auch schon, als ich klein war, aber in der Mehrzahl der Fälle haben diese Menschen lieber die Klappe gehalten. Weil es ein Tabu war. Zurecht. Aber jetzt sind solche Sätze eben salonfähig geworden. Nach dem Motto: Das wird man IMG_0629ja wohl noch sagen dürfen! Ganz ehrlich, ich werde das beobachten und mich in der Zwischenzeit schon mal nach möglichen Exilländern umschauen. Und meine Nachfahren politisch auf links ziehen. Heute ist mein jüngster Sohn hier, der geht auf die Klima-Demos. Schon mal gut. Wir haben seinen 16. Geburtstag nachgefeiert. Er reitet gerade auf so einer Retro-Welle, ganz angenehm, habe ihm u.a. ein altes Rennrad von mir fertiggemacht und „vererbt“. Kam gut an. Noch nachhaltiger ist allerdings ein Buch, das ich an ihn weitergereicht habe: „Ich habe sieben Leben“ von Frederik Hetmann, ein Buch über Che ihslGuevara, das mir meine große Schwester zum 18. Geburtstag geschenkt hat. Jetzt, fast 30 Jahre später, gebe ich es weiter. Es sind zwei Widmungen drin, eine von meiner Schwester an mich, eine von mir an ihn. Ein gutes Gefühl.IMG_0628 Dass der Knöchel noch so empfindlich ist, nervt mich ein bisschen. Score Hero unkt schon: „Das Ende einer Ära“. Fühle mich aber in der Tat noch ein bisschen schwach auf den Beinen. Liegt auch daran, dass ich bei der Arbeit gerade ein bisschen überrannt werde. Da freute mich doch eine Nachricht meines Alphabeten-Kollegen Sebastian, der heute Vormittag mit Karen Köhler die zweite Folge unseres Podcasts mit ihr gegengehört hat:

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Das wird ein Spaß!

07. September 2019 von Gerrit
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Karmaback

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Reiche Tage. War zwei Tage auf Recherche in Rothenburg ob der Tauber. Ich war tatsächlich auch zum ersten Mal da, obwohl das eine der berühmtesten deutschen Städte ist – ein absoluter Touristenmagnet. Klar, sieht man auch, es gibt diese Flagship-Stores der alten Marken: Käthe Wohlfahrt, Steiff-Tiere, alte Bäckereien und Gasthöfe wie aus dem 19. Jahrhundert (aber mit chinesischer Speisekarte im Fenster), fast wie eine Filmkulisse. Und tatsächlich soll diese eine Weggabelung (s. drittes Foto) auch ein Szenario in dem Spiel „Assassin´s Creed“ sein, naja, keine Ahnung. Wird das überhaupt so geschrieben?

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Jedenfalls habe ich dort Protagonisten besucht, die sehr nett waren und mir noch das Weihnachtsmuseum gezeigt haben, aber nicht, weil sie so stolz darauf sind, sondern weil sie es auch ein bisschen crazy finden. Es war so, wie ich immer sage: Diese Tage, an denen man mit Leidenschaft, aber ohne allzu viel Kostendruck oder Produktionsstress seine Projekte verfolgt und dabei noch Land und Leute kennenlernt, sind meine Lieblingstage. Beruflich betrachtet. Das tolle Wetter war aber natürlich auch hilfreich …

Als ich dann gestern Abend wieder zuhause ankam, war Post für mich da. Ein großer Briefumschlag. Dachte schon, vom Finanzamt, aber es war viel besser. Die damalige, erste Kindergärtnerin meiner Söhne hat offenbar klar Schiff gemacht (vielleicht geht sie in Rente) und dabei alte Fotos und Zeichnungen meiner Söhne gefunden. Und anstatt sie einfach wegzuschmeißen, hat sie mir einen kleinen, bezaubernden Brief geschrieben (sinngemäß: was für tolle Jungs und dass sie sich gerne an beide erinnere) und mir die Sachen zugeschickt. Habe mich wahnsinnig darüber gefreut. Es war damals privat keine leichte Zeit, und in dieser doch sehr weiblich dominierten, ersten Erziehungswelt gab mir diese Kindergärtnerin damals schon das gute Gefühl, dass auch ich als Vater einen guten Job mache und eine wichtige Rolle spiele. Das klingt jetzt profan, aber ich fand es vergleichsweise außergewöhnlich. Und in der Tat sind mir aus der Zeit nicht viele Erinnerungsstücke geblieben … Danke!

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Ansonsten? Lese ich gerade mit einer gewissen Bestürzung die durchwachsenen Rezensionen zu Karen Köhlers neuem Roman (hier eine gute Zusammenfassung der kritischen Stimmen: Miroloi). Sie war ja bei uns, den Alphabeten, zu Gast. Es war ein toller Abend, und ich finde auch, es ist ein tolles Buch, aber, ja, Sebastian und ich lesen natürlich anders als ein Rezensent der ZEIT. Zum Glück. Trotzdem bleibt das ungute Gefühl, dass man als KritikerIn auch nichts Nettes oder Positives mehr schreiben kann, wenn schon ein bestimmtes Maß überschritten ist. Will sagen, man kann die Steine, die geflogen sind, nicht in der Luft wieder einfangen. Es beschäftigt mich gerade, dieses Thema. Habe nämlich selbst gerade für mein neues Literaturprojekt ganz gutes Feedback bekommen. Ist aber auch schon eine Überarbeitung. Muss aber noch ein bisschen weiterarbeiten, bevor man da mehr verraten kann. Weiß auch nicht, ob ich da jemals etwas zu verraten haben werde, aber ich gebe alles. Literatur ist was Feines, aber man muss auch für sich entscheiden können, wie sehr man sich von Kritik treffen lässt. Oder wie wichtig einem die formale Anerkennung ist. Wobei es natürlich auch immer auf die Kritik ankommt. Aber ich erinnere mich, dass ich bei „Kunststoff“ auch einen Verriss (so viele waren es nicht) richtig doof und auch ein bisschen unberechtigt fand. Das ist dann schon schwer zu ertragen. Aber was will man machen?

