fairundwürzig

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Juhu! Mit Extra-Lob von der Prüferin. „Sieht der gut aus!“ Sie meinte den Elch, nicht den Ochsen, der ihn fährt …

Bin vor ein paar Tagen 44 Jahre alt geworden. Ich glaube, ich habe das letztes Jahr schon so gesagt, aber dieses Jahr ist es wirklich so: Die Hälfte ist rum. Wenn es gut läuft.

Habe zum Jahresende das übliche Programm organisiert: Zahnarzt, Kontrolle und Reinigung, dann TÜV (alle zwei Jahre) und Hausarzt, großes Blutbild, checken, ob das Cholesterin-Mittel bei mir anschlägt und auch sonst alles noch funktioniert. Das sind immer so zwei, drei ganz entscheidende Termine am Ende des Jahres, bei denen man sich im Prinzip immer das gleiche Urteil wünscht: dass man sich gut gekümmert hat. Um seine Zähne, sein Auto, seinen Körper. Das Ergebnis: 2:1 gewonnen. Auto und Körper sind intakt, aber zum Zahnarzt muss ich im Januar nochmal.

Mein Hausarzt ist ganz anders als andere. Nimmt sich Zeit, ist entspannt, und ich bin ihm immer noch treu, obwohl ich jetzt schon seit ein paar Jahren nicht mehr in Altona wohne, sondern immer aus Rahlstedt komme. Ist ihm diesmal auch aufgefallen, er war ganz gerührt. Jedenfalls hat er mich gefragt, wie es mir geht, und es klang nicht wie eine Floskel, und kurz darauf wusste ich auch, warum, weil ich ihm nämlich vor geraumer Zeit offenbar mal erzählt habe, dass ich nicht glücklich sei. Ehrlich, stand so schwarz auf weiß in seinem Computer, und er zeigte darauf und sagte, dass sei doch so schade, wenn man nicht glücklich sei, weil das Leben doch toll sei, aber er sagte es nicht doof, sondern so, dass man dachte: Ja, das ist wirklich schade. Warum war das so? Ich weiß, dass mein Eintrag damals mit dem Job zu tun hatte und den Kindern, die mir die meiste Zeit fehlen, aber im Wesentlichen lag es, glaube ich, an meiner Einstellung, bzw. an meiner Unfähigkeit zu erkennen, wie reich mein Leben eigentlich ist. Und vielleicht ein bisschen auch an meiner Angst, meinen Job in meinem Sinne umzugestalten.

Und jetzt kommt die Duplizität der Ereignisse, denn meine Mutter hat mir zum Geburtstag „Der Zahir“ von Paolo Coelho geschenkt, ein Buch, das ich mir normalerweise selber nie gekauft hätte, hab es dann aber aus Langeweile angefangen und relativ zügig weitergelesen. Gar nicht so sehr, weil es mich vom Hocker gehauen hat, obwohl es mir nicht schlecht gefällt, sondern eher, weil die literarischen Erörterungen der Sinnfragen, genauer: die Dialoge über die Unzufriedenheit zwischen dem Erzähler und seiner (EX-)Frau Esther aktuell bei mir auf offene Ohren stoßen. Da sagt Esther an einer Stelle (Seite 108 der Diogenes-Taschenbuchausgabe) wörtlich: „… ich habe gesehen, daß im Krieg, so paradox es klingen mag, die Menschen glücklich sind. Die Welt hat für sie einen Sinn. (…) Sie sind fähig, grenzenlos zu lieben, denn sie haben nichts mehr zu verlieren. Ein tödlich verletzter Soldat bittet die Ärzte nie: `Rettet mich doch!´Seine letzten Worte sind meistens: `Sagen Sie meinem Sohn und meiner Frau, daß ich sie liebe.´“ Ich würde es anders formulieren. Niemand ist im Krieg glücklich (außer vielleicht sadistischen Diktatoren). Aber in existentiellen Situationen erkennen wir den Wert des Lebens. Das kann Krieg sein, aber z.B auch eine schwere Krankheit. Ich erinnere mich, dass ich während meines Zivildienstes auf einer ontologischen Station durch den täglichen Kontakt mit Krebskranken sehr demütig geworden bin und erkannt habe, was für einen hohen Wert Gesundheit darstellt. Diese Ansicht habe ich mir auch im Grunde bis heute bewahrt. Und dennoch ist mein Ziel für 2018, die Tage wieder verstärkt so zu erleben, als wäre jeder neue Tag vielleicht der letzte, und dabei das große Ganze nicht aus den Augen zu lassen.

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Also: Das Loch im Zahn ist kein Problem, sondern der ganze Rest ein Geschenk; dass Menschen an meinem Geburtstag an mich denken, dass meine Kinder Humor haben und mir meine Freundin meine Schwächen verzeiht. Dass ich in meinem Leben selbst Impulse setzen kann. Dass ich einen Ausflug ins Alte Land machen und irgendwo an der Elbe Pommes essen kann, um im Anschluss nach Stade ins Kunsthaus zu fahren und mitten in der Thorsten-Brinkmann-Ausstellung zu erkennen, dass in der Kunst alles möglich ist.

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Vor allem Lebensfreude. Dass ich mich mit dem, was ich tue, mache, sage und denke, selbst regulieren kann – ohne Hilfsmittel, wie z.B. der Chill Pill (kein Scherz, war ne Werbung in der BUNTEN, in Kombi mit einem „Artikel“ über Stress, Content Marketing der schlimmsten Art, egal, ich schweife ab …).

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Niemand nimmt mich willkürlich fest, höchstens in den Arm, aber nicht auf den Arm, und das ist mehr, als ein Mann vom Leben erwarten kann. Heute Nachmittag saß ich auf unserer Terrasse, und da fiel mein Blick auf meinen kleinen Tannenbaum. Hab ihn vor Jahren als ca. 10 cm kleinen Ableger aus Schweden heim geschmuggelt. Wie der überlebt, sich klimatisiert und seine Zweige Jahr für Jahr mutiger ausgestreckt hat – das rührt mein Herz.

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Ich wünsche allen Menschen ein friedliches 2018.

 

 

 

 

25. Dezember 2017 von Gerrit
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Montage an Dienstagen

Auf Montage

Auf Montage

Die letzten Arbeitstage vor dem wohlverdienten Weihnachtsurlaub fühlen sich gar nicht so richtig nach Arbeit an. Schneide außer Haus, bei meinem netten, kompetenten Kollegen Sven. Haben uns die ersten beiden Moskau-Folgen fürs Schweizer Fernsehen vorgenommen. Alles läuft, alles ruhig, alles gut. Hab diesmal wieder ein bisschen vorgeschnitten, und ich muss sagen, es hat echt was gebracht. Sind zügig unterwegs. So bleibt mehr Zeit, um Übergänge zu bauen, mal mit der Reihenfolge zu spielen und Dinge auszuprobieren, auf die man sonst lieber von vornherein verzichtet.

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Und während andernorts der Welt das leichte Leben schwer gemacht wird, kehre ich ein bisschen vor meiner Haustür, bzw. in mich. War am Freitag im FRISE auf der Vernissage einer Freundin, was an sich schon gut und richtig war, und habe mich dort zudem noch mit einem sehr alten Künstler-Freund verabredet, den ich seit Jahren nicht gesehen habe, der aber ein wichtiger und inspirierender Teil meiner späten Jugend war.

Hier ist was los ...

Hier ist was los …

Genau genommen – und jetzt lüfte ich ein für die Literaturwissenschaft weltbewegendes Geheimnis! – , diente mir die Freundschaft zu ihm in ihren Grundzügen (ich Poet, er Maler) als Idee für meinen ersten Roman „Jugendstil“, den ich mir daraufhin am Wochenende noch mal vorgenommen habe. Und da bin ich bereits auf den ersten Seiten über eine Passage gestolpert, die mir heute so aktuell und zeitlos vorkommt, dass ich es kaum glaube konnte:

Gibt immer noch vereinzelte Exemplare bei ebay ...

Gibt immer noch vereinzelte Exemplare bei ebay …

Dass wir jetzt wieder mit Antisemitismus zu kämpfen haben, scheint angesichts unserer Vergangenheit unfassbar, aber offenbar lernen Menschen nicht generationsübergreifend aus der Geschichte. Zumindest nicht über zwei Generationen hinaus. Ja, es gibt auch Dinge, die sich gebessert haben, z. B. (das Bewusstsein für) Umweltpolitik, aber man muss der jungen Bundesrepublik leider vorwerfen, dass sie es nicht geschafft hat, sich wirklich zu entnazifizieren. Da hat die Bildungspolitik versagt, trotz 68er-Bewegung und (Hoch-)Schulreform. Und wer sagt, das läge vor allem an Ostdeutschland, dem halte ich dagegen, dass aber genau darin das Politikversagen der letzten zwei Jahrzehnte liegt.

Ich meine, vielleicht ist es auch zuviel verlangt. Vielleicht werden sich die Menschen immer Feindbilder suchen (müssen), um mit ihrer eigenen Unzulänglichkeit klar zu kommen. Und wenn es nicht die Juden sind, sind es die Flüchtlinge.