Und? Mein Score Hero-Avatar ist jetzt so alt und krank und abgenutzt, dass es nicht mal mehr für Nizza reicht. Musste noch einmal wechseln. Spielt jetzt bei … Leverkusen. Zum Brüllen komisch.

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Und? Es war schön, gestern Abend nach Hause zu kommen. Und dass da jemand war, der sich freut, dass man kommt. Und dass da jemand bleibt und wartet, wenn man mal kurz weg ist. Dass da eine zweite Hälfte ist, die einen komplettiert. Das ist Glück.

Keine halben Sachen

Keine halben Sachen

 

 

23. August 2019 von Gerrit
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Deutschland im Sommer

Zuerst die schlechte Nachricht: Die AfD plakatiert wieder die ganze Stadt mit einem „Veranstaltungshinweis“: Araber-Clans gegen Deutschland. Kampf der Kulturen! Der Ton verschärft sich. Und er stinkt zum Himmel, weil der Begriff „Kultur“ aus dem Sprachrohr einer Partei wie der AfD natürlich auch gefärbt ist. Also, sagen wir so, ein Beispiel aus der Geschichte: Die Nazis haben es auch als Kulturauftrag angesehen, „entartete“ Kunst zu vernichten.

Jemand, der diese Entwicklungen zurück ins Mittelalter auch sehr literarisch, differenziert und menschlich beobachtet, ist Ferdinand von Schirach. Lese gerade „Kaffee und Zigaretten“. Hat mir meine Freundin geschenkt, weil ich krank war. Und wenn sie als Kind krank war, hat sie auch immer etwas geschenkt bekommen. Bezaubernd. Wo war ich? Ach so, Kaffee und Zigaretten. Tolles Buch, allerdings ganz schön viele Schachtel-Sätze (Haha, wegen Zigaretten, ihr wisst schon). Nein, im Ernst, sehr inspirierend, auch gut für den Feierabend, da die Geschichten immer recht kurz sind. Ein paar Ideen kenne ich bereits aus „Herzlichkeit der Vernunft“, aber das ist auch interessant zu sehen, wie diese Ideen von einem Buch zum nächsten über sich hinaus wachsen. Einen außergewöhnlichen Gedanken, den er zitiert (und nicht als seinen verkauft, was ich sehr sympathisch finde), stammt von William Faulkner, zumindest zur Hälfte, es ist nämlich nicht ganz klar, ob von Schirach das Zitat nur teilt oder ergänzt. Wörtlich heißt es im Buch: Das Vergangene ist nicht tot, schrieb William Faulkner einmal. Es ist nicht einmal vergangen.

Faulkner

Quelle und Buchtipp: Ferdinand von Schirach: Kaffee und Zigaretten, Luchterhand

Gehe seit Dienstag ohne Krücken – und deshalb auch wieder ins Büro. Bin die ersten zwei Tage mit Bus und Bahn gefahren, weil ich dachte, Auto fahren würde noch nicht gehen. Außerdem muss ich nächste Woche eigentlich erst in die Werkstatt. Dann haben mich die kurzen Fußwege aber so geschlaucht, dass ich beschlossen habe, jetzt wieder mit dem Auto zu fahren.

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Das ist kein Foto-Trick …

Lustigerweise kam an dem Tag, an dem ich das erste Mal ohne Krücken und ein bisschen schwerfällig ins Büro gerumpelt kam, draußen vor dem Fenster eine alte Bekannte zu Besuch: eine einbeinige Krähe, die wir hier schon ein paarmal beobachtet haben. Das hat wirklich mein Herz gerührt. Bin kurz davor, Futter zu streuen, wenn es jetzt kälter wird.

Meine Lebensgefährtin kauft aus Gewohnheit immer die BUNTE (obwohl sie sich jedesmal wieder fragt, warum sie da eigentlich tut). Es ist ja auch nichts dagegen einzuwenden, ein bisschen Promi-Klatsch & Tratsch unter die Leute zu bringen. Und ich habe auch nichts gegen unterhaltsame Spekulationen, wenn es nicht fies und unwürdig wird. Aber ich habe den Eindruck, die BUNTE verliert da ein wenig das Augenmaß. Manche Untertitel haben wirklich BILD-Niveau. Und ich an, nicht einmal die BUNTE versteht das als Kompliment.

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Und das ist noch harmlos …

Ansonsten? Hatten die Alphabeten am Dienstagabend Karen Köhler zu Gast. Wurde ein langes Gespräch, sehr lustig, sehr klug, hinten raus auch ein bisschen emotional, alles in allem ein nahezu legendärer Abend. Hoffe, das vermittelt sich später auch in der Sendung.

Und? Habe meine Söhne nach fast 5 Wochen wieder gesehen. Gleich am ersten Arbeitstag kam mein ältester Sohn mittags zum Essen in die Kantine, morgen kommt der Jüngste zu uns nach Hause und bleibt über Nacht. Schön. Das Leben geht weiter, natürlich, wie sollte es auch anders gehen? Es macht keinen Sinn, sich ständig zu fragen, wo die Jahre geblieben sind. Und warum alles so schnell geht. Das Vergangene lebt. Es überlebt uns sogar. Morgen oder Übermorgen.

16. August 2019 von Gerrit
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