Apropos Antisemitismus – ich war ja bei dem ehemaligen Stern-Redakteur und Hitler-Tagebuch-„Entdecker“ Gerd Heidemann im Archiv. Er hat mir jetzt die Freigabe für das Foto gegeben, das ich bei ihm gemacht habe (siehe anders blog vom 03.12.2017).

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Habe allerdings mit mir gerungen, ob ich es wirklich veröffentlichen soll, da ich im Nachhinein festgestellt habe, dass er auch Medien wie region europa Interviews gibt, wo er in einer Reihe mit Frauke Petry und Thilo Sarrazin erscheint. Was ich sagen will: Mein Urteil darüber, inwieweit Heidemanns Interesse am Dritten Reich wirklich rein beruflich ist oder war (so, wie er es mir gegenüber geäußert hat), ist noch nicht abgeschlossen. Und ich sehe diesen Menschen, egal, wie bemerkenswert der Besuch in seinem Archiv war, durchaus kritisch.

13. Dezember 2017 von Gerrit
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Not(!)izen – nüchtern betrachtet

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So, erster freier Tag seit langem. Ohne Job, ohne Termine, ohne Druck. Herrlich. Genau richtig für einen ersten Advent. Die gute Nachricht ist: Ich habe die kleine Weihnachtslichterkette repariert. Die schlechte: Ich habe den ganzen Kram für den Adventskranz nicht gefunden. Maria und Josef hingen noch vom letzten Jahr über der Tür, ein bisschen peinlich, egal. Die Zeit rast eben nur so dahin, aber ich arbeite daran, dass sich das ändert (siehe unten).

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Im Moment passieren da draußen wieder viele Dinge: kleine, große, langweilige, interessante, schöne, traurige, direkt vor der Haustür und ganz weit weg. Die heftigsten Ausschläge in beide Richtungen: Der Hund meiner Schwester ist gestorben. Das ist so traurig, dass mir die Worte fehlen. Und: Ich war diese Woche zu Gast im Privatarchiv des ehemaligen Stern-Reporters Gerd Heidemann, der mir erstens Auszüge aus seiner unfassbaren Sammlung gezeigt und erläutert hat, und mir zweitens noch einmal über Stunden die Geschichte der (von Konrad Kujau gefälschten) Hitler-Tagebücher erzählt hat, die er damals für den Stern „aufspüren“ sollte. Oder wollte. Von dieser Geschichte existieren ja bis heute viele Versionen. Die von Heidemann habe ich also noch mal persönlich serviert bekommen. Er hat mir unter anderem ein paar Einzelseiten von Kujau vorgelesen, auf denen sich „Hitler“ (also Kujau) mit der Endlösung beschäftigt, und das dann beim Lesen (angeblich haben diese Seiten erst zwei Leute außer mir gesehen) noch kommentiert, ich muss gestehen, es ist mir zunehmend schwerer gefallen, die journalistische Distanz zu wahren, so ambivalent, spannend, verrückt und natürlich zugleich inhaltlich-indiskutabel war das.

Mal unabhängig von allen juristischen und moralischen Bewertungen, war das, ehrlich gesagt, einer der interessantesten Termine seit langem. Und das Archiv einer der interessanten Orte überhaupt. Frage mich immer noch, wie man so eine Sammlung an Original-Dokumenten zusammentragen kann. Durfte ein Foto machen, musste ihm aber versprechen, es nicht zu veröffentlichen. Bemühe mich gerade um eine Freigabe.

Merke jedenfalls unterm Strich, dass der Plan, an meiner Einstellung zu arbeiten (s. Blog-Eintrag vom 20.11.), mehr oder weniger greift. Also, eher mehr. Schaffe es, einen Schritt zurückzutreten und mich auf die wesentlichen Dinge zu konzentrieren. Familie. Meine Beziehung. Meine Kinder. Mein Ich. Auch wenn man diesen zentralen Lebensthemen nie hundertprozentig gerecht wird. Weil man sich manchmal entscheiden muss. Weil manchmal immer jemand kurzzeitig auf der Strecke bleibt. Weil man sich nicht zerreißen kann.

Das ist das Wichtigste: Anzuerkennen, dass man sich nicht zerreißen kann und aus diesem Wissen heraus die beste Entscheidung zu treffen. Und dass man anderen nicht helfen kann, wenn man sich selbst vernachlässigt.

Was mir im Alltag ebenfalls hilft, ist die Erkenntnis, dass es besser ist, sich über das freuen, was man hat, als dem hinterher zu hecheln, was man (noch) nicht hat. Erstens macht es zufriedener, zweitens vergeht die Zeit nicht so schnell. Weil man sich mehr Zeit für das „Jetzt“ nimmt.

Durchblicken, statt fern sehen

Durchblicken, statt fern sehen

Außerdem führt die neue Aufgeräumtheit dazu, dass man wieder offener für neue Themen wird. Habe gestern Abend eine Böll-Doku auf 3SAT gesehen, die mir sehr gefallen hat. Seine kritischen Gedanken über die Kirche, obwohl er selbst durchaus ein gläubiger Mann war. Die Frage, warum beide Kirchen den Nationalsozialismus zugelassen haben!? Die Flucht nach Irland, weil ihm in Köln das Leben zu anstrengend war. Ebenso die ständige Geldnot, bevor der Erfolg kam. Man weiß viel zu wenig über diese großen Denker, und ich kann nur hoffen, dass es Sender wie 3SAT immer geben wird.

War jedenfalls im Anschluss total wach in der Birne, im weiteren Verlauf auch ein bisschen berauscht von meinem Feierabendbier, was schließlich eine sehr energetische Mischung ergab. Hab wie wild Notizen gemacht – und muss jetzt mal bei Gelegenheit schauen, was davon wirklich wichtig ist. Also, nüchtern betrachtet. Ihr könnt ja schon mal anfangen …

Ein Blick

Ein Blick

Einen Satz von Böll habe ich schon verifiziert: „Die Sprache kann der letzte Hort der Freiheit sein.“

Ein guter Anfang.

Fürs Ende.

 

 

 

03. Dezember 2017 von Gerrit
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Fest-Einstellung

Ich wollte hier und heute mal feststellen, dass es sich mitunter lohnt, an seiner Einstellung zu arbeiten. Dass das Leben schön ist. Zumindest mein Leben. Und dass ich das mal laut und deutlich aussprechen wollte, weil dieses Gefühl ganz gerne mal unter dem alltäglichen, kleinen, aber auch unter dem weltpolitischen, großen Wahnsinn erstickt.

Nachdem ich vorletzte Woche tatsächlich beinahe vor dem ausstehenden Arbeitspensum kapituliert hätte, habe ich zu Beginn der letzten Woche kurz inne gehalten, meinen Blick geschärft (womöglich auch einfach die Perspektive gewechselt) und mich einmal kurz zurück auf den Boden der Tatsachen geholt.

Mannaugengroß

In Zeiten, in denen Politiker nicht zusammenkommen und Frauen offenbar immer noch entsetzliche Männergeschichten zu erzählen haben, ist mir in einem Moment höchster Anspannung mal wieder klar geworden, wie einfach und reich mein Leben im Grunde ist. Dass ich viel erlebe, geliebt und geschätzt werde, dass ich gute Vorbilder hatte, keinen Hunger erleiden und nicht unter einer Brücke schlafen muss. Dass ich nur Filme mache und keine Leben retten muss. Schon gar nicht mein eigenes. Dass man nachhaltig leben kann und bestimmte Gedanken bei den Nachkommen durchaus auf fruchtbaren Boden fallen.

Katerwetter

Dass jedem Augenblick etwas Magisches anhaftet, und Mitmenschen freundlicher werden, wenn man mit gutem Beispiel vorangeht. Wenn man sich und den Dingen, mit denen man beschäftigt ist, nicht mehr Bedeutung beimisst als nötig. Ja, es klingt simpel, aber die Dinge werden wirklich leichter, wenn man sie nicht so schwer nimmt.

alienhunter

#Miniaturwunderland

Das Leben steckt voller Überraschungen, und um diese zu entdecken, muss man nicht bis ans Ende der Welt fahren. Manchmal reicht ein Besuch mit dem Sohn und einem guten Freund im Miniatur-Wunderland. Oder man fährt mit der Freundin nach Münster und zeigt ihr seine alte Heimat: den Markt auf dem Domplatz, das Wilsberg-Antiquariat, in dem man als Student wirklich seine Bücher gekauft hat und nun für kleines Geld – blind – wieder eines ersteht, welches sich später im Hotel als gut erweist. Geht weiter zu „Medium“, der anderen Konsum-Falle von damals, in der man viele Lieblingsautoren erst entdeckt und für den Nachschlag im Gegenzug die eine oder andere überhörte CD in Zahlung geben musste. Lässt Erinnerungen zu, heitere und bewegende, weil sie einen prägen und erfüllen, trinkt später mit der Liebsten, um die kaltgelaufenen Füße wieder aufzuwärmen, im Kuhviertel eine Altbierbowle, von der sie hier zum ersten Mal hört, um den Tag als Gäste auf der Party eines alten Freundes zu beschließen.

domwilsbergmediumaltbierbowle

Mein Herz pumpt, meine Lunge atmet, meine Beine laufen, und das kann sich von einem Tag auf den anderen ändern. Ich wäre schön blöd, wenn ich dafür nicht jeden Tag aufs Neue dankbar wäre. Warum andere Menschen Leid erfahren, entscheidet sich nach Regeln, die ich nicht verstehe und erst recht nicht beeinflussen kann. Ich spiele mein Spiel auf einem anderen Feld, sicher verstaut im Spieleparadies, in einem warmen Zimmer, auf einem festen Tisch mit vier starken Beinen, die bis zum Boden erreichen, während andernorts Figuren und Bretter reihenweise durch den Raum fliegen.

Ich bin Herr über meinen nächsten Zug
Mensch, ärgere Dich nicht
so viel
für heute

20. November 2017 von Gerrit
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Reflektionen

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Aktuell kann man in einer knappen Stunde (beinahe) ein komplettes Studium der Kultur-, Wirtschafts-, Politik- und vor allem Medienwissenschaften absolvieren.

Wie?

Zunächst sollte man sich noch einmal den SPIEGEL-Artikel aus dem Heft Nr. 41 vom 07.10.2017 über das öffentlich-rechtliche-Fernsehen auf den Schirm rufen. Der Artikel mit dem Titel „Bildstörung“ enthält eine kritische Bewertung der On- und Offline-Tätigkeiten von ARD und ZDF. Es ist anzunehmen, dass die Verantwortlichen beider Sender nicht erfreut über den Inhalt des Artikels gewesen sind.

Gestern Abend nun hat das ZDF zurückge … äh, … sendet. Sicher (k)ein Zufall!? Speerspitze Jan Böhmermann ist in die SPIEGEL-Provinz „bento“ einmarschiert.

Ich halte mich an dieser Stelle inhaltlich aus guten Gründen zurück. Aber wer sich mit beiden Seiten vernünftig auseinandersetzt, bekommt ein sehr klares Bild davon, wie moderner Journalismus „funktioniert“, bzw. mit welchen Herausforderungen er aktuell und mittelfristig zu kämpfen hat.

Ich erlaube mir eine persönliche Anmerkung: Öffentlich-rechtliches Fernsehen darf, meines Erachtens, nie verschwinden. Doch die dazugehörigen Sender müssen sich ständig überprüfen und ggf. auch hier und da neu erfinden. Öffentlich-rechtliches Fernsehen trägt eine Verantwortung für die Gebühren und muss von sich aus so gut sein, dass es gar nicht erst Gefahr läuft, grundsätzlich in Frage gestellt zu werden.

27. Oktober 2017 von Gerrit
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Stolpersteine

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Die ersten Tage der AfD im Bundestag und schon wird es uncool. Ärgerlich! Und: Im neuen Dresdner Tatort, der am 12.11. läuft, wurden offenbar die Outifts von Statisten mit einschlägigen, rechten Symbolen versehen, die Szene hinterher gekürzt und plötzlich standen die „Nazis“ unkommentiert und unmotiviert als freundliche Helfer im Film da. Und der MDR rieb sich die Augen, als Journalisten sie nach dem Vorab-Screening verwundert darauf hinwiesen.

Man fragt sich, wie das sein kann, dass die Rechten (jetzt auch bei uns) wieder so präsent sind. Bin in der Mittagspause ein bisschen durch den neuen Lohse-Park geschlendert und habe mir u. a. über genau diese Frage den Kopf zerbrochen, als ich plötzlich vor dem Denkmal „Hannoverscher Bahnhof“ stand, das mit einer eindrucksvollen Ausstellung von Fotos und Dokumenten daran erinnert, dass von diesem Ort aus im Dritten Reich Deportationszüge in die Konzentrationslager abgefahren sind. Starke Exponate aus einer Zeit des systematischen Grauens. Man müsste jeden deutschen Bürger in diese Ausstellung schleusen. Vielleicht würde es ein bisschen helfen. Oder Promis einspannen.

Spieler des Fußballvereins Lazio Rom haben sich am Sonntag in Anne Frank-T-Shirts warm gemacht, nachdem „Fans“ das jüdische Mädchen zuvor verhöhnt hatten. Merkwürdigerweise war die heutige Daily Goal Challenge bei Score ausgerechnet ein altes Lazio-Spiel. Zufall?

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Ansonsten wirbt Thomas Müller im aktuellen Kinder-Spiegel für mehr Bewegung, während er selbst gerade verletzt pausieren und zusehen muss, wie sich seine Bayern glücklich in die nächste Pokalrunde kämpfen.

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Hatte übrigens vor ein paar Tagen interessanten Kaffee-Besuch meines alten E-Jugend-Trainers (und heutigen Marketinggeschäftsführer von Werder Bremen) Klaus Filbry. Wir haben uns fast 30 Jahre nicht gesehen. Ich war auch ein bisschen nervös, zumindest nervöser als vor meinen Interviews, die ich normalerweise für den Job mache. Wie heißt das in der Kommunikationslehre? Beziehungsaspekt? War jedenfalls ein sehr anregender Austausch. Ist immer wieder unbezahlbar, mit sympathischen Menschen über Fußball zu sprechen, die auch etwas davon verstehen und obendrein noch andere Einblicke haben. Musste allerdings auch etwas schlucken, als mir klar wurde, dass ich bei unserem letzten Gespräch noch ein Kind war.

26. Oktober 2017 von Gerrit
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Bin gerade Strohwitwer. Freundin weg, Kinder weg, ich hier. Einer muss sich ja um die Kater kümmern. Nein, nein, alles gut, ich hätte mitfahren können, aber ich hab tatsächlich die nächsten Tage jobmäßig zu tun. Außerdem finde ich jetzt vielleicht sogar mal Zeit, durch meine Notizen zu schauen und mir zu überlegen, welches literarische Projekt ich als nächstes starte. War ja noch nie als Autor auf der Frankfurter Buchmesse. Lange war das ein schönes Ziel, jetzt, da auch diese Veranstaltung von Neonazis unterwandert wird, hat es ziemlich an Reiz verloren, aber gut, vielleicht lernen die Organisatoren daraus für die nächsten Jahre.

Komme also ein wenig zur Ruhe. War gestern im Dorf, auf dem Markt. Und beim Uhrmacher, hab drei Uhren hingebracht und eine halbe Stunde später wieder abgeholt. Zwei neue Batterien, ein neues Armband, einen Uhrdeckel repariert, alles zusammen für 37 Euro, aber ich hab das Gefühl, plötzlich drei neue Uhren zu besitzen.

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Ich liebe es, ab und zu wirklich nachhaltig zu handeln, wenn sich denn schon mal die Gelegenheit bietet. Habe abends, parallel zur Bundesliga, gleich noch meine Buffer geklebt, obwohl ich kurz mit dem Gedanken gespielt habe, mich in meiner kleinen „Einsamkeit“ mit einem neuen Paar Fußballschuhe zu entschädigen. Bin froh, dass ich es nicht getan habe. Außerdem bin ich auch nicht ganz alleine. Die Kater sind ja da und freuen sich, dass ich wenigstens hier bin. War ja in letzter Zeit viel unterwegs. Und ich freu mich auch, obwohl sie gestern in aller Herrgottsfrühe dermaßen durchs Wohnzimmer getobt sind, dass ich ihnen beinahe das Fell über die Ohren gezogen hätte.

Doch zwischendurch wird es schon sehr still. Musste ein paar Mal daran denken, dass es viele Menschen gibt, die jeden Tag alleine sind. Ich merke das schon an Tag 2, dass man plötzlich dazu tendiert, Dinge, die man denkt, laut auszusprechen, um die Stille zu brechen. Hab den Fernseher an, arte, zur Beruhigung. Bin beim Frühstück in einem Film gelandet, der schon Freitagabend lief: „Die Tage unter null“, mit Marie-Sophie Ferdane und Mehdi Nebbou (vielen bekannt als der „Trivago“-Mann). Bin am Freitag jedenfalls schon beim Ende vor Begeisterung ausgeflippt, hab meiner Freundin die letzten zwei Minuten drei Mal vorgespielt, obwohl sie eigentlich Koffer packen musste.

Der Film erzählt, kurz gesagt, die Geschichte zweier Menschen, die sich am Ende begegnen. Im Off beginnt ein Dialog, der – aus der Nachbetrachtung – erzählt, was in beiden in diesem Moment vorgegangen ist. Das heißt, man weiß ganz am Ende, dass sie sich offenbar kennen gelernt haben und nun ein Paar sind, obwohl der Film auf der erzählten Zeit-Ebene genau davor aufhört. Allein das wäre schon ein schöner dramaturgischer Kniff, doch durch die Bildsprache des Kameramannes Matthieu Poirot-Delpech wird es zu einem Stück Filmkunst. Ich bin ja auch ein großer Fan von Spiegelungen (arbeite ja auch bei SPIEGEL TV, haha), aber hier ist es wirklich außergewöhnlich gut in Szene gesetzt und montiert. Der Film läuft noch bis zum 21. Oktober in der arte-Mediathek. Kann ich nur empfehlen.

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Snapseed-Bearbeitung: Gerrit Joens-Anders Copyright des Originals: Arte France, Scarlett Production

15. Oktober 2017 von Gerrit
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Trans fair

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Am Moskauer Flughafen Sheremetyevo gibt es diesen Transferbereich, zwei lange Gänge parallel, die nur durch eine Glasscheibe getrennt sind. Auf der einen Seite kommen die Leute an, auf der anderen fliegen sie wieder ab. Sie gehen in entgegengesetzte Richtungen, und jedesmal, wenn ich ankomme, schiele ich neidisch auf die Abreisenden auf der anderen Seite und wünsche mir, ich hätte meinen Job bereits hinter mir.

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Andererseits liebe ich es, am Tag des Abflugs an der anderen Seite des Flures auf einem der Sitze Platz zu nehmen und die vorbeieilenden Menschen zu beobachten. Deswegen komme ich meistens immer etwas früher. Da sitze ich dann und reflektiere die letzten Tage. Und manchmal kann ich mich regelrecht zurückziehen hinter meine Fassade, wie hinter Burgmauern. Oder, besser gesagt, wie hinter die Holzvertäfelung einer schwedischen Blockhütte. Dann kann ich ziemlich empathisch werden, betrachte wildfremde Menschen und könnte beinahe vor Rührung seufzen, sie müssen nicht einmal etwas Besonderes veranstalten – ein altes Paar auf Reisen oder ein junges, ein Junge, der seiner Mutter die Tasche trägt, eine Tochter, die die Hand des Vaters nimmt …

Und dann versetze ich mich in diese Menschen hinein, schlüpfe in ihre Rolle, weiß von einer Sekunde auf die andere, wie es wäre, der Mann dieser Frau zu sein. Oder die Ehefrau des Mannes. Wie es in ihrer Wohnung aussieht, was der Arzt gesagt hat, warum ihre Kinder nicht mehr so oft zu Besuch kommen, kenne ihre Träume, ihre Ängste, im Ernst, ich hab dann manchmal das Gefühl, die Summe aller Leben zu sein.

Und dann kommt man wieder zuhause an und liest, dass die USA und Israel aus der Unesco ausgetreten sind, und deine Freundin erzählt dir von einem „Monitor“-Bericht, der besagt, dass heute noch ein Großteil der Elite in Ostdeutschland aus Westdeutschen besteht, und die Ostdeutschen da völlig unterrepräsentiert sind, und dann stellst du fest, dass du dich da auch schon viele Male hinversetzt hast in die Lage derer, um das Dilemma zu verstehen, und dass das schon verrückt ist, dass wir es offenbar in einigen Fällen besser hinkriegen, Menschen vom anderen Ende der Welt zu integrieren als unsere eigenen Landsleute, und dass ein erster Schritt vielleicht sein könnte, sich nicht mehr über deren Dialekt lustig zu machen …

Und bevor man dann richtig schlechte Laune kriegt, betrachtet man seine Freundin, die man ein paar Tage nicht gesehen hat, – und kriegt prompt wieder gute.

13. Oktober 2017 von Gerrit
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Ausdrucksstärke

 

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Sitze gerade in einem Hotelzimmer in Moskau und warte darauf, dass ich rausgeschmissen werde. Draußen gießt es in Strömen. Hier klopft der Winter schon an die Tür.

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Bin für zwei Drehtage rüber geflogen. Ein bisschen verrückt, war aber wohl die richtige Entscheidung.

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Haiaquarium oder Flugzeugfenster?

Im Moment passieren so viele kleine Dinge, dass ich eigentlich vollzeitmäßig bloggen könnte. Oder Tagebuch schreiben. Jeden Tag ein neuer Gedanke, der mir durch den Kopf schießt und mir hilft, das große Ganze ein bisschen besser zu verstehen.

Und viele kleine Dinge entpuppen sich eigentlich als großes Geschenk.

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Im Positiven wie im Negativen. Waren am Wochenende ein letztes Mal am Stall, um die letzten Sachen zu holen. Da habe ich erst gemerkt, wie sehr mir diese kleinen Ausflüge aufs Land gefallen haben.  Wie sehr die kleinen Bastel- und Reparaturarbeiten zu meinem inneren Gleichgewicht beigetragen haben.  Zu meinem Selbstverständnis als Mann, so bescheuert es klingt. Von den kleinen Streicheleinheiten mit den Pferden mal ganz abgesehen.

Aber, wie gesagt, auch im Positiven: War nämlich letzte Woche auch in der Elbphilharmonie, zum ersten Mal. Der Sohn der besten Freundin meiner Mutter hat dort gesungen, so sind wir an Karten gekommen.

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Auf dem Programm stand das Requiem von Mozart, das der Komponist ja selber nicht fertigstellen konnte, weil er schon todkrank war. Seine Frau Constanze hat dann einen zweiten Komponist gesucht, der das Werk fertigstellen könnte. Das hat uns ein junger Mann vor dem Konzert in einer Art Einführung erläutert, und als ich das hörte, musste ich sofort an den kleinen, unvollendeten Roman „Bilder deiner großen Liebe“ von Wolfgang Herrndorf denken, den ich jetzt gerade gelesen habe, wo es ja genauso um eben diese Frage ging, ob es einen zweiten Autoren gäbe, der in der Lage wäre, die Geschichte von Herrndorf, der ebenfalls schon sehr krank war, weiterzuschreiben. In diesem Fall hat man sich dagegen entschieden, anders als bei Mozart.

Überhaupt war diese Einführung sehr interessant, weil es da auch um musikalische Einflüsse Mozarts ging, ein Spezialthema von mir. Man denkt ja immer, die Genies erschaffen ihre Kunst aus dem Nichts, aber wie ich schon mal in „Jugendstil“ schrieb: Jedes Buch hat sein voriges.

Außer vielleicht der Bibel.

Letztlich geht es wohl immer um die Qualität und Neuartigkeit der Weiterführung. Da war Mozart allerdings zugegebenermaßen weit vorne. Ein „Vor-Bild“ gewissermaßen, um im … äh, … Bild zu bleiben.

12. Oktober 2017 von Gerrit
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Na, Tour

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Vier wunderschöne freie Tage mit der Familie in Schleswig-Holstein verbracht. Immer wenn man Zeit mit der Familie verbringt, merkt man erst, wie wichtig das eigentlich ist, beziehungsweise wie unwichtig alles andere. Auch wenn man es nicht schafft, immer alle Liebsten unter einen Hut zu bringen.

Lasse mich gerade wieder auf eine sanfte Art von bestimmten Inhalten in bestimmte Richtungen drängen. Lese zwischendurch diesen letzten, kleinen, unvollendeten Roman „Bilder deiner großen Liebe“ von Wolfgang Herrndorf. Einfach schön, die geraden Sätze, aber vor allem die ungeraden Gedanken.

Parallel habe ich mir außerdem ein Buch des Kirchenkritikers Martin Urban vorgenommen. Urban kritisiert die evangelische Kirche, weil sie eben keine Reformkirche mehr sei, sondern zunehmend fundamentalistisch. Das Interessante daran ist auch, dass Gerhard Roth das Vorwort geschrieben hat, ein relativ bekannter Hirnforscher und Konstruktivist. Hatte jedenfalls schon auf den ersten Seiten eine helle Sekunde, in der mich plötzlich beim Lesen das Gefühl packte, die Verbindung zwischen kognitiver Autonomie und dem ewigen Leben, bzw. der Seele für mich ableiten zu können. War dann aber doch nix. Egal, daran sind aber wohl schon einige andere vor mir gescheitert.

Herrndorf hat zu dem Thema einen schönen, schrägen Gedanken verfasst, den seine Protagonistin Isa auf ihre unnachahmliche Art formuliert: „Im einen Moment denkt man, man hat es. Dann denkt man wieder, man hat es nicht. Und wenn man diesen Gedanken zu Ende denken will, dreht er sich unendlich im Kreis, und wenn man aus dieser unendlichen Schleife nicht mehr rauskommt, ist man wieder verrückt. Weil man etwas verstanden hat.“ (S. 106)

Das Verrückte, wenn ich in Schleswig Holstein bin, ist, dass ich denke, ganz viel Zeit sei vergangen und gleichzeitig wieder überhaupt keine, weil viele Dinge immer noch ganz ähnlich sind, viele Wege noch dieselben, und wenn ich sehe, wie meine Söhne nun in dem Alter, in dem ich damals war, bestimmte Wege gehen, füllen sich meine Augen mit Wasser.

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Vielleicht bin ich auch bloß überarbeitet.

Hatte noch nie zuvor das Gefühl, dass einen seine „Frei-Zeit“ so unter Druck setzen kann. Das muss (s)ich im nächsten Jahr ändern. Es kann nicht sein, dass Luxusprobleme zu alltäglichen Problemen auswachsen.

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Danke dem Himmel, dass meine Söhne noch so ein Faible für die Natur haben. Waren am Wochenende zweimal am Langsee, nicht bei bestem Wetter, aber egal. Die großen Bäume, das Rauschen der Blätter, das Plätschern des Wassers – da kann man zum Existentialisten werden. Oder zum Naturphilosophen. Es wirkt tatsächlich so, als stecke in jedem alten Baum ein Geist, und das hat nichts mit Konstruktivismus zu tun. Oder vielleicht gerade doch?

04. Oktober 2017 von Gerrit
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